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Treppe in die Dunkelheit -  Steffen Flügler

Treppe in die Dunkelheit (eBook)

Eine Suchtgeschichte: Autobiografische Erinnerungen
eBook Download: EPUB
2025 | 4. Auflage
236 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1676-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,49 inkl. MwSt
(CHF 7,30)
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Ehrlich. Schonungslos. Hoffnungsvoll. Eine Suchtgeschichte. Ein Bier mit zwölf - der erste Schritt in ein Leben der Abhängigkeit. Was mit Mut antrinken beginnt, entwickelt sich zu einer Abwärtsspirale voller Alkohol und Drogen. Der Höhepunkt: Ein letzter Kampf gegen die Sucht mit 29 Jahren, diesmal im Krankenhaus. Unverhüllt erinnert sich Steffen Flügler an 17 Jahre Sucht und den Weg zurück ins Leben. Gefühle und Ausdrucksweisen sind rau wie die Realität, der Jargon der Drogenszene erschütternd echt. Jedes Kapitel wird begleitet von metaphorischen Einschüben, die der Sucht eine Gestalt geben und unter die Haut gehen. Dieses Buch ist für alle, die an den Wendepunkt im Leben glauben. Für alle Süchtigen, alle Angehörigen. Für alle, die verstehen wollen, was es heißt, am Abgrund zu stehen - und was es braucht, um sich davon zu befreien. Ein Buch wie ein Film, den man nie mehr vergessen wird. - Lexi Alexander, Oscar-nominierte Regisseurin und Drehbuchautorin

Steffen Flügler wurde am 27. Februar 1966 in Mannheim geboren. Von seinem 12. bis 29. Lebensjahr war er alkohol- und drogenabhängig. Nach erfolgreichem Entzug arbeitete der Autor als Verkäufer und über sieben Jahre als Führungskraft in der Logistikbranche. Während dieser Zeit war er auch in mehreren Bereichen der Musik- und Filmszene aktiv. Nach einem 30-monatigen Studium erhielt er 2008 die Zulassung zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet Psychotherapie und schrieb im gleichen Jahr sein erstes Buch "Treppe in die Dunkelheit - Eine Suchtgeschichte". Seit 2009 arbeitet Steffen Flügler als Dozent und Trainer in der Suchtaufklärung. Er hält Schulungen und Vorträge in Unternehmen, an Universitäten und bei öffentlichen Veranstaltungen. Nach der Veröffentlichung der Kurzgeschichte "Auf der Suche nach der Sucht" und mehrerer Artikel erschien 2012 seine zweite Kurzgeschichte "Der Anti-Streber". Aktuell arbeitet Steffen Flügler an der Verfilmung seines Buches "Treppe in die Dunkelheit".

ERSTE BERÜHRUNGEN


Sommer 1978, die Zeit der Coolness hatte Einzug in Deutschland. Jeder Teenager, der was auf sich hielt, trug Wrangler-Jeans, bei denen aus der Gesäßtasche ein billiger Plastikkamm herausguckte. Zigaretten rauchen war auch total angesagt. Ausgelöst wurde das erheblich durch den Film Grease. Ein modernes High-School-Musical, das von zwei Teenagern handelt, die sich ineinander verlieben. Die Hauptdarsteller waren John Travolta und Olivia Newton-John. Ich hatte mir den Film siebenmal angesehen. Bis dahin hatte ich nie ein großes Idol oder irgendjemanden imitiert. Aber da hatte mich das Fieber auch gepackt. Ich war zwölf, besaß auch so einen bescheuerten Kamm, mit dem ich mir alle paar Minuten die Haare nach hinten kämmte, rauchte wie ein Schlot und wollte um jeden Preis so cool wie Travolta rüberkommen. Das andere Geschlecht hatte jetzt auch schon meine vollste Aufmerksamkeit geweckt. In meine Schule ging ein Mädchen, das unheimliche Ähnlichkeit mit der Hauptdarstellerin aus Grease hatte. Blond, zierlich und unheimlich sweet, nur etwas jünger: Cindy. Ich war zum ersten Mal verknallt. Sie, ihre Schwester Katrin und eine Freundin von ihnen beobachteten mich sehr oft in der Pause. Wenn ich zu ihnen herüberschaute, drehten sie sich schnell weg, kicherten und tuschelten. Dieses Spiel war mir noch fremd, aber es gefiel mir. Eines Tages kamen wir dann ins Gespräch, wobei sich herausstellte, dass sie auch absolute Grease-Fans waren. Wir verbrachten jetzt öfter die Pause zusammen, freundeten uns an und trafen uns schließlich auch nach der Schule. Wir spielten Szenen von Grease nach, veranstalteten kleine Partys, alles eher noch im kindlichen Rahmen, aber bei jedem Treffen wuchs die Neugierde auf das uns noch Unbekannte. Dabei hatte ich allerdings noch so meine Berührungsängste.

Ich machte zu dieser Zeit so gut wie nicht mehr blau. Meine Mitschüler, auch die älteren, bewunderten mich, weil ich mit den hübschesten Mädchen der Schule befreundet war. Die meisten aus meiner Klasse spielten noch mit Lego oder der elektrischen Eisenbahn. Auf die Frage, ob ich mit Cindy gehen würde, schwindelte ich immer:

»Klar, Mann! Hast du etwa noch keine Alte?«, kämmte mir die Haare nach hinten und steckte mir ´ne Kippe an, manchmal mitten auf dem Pausenhof.

Micha, einer der stärksten aus der Schule, er war über zwei Jahre älter als ich, alle hatten ungeheuren Respekt vor ihm, passte mich auf dem Nachhauseweg ab.

»Stimmt es, dass du mit Cindy gehst?«, fragte er mich.

»Klar, Mann!«, antwortete ich wie immer.

»Hat ihre Schwester Katrin auch einen Freund?«, wollte er weiter wissen.

»Nein«, entgegnete ich ihm.

Es folgte eine kurze Zeit des Schweigens.

»Könntest du mich einmal mitnehmen? Wir könnten sagen, dass wir befreundet sind. Du würdest mir einen riesigen Gefallen tun; wenn du mal Hilfe brauchst, würde ich mich jederzeit revanchieren«, fragte er fast schon bittend.

Ich willigte ein.

»Klar, können wir machen, übermorgen ginge.«

Unsere Wege trennten sich. Ich bekam ein totales Scheißgefühl. Jetzt würden meine Lügen und Angebereien auffliegen.

Die eine oder andere Möglichkeit, Cindy näher zu kommen, gab es zwischenzeitlich schon. Wenn wir alleine mit ihrem Hund Gassi gingen, berührten sich manchmal unsere Hände. Sie zog ihre nicht weg, aber ich meine. Im Kino war sie schon zweimal näher gerückt, ich hätte nur noch den Arm um sie legen müssen, tat es aber nicht. Sie zeigte schon eine gewisse Bereitschaft, aber ich traute mich nicht. Unsicherheit, Angst, Schüchternheit, diese Kombination hielt mich immer davon ab. Ich selbst fand mich richtig toll, hatte aber besonders in solchen Situationen starke Zweifel, ob sie genauso von mir dachte. Gerade wenn sie mir Sympathie, Nähe, Zuneigung oder Ähnliches entgegenbrachte, fühlte ich mich besonders klein. Regelrecht überfordert, minderwertig fühlte ich mich und hatte jedes Mal den Schwanz eingezogen. Danach allerdings hätte ich mich für die ausgelassene Chance ohrfeigen können.

Zu Hause angekommen, flüchtete ich mich sofort in meine Phantasiewelt, so wie immer. Ich malte mir aus, Cindy zu küssen, von ihr bewundert zu werden, von Micha bewundert zu werden, von der ganzen Schule, ja, von der ganzen Stadt die vollste Aufmerksamkeit zu erhalten. Dieses Mal zerplatzte der Traum aber wie ein großer Luftballon. Als der Höhepunkt erreicht war, kam der Zweifel mit einer spitzen Nadel: Peng. Der Druck in mir begann unaufhörlich zu wachsen.

In meiner Verzweiflung nahm ich am Abend einen Freund meiner älteren Schwester zur Seite. Er war schon über sechzehn, hatte Erfahrung mit Mädchen und mochte mich.

»Kannst du mir helfen, Marco? Ich kenne da so eine aus meiner Schule, die mir richtig gut gefällt, und möchte mit ihr gehen. Wie stelle ich das am besten an?«, fragte ich etwas gehemmt.

»Oh, das wird sich mit der Zeit schon ergeben«, erwiderte er schmunzelnd.

»Ich habe aber nur Zeit bis morgen! Sag mir, wie du es machst!«, gab ich zurück.

Jetzt begann er laut zu lachen. Nach einer mir unangenehmen Weile antwortete er:

»Ich trinke zwei Flaschen Bier, rauche ein paar Kippen dabei, gehe zu ihr, lege meinen Arm um sie und teste aus, was so geht. Aber mit zwölf hatte ich weder was mit Bier, Zigaretten oder Frauen am Hut, du frühreifer Travolta. Glaub mir, es wird sich alles von selbst ergeben.«

Lachend ging er wieder ins Zimmer zu den anderen.

Bier und Kippen, mit dieser Antwort hätte ich wohl am wenigsten gerechnet. Ich hatte zwar schon mal Alkohol probiert, aber eben nur probiert. Immer nur schlückchen weise, es schmeckte mir überhaupt nicht und außer einem ekligen Geschmack im Mund spürte ich fast überhaupt nichts... obwohl alkoholtrinkende Leute immer eine faszinierende Ausstrahlung auf mich hatten. Es hatte etwas von Erwachsensein, etwas von Männlichkeit. Es schien mir aber nicht annähernd die Lösung für mein Problem.

Ich lag noch lange nachdenkend im Bett, aber mir wollte einfach nichts einfallen. Der beste Ausweg schien mir, ein bis zwei Wochen blau zu machen, aber dann würde ich auch Cindy nicht sehen. Irgendwann überfiel mich der Schlaf.

Bis zum Morgen war der Druck noch stärker angewachsen. Auf dem Schulweg traf ich wie immer Cindy mit ihrer Schwester.

»Kommst du heute Mittag zu uns? Unsere Mama ist nicht da«, fragte sie mit ihrem süßen Stimmchen.

Nein wäre mir die liebere Antwort gewesen,

»Ja klar«, presste ich aber dann doch über meine Lippen.

Sie kam mir an jenem Morgen so weit entfernt vor wie noch nie.

Als nächstes begegnete mir natürlich Micha.

»Hey, alles klar? Wie sieht es mit morgen aus, steht das?«

Schon wieder hätte ich am liebsten ein lautes NEIN herausgebrüllt.

»Ja sicher, wir können in der Pause eine Uhrzeit ausmachen«, waren aber die Worte, die mich noch tiefer in den ganzen Schlamassel zogen.

Das bestaussehende Mädchen, der am meisten geachtete Typ unserer Schule buhlten um meine Freundschaft, und ich fing an, sie dafür zu hassen.

Im Unterricht war ich wie immer in eine andere Welt abgetaucht. Heute war es dort aber sehr beklemmend. In der großen Pause verabredete ich mich mit Micha für vier Uhr am nächsten Tag, was meine Situation nicht gerade verbesserte. Das Einzige, das mir etwas Hoffnung gab, war der Umstand, dass wir bald umzogen und ich dann sowieso die Schule wechseln würde.

Zu Hause ging ich unter immer größerem Druck meine erdachten Optionen erneut durch. Nichts entwickelte sich daraus. Das Treffen mit Cindy rückte unaufhaltsam näher. Plötzlich fielen mir Marcos Worte ein, besonders eines: Bier! Er hat schon so viele Mädchen gehabt, er muss es wohl am besten wissen. Bier! Ich ging in die Küche, wo meine Mutter das Bier für meinen Opa aufbewahrte, wenn er sonntags zu Besuch da war. Bingo! Ohne zu zögern, schnappte ich mir eine Flasche. Mein Weg führte mich schnurstracks zu den stillgelegten Eisenbahnschienen ganz in der Nähe unserer Wohnung. Das schlechte Gefühl verflog zusehends. Meine Aufmerksamkeit galt nur noch der Flasche. Ein Abenteuerfeeling entwickelte sich, von verbotenen Sachen hatte ich mich sowieso schon immer angezogen gefühlt.

Nun saß ich da, mit einer Flasche Bier, drei Zigaretten, aber keinem Flaschenöffner!

Scheiße! Wie bekomme ich das Ding bloß auf?

Nach kurzem Nachdenken fiel mir ein, dass ich mal gesehen hatte, wie es jemand mit einem Feuerzeug gemacht hatte; ich besaß aber nur Streichhölzer. Also zurück nach Hause, einen Öffner besorgen. Nach einer viertel Stunde war es dann endlich vollbracht: Blobb.

Ich steckte mir eine an und nahm vorsichtig den ersten Schluck: Pfui! Es schmeckte total bitter, der nächste Zug an der Zigarette auch. Nach kurzer Zeit probierte ich erneut: Igitt! Obwohl es nur eine kleine Flasche war, schien es mir unmöglich, sie auszutrinken. Vor allem fehlte bis jetzt kaum etwas. Die Abenteuerlust war verflogen. Als ich wieder ansetzen wollte, schaffte ich es nicht mehr, daran zu trinken....

Erscheint lt. Verlag 10.4.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-8192-1676-6 / 3819216766
ISBN-13 978-3-8192-1676-3 / 9783819216763
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