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Die Töchter von Usedom - Im Sturm der Zeiten (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
474 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-6039-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Töchter von Usedom - Im Sturm der Zeiten - Jessica Weber
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Swinemünde, Sommer 1870: Zwei Frauen, zwei Träume - eine Entscheidung, die alles verändert.

Die romantische Lina sehnt sich nach der großen Liebe, während ihre zielstrebige Cousine Ella von einer eigenen Pension an der Ostsee träumt. Gemeinsam mit der Großmutter vermieten sie Gästezimmer in ihrem kleinen Haus. Doch als Lina eine leidenschaftliche Affäre eingeht und Ellas Ambitionen von unerwarteten Gefühlen erschüttert werden, geraten ihre Pläne ins Wanken. Zwischen gesellschaftlichen Zwängen, verbotenen Gefühlen und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben müssen die beiden Frauen ihren eigenen Weg finden.

Ein bewegender historischer Roman über Liebe, Freundschaft und den Mut, für die eigenen Träume zu kämpfen - vor der malerischen Kulisse der Ostsee.

ebooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



<p>Die Kieler Autorin Jessica Weber ist gelernte Schifffahrtskauffrau und liebt es, das Meer vor der Tür zu haben. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Lektorin, Korrektorin und Sekretärin. In ihrer Freizeit fertigt sie ausgefallene Motivtorten an, ist in der Mittelalterdarstellung aktiv und reist viel, gern auch zu Recherchezwecken. Außer historischen Romanen mit und ohne Romantik schreibt sie Kurzgeschichten und liebt Gemeinschaftsprojekte mit Autorenkolleginnen. Sie ist Mitglied im Phantastik-Autoren-Netzwerk (PAN) e.V., in der Autorinnenvereinigung »Romance Alliance« und im Verband der Schriftsteller in Schleswig-Holstein e. V.</p>

Kapitel 1


Ostseebad Swinemünde, Pension Büchner, Anfang Juli 1870


Lina


Fröhliches Lachen lenkte Linas Blick hinaus auf die Straße, und sie trat näher ans Fenster heran. Die junge Frau, die gerade vorbeiging, hatte eindeutig ein Bad genommen. Und nicht etwa in einem der örtlichen Kalt- oder Warmbadehäuser, in denen Meerwasser in Wannen bereitgestellt wurde.

Nein, sie hatte direkt im Meer gebadet, das war unverkennbar. In ihrem feuchten, zerzausten offenen Haar hing noch ein Stück dunkelgrünes Seegras, ihre Wangen waren gerötet, und sie strahlte über das ganze Gesicht. Unter dem Saum ihres modischen Tageskleides schauten bei jedem Schritt nackte, sandige Füße hervor, und sie trug ein kleines Netz voller Muscheln und Steine in der einen und ihren blumengeschmückten Hut in der anderen Hand.

Sie sah so gesund und glücklich aus mit der frischen Gesichtsfarbe und der fröhlichen Miene, dass Lina einfach mit der jungen Frau mitlächeln musste. Zum Glück ging es auch deren Mutter so, die ihr entgegengekommen war und gerade noch ausgesehen hatte, als wollte sie die Tochter schelten, jetzt aber in deren Lachen einstimmte und ihr vorsichtig das Seegras aus dem Haar zupfte.

Die Familie kam aus Berlin wie so viele der Urlaubsgäste hier in ihrem schönen Ostseebad Swinemünde, das wusste Lina, denn die drei hatten sich bei den Walthers nebenan eingemietet. In ihrer Heimatstadt hätte die Aufmachung der jungen Frau als unschicklich gegolten, hier aber wurde sie hingenommen und milde belächelt, zumindest wenn es um die Urlauberinnen ging.

Lina nahm sich vor, auch bald einmal wieder ins Meer zu hüpfen, den weichen Sand unter den Fußsohlen zu spüren, den Wind im offenen Haar und das Prickeln des eisigen Ostseewassers auf der Haut, tief den frischen, salzigen Geruch einzuatmen …

»Wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?«

»Hm?« Verwirrt riss sich Lina vom Anblick der Urlauberinnen los und sah erst zu ihrer Cousine hinüber, dann hinab auf die Serviette, die sie hatte elegant auf einen Teller drapieren wollen. Stattdessen hatte sie das blütenweiße Stoffstück immer wieder in der Mitte gefaltet, bis es nun als winziges Rechteck in ihren Händen lag. Rasch schlug sie es aus, ging zurück zum Tisch und begann von vorn.

»Die kannst du nicht mehr verwenden, sie hat jetzt Knicke.« Ella nahm ihr die Serviette aus der Hand. »Meinst du, im Drei Kronen bekommen die Gäste verknitterte Servietten auf die Frühstücksteller gelegt?«

Lina nahm ein neues Tuch aus ihrem Körbchen. »Wir sind hier nicht im Drei Kronen

Ihre Cousine ließ das Argument nicht gelten. »Selbst bei Walthers würde so eine Schlampigkeit nicht vorkommen.«

Dass auch die Villa Walther nebenan in eine ganz andere Kategorie fiel als ihr eigenes Haus mit den gerade mal drei Fremdenzimmern, sprach Lina nicht aus. Es war schließlich gut, dass Ella nach Höherem strebte. Also nahm Lina die Schelte schweigend hin und hoffte, dass die Cousine das andere Thema fallen lassen würde.

Sie tat es nicht.

»Du hast geträumt, gib es zu. Wieder mal vom Theater?« Ellas Stimme klang verständnislos.

»Nein, ich –«

Ella schnalzte mit der Zunge. »Dass du dich von diesen Märchen ablenken lässt, während wir hier so viel Arbeit haben …«

»Ich erledige meine Arbeit doch, bevor ich gehe«, rief Lina lauter als beabsichtigt.

»Psst!« Ella hob prompt einen Finger an die Lippen. »Denk an die Gäste.«

Die Gäste, das waren zurzeit ein schwerhöriger ehemaliger Offizier und seine Gattin, ein frisch verheiratetes, sehr verliebtes Ehepaar aus Stettin, das nur Augen füreinander hatte, sowie ein junger, allein reisender Landschaftsmaler, der, sehr zum Ärger von Großmutter Elfriede, erst spät in der Nacht ins Haus zurückgekommen war und vermutlich noch tief und fest schlief. Sie alle würden sich gewiss nicht an einem etwas lauter gesprochenen Satz stören, aber Lina senkte dennoch die Stimme. »Großmama hat erlaubt, dass ich mir das Bühnenwerk ansehe.«

Ella verdrehte die funkelnden schwarzen Augen, musste dann jedoch lachen. »Das sogenannte ›Bühnenwerk‹ ist ein Rührstück um Liebe und Tod, wenn ich mir die Plakate so ansehe. Außerdem ist die Zeit der Wandertheater doch schon längst vorbei, jetzt, wo es überall Theaterhäuser gibt.« Sie erhob gespielt schulmeisterlich den Zeigefinger und wackelte damit hin und her. »Die wurden übrigens gegründet, weil es bei den herumreisenden Truppen an moralischem Verhalten fehlt.«

»Das ist ein gemeines Vorurteil!«

»Psst!«, machte Ella erneut. »Wie dem auch sei: Diese Truppen sind Überbleibsel aus dem letzten Jahrhundert.«

»Aber es gibt sie noch, und die Menschen lieben sie.«

»Wir müssen jedoch auf den Ruf unserer Pension achten, Lina. Sie sichert unser aller Lebensunterhalt. Was, wenn dich zum Beispiel Herr Offizier a. D. Bardenhöfer dort sieht?«

»Der reist doch heute Mittag ab. Und überhaupt: Wer mich dort sieht, ist ja selbst dort.«

Ella hob zu einer Antwort an, dann aber seufzte sie resigniert und grinste. »Dieser umwerfenden Logik kann ich wohl kaum widersprechen.« Gleich darauf wurde ihre Miene ernst. »Pass nur auf dich auf, ja?«, sagte sie eindringlich.

»Tu ich doch immer«, beteuerte Lina. Sie liebte Ella dafür, dass diese sie seit jeher stets beschützen wollte, aber die Cousine war nur zwei Jahre älter als sie selbst und übertrieb es manchmal schlicht mit ihrer Fürsorge. Lina war nicht mehr das siebenjährige Waisenkind, und Ella hatte ihre Eltern schließlich genauso verloren wie sie. »Wobei es dort ja gar nichts gibt, weswegen ich auf mich aufpassen müsste.«

Ella schüttelte mit milde verzweifelter Miene den Kopf, dann fuhr sie fort, die frischen Blumen in den Vasen auf der Fensterbank zurechtzurücken und nicht vorhandene Flecken von Gläsern zu polieren.

Linas Gedanken wanderten zu der Theatergruppe. Auch sie hatte die Plakate gesehen, die vor ein paar Tagen aufgehängt worden waren. Seither konnte sie an kaum etwas anderes mehr denken. Sie liebte Aufführungen und sah sich sogar gern die Puppentheaterstücke für Kinder und die Darbietungen der reisenden Tanzgruppen an, die in den Sommermonaten in die Seebäder an der Ostsee kamen, um die Feriengäste zu unterhalten. Ein echtes Schauspiel war jedoch etwas Besonderes, selbst wenn es nicht in einem Theater oder im Gesellschaftshaus am östlichen Rand der Stadt aufgeführt wurde, sondern auf einer provisorischen Holzbühne auf dem Kleinen Markt.

Würden sie eine farbenfrohe Kulisse als Hintergrund aufbauen? Ob die Damen prächtige Gewänder tragen würden? Und wer spielte den jugendlichen Liebhaber? Würde er so gut aussehend sein wie die Zeichnung von ihm auf den Plakaten?

Ein sanfter Knuff gegen die Schulter riss sie erneut aus ihren Gedanken.

Ella grinste sie an. »Bei dir ist Hopfen und Malz verloren, meine kleine Träumerin.« Sie seufzte gespielt schwer. »Zum Glück hat eine von uns beiden Großmamas Geschäftssinn geerbt. Ich werde schon für dich sorgen, während du deinen Fantastereien nachhängst. Aber ein bisschen Hilfe brauche ich von dir. Ich kann nicht alles allein machen.«

Lina fand, dass sie genug half, doch sie sparte sich die Entgegnung und machte sich auf in die Küche, um zu schauen, wie weit das Frühstück war, und um Małgorzata, falls nötig, zur Hand zu gehen.

Das Küchenmädchen mit den um den Kopf gewundenen blonden Flechtzöpfen und der blütenweißen Haube, die keck darauf thronte, ohne es zu verbergen, schnitt gerade dicke Scheiben von einem großen, knusprigen Laib Brot ab und legte sie in den Korb, während sie ein polnisches Lied vor sich hin trällerte. Die meisten Städter bevorzugten weiches, helles Brot, und die hiesigen Bäcker hatten ihre Produkte nach und nach dem Geschmack der Urlauber angepasst, aber die Bardenhöfers mochten kräftiges, dunkles Brot, also bekamen sie es. Jeder erhielt in der Pension Büchner das, was er am liebsten mochte, das war Ella sehr wichtig.

Auf dem Herd brodelte das Wasser für den Kaffee, und Lina goss es rasch in die Kanne. Was wohl die Schauspieler zum Frühstück aßen und wie sie es zubereiteten? Auf einem Lagerfeuer? Das musste schrecklich mühselig sein. Und erst die Wäsche …

Lina war froh gewesen, als die Pension endlich genug abgeworfen hatte, dass sie anfangen konnten, die Bettbezüge, Handtücher und Tischdecken in die Neue Straße zur Wäscherin und Plätterin zu bringen. Mittlerweile ließen sie sogar ihre Kleidung reinigen. Ob die Schauspieler genug verdienten, um es auch so zu halten, oder mussten sie erst mühsam auf dem Feuer Wasser erhitzen, um zu waschen?

Auch wenn sie sich das Leben auf der Reise hart vorstellte – war es nicht dennoch romantisch? Das Gemeinschaftsgefühl in so einer Truppe musste doch etwas ganz Besonderes sein. Betrachteten sie einander gar als Familie? Wie war es wohl, mehr Angehörige als nur zwei weitere Personen zu haben …

Linas und Ellas Eltern waren schon lange tot. Seit Lina denken konnte, gab es in ihrem Leben nur Ella und die verwitwete Großmutter. Das Büchner-Frauen-Trio, wie sie sich gern bezeichneten, das sich gemeinsam und ohne jede Hilfe durch die kleinen und großen Stürme des Lebens kämpfen musste. So gut sich Ella mit ihrem scharfen Geschäftssinn um die Pension kümmerte und so innig Lina sie und die manchmal griesgrämige Großmutter Elfriede liebte – die Sehnsucht nach weiteren Menschen, die zu ihr gehörten,...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2025
Reihe/Serie Ostsee-Familiensaga
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte beheartbeat • Berlin • dramatisch • Erster Weltkrieg • Familiengeheimnis • Familiensaga • Fesselnd • gefühlvoll • Große Gefühle • Historischer Roman • Kaiserzeit • Küstenroman • Liebe • Ostsee • Roman für den Urlaub • Saga • Seebad • Sommerfrische • Sommerroman • Strandleben • Sturmflut • Theater • Urlaub • Urlaubsroman • Usedom • Verlust
ISBN-10 3-7517-6039-3 / 3751760393
ISBN-13 978-3-7517-6039-3 / 9783751760393
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