Eine Chance für Hanna! (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-294-2 (ISBN)
Luise und Juan saßen am frühen Morgen mit der alten Ria am Frühstückstisch. Ria hatte für fünf Personen gedeckt.
»Mara und Frieder scheinen zu verschlafen«, sagte Ria.
Juan lächelte.
»Sie sind spät ins Bett. Saßen gestern Abend noch lange mit Jan und Ronja zusammen. Ich habe sie gehört, als sie lachend die Treppe heraufkamen. Üben wir Nachsicht«, sagte Juan.
»Die Runde am Tisch ist kleiner geworden, seit Jan und Ronja geheiratet haben und bei sich frühstücken«, murmelte Ria. »Und abends kocht Ronja oft selbst. Das Leben verändert sich.«
»Ria, ich weiß, dass du gern alle um den Tisch versammelt hast. Immerhin kommen Jan und Ronja zum Mittagessen«, versuchte Luise Ria zu trösten.
»Ist schon richtig. Es ist nur noch so ungewohnt für mich. Ob Frieder und Mara auch selbst kochen, wenn sie verheiratet sind?«
»Ria, bis dahin wird es noch eine Weile dauern. Ich denke nicht, dass die beiden in nächster Zeit die Hochzeit planen«, sagte Luise.
»Man kann nie wissen! Mara könnte schwanger werden!«, warf Ria ein.
Luise und Juan warfen sich Blicke zu.
»Ria, du denkst zu viel, du machst dir zu viele Gedanken«, sagte Juan.
»Kann sein, ist gut möglich. Ich tue mich mit Veränderungen immer ein bisserl schwer. Ich denke, da ist etwas im Busch, wie man sagt. Frieder hat sich gestern am späten Nachmittag Proviant für ein Picknick mit Mara gegeben lassen. Vielleicht hat das etwas zu bedeuten? Außerdem kam er früher als sonst von München. Und dazu kommt, dass Frieder in den letzten Wochen gelegentlich geistesabwesend war. Ich habe ihn öfter beobachtet, wie er tief in Gedanken bei der Stute am Gatter stand und vor sich in brütete.«
»Ria, du machst dir zu viele Gedanken«, sagte Juan. »Frieder hat eine sehr anspruchsvolle Arbeit. Vielleicht hat er darüber gegrübelt? Das nächste Mal sprichst du ihn einfach an. Oder hast du Sorge, dass zwischen Mara und Frieder nicht alles in Ordnung ist?«
»Nee, das habe ich nicht! Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Unsere Mara war die ganzen Jahre sehr zurückhaltend, was die Burschen angeht. Sie ging den Angebern aus dem Weg. Mei, was die Burschen alles versucht haben, Mara zu umgarnen!«
Juan, Luise und Ria fingen gleichzeitig laut an laut zu lachen. Ihnen fielen die seltsamen Versuche der reichen Schnösel aus München ein.
»Wenn ich mich an den Lastwagen voller roter Rosen erinnere, kann ich mich immer noch biegen vor Lachen.«
»Juan, ganz Waldkogel wird der Rosenkavalier in Erinnerung bleiben.« Dass Mara die Rosen auf den Heuanhänger warf, mit dem Traktor zum Marktplatz fuhr und sie dort abkippte. Das hatte der Bursche nicht erwartet. Irgendwo muss noch das Schild herumliegen, das sie aufgestellt hatte. ‘Kostenlose Rosen zum Mitnehmen!’
»Luise, bis zum Abend waren alle Rosen weg. Maras Aktion wird in die Geschichte von Waldkogel eingehen«, sagte Luise.
»Das stimmt! Und der Bursche kündigte seinen Einstellplatz bei uns. Aber das war nicht schlimm. Und für einige andere Burschen war es eine Warnung. Sie machten in den nächsten Wochen einen großen Bogen um Mara.«
»Juan, das störte Mara nicht, ganz im Gegenteil.«
Juan und Luise lächelten sich an.
»Oft dachte ich, dass Mara sich nie verliebt. Sie war sehr kritisch, legte die Latte sehr hoch.«
»Luise, der Richtige war eben nicht dabei.«
»Bis Frieder kam«, warf Ria ein.
Juan nickte.
»Frieder ist ein Pferdenarr. Okay, die anderen Burschen waren auch Pferdenarren. Aber sie waren nicht bodenständig. Und Frieder hat sich Mara genau angesehen. Er erkannte wohl, dass Mara und ihn die gleiche Pferdeliebe verband. Und jetzt sind sie ein Paar«, sagte Juan. »Ich gebe Ria Recht. Ich bin gespannt, wann die Hochzeitsglocken läuten.«
»Juan, wir mischen uns nicht ein. Klar, wäre es mir lieber, die beiden wären verheiratet«, seufzte Luise. »Aber es ist modern, dass junge Leute zusammenziehen und eine Ehe ohne Trauschein leben.«
»Immerhin hat Mara Frieder klargemacht, dass ein enges Zusammenleben mit einem gemeinsamen Schlafzimmer erst nach der Verlobung infrage kommt.«
Juan lachte laut.
»›Nur mit Verlobungsring erlaube ich ihm, seine Hausschuhe unter mein Bett zu stellen, die ganze Nacht‹, erklärte mir Mara mal beiläufig«, berichtete Juan.
Alle schmunzelten.
Juan legte seinen Arm um die Schultern seiner Frau.
»Wir können glücklich sein, wie unsere Kinder das Leben anpacken. Jan und Ronja sind verheiratet und erwarten ihr erstes Kind.«
»Oder Kinder«, verbesserte ihn Luise. »In deiner Familie gibt es mehrere Zwillingspaare. Wir haben Zwillinge bekommen. Es könnte doch sein, dass Jan das Zwillingsgen weitergibt, will ich mal sagen.«
»Abwarten, Luise. Kann schon sein. Dann wird es turbulent. Ich erinnere mich, wie Jan und Mara hier durchs Haus gewirbelt sind.«
»Oh ja, aber es flogen auch mal die Fetzen.«
»Daran erinnere ich mich gut. Mara wollte sich von Jan nix sagen lassen«, erinnerte sich Ria. »Aber irgendwann hatten sie sich dann zusammengerauft. Dass Geschwister sich streiten, ist normal, besonders in einem gewissen Alter.«
»Oh ja, in der Pubertät entwickeln sich die Madln schneller. Die Buben hinken hinterher. Beide sind emotional in einem Ausnahmezustand und es ist nicht leicht in dem Alter für beide«, sagte Luise. »Sollten Jan und Ronja Zwillinge bekommen, können wir auf unsere Erfahrung zurückgreifen. Ronja und Jan waren beim Ultraschall. Ich nehme an, sie wissen, ob es ein Madl oder ein Bub ist oder ob es Zwillinge sind. Es könnte ein Pärchen sein wie bei Jan und Mara oder zwei Buben oder Madln. Aber sie haben nix erzählt.«
»Ob sie etwas sagen wollen, liegt bei ihnen, Luise.«
»Es werden Zwillinge werden, Madln«, warf Ria ein.
»Haben sie dich dir anvertraut?«, fragte Juan.
Luise und Jan sahen Ria mit großen Augen überrascht und erstaunt an.
Ria schmunzelte.
Sie schüttelte den Kopf.
Ruhig schenkte sie sich Kaffee nach, gab Zucker und Sahne dazu und rührte genüsslich und betont langsam um.
»Nein, gesagt haben sie nix. Aber ich habe Ella Waldner getroffen. Sie sagte, es würden Madln sein.«
»Woher will sie das wissen? Okay, es könnte sein, dass Martin es Walli erzählt und Walli es Ella …«
»Nix da«, fiel Ria Juan ins Wort. »Martin hätte seine ärztliche Schweigepflicht verletzt. Das würde er nicht tun. Nein, die Ella Waldner hat einen Blick dafür«, sagte Ria mit Nachdruck.
Luise schmunzelte.
Juan legte die Stirn in Falten.
»Hast du Ella Waldners Behauptung Ronja erzählt?«, fragte Juan.
»Nein, Ronja ist nicht gut auf Ella zu sprechen. Ella hatte ihr damals gesagt, sie wäre in anderen Umständen. Das wollte Ronja nicht glauben. Ihr kennt die ganze Geschichte, habt das Drama erlebt. Dass Ella Recht behalten hat, hat Ronja ihr noch nicht verziehen. Oder besser gesagt, Ella ist Ronja unheimlich. Nein, ich werde meinen Mund halten. Allerdings stricke ich jetzt rosa Kinderkleidchen.«
»Ich habe dich aber noch nicht mit rosa Wolle gesehen«, sagte Luise.
Ria lächelte.
»Ich stricke sie heimlich abends, wenn ich in meiner Wohnung bin. Ich schließe immer die Tür ab. Ich will nicht, dass mich Ronja plötzlich überrascht und Fragen stellt. Ihr wisst, dass ich schlecht lügen kann.«
Juan und Luise lachten.
»Ich bitte euch, Ronja und Jan nix von Ellas Verdacht zu erzählen. »Verdacht« sage ich bewusst. Ihr versteht?«
Juan rieb sich das Kinn und schmunzelte.
»Ria«, sagte er, »kannst dich auf uns verlassen. Die Turbulenzen, bis Ronja ihre Schwangerschaft akzeptiert hat und das Chaos, wann und wie sie heiraten, reichte uns. Wir werden kein Öl ins Feuer gießen, sage ich. Wir nehmen Ellas Bemerkung einfach mal so hin und denken uns unseren Teil. Bist einverstanden, Luise?«
»Absolut«, antwortete Luise. »Wenn Jan und Ronja davon erfahren würden, könnte es turbulent werden. Zwei Madln, das ist schön!«
Luise seufzte glücklich.
»Das wäre schön, sehr schön«, träumte sie laut.
»Die Zeit halten wir durch«, sagte Juan. »Wird uns nicht leichtfallen. Aber bisher haben Ellas Vorhersagen oder Ahnungen immer gestimmt.«
»Das haben sie. Weißt du noch, wie es damals war. Ella war noch viel jünger und kümmerte sich in Waldkogel um die Schwangeren. Dem alten Doktor war das sehr angenehm. Und Ella schickte die werdenden Mütter nur zu ihm in die Praxis, wenn sie meinte, er sollte sie mal ansehen. Seit Martin die Praxis übernommen hat, gleich nach dem Studium, geht Ella ihrer Hebammentätigkeit nicht mehr nach oder nur in Ausnahmefällen. Sie stand Sebastians Frau Sophie bei auf der Berghütte, als sie den Franzl bekam. Und sie war bei Isabella im Schloss, als sie Vicki auf die Welt brachte. Damals, als ich mit den Kindern schwanger war, besuchte sie Ria. Es war ein offizieller Besuch als Hebamme. Ella war ein bisserl neugierig. Dann saßen wir zusammen und plauderten. Damals blinzelte sie mir zu und sagte, wir bekämen Zwillinge, ein Bub und ein Madl.«
Juan erinnerte sich. Er lächelte.
»Ich weiß, wie es war. Nachdem Ella sich verabschiedet hatte, bist du gleich auf die Koppel gekommen und hast es mir erzählt. Wir hielten es beide für möglich, entschieden aber, es in Ruhe abzuwarten. Was hätten wir auch sonst machen sollen? Das mit dem Ultraschall war noch nicht so verbreitet«, sagte Juan.
»Aber wir überlegten uns Namen für einen Bub und ein Madl«, ergänzte Luise.
Juan gab Luise einen Kuss.
»Mei, waren wir glücklich, als die beiden...
| Erscheint lt. Verlag | 27.5.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Toni der Hüttenwirt |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Alpen • Bauer • Bäuerin • Bauernhof • Berghütte • Bergpfarrer • Bergroman • Familiengeschichte • Familienroman • Familiensaga • Heimat • Landarzt • Landdoktor • Landleben • Martin Kelter Verlag • Sonnenwinkel • Waldkogel |
| ISBN-10 | 3-69049-294-7 / 3690492947 |
| ISBN-13 | 978-3-69049-294-2 / 9783690492942 |
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