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Prototypen -  Andreas Zwengel

Prototypen (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
324 Seiten
Verlag Peter Hopf
978-3-86305-392-5 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
6,99 inkl. MwSt
(CHF 6,80)
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Im Jahr 2059 haben multinationale Großkonzerne die Welt unter sich aufgeteilt. Um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen und auch die entlegensten Orte ausbeuten zu können, nimmt der Einsatz von künstlichen Menschen immer mehr zu. Jesko Rudolph arbeitet als Problemlöser für LupoTek und muss so manche Schweinerei des Konzerns bereinigen. Als die hauseigene Söldnergruppe Jagd auf scheinbar willkürlich ausgewählte Personen macht, wird Jesko neugieriger, als es in seinem Job gut ist. Schon bald kreuzt er den Weg des Ermittlers Ilja Costello, der auf Konzerne nicht gut zu sprechen ist. Die beiden Männer liefern sich ein Wettrennen, um die wahren Hintergründe der Ereignisse zu ergründen. Doch während Costello sie aufdecken will, muss Jesko alles vertuschen. Bald wird klar, dass es nicht nur um Macht und finanzielle Gewinne geht, sondern auch um ein dunkles Geheimnis, das die bestehenden Verhältnisse verändern kann.  Inspiriert von seinen beiden früheren Deinoid XT-Romanen 'Mein Babylon' und 'Exodus' von 2017, hat der Autor mit 'PROTOTYPEN' eine vollständig überarbeitete, eigenständige Neufassung geschaffen.

 

 

Kapitel 001


 

»Es hat ein Feuergefecht gegeben. Mit Toten. Vielen Toten. Flieg rüber und klär die Sache. Die Geier sind schon unterwegs.« Mit diesen Worten beendete sein Vorgesetzter das Gespräch und ließ Jesko Rudolph mit dem Problem allein.

Er hörte bereits den Quadrocopter, der sich dem Dach des Wohnturms näherte, um ihn aufzunehmen. Jesko zog seine Arbeitskleidung an und verließ seine Wohneinheit, die sich automatisch versiegelte. Die Sensoren des Aufzugs registrierten seine Annäherung und riefen eine Kabine auf das Stockwerk. Nach einer kurzen Beschleunigung aufwärts öffneten sich die Lifttüren, und Jesko trat auf dem Dach in den übelriechenden Nieselregen hinaus. Er hatte Glück mit dem Wetter, da es beinahe windstill war. Normalerweise kam einem in dieser Höhe der Regen waagerecht entgegen.

Der mattschwarze Quadrocopter mit der chromgelben Beschriftung schwebte einen halben Meter über der Landemarkierung und erwartete ihn. Jesko hielt seinen imprägnierten Regenmantel vorne mit einer Hand zusammen und eilte mit gesenktem Kopf auf die Einstiegsluke zu.

»Moin, Jesko«, grüßte der Pilot. Peety war knapp unter mittelgroß, besaß einen lockigen Haarkranz aus feuerrotem Haar und einen buschigen Schnauzbart, der so altmodisch war, dass ihn niemand historisch einzuordnen vermochte. Ihn einen Piloten zu nennen, wurde seinen Funktionen und Fähigkeiten nicht einmal annähernd gerecht. Der autonome Quadrocopter brauchte im Grunde niemanden, der ihn lenkte, aber dieses unscheinbare Männlein war in der Lage, ihn während des Fluges vollständig auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen, während er Verbesserungsvorschläge für die nächste Modellreihe entwickelte.

Jesko nahm Platz, und die Gurtautomatik schloss sich. Augenblicklich stiegen sie auf und schwenkten von dem Wohnturm weg. Peety beschleunigte und verließ das Stadtgebiet von Bremerhaven. Sie überflogen das Niemandsland zwischen den Stadtgrenzen und erreichten die ersten Kontrollpunkte für den Großraum Hamburg.

Autonome Transporter und Gleiter bevölkerten den Himmel, darunter kamen die Hochbahnen und schließlich die Straßenbahnen und Busse. Einzelfahrzeuge waren größtenteils aus dem Stadtverkehr verbannt, aus dem einfachen Grund, weil es keinen Platz mehr für sie gab. Je weniger Geld jemand besaß, desto dichter musste man sich am Boden bewegen. Das günstigste Verkehrsmittel blieb die U-Bahn.

Sieben Minuten später näherten sie sich dem Tatort aus der Luft, eine Rauchsäule wies ihnen den Weg. Es machte den Eindruck, als befänden sie sich im Anflug auf ein Kriegsgebiet, aber tatsächlich handelte es sich um die Innenstadt von Hamburg.

Jesko hatte bereits während des Fluges sichergestellt, dass die Straße und die umliegenden Häuser wegen ungesicherter Sprengsätze geräumt wurden. Er konnte nicht mehr sagen, wie oft sie diesen Vorwand in der Vergangenheit schon benutzt hatten. Aber da es täglich überall auf der Welt Bombenanschläge gab, musste man bei einer solchen Sachlage nicht lange diskutieren. Niemand hielt es heutzutage für abwegig, dass zwei Straßengangs, die sich eine Schießerei lieferten, auch Sprengsätze mit sich führten. Laut der verbreiteten Tarngeschichte hatte eine Straßengang, wahrscheinlich die HH-Hools oder kurz H3, ein Drogenlabor oder einen Unterschlupf einer konkurrierenden Gang angegriffen. Unbestätigten Gerüchten zufolge eine norwegische Bande, die in der hiesigen Branche Fuß fassen wollte. Das mochte beim ersten Hören merkwürdig klingen, würde aber die Geier für eine Weile mit Recherchen zu den Expansionsbestrebungen skandinavischer Straßengangs beschäftigen. Mehr brauchte Jesko nicht.

Der Quadrocopter setzte ihn am Rand der Absperrung ab. Er hatte sich aus der Luft einen Überblick von der Umgebung verschafft. Die Schießerei war auf einen Straßenzug begrenzt geblieben, was auf jeden Fall ein Vorteil war, aber keine Selbstverständlichkeit bei einem Turtle Shield-Einsatz. Augenzeugen dürfte es wenige geben, denn in den heutigen Zeiten eilten die Menschen bei Schüssen nicht ans Fenster, um nachzuschauen, was vorging, sondern warfen sich auf den Boden und blieben dort, bis jemand Entwarnung gab. Außerdem besaßen viele Gebäudetroniken eine automatische Sicherheitsvorkehrung, die die verstärkten Rollläden an den Fenstern zum Herabfahren veranlasste, sobald die Sensoren Gefahr meldeten.

Jesko überzeugte sich davon, dass die eintreffenden Medien von ihrem Standplatz aus nichts erkennen konnten. Die City-Police hatte den Straßenzug an beiden Enden abgeriegelt und große Sichtschutzschirme aufgestellt. Mehr durften sie kaum noch tun, bevor Leute wie Jesko übernahmen. Entsprechend frustriert waren die Männer und Frauen in Uniform. Wenn sie Glück hatten, bekamen sie Gelegenheit, eine Spähdrohne der Medien-Geier abzuschießen, die unberechtigt in den gesperrten Luftraum eindrang. Aber solche Vergnügen waren selten geworden, weil der Verlust einer Drohne für die Geier einen hohen Kostenfaktor darstellte. Das Gejammer über fehlende Pressefreiheit mochte gerechtfertigt sein, aber Jeskos Arbeit hatten die Abschüsse fraglos erleichtert.

Er näherte sich an einer unauffälligen Stelle der Absperrung. Ein Stadtpolizist trat ihm mit erhobener Hand entgegen: »Na, was kann ich für dich tun, Kumpel?«

Jesko hielt ihm seinen Mitarbeiterausweis unter die Nase, während er vorüberging. »Jesko Rudolph, LupoTek.«

Sofort verfinsterte sich die Mine des Polizisten noch um einiges mehr. Es war offensichtlich, was den Mann so gegen ihn einnahm. Jesko hatte als Privatmann eine höhere Sicherheitseinstufung als er selbst. Diese Reaktion kannte Jesko zur Genüge und hatte längst aufgehört, ihr entgegenzuwirken.

Er war erfolgreicher Problemlöser eines multinationalen Großkonzerns, aber er gab zu, dass er nicht unbedingt der landläufigen Vorstellung eines solchen Spezialisten entsprach. Er war afrikanischer Abstammung, ohne ebensolche Wurzeln, litt milde an seinem Übergewicht und trainierte seit seinem achten Lebensjahr täglich Aikido, weil eine sportliche Betätigung im Leben wichtig war und man als dickes schwarzes Kind keine leichte Schulzeit hatte. Darüber hinaus pflege Jesko eine gewisse Schlampigkeit im Äußeren und penible Korrektheit bei seiner Arbeit. Wobei sein Erscheinungsbild eigentlich keine Rolle spielte, denn sein Mitarbeiterausweis sicherte ihm in weiten Teilen der Welt die Unterstützung von Konzernmitarbeitern und verlieh ihm innerhalb von Hamburg sogar Halbgottstatus.

Das Ablenkungsmanöver für die Geier von der Presse war sofort nach seiner Benachrichtigung gestartet worden. Die Problemlöser von LupoTek verfügten über feste Einsatzkonzepte für ihre Einsätze. Ein Basisprotokoll, das sofort umgesetzt wurde, damit man Zeit gewann, um individuelle Begebenheiten zu ermitteln und sich darauf einzustellen.

Schritt 1: Sie verhängten eine Nachrichtensperre, um weitere Schaulustige abzuhalten, anschließend kümmerten sie sich um die Geier, die schon auf dem Weg waren. Eine Tarngeschichte wurde verbreitet und jede davon abweichende Version sofort dementiert oder als Falschmeldung bezeichnet. Das entmutigte einen Großteil der Meute und ließ sie sich auf die Suche nach einer anderen Sensation machen.

Schritt 2: Eine andere Sensation wurde lanciert. Quasi als Trostpreis. Jeskos Abteilung hatte solche vermeintlichen Knüller immer in der Schublade und konnte sie bei Bedarf einsetzen. Er und seine Kollegen ließen Informationen durchsickern, die einen viel größeren Nachrichtenwert besaßen. Zu diesem Zweck bezahlten sie einige Schläfer, die sich rund um die Uhr für eine solche Ablenkung bereithielten. Sie standen unter anderem auch als Augenzeugen zur Verfügung, die brav ihre Texte aufsagten. Diejenigen Geier, die noch zum ersten Tatort unterwegs waren, würden daraufhin die Richtung ändern und der falschen Fährte folgen.

Schritt 3: Die Geier, die bereits am Tatort eingetroffen waren, wurden so lange außer Sichtweite hingehalten, bis sie die Lust verloren oder es tatsächlich nichts mehr zu sehen gab. Sie würden natürlich wissen, dass etwas vertuscht wurde, aber sie hatten keine Ahnung was, von wem oder weshalb. Über Com-Funk sprach man ausschließlich über die Tarngeschichte, in diesem Fall eine Schießerei zwischen zwei verfeindeten Gangs. Solche Ergebnisse waren an der Tagesordnung und deshalb für die mediale Berichterstattung nicht mehr besonders interessant.

Jesko rückte die Strickmütze auf seinem Kopf zurecht und schlug seinen Regenmantel an der Hüfte zurück wie ein Revolverheld. Nur, dass er anstelle einer Waffe eine kleine Umhängetasche unter dem Mantel nach vorne zog.

Er war so früh am Ort des Geschehens, dass er noch einen Blick auf die abrückende Einheit von Turtle Shield werfen konnte, die Sondereingreiftruppe von LupoTek. Alles Menschen, die aussahen, als würden sie ihr ganzes Leben nichts anderes tun, als zu kämpfen und für den Kampf zu trainieren. Musterbeispiele für toxische Männlichkeit, selbst die weiblichen Mitglieder.

An der Spitze Sparkle Darstein. Annähernd zwei Meter groß, braungebrannt und komplett ohne Körperfett. Dazu ein wirklich sympathisches, grellweißes Lächeln, das man überhaupt nicht bei ihm vermutet hätte und das sofort verschwand, als er Jesko erblickte. Sie legten beide keinen Wert auf eine Begegnung und sahen gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen. Die Abneigung zwischen ihren Abteilungen hatte eine jahrzehntelange Tradition.

Jesko wandte sich dem Tatort zu. Er blinzelte etwas länger und schaltete damit seine Kontaktlinse in den Aufnahmemodus. Alle Bilder wanderten sofort in den internen Speicher der UCL (Universal Contact Lenses). Gewissenhaft...

Erscheint lt. Verlag 2.5.2025
Verlagsort Minden
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte dystopisch • Klone • Science-fiction • science fiction thriller • science fiction thriller deutsch • science fiction thriller roman deutsch • SF thriller • Zukunft
ISBN-10 3-86305-392-3 / 3863053923
ISBN-13 978-3-86305-392-5 / 9783863053925
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