Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Der Angeber (eBook)

Der Bergpfarrer 519 – Heimatroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-256-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Angeber - Toni Waidacher
Systemvoraussetzungen
3,49 inkl. MwSt
(CHF 3,40)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Mit dem Bergpfarrer hat der bekannte Heimatromanautor Toni Waidacher einen wahrhaft unverwechselbaren Charakter geschaffen. Die Romanserie läuft seit über 13 Jahren, hat sich in ihren Themen stets weiterentwickelt und ist interessant für Jung und Alt! Toni Waidacher versteht es meisterhaft, die Welt um seinen Bergpfarrer herum lebendig, eben lebenswirklich zu gestalten. Er vermittelt heimatliche Gefühle, Sinn, Orientierung, Bodenständigkeit. Zugleich ist er ein Genie der Vielseitigkeit, wovon seine bereits weit über 400 Romane zeugen. Diese Serie enthält alles, was die Leserinnen und Leser von Heimatromanen interessiert. Auf dem Schreibtisch Pfarrer Trenkers klingelte das Telefon. Sebastian, der an seiner nächsten Sonntagspredigt arbeitete, nahm die Hände von der Tastatur, griff nach dem Hörer und stellte mit einem Blick auf das Display fest, dass es sich bei dem Anrufer um Bürgermeister Bruckner handelte. Sebastian nahm das Gespräch an. »Habe die Ehre, Markus«, grüßte er. »Ich wollt' dich gestern Nachmittag erreichen, mir ist aber gesagt worden, dass du dich in einer Gesprächsrunde mit deinen Ressortleitern und -leiterinnen befunden hast.« »Drum ruf ich Sie jetzt zurück, Hochwürden«, erwiderte der Bürgermeister. »Wie's die Angermeier-Lisbeth zugesagt hat.« »Ja, auf deine Sekretärin ist Verlass«, erklärte der Pfarrer. »Auf mich etwa net, Hochwürden?«, hakte der Gemeindevorsteher sofort ein. »Sie müssten mich doch kennen. Ein Mann, ein Wort.« »Das ist es, was ich an dir so schätze, Markus«, schmunzelte Sebastian. »Das hat doch schon wieder ironisch geklungen«, beschwerte sich Bruckner. »Nein, das war ehrlich gemeint, Markus«

Auf dem Schreibtisch Pfarrer Trenkers klingelte das Telefon. Sebastian, der an seiner nächsten Sonntagspredigt arbeitete, nahm die Hände von der Tastatur, griff nach dem Hörer und stellte mit einem Blick auf das Display fest, dass es sich bei dem Anrufer um Bürgermeister Bruckner handelte.

Sebastian nahm das Gespräch an. »Habe die Ehre, Markus«, grüßte er. »Ich wollt‘ dich gestern Nachmittag erreichen, mir ist aber gesagt worden, dass du dich in einer Gesprächsrunde mit deinen Ressortleitern und –leiterinnen befunden hast.«

»Drum ruf ich Sie jetzt zurück, Hochwürden«, erwiderte der Bürgermeister. »Wie’s die Angermeier-Lisbeth zugesagt hat.«

»Ja, auf deine Sekretärin ist Verlass«, erklärte der Pfarrer.

»Auf mich etwa net, Hochwürden?«, hakte der Gemeindevorsteher sofort ein. »Sie müssten mich doch kennen. Ein Mann, ein Wort.«

»Das ist es, was ich an dir so schätze, Markus«, schmunzelte Sebastian.

»Das hat doch schon wieder ironisch geklungen«, beschwerte sich Bruckner.

»Nein, das war ehrlich gemeint, Markus«, widersprach der Bergpfarrer. »Im Großen und Ganzen trifft es nämlich zu. Aber das ist kein Thema, über das man diskutieren muss. Ich halt‘ demnächst wieder ein Grillfest im Hof von Schloss Hubertusbrunn, und dazu will ich dich und deine Gattin einladen. Das Publikum ist in etwa das gleiche wie in den vergangenen Jahren. Wir treffen uns um elf Uhr auf dem Pfarrplatz und marschieren dann gemeinsam nach Hubertusbrunn. Ich kann doch mit dir und deiner werten Gattin rechnen, Markus?«

»Muss denn das sein, Hochwürden?«

»Ich versteh‘ nicht, Markus. Meinst du das Grillfest? Das ist doch schon Tradition, dass ich es abhalt‘. Wenn du natürlich kein Interesse hast, daran teilzunehmen, dann sag’s. Ich kann dich ja nicht zwingen, meiner Einladung zu folgen.«

»Das mein ich doch gar nicht, Hochwürden. Das Grillfest ist in der Tat schon zur festen Einrichtung in der Gemeinde geworden, und ich komm‘ auch liebend gern hin. Wenn ich frag‘, ob das sein muss, dann mein‘ ich den Fußmarsch vom Ort bis zum Schloss. Das sind ein schönes paar Kilometer, und ich habe Ihnen schon gefühlte tausend Mal erzählt, dass ich fußkrank bin.«

»Ja, ja, ich weiß: Spreiz-, Senk- und Plattfüße.« Sebastian lachte. »Das ist sicher nicht besser geworden, bei dem Gockerlfriedhof, den du vor dir herträgst. In deinen Trachtenjanker passt du ja fast schon nimmer rein, und dass von deiner Weste nicht schon lang die Knöpfe davongesprungen sind, wundert mich. So ein kleiner Fußmarsch wird dich nicht umbringen.«

»Dieser – hm, Gockerlfriedhof, wie Sie meinen Bauch nennen, Hochwürden, hat mich sehr viel Geld gekostet. Ein leerer Sack steht nämlich nicht. Aber Spaß beiseite: Kann man das mit dem gemeinsamen Marsch nach Hubertusbrunn nicht weglassen? Heimwärts fällt einem das Laufen ja noch viel schwerer, wenn man sich mit vollem Magen und zwei oder drei Seideln Bier in der Blutbahn auf den Weg machen muss.«

»Gerade dann ist so ein kleiner Verdauungsspaziergang angebracht. Außerdem solltest du nicht vergessen, Markus, dass bald die Gemeinderatswahlen anstehen. Wenn du wieder Bürgermeister werden willst, dann ists nur von Vorteil, wenn du dich mit so vielen Leuten – sprich Wählern -, wie möglich an einen Tisch setzt.«

»Die wählen mich auch so, Hochwürden. Denen ist es wurscht, ob ich dick oder dünn bin. Die brauchen einen, der die Gemeinde repräsentiert, der kluge Entscheidungen trifft, der das Wohl seiner Bürger im Auge hat. Außerdem wird sich außer mir niemand als Kandidat aufstellen lassen. Oder ...«, Bruckners Stimme wurde lauernd, »... haben Sie was Anderes gehört.«

»Hab‘ ich nicht, Markus. Keine Sorge. Es gibt, soviel ich weiß, keinen Konkurrenten. Dennoch wär’s gut, wenn du dich mit deinen Wählern ein bissel verbrüdern tätest. Es ist doch erhebend, wenn du nach der Wahl das Gefühl hast, gewählt worden zu sein, weil du beliebt bist und nicht, weil kein anderer da war, den man hätte wählen können.«

»Da haben S‘ natürlich recht, Hochwürden. Schon gut, schon gut, ich mach‘ den Marsch mit. Ich werde im Endeffekt ja auch dafür entschädigt; Bratwurstsemmeln, Steaks, frisches Bier ... Was will der Mensch mehr?«

»Dann notier‘ dir den Termin«, sagte Sebastian und nannte den Tag, an dem das Grillfest stattfinden sollte. »Um elf Uhr treffen wir uns, wie schon gesagt, auf dem Pfarrplatz, Markus. Ansonsten, hoff‘ ich, ist bei dir alles im grünen Bereich.«

»Ich kann nicht klagen, Hochwürden. In der Gemeinde herrscht Ruhe. Nachdem wir das Projekt Gschwandnerweiher ad acta legen konnten, herrscht Friede auf der ganzen Linie. Gott sei Dank, möcht‘ ich fast sagen. Jeder Streit zehrt an den Nerven und geht an die Substanz.«

»Vor allem, wenn man ihn heraufbeschworen hat, Markus, und am Ende die Waffen strecken muss, gell?«, erwiderte Sebastian und grinste. »Es ist jedoch nicht der Streit als solcher, der an den Nerven zehrt, sondern es ist die Niederlage. Aber da kann ich nicht mitreden.«

»Jetzt legen S‘ den Finger bei mir wieder in alte Wunden, Hochwürden«, beschwerte sich der Bürgermeister. »Aber das bin ich gewohnt, drum reg‘ ich mich nicht auf. Irgendwann werde auch ich triumphieren.«

»Das lassen wir mal dahingestellt, Markus. Du weißt jetzt Bescheid. Meiner Stimme kannst du jedenfalls sicher sein bei der Wahl. Mein Leben wäre ohne dich ausgesprochen eintönig. Du gestaltest es nämlich oft sehr kurzweilig.«

»Danke, Hochwürden, danke für die Blumen. Ich bin immer hocherfreut, wenn ich Ihnen eine Freude bereiten kann. Das sag‘ ich, ohne sarkastisch klingen zu wollen.«

»Servus, Markus, und – danke für den Rückruf. Wir sehen uns.«

»Gott behüte Sie, Hochwürden. Aber das tut er wahrscheinlich sowieso. Der Herr gibt es den Seinen nämlich im Schlaf, hab‘ ich mir sagen lassen. Einen schönen Tag noch.«

Sebastian legte auf, holte die Liste mit den Namen der Leute, die er zu dem Grillfest einzuladen gedachte, aus dem Schreibtischschub und machte hinter den Namen Bruckner einen Haken.

*

Wenn man von Norden her ins Wachnertal will, muss man über einen Pass. Auf dem höchsten Punkt des Passes hatte man einen Parkplatz und eine Aussichtsplattform angelegt. Von dort oben aus konnte sich jeder einen ersten Überblick über das Tal verschaffen. Es wurde von bewaldeten Bergen begrenzt, wobei es sich hauptsächlich um gesunden, sattgrünen Nadelwald handelte. Dahinter erhoben sich die Felsketten des Hochgebirges, die entweder völlig vegetationslos waren oder grünlich schimmerten, weil sie von Moosen und Flechten bedeckt waren. In den Schattenfeldern lag noch der Schnee vom vergangenen Winter.

Das Tal mit seinen drei Gemeinden bot einen malerischen Anblick. Die Kupferdächer der Kirchen wiesen eine grüne Patina auf. Es gab eine Vielzahl von ausgelagerten Bauernhöfen, die inmitten der zu ihnen gehörenden Nutzflächen erbaut worden waren. Die Kachlach, die hoch oben beim Gletscher entsprang und sich als Wildbach ins Tal ergoss, wo sie sich beruhigte und ihrer Mündung in den Achsteinsee entgegenströmte, bildete eine graugrüne, gewundene Linie am Rand des Tales. Der See mutete an wie ein flüssig gewordener Smaragd.

Auf den Parkplatz auf dem Pass rollte ein eleganter, metallicsilberner Audi S5 Cabriolet. Der Wagen kam zum Stehen, der Motor wurde abgestellt, heraus stieg ein großgewachsener, schlanker Mann von etwa dreißig Jahren, mit schwarzer Hose, weißem, kurzärmligem Hemd und weißen Sneakers bekleidet. Er hatte die schwarzen Haare straff zurückgekämmt, über seiner Oberlippe trug er einen Clark-Gable-Schnurrbart, der wie ein schwarzer Strich anmutete und dem Mann etwas Dandyhaftes verlieh.

Er erregte die Aufmerksamkeit einiger Touristen, die sich auf der Aussichtsplattform befanden, und es war nicht nur sein extravagantes Auftreten, es war auch, weil er am linken Handgelenk eine schwere, goldene Uhr, eine Rolex, trug, am rechten Handgelenk ein Herrenarmband mit wuchtigen, goldenen Gliedern, und um den Hals eine dazu passende Kette, die weit auf seine Brust hinunterhing. Seine Arme waren durchgehend tätowiert.

Er war gewiss ein bemerkenswerter Zeitgenosse. Er selbst achtete jedoch auf nichts und niemand, trat an das Eisengeländer heran, mit dem die Plattform gesichert war, und ließ seinen ausdruckslosen Blick über das Wachnertal schweifen. Er zeigte sich völlig unbeeindruckt. Achselzuckend wandte er sich ab und ging zu seinem Auto zurück. Er stieg ein, schloss aber noch nicht die Tür, sondern griff nach seinem Apple iPhone, das auf dem Beifahrersitz lag, und wählte eine Nummer aus dem digitalen Telefonbuch an. Das Freizeichen tutete, dann meldete sich eine Stimme: »Hotel ›Zum Löwen‹, St. Johann, Sie sprechen mit Susanne Reisinger. Was kann ich für Sie tun?«

»Hofmeister – Marcel Hofmeister«, sagte der stutzerhafte Mann. »Ich habe bei Ihnen ein Zimmer gebucht und werde in etwa einer Viertelstunde bei Ihnen ankommen. Ich hoffe, dass ich das Zimmer unverzüglich beziehen kann.«

Ein paar Sekunden verstrichen, in denen Susanne Reisinger mit einigen Mausklicks die Anmeldung Hofmeisters auf den Bildschirm holte, dann sagte sie: »Richtig, Herr Hofmeister. Sie haben das Zimmer ab heute gebucht, zunächst für vier Wochen, haben sich aber die Möglichkeit ausbedungen, zu verlängern. Ja, das Zimmer ist bezugsfertig. Sie können also sofort einchecken, sobald Sie angekommen sind.«

»Sehr gut«, lobte Marcel und warf einen Blick auf die Uhr im Armaturenbrett. »Es ist jetzt Viertel nach zwei Uhr. Um halb drei schlage ich bei Ihnen auf. Bis dann.«

Er beendete das Gespräch,...

Erscheint lt. Verlag 6.5.2025
Reihe/Serie Der Bergpfarrer
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Alpen • Heimat • Hüttenwirt • Liebesgeschichte • Liebesroman • Martin Kelter Verlag • Pfarrer • Sebastian Reiter • Sonnenwinkel • Sophienlust • Toni
ISBN-10 3-69049-256-4 / 3690492564
ISBN-13 978-3-69049-256-0 / 9783690492560
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Roman

von Wolf Haas

eBook Download (2025)
Carl Hanser (Verlag)
CHF 18,55

von Takis Würger

eBook Download (2025)
Diogenes Verlag AG
CHF 22,45