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Der lange Weg -  Frank Wischmann

Der lange Weg (eBook)

Ein zweiter Geburtstag, Chronologie und persönliche Einschätzungen - ausgelöst durch einen Motorradunfall
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
156 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1823-1 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
5,99 inkl. MwSt
(CHF 5,85)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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In diesem Buch wird der Weg eines Motorradunfallopfers zurück in den Alltag aufgezeichnet. Obwohl es sich nicht um ein Tagebuch handelt und thematische Schwerpunkte gesetzt werden, wird die Chronologie der Geschehnisse berücksichtigt. Eine wiederkehrende Beurteilung schließt das jeweilige Thema ab. Neben den persönlichen Eindrücken war es dem Autor ein Anliegen, alle Beteiligten zu würdigen, aus seiner Sicht die Ereignisse kritisch darzustellen und die Anstrengungen auf dem Weg in ein normales Leben aufzuzeigen.

Frank Wischmann wurde 1956 in Solingen geboren und lebt dort mit seiner Frau. Er fährt seit Jugendzeiten Motorrad. Auch nach dem Unfall verfolgt er das Ziel, wieder Motorrad zu fahren.

4 Auf der regulären, orthopädischen Station


4.1 Die Station und das Pflegepersonal


Nach 18 Tagen auf der Intensivstation inkl. der Unterbrechungen in der St. Lukas Klinik wurde ich auf die chirurgische, orthopädische Normalstation verlegt. Ich hatte das große Glück, in einem Dreibettzimmer untergebracht zu sein, das nur als Zweibettzimmer genutzt wurde, weil mein Bettnachbar Privatpatient war. Das erwies sich als echter Glücksfall, wie sich später herausstellte.

Die Betten waren angejahrt, das Zimmer recht eng. Links von der Eingangstür befanden sich drei Schränke, farblich gekennzeichnet in Übereinstimmung mit dem Bettenbereich der Patienten. Rechts des Eingangs ging es zum Sanitärbereich, d.h. zur Toilette und Waschbecken. Eine Dusche in dem Sanitärzimmer gab es nicht. Die Dusche befand sich über den Flur hinweg Richtung Ausgang Station auf der gegenüberliegenden Seite.

Es gab ein Flach-TV, allerdings keine individuellen Kopfhörer.

Die Sanitäreinrichtung war nicht funktional. Der Raum war so knapp bemessen, dass mit dem Toilettenstuhl eine Positionierung über der Toilette, ohne mit den Füßen an der gegenüberliegenden Wand anzustoßen, kaum möglich war. Eine eigenständige Positionierung durch den Patienten, der auf den Toilettenstuhl angewiesen ist, ist in dieser Konstellation nicht möglich. Denn der Deckel und der Aufsatz auf der Toilette müssen angehoben und festgehalten werden, bis die Positionierung passt. Nach dem Wegrollen knallte in meinem Fall der Kunststoffaufsatz mit einem großen Rums auf den Porzellanrand, weil die Bremse des Deckels defekt war. Dass es eine größere Zerstörung geben wird, ist nur eine Frage der Zeit.

Sitzgelegenheiten für Besucher waren nicht vorgesehen. 2 Stühle, Hocker und Tisch waren für die Patienten bereit gestellt.

Das Fenster ließ sich nur mit großer Vorsicht in die Kippstellung bringen.

Die Position meines Bettes parallel zum Sanitärbereich, Fußende Richtung Gang ließ so wenig Raum, dass bei Verlegung von Patienten mein Bett seitlich geschoben werden musste, damit das andere Bett vorbeigeschoben werden konnte. Das war der Fall, obwohl die Liegefläche meines Betts nicht ausgezogen war und ich immer schräg lag.

4.2 Die Bettnachbarn


Im nachfolgenden Abschnitt werde ich von meinen 4 Bettnachbarn unter Beachtung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte auf anonyme Art und Weise berichten. Daher bezeichne ich die Bettnachbarn mit dem Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen.

4.2.1 P


Bettnachbar P befand sich schon auf der Station, als ich angeliefert wurde. Er war etwas älter als ich und hatte einige Operationen im Bereich des Gehapparates hinter sich. Aufgrund hoher Entzündungswerte, verursacht durch eine Keimbildung im transplantierten Hüftgelenk, musste er seine schon begonnene Kur abbrechen und befand sich zur weiteren Behandlung sowie der sich dann ergebenden Nachoperation auf der Station seines „Heimatklinikums“ als Privatpatient.

Der Status „Privatpatient“ von Bettnachbar P war für mich ein Segen, da ich so in den Genuss des 2-Bettzimmers bei einer möglichen 3-Bettbelegung kam.

Da Privatpatienten Chefarztbetreuung genießen, kam an den meisten Tagen der Chefarzt oder zumindest ein Oberarzt zusätzlich zur normalen Visite. Im Rahmen dieser zusätzlichen Visiten fielen die ein oder anderen Brosamen für den Normalpatienten Wischmann ab, z,B.

„Ich habe Ihre Bilder gesehen, sieht gut aus Herr Wischmann“

oder

„Ich kürze Ihnen den Gips, ich bin der Chef“.

Mit P entwickelte sich ein reger Austausch. Trotz des Altersunterschiedes hatten wir auf der gleichen weiterführenden Schule die gleichen Lehrer gehabt. So wurden die Schuleindrücke und Anekdötchen gegenseitig berichtet und bestätigt.

P war aktiver Leistungssportler in einer Sportart gewesen, an der ich ebenfalls großes Interesse habe. Im Anschluss an seine aktive Laufbahn wurde er Trainer. Diese Aktivitäten bestanden bis kurz vor seinen Operationen. Weiterhin ist er interessiert an Fußball, als 1. FC Köln Fan. So gab es viele Gesprächsanknüpfungspunkte. P war bis zu seiner Operation selbstständig tätig, eine weitere Gemeinsamkeit, die uns verband.

Wir unterstützten uns mental, versuchten uns als alte Männer in Geduld zu üben, wenn es wieder mal keine Informationen gab und die Ungewissheit an uns nagte.

Wegen meiner Vielzahl von Verletzungen war ich 6 Wochen ans Bett gefesselt. Eine Knieorthese am linken Knie und der Gips an der linken Hand führten zu einer weitgehenden Unbeweglichkeit. Das rechte, unverletzte Bein war anfangs ähnlich schlaff wie das linke, verletzte Bein. Ich versuchte mit einem Theraband Kraft zu trainieren. P gab mir eine Vielzahl von Tipps und spornte mich an, die persönlichen Grenzen weiter hinauszuschieben. Da der Name „Quälix“ schon für einen bekannten Fußballtrainer vergeben ist, gab ich P den Spitznamen „Schleifer“.

Wir waren 24 Stunden mehr als 3 Wochen gemeinsam auf einem Zimmer. Neben den oben erwähnten Anknüpfungspunkten tauschten wir mehr und mehr Persönliches aus. Der Kontakt riss auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und dem Abschluss der Rehamaßnahmen nicht ab. Hin und wieder treffen wir uns zu einem gemeinsamen Frühstück.

Von einem Freund hatte ich u.a. das Buch von dem verstorbenen Schauspieler und Moderator Joachim Fuchsberger mit dem Titel „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ als Lesestoff erhalten. Aus diesem Buch habe ich uns viele Passagen vorgelesen. Es enthält Lebensweisheiten, mit denen wir uns identifizieren können. Fuchsberger beschreibt Situationen, die wir ähnlich erlebt haben oder aktuell im Krankenhaus erlebten.

Während der gesamten Zeit hatten wir den Fernseher nur einmal für die Bundesligaberichterstattung angeschaltet. Wir benötigten den Fernseher nicht. Abends hörten wir gemeinsam Musik, oftmals stundenlang. Mein Sohn hatte mir eine kleine Bluetooth-Box besorgt, die mittels eines USB-Sticks betrieben werden konnte. Meine Frau hatte einen Stick mit Musik vorbereitet. Aktuelle Titel bis zu den Anfängen der Rock-Musik wechselten sich ab. P und ich konnten beide mit der Musik etwas anfangen, teilweise war es eine Zeitreise in unsere Sturm- und Drangzeit. Durch die Musik wurden immer wieder Gespräche und Berichte angestoßen.

Die Titel auf dem Stick hörten wir mehrfach, bis der Akku der Box leer war oder alle Titel gespielt waren. Wir kamen auf andere Gedanken und wurden abgelenkt. Es half uns einen, Teil der GEDULD zu entwickeln, die wir alten Männer eigentlich nicht haben.

Neben der gegenseitigen mentalen Unterstützung war es praktisch, dass P beweglich war und er mir im Notfall behilflich sein konnte.

P wurde mehrfach nachoperiert. Vor seiner letzten Operation kam es zu einer - in meinen Augen – bedenklichen Gegebenheit. Im Rahmen einer Visite fiel in meiner Wahrnehmung durch eine Ärztin die Bemerkung: „Und Sie Herr S. werden heute entlassen“. Aus dem Tross wurde prompt die Korrektur des Sachverhaltes geäußert: „Nein, Herr S wird heute operiert“.

Diese Nachoperation war schlussendlich erfolgreich. Nach einigen Tagen konnte der Leidensgenosse in die Rehaklinik entlassen werden.

Wegen des gemeinsamen Interesses am Fußball gab ich P eine Lektüre mit auf den Weg: Die Biografie von Miroslav Klose, einem deutschen Fußballer und Weltmeister mit polnischen Wurzeln.

Die Zeit mit P war sehr intensiv und von einem regen Austausch begleitet. Im Laufe der gemeinsamen Leidenszeit wurde durchaus das eine oder andere Private besprochen. Wir oben erwähnt treffen wir uns gelegentlich.

Kurz nach der Entlassung von P in die Rehaklinik erhielt ich einen neuen Zimmergenossen H.

4.2.2 H


Der neue Zimmernachbar H war frisch am Knie operiert. Wie ich wahrnehmen konnte, litt er unter großen Schmerzen.

Die gemeinsame Zeit beschränkt sich auf knapp eine Woche. Auch H war fußballinteressiert und ebenfalls wie P ein Fan des 1. FC Köln.

Glücklicherweise hatte H ein Zweibettzimmer durch Zuzahlung gebucht, so dass ich weiterhin mit nur einem Bettnachbarn auf einem Dreibettzimmer lag. Ein drittes Bett, das hereingeschoben wurde, musste nach kurzer Zeit wieder entfernt werden.

Unsere gemeinsame Zeit fiel in den Zeitraum des Umbruchs bei der deutschen Fußballnationalmannschaft. Wir schauten uns die Spiele an, das deprimierende 1:4 gegen Japan und das 1:0 gegen Frankreich. Während der Spiele kommentierte D eine Vielzahl der Spielzüge lautstark recht emotional.

Im Anschluss an die Spiele diskutierten wir engagiert die möglichen Bundestraineralternativen.

H wurde schon ab dem 1. Tag nach seiner OP auf die Rehabilitation vorbereitet, er durfte aufstehen und sein Knie wurde maschinell bewegt. Allerdings ließen seine Schmerzen nur allmählich nach.

Insgesamt war die knappe Woche eine zu kurze Zeit, um Persönliches auszutauschen. Dennoch war es eine auskömmliche Gemeinschaft.

4.2.3 D


Nachdem mich H Richtung Rehabilitationsklinik...

Erscheint lt. Verlag 5.5.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-8192-1823-8 / 3819218238
ISBN-13 978-3-8192-1823-1 / 9783819218231
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