Hanna - Amazone wider Willen (eBook)
224 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-3623-5 (ISBN)
Sina Blackwood (Pseud.) wurde 1962 in Sebnitz geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit inmitten der Natur. Das hat sie geprägt und spiegelt sich auch in ihren Werken wider. Durch den Umzug ihrer Familie nach Dresden entdeckte sie ihre Liebe zu Museen und Kunstsammlungen. Nach dem Gymnasium und der Lehre zur Wirtschaftskauffrau im Einzelhandel verschlug es sie für einige Jahre an die Ostsee. Inspiriert durch die Schönheit der Landschaft begann sie mit dem Schreiben und hörte nicht mehr auf. Bis März 2025 veröffentlichte sie über 70 Bücher, diverse Hörbücher, sowie zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Online-Magazinen. Seit dem Jahr 1996 lebt sie in Chemnitz. Sie war mehrere Jahre Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband. Seit 2016 macht sie sich auch als Herausgeberin einen Namen.
Eine ungewöhnliche Offerte
„Probleme?“, fragte Peter Tiede seine Tochter Hanna kurz. Er hatte gesehen, dass die Journalistin nach dem Interview offiziell Kamera und Mikrofon ausschaltete, bevor sie weitere Fragen stellte.
Hanna rieb sich mit beiden Händen das Gesicht. „Ja. Sie haben noch immer keine Spur von Andreas Winkler, dem Botaniker aus dem zweiten Team gefunden. Und nun quetschen sie natürlich alle aus, die in irgendeiner Weise in die Datenerhebungen involviert sind. Sie suchen seit vollen zwei Tagen per Hubschrauber mit Wärmebildkameras, lassen Drohnen fliegen und sind mit einer Hundestaffel unterwegs. Tim Meier, der Biologe, der wegen des Beinbruchs ausgeflogen werden musste, weshalb Andreas allein weiterging, ist völlig fertig. Nun geben alle hinter vorgehaltener Hand den beiden von der Einsatzleitung die Schuld, die Andreas die Genehmigung zum solo Weitergehen gegeben haben. Was in meinen Augen völliger Quatsch ist. Dort laufen täglich allein Wanderer herum. Wölfe und Bären hat man bisher auch noch nicht in diesem Gebiet gesehen, sodass es keinen ernsthaften Grund gegeben hätte, ihm das zu verbieten.“
Peter dirigierte Hanna am Arm ins erstbeste Café, um sie aus dem Blickfeld der Presse zu ziehen. „Ich sehe dir an, was du denkst.“
„Ist das ein Wunder?“, murmelte Hanna. „Du beißt dir doch genau so auf die Zunge.“
Dankend nahmen sie Eis und Kaffee entgegen, um eine Weile schweigend in den Tassen zu rühren.
„Du planst doch schon irgendwas?“, stellte Peter leise fest.
Hanna nickte. „Ich werde Dr. Bernhard Kreller fragen, ob er mit mir gemeinsam die Strecke abgeht.“
Peter verschluckte sich glatt. „Du willst was?!“, platzte er mit einigem Entsetzen heraus. Es störte ihn nicht mal, dass sich die Gäste am Nebentisch wegen seines doch recht lauten Ausrufs neugierig umwandten.
„Du hast richtig gehört“, erwiderte Hanna eindringlich. „Ich kann den Kerl als Mensch nicht ausstehen, aber fachlich ist er erste Sahne. Ich will ihn ja nicht heiraten. Ich brauche einen, wie ihn, der auch okkulte Aspekte oder Zeit- und Raum-Krümmungen nicht als Ulk abtut. Er ist Physiker, der Einzige, dem ich diesbezüglich komplett vertrauen würde, und der verrückt genug ist, überhaupt mitzugehen. Ich hoffe, dass ich ihn ködern kann.“
Peter schaute Hanna mit so undefinierbarer Miene an, dass sie glucksend zu lachen begann. „Am besten hältst du Mutter auch aus dieser Sache raus. Die dreht bloß durch.“
„Versprochen.“
Am nächsten Morgen rief Hanna gleich neun Uhr bei Dr. Bernhard Kreller an.
„Was verschafft mir die Ehre, Frau Diplom-Geologin?“, fragte Kreller in seinem üblichen herablassenden Ton, als Hanna nur ihren Familiennamen genannt hatte.
„Ein privates Forschungsprojekt, für das alle anderen nicht qualifiziert genug sind. Ihr angeborener Zynismus, der Sie aus der breiten Masse heraus hebt, macht Sie zu meinem Joker im Spiel.“
Weil einige Sekunden Stille herrschte, glaubte Hanna schon, Dr. Kreller, von Freunden wie Feinden Barny genannt, hätte aufgelegt, da sagte er plötzlich: „Zehn Uhr in meinem Büro.“
„Geht klar, großer Meister. Bis dahin.“ Hanna beendete mit breitem Grinsen das Gespräch, während Dr. Kreller verblüfft sein Telefon betrachtete.
Dass sich Hanna ausgerechnet an ihn wandte?! Das zweite Mal, dass sie ihn beeindruckte. Beim ersten Mal hatte sie einfach nur für alle hörbar „Fatzke“ gesagt, als er ihr die Glastür vor der Nase zuschlug, während sie einen ganzen Stapel Exponate-Kartons durch den Lichthof jonglierte. Der Hall im Lichtschacht hatte das Wort mehrfach verstärkt und einige Mitarbeiter schauten, wem es galt. Barny musste grinsen. Die süße Brünette hatte Stil, während sich andere tagelang keifend über ihn echauffierten.
Er setzte seinen Status kurz vor zehn auf unabkömmlich und drückte die Ruhetaste am Festnetztelefon. Auf die Sekunde genau klopfte Hanna an seiner Tür, er bat sie herein und zeigte auf die gemütliche Sitzecke, statt auf die Stühle am Schreibtisch.
Hanna dankte, nahm Platz und staunte, weil er zwei Tassen mit Espresso füllte und Gebäck auf den Tisch stellte. „Schau an, schau an, er kann also auch anders!“
Barny setzte sich ebenfalls und fragte: „Um welche Art Katastrophe geht es?“
„Um den Beweis einer Zeit-Raum-Anomalie“, brachte es Hanna sehr kurz auf den Punkt.
„Hä?!“, entfuhr es Barny, sie mit völliger Verblüffung musternd.
„Ich meine es ernst, Doktor Kreller. Ich habe so etwas am eigenen Leib erlebt und bin der Überzeugung, dass dem vermissten Botaniker Andreas Winkler Ähnliches widerfahren sein könnte. Ich habe vor, seine Tour mit dem gleichen Marschgepäck abzugehen, und möchte Sie als renommierten Physiker, der sich weder fachlich noch privat um das Gerede anderer schert, dabei haben.“
Barny schaute Hanna stumm forschend in die Augen. Die hielt dem Blick mit stoischer Ruhe stand.
„Ein interessantes Ansinnen, dem ich nicht abgeneigt bin“, murmelte er schließlich. „Sie werden sicher verstehen, wenn ich Hintergrundwissen haben möchte.“
„Voll und ganz“, bestätigte Hanna, ihr Erstaunen nicht zeigend, weil sie fest mit arroganten Sprüchen gerechnet hatte. „Ich erzähle Ihnen am besten die komplette, allerdings recht lange Geschichte, aus der Sicht des Kindes, das ich damals gewesen war.“
„Bitte. Ich bin ganz Ohr und habe Zeit.“
Hanna trank die Tasse leer und berichtete: „Ich ging damals in die zweite Klasse einer Schule auf dem Chemnitzer Sonnenberg, also ziemlich nah am Zeisigwald. Ich durfte stets meinen Vater begleiten, wenn er an den Wochenenden auf den Spuren des alten Vulkans wandelte, der hier in grauer Vorzeit ausgebrochen war. Seit ich selber ein Stückchen versteinerten Holzes gefunden hatte, war dieser feuerspeiende Berg meine große Leidenschaft.“
Über Barnys Gesicht huschte ein kaum merkliches amüsiertes Grinsen.
„Ich hab davon geträumt, wie es wohl sei, durch den Wald der fremdartigen Baumriesen zu schlendern, bevor die Folgen der Katastrophe sie in Stein verwandelte“, fuhr Hanna fort. „Besonders dann, wenn ich im Foyer des Tietz den Kopf in den Nacken legen musste, um die oberen Enden der ausgestellten Stammstücke sehen zu können. Als ich einen eigenen Ausweis für die Stadtbibliothek bekommen hatte, lieh ich mir so beinahe alle Bücher zum Thema Vulkane aus, die im Bestand waren. Soweit zur Vorgeschichte“, erklärte Hanna.
„Eines Tages erhielt ich als Geburtstagsgeschenk eine Eintrittskarte zum Museum für Naturkunde. Den ersten Blick schenkte ich dem riesigen Grizzly gleich neben dem Eingang. Der ist gewaltig groß und ich musste auch seinetwegen den Kopf weit in den Nacken legen, um die Ohren anschauen zu können. Ich stutzte. Der Gigant hatte soeben mit dem rechten Auge geblinzelt. Ich drehte mich sogar noch ein paar Mal nach ihm um.
‚Was hast du?‘, fragte mein Vater, weil ich ziemlich irritiert wirkte. Ich wusste ja, dass der Bär ausgestopft war, und gar nicht blinzeln konnte. Aber er hatte es getan. Nur wollte ich das nicht meinem Vater erzählen.
Als ich den ersten versteinerten Stamm erspähte, war der Bär vergessen und ich meinte, das Rauschen von Farnen und Siegelbäumen im Sommerwind zu hören. Ich las die Begleittexte und Vater berichtete, was es zu jener Zeit an Tieren gegeben hatte. Er lachte, weil ich mehrere Minuten jedes einzelne Stück Achat betrachtete und mit meinem angelesenen Wissen verglich.
Nach zwei Stunden streifte sein Blick die Uhr. ‚Komm, wir ruhen uns ein bisschen aus und schauen uns den Film vom Vulkanausbruch im Zeisigwald an! Gleich geht es wieder los!‘
Wir beeilten uns, um bloß nichts zu verpassen, nahmen Platz, dann waren wir schon ganz im Bann der Geschehnisse auf der Leinwand. Das Grollen des Ausbruchs ließ mich erschauern. Es klang so unglaublich echt und irgendwie ganz anders, als ich es bisher hier im Haus vernommen hatte. Zudem ließ lautes Brummen hinter uns erstaunt die Köpfe heben. Einen Lidschlag später schwirrte ein auffallend großer Käfer vorbei. Verblüfft schauten wir ihm nach und Vater sagte: ‚Der ist bestimmt aus dem Insektarium ausgebüxt.‘
‚Oder auch nicht“, murmelte ich, an den blinzelnden Grizzly denkend. Ich fasste ängstlich die Hand meines Vaters, denn es wurde plötzlich drückend heiß und roch nach Schwefel.
‚Alles in Ordnung? Der Bär ist ausgestopft, du musst keine Angst vor ihm haben‘, erklärte Papa, weil ich mich gerade wieder nach dem Raubtier umdrehte. Er schien Hitze und beißenden Gestank gar nicht zu bemerken.
‚Den gab es im Perm ja noch gar nicht‘, erwiderte ich mit gerunzelter Stirn. ‚Ich habe Angst vor den gigantischen Tausendfüßlern, denn die sind garantiert nicht nur gefräßig, sondern auch giftig.‘
‚Keine...
| Erscheint lt. Verlag | 23.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Physik • Timberwolf • Urzeit • Vulkane • Zeitsprung |
| ISBN-10 | 3-8192-3623-6 / 3819236236 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-3623-5 / 9783819236235 |
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