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Der schlauste Mann und sein Albtraum -  Attila Geole

Der schlauste Mann und sein Albtraum (eBook)

Eschbach-Variationen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5559-5 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
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Der schlauste Mann und sein Albtraum ist ein Reader mit Science-Fiction-Erzählungen, die sich eng an Vorbilder von Andreas Eschbach anlehnen. Er enthält packende Erzählungen über Künstliche Intelligenz, Zeitreisen, dystopische Visionen und fantastische Welten, inspiriert von einigen der spannendsten Ideen der modernen Science Fiction. Wie wäre es, wenn die KI dein ganzes Leben arrangiert, sodass dir keine Entscheidungsfreiheit mehr bleibt? Wie gut kennen sich zwei Menschen, die nach wenigen Tagen Bekanntschaft gemeinsam mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit und wieder zurück gereist sind? Wie kommt ein Mensch mit seinem Leben zurecht, wenn er eingefroren war und dann nach mehreren Generationen wieder auftaut? Jede Geschichte greift ein bekanntes Motiv auf und entwickelt es weiter, überraschend und mit einer ganz eigenen Perspektive. Eine Empfehlung für alle, die gerne über das Mögliche und Unmögliche nachdenken!

Attila Geole ist ein Pseudonym von Gerhard Etzel. Er war lange Jahre als Coach und Trainer für Führungskräfte großer Unternehmen tätig. Unter seinem echten Namen sind zahlreiche Fachpublikationen entstanden und zwei Kriminalromane. Als Attila Geole schrieb er den Science-Fiction Roman "Siegfried muss sterben", der hier bei BoD erschienen ist. Außerdem gibt es eine Kurzgeschichte "Writing tomorrow", erschienen im Exodus Science-Fiction Magazin.

Cannery


Diese Story ist inspiriert von zwei Geschichten aus Andreas Eschbachs Reader. Die erste, Jenseits der Berge, handelt von einem Volk, das durch Drachen bedroht ist. In meiner Version sind es keine Drachen, sondern …

Die zweite Geschichte, die ich benutzt habe, ist Well done.

 

An der Uni entschied ich mich, vergleichende Kulturwissenschaft zu studieren, sehr zur Überraschung meiner Familie. Als Jugendlicher hatte ich mich ausschließlich für die Entwicklung neuronaler Netze und künstlicher Intelligenz begeistert. Doch dann ereignete sich die große Katastrophe.

Eine fehlgeleitete KI, die jegliches Verantwortungsbewusstsein für das Wohlergehen der Menschheit vermissen ließ, setzte die weltweit gehorteten Arsenale der Zerstörung frei. Dieses Ereignis veränderte alles. Die Welt war nicht mehr dieselbe wie vorher. Aber in einigen Regionen gab es immer noch so etwas wie Zivilisation.

Auch mein Land war vergleichsweise wenig in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier gab es, wie in einigen anderen Ländern, nach der Katastrophe noch eine ausreichende Lebensgrundlage. Aber erst seit Kurzem gab es Nationen, deren technische Entwicklung so weit fortgeschritten war, dass sie wieder funktionierende Maschinen bauen konnten.

Auf der Karte der Erde gab es allerdings noch viele Bereiche, über die absolut nichts mehr bekannt war. Hatte dort jemand überlebt? Wenn ja, wie lebten die Menschen dort?

Es wurde mir klar, dass technische Perfektion ohne ethische und soziale Verantwortung eine gefährliche Illusion ist. Deshalb beschloss ich, alles über das soziale und kulturelle Alltagsleben der überlebenden Restbevölkerung zu lernen – sowohl aus gegenwärtiger als auch historischer Perspektive. Mein Ziel ist es seither, aktiv daran mitzuwirken, dass sich eine solche Katastrophe nie wiederholt.

***

Das große, matt schwarz glänzende Ungeheuer mit seinen breiten Flügeln tauchte plötzlich am Abendhimmel auf. Es wurde Nacht, als hätte es das Licht verschluckt. Lautlos, unheimlich schwebte es heran, flog in einem weiten Kreis um Briam und seinen Freund Leon herum. Die Kreise wurden enger. Eine Stille breitete sich aus, so tief, dass es Briam den Atem raubte. Und dann – wie aus dem Nichts – schwebte ein längliches, silberhell glänzendes Netz herab. Es senkte sich über Leon, der sich etwas entfernt von Briam flach ins hohe Gras gedrückt hatte. Briam spürte nur die Kälte des Netzes. Panik durchfuhr ihn, als er sah, wie sich das Netz um Leon schloß und ihn förmlich in die Luft riss. Sein Körper wurde unnatürlich schnell zu dem Ungeheuer gezogen. Mit einem bedrohlichen Fauchen öffnete sich eine hell strahlende Luke – und Leon war weg. Verschluckt. Für immer.

Briam blieb wie erstarrt zurück, sein Herz hämmerte in der Brust. Sie hatten Leon geholt. Wieder einer. Die Fremden kamen, wann sie wollten – und jedes Mal nahmen sie einen Menschen mit. Heute war es Leon gewesen. Ein leises, fast zufriedenes Knurren kam aus dem Ungeheuer, als ob es mit seiner Beute zufrieden sei. Briam lag wie gelähmt da, unfähig sich zu rühren, bis das Knurren nachließ und das Monster plötzlich verschwunden war, als hätte es nie existiert. Nur die Kälte der feuchten Wiese unter ihm und die erdrückende Stille der Nacht blieben zurück.

Sein Körper bebte vor Angst und Erschöpfung. Tränen brannten in seinen Augen, als er mühsam den Kopf hob. Das Ungeheuer war fort, doch die Bedrohung hing noch schwer in der Luft. Es war, als hätte der Himmel selbst Leon verschlungen, und Briam war entkommen – diesmal. Aber wer wusste schon, wie lange noch? Immer wieder kamen sie, und immer wieder verschwand jemand.

Mit zittrigen Beinen kämpfte sich Briam hoch, seine Muskeln brannten. Der Wind, der von den steilen Bergen herüberwehte, schnitt wie Eis durch seine Kleidung. Jede Faser seines Körpers schrie nach Ruhe, aber er wusste, er durfte nicht stehen bleiben. Nicht jetzt. Er musste das Dorf erreichen. Vielleicht würden sie heute Nacht noch einmal kommen, vielleicht noch mehr Menschen holen.

Briam kämpfte sich durch die morastige Wiese, jeder Schritt schien ihn Kraft zu kosten, die er kaum noch hatte. Endlich tauchten die Lichter des Dorfes auf, und er stolperte erschöpft zur Tür des Versammlungshauses. Drinnen packten ihn helfende Hände und zogen ihn in die Wärme. Stimmen flüsterten um ihn herum: »Briam ist entkommen. Er lebt…«

***

Als Kulturwissenschaftler weiß ich, dass wir uns nicht nur mit kulturellen Phänomenen auseinandersetzen müssen, sondern auch mit deren statistischen und analytischen Grundlagen. Unser Professor hatte uns gleich zu Beginn des letzten Semesters vor dem Abschlußexamen über einen neuen Staat in Mittelamerika, Ads-Theka genannt, berichtet. Es seien verstärkte Aktivitäten zur Entwicklung eines neuen Flugzeugs beobachtet worden. Diese Fluggeräte waren der restlichen Welt noch völlig unbekannt. Ads-Theka war ein hermetisch abgeschotteter Staat, der kaum verlässliche Informationen nach außen dringen ließ. Diese Geheimniskrämerei beunruhigte die umliegenden Staaten. Es war klar, dass hier etwas vor sich ging, was das Potenzial hatte, nicht nur das Leben dort, sondern weltweit zu beeinflussen.

Nach meinem Examen hatte ich eine Stelle im Amt für Kulturelle Angelegenheiten bekommen. Schon bald spürte ich den Drang und die Notwendigkeit, der Sache mit den Fluggeräten auf den Grund zu gehen. Ich überredete meine Behörde, mich als Kulturbotschafter nach Ads-Theka zu entsenden. Meine Absicht war klar: Ich wollte nicht nur verstehen, was dort geschah, sondern, falls notwendig, die Welt vor einer weiteren Bedrohung warnen. Nach einigem Hin und Her wurde ich schließlich auch von Ads-Theka als offizieller Vertreter meines Staates akzeptiert und konnte aufbrechen.

Vor Ort verhielt ich mich vorsichtig. Ich wusste, dass das, was ich tat, nicht ohne Risiko war. Aber die Verantwortung, der ich mich verschrieben hatte – zu verhindern, dass erneut eine Bedrohung dieser Dimension die Menschheit gefährdet – gab mir die Kraft, weiterzumachen. Nach einiger Zeit hatte ich recherchiert, wo die Fluggeräte getestet wurden. Doch die Menschen dort waren verschlossen, jeder Versuch, Informationen über die verfolgten Ziele dieses neuen Flugzeugtyps zu erhalten, scheiterte. Niemand war bereit, darüber zu sprechen.

Dann erinnerte ich mich an die Lektionen aus meiner Statistik-Vorlesung: Datenanalyse, Mustererkennung, statistische Korrelationen. Diese Methoden könnten mir helfen, das Rätsel zu lösen, ohne dass ich direkt auf die Beteiligten angewiesen war. Ich analysierte die Daten aller Sichtungen dieses Fluggeräts in der bekannten Welt und stellte fest, dass Ads-Theka seine Bevölkerung stets einen Tag vor einer Sichtung irgendwo auf der Erde vor einem extremen Naturereignis im eigenen Land warnte – Unwetter mit rasendem Sturm, Blitzen und ohrenbetäubendem Donner. Es war streng verboten, bei einer solchen Warnung die eigene Wohnung zu verlassen. Jede dieser Warnungen fiel exakt mit den Sichtungen der Flugzeuge zusammen. Der Schwerpunkt des Unwetters war immer im weiten Umfeld des Versuchsgeländes.

Es war klar: Diese Ereignisse waren keine Zufälle. Sie waren Teil eines gut gehüteten Geheimnisses. Als die nächste Warnung herausgegeben wurde, beschloss ich, das Versuchsgelände aufzusuchen. Mein Handeln kann man als leichtsinnig bezeichnen, denn es galt ja das Verbot, die Wohnung zu verlassen. Doch ich wollte das Risiko eingehen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

***

Briam wusste, dass das Grauen nicht vorüber war. Es war nie vorüber.

»Was ist mit Leon? Wurde er ...?«, fragte einer der Männer.

»Eines der fliegenden Ungeheuer hat ihn geschnappt. Es war nur eines, sonst hätten sie mich sicher auch mitgenommen.«

Leons Name wurde leise von einem zum anderen weitergegeben. Das Flüstern steigerte sich zu einem Wehklagen, in das sich aber auch ein erleichtertes Aufatmen mischte. Da war der Gedanke, dass die Monster nun zufrieden sein würden, hoffentlich.

»Heute ist ein Wunder geschehen«, ertönte plötzlich eine Stimme. »Zwei aus unserer Gemeinde sind verschont geblieben.«

Ein vielstimmiger Chor betete »Wir danken Yama, dem Richter der Seelen.«

Briam fragte den Mann, der neben ihm stand: »Zwei?« »Ja, Sami ist auch wieder da«, wurde ihm geantwortet.

Briam erinnerte sich, dass Sami schon lange vermisst worden war. Alle hatten geglaubt, ihn hätte ein Ungeheuer erwischt. Und jetzt war er wieder da?

»Wie konnte er so lange ohne Schutz überleben? Wie ist er dem Netz entkommen?«, fragte Briam.

»Du kannst ihm zuhören. Er sitzt da hinten und erzählt unglaubliche Dinge. Alles Märchen, wenn du mich fragst.«

Briam stand auf und ging nach hinten, wo sich eine Gruppe um einen Tisch drängte, an dem tatsächlich Sami saß.

»Ich war wirklich dort«, sagte er gerade. »Das Land liegt hinter den Bergen. Ich habe Felder, Wiesen und Wälder gesehen, riesig, grün und saftig. Ich habe wunderbar süße und...

Erscheint lt. Verlag 13.5.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
ISBN-10 3-8192-5559-1 / 3819255591
ISBN-13 978-3-8192-5559-5 / 9783819255595
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