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Miss Blacks gefährliches Geheimnis (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3166-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Miss Blacks gefährliches Geheimnis - Samantha Hastings
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'Geh zum Earl.' Nancy gehorcht ihrem sterbenden Vater und sucht ihren entfremdeten Großvater auf, den Earl of Brampton. Tatsächlich bietet dieser ihr an, sich um sie zu kümmern und sogar als Debütantin in die feine Gesellschaft einzuführen. Doch dort fühlt Nancy sich wie in einem goldenen Käfig! Bis sie dem rebellischen Lord Matthew Stringham begegnet. Sein unkonventioneller Lebensstil zieht sie magisch an, und seine charmanten Verführungskünste lassen ihr Herz schneller schlagen. Aber kann sie es wagen, ihm ihr gefährliches Geheimnis zu gestehen - dass ihr Vater ein Verbrecher war und sie selbst als Bandenmitglied die Aristokratie bestahl?

1. KAPITEL


London, England, Februar 1813

Lord Matthew Stringham ließ sich auf den Stuhl sinken und legte gähnend seine Ledermappe auf den Schreibtisch. Den größten Teil des Tages hatte er in einer Kutsche zugebracht. Die Rückreise aus Leeds hatte sich in die Länge gezogen.

Klack, schlurf, schlurf.

Klack, schlurf, schlurf.

Matthew stand auf. Eigentlich hatte er seinen eifrigen Sekretär Mr. Howitt erwartet, doch diese Geräusche stammten eindeutig von Matthews Großvater, der sich schon lange auf einen Gehstock stützte. Der alte Herr machte sich gar nicht erst die Mühe, zu klopfen, bevor er das Büro seines Enkels betrat.

„Höchste Zeit, dass du zur Arbeit erscheinst.“

„Setz dich, Großvater“, sagte Matthew und half dem alten Mann in den weich gepolsterten Sessel am Fenster. „Du wusstest doch, wo ich heute war.“

Der Großvater schnaubte und lehnte seinen Stock gegen die Armlehne. „Dampflokomotiven, ha!“

Matthew nahm wieder hinter dem Schreibtisch Platz. „Sie sind die Zukunft. Eines Tages werden sie mir ein Vermögen einbringen, das noch größer ist als deins.“

Ein müdes Lächeln umspielte den Mund des Großvaters. „Das sagst du.“

„Dampflokomotiven werden Güter und Menschen in jedes Dorf auf dieser Insel und eines Tages sogar in die ganze Welt bringen.“

„Nun, während du deinen Träumereien nachhingst, habe ich mich um unser Geschäft gekümmert“, entgegnete Großvater Stubbs. „Es scheint, dass die Horse Guards von der hervorragenden Qualität unserer Waren gehört haben. Sie sind daran interessiert, dass wir die britische Armee auf der Halbinsel beliefern.“

Matthew beugte sich vor. „Das ist großartig! Wir verdreifachen unsere Investitionen in unser Schifffahrtsunternehmen.“

„Mindestens.“

Der alte Mann strich sich über den Zipfel seines langen weißen Barts. Das tat er immer, wenn er nachdachte.

„Was ist los?“

Der Großvater schwieg einen Moment. „Ich denke, es wäre das Beste, wenn du die Verhandlungen mit dem Kriegsminister führtest. Schließlich betrachtet er dich als ebenbürtig.“

Matthew knirschte mit den Zähnen. Sein Großvater mütterlicherseits war ein wohlhabender Geschäftsmann, der seine Tochter mit dem Erben eines Herzogtums verheiratet hatte. Doch obgleich diese längst Duchess war, wurde der alte Stubbs in den feinen Kreisen nicht willkommen geheißen. Matthew, zweitgeborener Sohn eines Duke, war genauso ein Kaufmann wie sein Großvater. Er liebte es, Geschäfte zu machen und spitzfindige Verträge auszuarbeiten. Er beschäftigte sich mit denselben Dingen wie sein Großvater. Sie unterschrieben sogar dieselben Papiere.

Doch Matthew wurde von der feinen Gesellschaft akzeptiert und sein Großvater nicht. Das ärgerte ihn zutiefst.

„Der alte Rübenlutscher will also keine Geschäfte mit dir machen“, bemerkte Matthew spöttisch.

Großvater Stubbs nickte.

„Er ist ein Narr.“

„Ich weiß.“

„Für seine Überheblichkeit werde ich ihn einen Wucherpreis bezahlen lassen.“

Der alte Mann lachte. „Oh, ich weiß, Matthew. Und es erfüllt mich mit großer Genugtuung.“

Miss Nancy Black duckte sich und fluchte leise, als eine Kugel pfeifend über ihrem Kopf hinwegsauste. Jemand musste sie verraten haben. Es hatte ein unkomplizierter Diebstahl werden sollen: ein paar englische Regierungsdokumente, die an einen französischen Spion verkauft werden sollten. Die Bezahlung war gut, und das Risiko schien gering. Der Hausherr sollte erst in frühestens zwei Stunden zurück sein. Giselle hätte dafür sorgen müssen. Doch nun stand er mit einer rauchenden Pistole vor ihr. Gut, dass sie die Papiere längst eingesteckt hatte.

Bevor er nachladen konnte, stürmte Nancy auf ihn zu und riss ihn mit sich zu Boden. Rasch schlug sie ihm die Pistole aus der Hand, sprang auf und hastete auf den Gang. Das offene Fenster, durch das sie eingestiegen war, kam für die Flucht nicht mehr infrage. Schon in wenigen Augenblicken würde der feine Pinkel mit neu geladener Waffe auf sie zielen. Sie erreichte die Treppe und nahm zwei Stufen auf einmal. Die letzten vier sprang sie einfach hinunter, wobei sie den beleibten Butler umwarf, der sich ihr in den Weg stellte. Ein Kandelaber fiel scheppernd auf den Marmorboden. Sie stieß dem Butler ihren rechten Ellbogen gegen die Nase, rappelte sich hoch und rannte zur Haustür. An den Riegeln zerrend gelang es ihr, die Tür zu öffnen. Hinter sich hörte sie das Stöhnen des Butlers und ein zischendes Geräusch. Eine Kugel streifte ihren linken Arm. Sie legte die rechte Hand auf die Wunde, unterdrückte einen Schmerzensschrei und eilte auf die Straße. Sie lief zickzack durch die Stadt, bis sie die besseren Gegenden verlassen hatte. Als sie den Rand ihres Elendsviertels erreicht hatte, ließ sie sich in einer dunklen Ecke auf einen Mauervorsprung sinken und rang nach Atem. Blut durchtränkte ihren linken Ärmel und besudelte die gesamte Jungenkleidung, die sie für den Diebstahl angezogen hatte. Mit zitternden Fingern riss sie einen Stoffstreifen vom unteren Rand des Hemdes. Ein Unterkleid wäre jetzt nützlich gewesen, aber bei Einbrüchen trug sie nie ein Kleid. Es war zu schwierig, damit in ein Gebäude hineinzuklettern. Sie umwickelte die Wunde am Oberarm mit dem Stoffstreifen, den sie mithilfe der Zähne zuknotete. Vor Schmerz keuchend lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Mauer und atmete tief durch.

Jemand hatte sie verraten.

Aber wer?

Ihr Vater und sie gehörten seit fast zehn Jahren zu einer kriminellen Bande – seit Nancys vierzehntem Lebensjahr. Nur neun von ihnen waren noch am Leben: Alastair, Bones, Mick, Charles, Giselle, Lily, Peter, Vater, und sie selbst. Bisher hatte sie den anderen aus der Bande vertraut. Die Aufträge waren oft riskant gewesen, und ihr war gar nichts anderes übrig geblieben, als sich auf die anderen zu verlassen. Meist hatte sie Bettlerinnen oder feine Damen gespielt oder war wie jetzt in Jungenkleidung geschlüpft.

War Alastair wütend auf sie?

Sie schloss die Augen und zerbrach sich den Kopf. Ihr Vater hatte ihr den Plan für den Einbruch erläutert. Giselle sollte ihre weiblichen Reize einsetzen, um den Aristokraten abzulenken.

Nancy hatte sich hinter das Haus geschlichen, war bis in den ersten Stock an der Mauer hochgeklettert und hatte ein Fenster zur Bibliothek erreicht, das sich mühelos öffnen ließ. Praktischerweise lagen die begehrten Dokumente auf dem Schreibtisch. Alles war reibungslos verlaufen, bis der Hausherr plötzlich mit seiner Waffe in die Bibliothek gestürmt war.

Giselle war es wohl nicht gelungen, ihn abzulenken.

Nancy schüttelte den Kopf. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass Giselle jemals einen Fehler gemacht hatte. Hatte sie die Bande verraten?

Wenn ja, musste Nancy dringend zurück in das Zimmer, das sie sich mit ihrem Vater teilte. Wankend rappelte sich Nancy auf und schleppte sich die schummrig beleuchtete Straße entlang, bis sie das heruntergekommene Gebäude erreichte, in dem sie seit einer Woche wohnten. Das Glück am Spieltisch hatte ihren Vater in den letzten Monaten fast vollständig verlassen, und alle vierzehn Tage waren sie von einer schäbigen Unterkunft in eine noch schlechtere gezogen. Nancy hatte gehofft, dass sie mit diesem Diebstahl genug Geld verdienen würden, um sich endlich wieder ein sauberes Zimmer leisten zu können – eine Unterkunft ohne Bettwanzen, Ratten und stinkendem Abwasser vor der Tür.

Nancy umfasste ihren pochenden Arm, während sie hinter das Haus eilte. Sie befürchtete, dass an der Vorderseite jemand auf sie wartete. Ihr Zimmer lag im ersten Stock, und es gab keine Hintertreppe. Sie blickte hoch und sah, dass in ihrem Zimmer ein Licht brannte. Das Fenster stand offen. Sie zitterte, weil sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Es war kalt und windig. Ihr Vater hätte das Fenster nicht geöffnet. Das musste ein anderer getan haben, der vermutlich durch das Fenster eingedrungen war – auf ähnliche Weise wie sie in das Haus des Adligen.

Nancy holte ihr Messer heraus und klemmte es sich zwischen die Zähne. Den unversehrten Arm brauchte sie zum Klettern. Sie ignorierte die stechenden Schmerzen und legte entschlossen die rechte Hand auf einen Ziegelstein des Mauerwerks. Obwohl es ihr mit dem verletzten Arm kaum gelang, sich an der anderen Seite festzuhalten, war sie geübt genug, mit den Füßen die nötigen Kerben und Ritzen im Mauerwerk zu finden, um nach oben zu klettern. Mit letzter Kraft hievte sie sich über den Rahmen des geöffneten Fensters. Sofort nahm sie mit dem Messer eine Verteidigungshaltung ein. Sie war auf einen Angreifer vorbereitet.

Doch die einzige Person in dem Zimmer war ihr Vater.

Er lag in einer Blutlache auf dem Boden.

Nancy erstarrte, und ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken. Ihr größter Albtraum war wahr geworden. Der Einzige aus ihrer Familie, der ihr geblieben war, war tot, und ihre Bande hatte sie offenbar verraten. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, doch dann sah sie, dass sich der Brustkorb ihres Vaters ganz leicht hob und senkte.

Er war noch am Leben!

Sie ließ das Messer fallen, griff nach dem Bettlaken und drückte es auf die Wunde. Sie musste verhindern, dass er verblutete.

Ihr...

Erscheint lt. Verlag 24.6.2025
Reihe/Serie Historical
Übersetzer Mira Bongard
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora historical • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook liebesroman • Frauenroman • highlander liebesromane • Historische Liebesromane • historisch roman • Liebesgeschichte • Liebesroman • Romantische Bücher
ISBN-10 3-7515-3166-1 / 3751531661
ISBN-13 978-3-7515-3166-5 / 9783751531665
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