Notärztin Andrea Bergen 1534 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-8028-5 (ISBN)
Als die engagierte Neurologin Carina Rieß mit ihrem Sohn in eine neue Stadt zieht, hofft sie auf einen Neuanfang. Doch die Arbeit am Elisabeth-Krankenhaus fordert sie rund um die Uhr, und zu Hause beginnt ihr Teenagersohn Leo plötzlich, Probleme in der Schule zu machen. Der Grund? Sein neuer Chemielehrer Max Kirchhoff - ein strenger, aber faszinierender Mann. Als Carina ihn auf dem Elternabend begegnet, ahnt sie noch nicht, dass sie bald nicht nur um das Vertrauen ihres Sohnes kämpfen wird - sondern auch um das Leben des attraktiven Lehrers. Denn hinter Max' harter Schale verbirgt sich nicht nur ein gebrochenes Herz, sondern auch ein medizinisches Rätsel, das Carina nicht ignorieren kann. Aber wird er sich von ihr helfen lassen?
Das Rätsel seiner Krankheit
Das Schulfest hätte ein schöner Tag werden sollen – doch dann gab es einen Notfall. Max Kirchhoff, der Chemielehrer meiner Tochter Franzi, brach plötzlich mitten in einer Vorführung zusammen. Ich war sofort zur Stelle – doch jemand war schneller: Dr. Carina Rieß, meine Kollegin aus der Neurologie und die Mutter von Franzis Klassenkamerad Leo. Sie kniete bereits neben dem Lehrer, prüfte seinen Puls und sprach beruhigend auf ihn ein. Ich habe sie noch nie so besorgt erlebt. Dass sie als Ärztin hilft, stand außer Frage. Doch in ihrem Blick lag mehr als nur berufliche Fürsorge.
Schon seit Wochen hatte sie seine Symptome beobachtet – das Zittern, die Erschöpfung, die Momente der Verwirrung – und ahnte, dass etwas mit Max Kirchhoff nicht stimmte. Es war ihr nun sehr wichtig, ihn persönlich ins Krankenhaus zu begleiten. Und ich frage mich: Kämpft sie nur als Ärztin um ihn – oder als Frau, die ihm längst nähersteht, als sie es sich eingestehen will?
»So ein Glück.« Die Notärztin Dr. Andrea Bergen seufzte erleichtert auf und ließ ihren Blick über den Krankenhauspark gleiten. Auf der Wiese waren Narzissen und Krokusse zu sehen, die ihre Köpfe durch den Rasen steckten. Die Blütenpracht in Gelb und Lila kündigte wie jedes Jahr den Frühling an, aber für eine Patientin würde dieser Frühling etwas ganz Besonderes sein. »Wie geht es Frau Brandt mit diesen Neuigkeiten?«, fragte Andrea und wandte sich zu ihrer Kollegin Dr. Lore Keller um, die neben ihr auf der Bank saß und ebenfalls die Hände um einen wärmenden Kaffeebecher geschlungen hatte.
Die Internistin hatte ihr gerade mitgeteilt, dass der letzte Bestrahlungstermin für die Patientin bevorstand.
»Sie weiß natürlich, dass der Krebs jederzeit zurückkehren kann«, bemerkte Lore mit abwesendem Blick. »Andererseits kann niemand von uns wissen, was die Zukunft bereithält. Ich denke, ihr Optimismus und Lebensmut sind die besten Voraussetzungen dafür, dass Frau Brandt noch lange gesund bleibt. Vor allem jetzt, wo sie so große Pläne hat.«
Andrea nickte. »Hast du etwas dagegen, wenn ich kurz nach ihr sehe? Sie war eine großartige Lehrerin für Franzi und wollte den Kindern noch so viel mit auf den Weg geben. Ich würde mich gern persönlich von ihr verabschieden.«
Lore schmunzelte in sich hinein. »Natürlich habe ich nichts dagegen. Wer weiß, wie es um Frau Brandt stünde, wenn du sie damals nicht so zügig an mich überwiesen hättest. Außerdem kenne ich dich gut: Dir geht jedes einzelne Patientenschicksal nahe.«
»Wie so oft hast du recht. Wir sehen uns später.«
Andrea trank ihren Kaffee aus, strich ihrer langjährigen Freundin sanft über die Schulter und machte sich auf den Weg zum Bestrahlungszimmer im ersten Stock, nachdem sie den Frühlingsduft noch einmal tief eingeatmet hatte.
Vor dem Bestrahlungszimmer traf sie auf Dr. Robert Biehler, den behandelnden Radiologen von Frau Brandt. Über Lautsprecher und Monitor hatte er Sichtkontakt mit der Patientin und konnte mit ihr reden, ohne sich selbst ins Zimmer zu begeben.
»Das haben Sie wunderbar gemacht, Frau Brandt«, sprach er ins Mikrofon. »Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss Ihrer Therapie. Ich schalte jetzt die Geräte ab und komme rein.«
Durch das Sichtfenster bemerkte Andrea, wie sich auf den Lippen der älteren Frau ein Lächeln abzeichnete. Sie lag auf der Liege in der Mitte des Zimmers, sodass der sogenannte Linearbeschleuniger, der zur Strahlentherapie benötigt wurde, um sie herumfahren konnte. Mit einem Piepton schaltete sich das Gerät ab, und die Patientin setzte sich auf.
Jetzt wandte sich der Radiologe auch zu Andrea Bergen um. »Frau Kollegin! Wieso wusste ich, dass ich Sie heute hier antreffen würde?«
Die Notärztin zuckte mit den Schultern. »Vielleicht hat sich inzwischen herumgesprochen, dass ich gerne nach meinen ehemaligen Patientinnen und Patienten sehe, auch wenn meine Arbeit längst getan ist und ich sie in fachkundige Hände übergeben konnte.«
»Apropos Hände ...« Sein Blick fiel auf den Kaffeebecher, den Andrea noch immer in der Hand hielt, obwohl sie ihn eigentlich in den Mülleimer auf dem Flur werfen wollte. »Sicher muss ich Ihnen nicht sagen, dass diese Brühe das reinste Gift für Ihren Körper ist?«
»Nein, das müssen Sie nicht, Herr Kollege. Aber man sagt auch: Die Dosis macht das Gift. Und manchmal braucht auch die Seele ein wenig Medizin.« Sie zwinkerte ihm zu.
Dr. Biehler war schon immer ein regelrechter Gesundheitsapostel gewesen, und Andrea konnte es ihm nicht verdenken, auch wenn sie persönlich seiner asketischen Lebensweise nicht allzu viel abgewinnen konnte.
Kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln auf den Lippen, öffnete er ihr die Tür zum Bestrahlungszimmer. »Gehen Sie doch schon mal rein. Was ich mit Frau Brandt zu besprechen habe, kann auch noch fünf Minuten warten. Frau Brandt, hier ist noch jemand, der Sie gern sehen würde.«
»Frau Dr. Bergen! Was für eine schöne Überraschung. Wie geht es Franzi?«, frage die Patientin.
»Sie erkundigen sich nach Franzi, dabei wollte ich gerade fragen, wie es Ihnen geht«, erwiderte Andrea.
Frau Brandt machte eine wegwerfende Handbewegung. »Ach, Sie wissen ja: Unkraut vergeht nicht. Ich denke jeden Tag an meine ehemaligen Schützlinge. Es kommt mir vor, als hätte ich gestern noch an der Tafel gestanden und ihnen etwas über anorganische Verbindungen erzählt, dabei ist das schon Monate her.«
Andrea blieb vor der Patientin stehen. »Meine Tochter hat erzählt, dass Sie in der Zwischenzeit gut vertreten wurden. Und jetzt, nach den Osterferien, bekommt die Klasse endlich einen neuen Chemielehrer. Ich glaube, morgen ist schon seine erste Stunde in Franzis Klasse. Ich bin sehr gespannt, was sie mir dann erzählt.«
»Wie die Zeit rennt. Ich bin guter Dinge, dass er seine Arbeit ordentlich machen wird. Tatsächlich konnte ich Herrn Kirchhoff schon kurz kennenlernen. Ich war letzte Woche in der Schule und habe ihm im Labor alles gezeigt, das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Und es half mir auch, mich noch einmal von allem zu verabschieden – schließlich habe ich mich an diesem Gymnasium in den letzten zwanzig Jahren wie zu Hause gefühlt. Und in drei Wochen ...«
»... geht es auf große Reise?«, ergänzte Andrea.
»Wie ich sehe, funktioniert der Buschfunk.«
»Ich habe mich kurz mit Dr. Keller unterhalten«, gab Andrea zu.
Die Augen der Patientin leuchteten. »Sie wissen ja nicht, wie lange ich schon nach Japan reisen wollte: Einmal den Mount Fuji mit eigenen Augen sehen und die Kirschblüte bewundern. Tempel besichtigen und Tokio erleben! Die Krebserkrankung hat mir klargemacht, dass man manche Träume nicht für immer aufschieben kann.«
Andrea wurde warm ums Herz. Sie hatte schon oft erlebt, dass ihre Patienten bedauerten, sich ihre Wünsche nicht rechtzeitig erfüllt zu haben. »Passen Sie bitte gut auf sich auf, ja? Und wenn Sie möchten, schreiben Sie doch mal eine Karte für unsere Pinnwand in der Teeküche.«
»Das mache ich ganz bestimmt.« Frau Brandt strahlte jetzt über das ganze Gesicht. »Und Sie passen darauf auf, dass Franzi weiterhin in der Schule so fleißig ist!«
***
Als die Tür hinter Carina Rieß ins Schloss fiel, fiel auch eine unsichtbare Last von ihren Schultern.
Alles, was sie in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebt hatte – eine Patientin mit Migräne, ein älterer Herr mit unerklärlichen Lähmungserscheinungen und zwei Schlaganfälle – war jetzt nicht mehr wichtig. Sie war zu Hause – bei ihrem Sohn Leo.
Es war viertel nach sieben, und wenn er nicht bald aufstehen würde, käme er zu spät zur Schule. Nicht nur als Ärztin hatte sie lange Schichten, sondern auch als Mutter. Trotzdem war sie froh über die neue Stelle am Elisabeth-Krankenhaus, wo sie öfter Nachtdienste absolvieren konnte, und so zumindest tagsüber ein wenig mehr Zeit für ihren Teenager hatte.
Nur an den Tagen, an denen Leo Zeit mit seinem Vater verbrachte, konnte sie ein wenig abschalten. Und trotzdem wanderten ihre Gedanken dann oft zu der Frage, wie es Leo wohl ging.
Die junge Neurologin ließ ihre Schlüssel in die Schale auf dem Flurschrank fallen, hängte ihre Jacke an die Garderobe, schlüpfte aus den Schuhen und machte sich direkt auf den Weg zum Kinderzimmer ihres Sohnes. Sie klopfte erst zaghaft an und dann, als keine Antwort kam, kräftiger.
»Leo?«, rief sie. »Aufstehen, mein kleines Murmeltier.«
»Du sollst mich nicht so nennen, Mama!«, ertönte es genervt aus dem Zimmer.
»Ich weiß«, erwiderte sie und verkniff sich ein Grinsen. »Und ich werde damit aufhören, sobald du mit dem Weckerklingeln selbstständig aufstehst. Kann ich reinkommen?«
»Von mir aus. Bekomme ich noch einen Kakao, bevor ich losmuss?«
Carina drückte die Tür auf. Im...
| Erscheint lt. Verlag | 10.5.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Arzt • arzt-krimi • Arztromane • Bergdoktor • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • Doktor • Dr. • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • E-Books • Familiensaga • Fortsetzungsroman • Frauen • für • für Frauen • Großdruck • große-schrift • Happy End • Hedwig Courths Mahler • Heft-Roman • Historical • Julia • kaipurgay • Kelter • Kindle • Klinik • Klinik-roman • Krankenhaus • Krankenschwester • Kurfürstenklinik • Landarzt • Liebe • Liebesroman • Liebesromane • martin-Kelter • Medizin • Mira • Modern • Patient • patricia-vandenberg • Romance • romantisch • Schicksalsroman • Serie • spannend • Tiffany • Verlag |
| ISBN-10 | 3-7517-8028-9 / 3751780289 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-8028-5 / 9783751780285 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich