Drei Mädchen und der letzte Hexenprozess · Teil 2 (eBook)
422 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6639-6 (ISBN)
Als Fotokünstler bereiste ich die Welt und sammelte Eindrücke aus vielen Kulturen, die heute in meine Werke einfließen. Das Schreiben allerdings eröffnete mir viele Welten voller Geschichten, wie es das Fotografieren niemals konnte. Ich liebe es, jeden Morgen durch den Humboldt-Hain zu gehen, der mich die drei Hauptfiguren meiner DREI MÄDCHEN - Romanreihe und die fantastische Welt der Tamanaken entdecken ließ - und ganz nebenbei die Verbindung zu Alexander von Humboldt knüpfte.
1
ZUKUNFT
Die Drei
Diese Welt ließ eine gelassene Ruhe in die Fünf einkehren. Sie flanierten mit den anderen vielen Menschen, die die Regenwald-Back-World genossen, zusammen über den Platz vor dem Schloss - von vor so langer Zeit, das zerstört, für viele Jahre gänzlich verschwunden und in einer anderen Zeit wie sein eigener Urenkel wiedererbaut wurde.
Dann ertönte der durchdringende, singende, unglaublich laute Gesang einer Horde Brüllaffen. Ihr Brüllen echote von der Schlossfassade in die Stadt, die so still war, als ob hier gar keine wäre.
Erst jetzt bemerkten die Fünf; jede Stimme, jedes Geräusch klang so klar und weit, so schwerelos und filigran, wie es nur die Stille zulässt. Zu sehen war von Berlin nichts. Vor ihnen entfaltete sich majestätisch die satt grüne Wand des tropischen Waldes, mit Bäumen, die das Schloss bei Weitem überragten, mit riesigen Brettwurzeln und armdicken Lianen.
All das kontrastierte wunderbar vor dem blauen Himmel. Nur eine Stadt war nicht zu sehen, zu hören oder zu riechen. Keine Skyscraper wie in den Science-Fiction Filmen oder Lärm von Autos, Bussen, Straßenbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen, Sirenengeheul, Flugzeugdonner oder sonst ein Geräusch, das auf Maschinen schließen ließe.
Annabell ging mit Timmy, der stolz an ihrer Seite seinen Kopf und die Ohren hob und den Schwanz mit dem weißen Puschel in den Himmel streckte. Lara ging neben Sven, der manchmal heimlich zu ihr sah, um zu sehen, wie ihre Augen leuchteten, wenn sie einem Affen nachsah oder den lauernden Jaguar fixierte.
Maya schlenderte neben Friuli, der seine Freude kaum fassen konnte, ihr an diesem Tag begegnet zu sein. Der Back-World waren sie jetzt ganz nahe und konnten sich auf Details konzentrieren. Sie sahen die Bromelien, mit ihren zackigen weiß gestreiften Blättern auf den Ästen ruhen; die Brüllaffen mit ihrem dichten tiefschwarzen und kastanienbraunen Pelz und den aufgerissenen Mäulern; die Orchideen mit ihren Blütenrispen, die ihren intensiven Duft verströmten. Sie hörten Geraschel im Unterholz; flatternde Flügel irgendwo; das anschwellende helle Schreien von Pinselohräffchen, auch das kehlige Gurren des Jaguars durchdrang das Dickicht.
Dann verdunkelte sich der Himmel des Waldes. Ein fetter Wolkenbruch kam im Wald herunter. Große Tropfen prasselten auf Blätter, die den Fluss des Wassers von sich weg und andere zu sich hinlenkten, oder sie spritzten weit davon und es ergoss sich ein durchdringendes, hohl klopfendes und fröhlich plätscherndes Regengeräusch. Blätter glänzten, senkten sich, um das satte Nass ablaufen zu lassen.
INSPIRIERT VON
DER WAHREN GESCHICHTE VON
MARIA DOROTHEA STAFFIN,
DIE 1728 ALS LETZTE HEXE IN BERLIN
ANGEKLAGT WURDE.
Heftiger Wind kam aus dem Wald herüber geweht, mit dem reichen Duft des Regens. Genau so schnell wie er begann, endete der Regen und gab der Stille wieder ihren Raum. Nur vereinzelt tropfte es jetzt klopfend von den Blättern, oder ploppte hohl vor sich hin.
Fasziniert gingen die Fünf und Friuli weiter über den Platz, wichen einer anderen kleinen Gruppe aus, die ebenso den Blick von der Back-World nicht lassen konnte und mit der sie beinahe zusammengestoßen wären. Höflich sagten diese ein >Verzeihung<, nickten anmutig mit den Köpfen, gingen um die Sechs herum, und wandten sich wieder dem Spektakel im Regenwald zu.
Abgelenkt wie im Traum gelangten sie an das Ende des Schlossplatzes, wo auch der Regenwald endete.
Friuli und Maya gingen ein paar Schritte voraus. Maya lehnte sich über das Geländer an der Spree, sah in das kristallklare Wasser, in dem Forellen schwammen und ließ ihren Blick schweifen, von der Langen Brücke rechts neben ihnen, die immer noch Rathausbrücke hieß, am Nikolaiviertel mit den seltsamen runden Pavillons, vorbei zum Fernsehturm empor, wo sich nichts, was zu erkennen gewesen wäre geändert hatte, seitdem Maya das letzte Mal mit ihren Eltern dort gewesen war.
Maya traute sich nicht, Friuli danach zu fragen, wie es kam, dass sich hier seit 1018 Jahren nichts geändert hat, von dem Schloss einmal abgesehen, dessen Neubau erst 10 Jahre nach ihrer ersten Zeitreise vollendet wurde. Selbst der Himmel und die Wolken schien so vertraut. Die Skyline war vom Fernsehturm als das höchste Gebäude dominiert. Die Marienkirche stand immer noch wie deplatziert, quer zwischen den Häuserfronten, am selben Platz wie eh und je und selbst die Gebäude mit den unendlich langen Häuserfronten rechts und links des Alexanderplatzes, an denen gestern noch die Gesänge der jugendlichen Rebellen vom 7. Oktober 1977 im Echo hallten, standen alle noch an ihrem Platz und selbst der verwaiste Marx-Engels-Platz mit den verloren wirkenden Statuen und Stelen, war authentisch erhalten.
War das ein gutes Zeichen oder ein weniger gutes?<, fragte Maya sich in Gedanken und hätte sehr gern Friuli danach gefragt. Das allerdings hätte sie möglicherweise schon wieder entlarven können und ihr Geheimnis gelüftet. Das Risiko wollte Maya nicht eingehen, jetzt noch nicht. Sie suchte krampfhaft nach einer unverfänglichen Frage, eine, die nicht zu tief ging und nicht zu viel von ihr preisgab und auf die Friuli ebenso unverfänglich antworten konnte.
»Friuli, wie alt bist du?« Was für eine blöde Frage<, hämmerte es in ihrem Kopf, schon im selben Moment, als sie es ihre Stimme sagen hörte.
Als ob er darauf gewartet hatte, antwortete Friuli in einem Redeschwall, was ihn unglaublich süß mit seinen grün leuchtenden Augen, niedlichen Wangen und den sanften Lippen spielen ließ.
»Ich bin fast 13, schließe im Herbst die Basic-Uni ab und spezialisiere mich danach - bin mir aber noch nicht sicher in welche Richtung - vielleicht Planetare-Geschichte?« Seine stupsige Nase wackelte leicht bei manchen Worten. »... oder Quantendesign. Beides find ich intergalaktisch. Und wie alt bist du?«, endete Friuli mit der gleichen unbeholfenen Frage.
»Ich bin 12 2/3, also auch fast 13«, machte sich Maya etwas älter, »gehe aufs Gymnasium und würde gern studieren.« Maya war sichtlich aufgeregt, als sie das sagte. Ihre Stimme vibrierte ein wenig, ihre klitzekleine Stirnfalte verriet sie. »Was genau, muss ich wie du noch herausfinden.« - >Das war nichtssagend genug, um nicht zu viel über mich zu erzählen<, dachte Maya, mit einem kleinen Zweifel.
Was ist ein Gymnasium? ...<, klingelte es in Friulis Kopf nach, >... klingt nach planetarer Erdantike<.
Das kurze, nachdenkliche Schweigen entging Maya nicht. Eine kleine Lüge musste sie retten, deshalb sagte sie ganz cool: »Das ist ein Uni-Experiment nach Atomzeitalter-Regeln, ein Projekt eben. Nicht so spannend.«
»Erzählst du mir bei Gelegenheit mehr davon?«, fragte Friuli gespielt beiläufig und vorsichtig, denn er spürte, dass Maya einer weiteren Frage ausweichen würde. Er wollte sie nicht vergraulen und war so sehr Gentleman, dass er ihr Geheimnis wahrte und nicht weiter insistierte.
»Magst du die historische Altstadt? Wir können uns heute kaum vorstellen, wie die Menschen damals lebten. In den Städten und sogar auf dem Land muss es unglaublich laut und voller Autoabgase gewesen sein. Und die unendlich vielen Straßen durchschnitten die gesamte Lebensstruktur.«
»Ich glaube so war es tatsächlich, aber die Menschen damals merkten das wohl nicht so sehr. Sie waren dafür vielleicht weniger sensibilisiert«, versuchte Maya ihre Welt in Schutz zu nehmen. Bisher war sie auch noch nicht aus der >Altstadt<, wie Friuli sie nannte, herausgekommen. Diese Welt war ihr noch ein großes Geheimnis. Die gedankengesteuerten Türen in der Ausstellung, gaben einen ersten Vorgeschmack, von dem, was sie außerhalb der >Altstadt< erwarten würde.
»Da seid ihr ja endlich. Wo wart ihr so lange?« Maya war froh, dass ihre Freunde endlich kamen. Sie wusste schon nicht mehr, was zu sagen, wenn ...
»Na, wir dachten ihr ...«, stockte Annabell plötzlich.
»Jetzt sind wir ja da ...«, beendete Sven die Herumeierei. »Sieht hier ganz nett aus. Hat sich nicht viel verändert seit...«, und damit war es raus. Sven stockte mitten im Satz, mitten im Gedanken, sagte verschämt: »Ups.«
Und Friuli war sich jetzt sicher. Sie kommen aus der Vergangenheit. So unwahrscheinlich es auch sein mochte, war er sich jetzt absolut sicher.
Das Wind-Design spielte mit ihren Haaren, als sei eben nichts passiert. Ihre Gewänder wehten im gleichen Wind. Die Fünf Wesen aus einer mehr als eintausend Jahre zurückliegenden Zivilisation waren still, sagten kein Wort.
Jeder dachte für sich nach, was nun zu tun war. Einen neuen Plan vor Friuli zu schmieden, schloss sich im Moment aus, ohne alles preiszugeben. Abzuhauen würde sie ihrem Ziel nicht näherbringen. Friuli kannte sich hier aus und könnte, wenn er wollte, für sie eine riesige Hilfe sein, denn die Welt da draußen, die normale Welt, kannten sie noch nicht, geschweige denn wussten sie, welche Hürden sich hier noch auftun, an denen ihre Mission und das gesamte Projekt scheitern...
| Erscheint lt. Verlag | 7.2.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| ISBN-10 | 3-7693-6639-5 / 3769366395 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-6639-6 / 9783769366396 |
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