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Der Hamburger Ernst -  Thomas Peper

Der Hamburger Ernst (eBook)

frei nach Oscar Wilde

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
86 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1629-9 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
4,49 inkl. MwSt
(CHF 4,35)
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Antonius und Hannes, zwei Freunde, die gegensätzlicher nicht sein könnten - der eine vornehm und arm, der andere etwas rustikal, aber wohlhabend. Nur zu dumm, dass beide jungen Herren sich in Frauen verliebt haben, die darauf bestehen, dass der Zukünftige Ernst heißt. Da greift man schon mal zu ungewöhnlichen Methoden, auch wenn man mit der strengen Tante oder der prüden Gouvernante in Konflikt kommt. Eine herrliche Verwechslungskomödie, frei nach Oscar Wildes "The Importance of Being Earnest", extra fürs Hamburger Publikum modernisiert und umgeschrieben. London wird zu Hamburg, Shropshire mutiert zur Lüneburger Heide, aber die Komik und der Witz bleiben erhalten. Ernst sein ist nicht alles - oder doch? Wenn es um die Gunst eines geliebten Mädchens geht, muss man bereit sein, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen ... zum Beispiel sich umtaufen zu lassen. Das Stück wurde modernisiert für das Publikum des 21. Jahrhunderts und spricht sowohl reifere wie auch jüngere Jahrgänge an.

Autor, Fotograf, Übersetzer und Strandliebhaber. Wohnhaft irgendwo in der Lüneburger Heide.

1. AKT


Geschlossener Vorhang. Spot auf die Mitte an.

Der Erzähler betritt die Bühne.

Erzähler


Meine Damen und Herren! Wir leben im Zeitalter der Unterhaltung – oder wie es so schön auf Neudeutsch heißt: Entertainment. Die Unterhaltung hat praktisch alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens durchdrungen. Überall, wo Sie hinschauen, wollen Menschen unterhalten werden. Fernsehen, Radio, und natürlich auch im Internet ist Unterhaltung die oberste Direktive. Und selbst auf das problemgeschulte Theaterpublikum nimmt die Unterhaltungsmafia keine Rücksicht!

Schaurige Neologismen wurden hierfür erfunden: beim Infotainment müssen die neuesten Meldungen aus Politik und Wirtschaft unterhaltsam vermittelt werden – eine echte Herausforderung für alle Nachrichtenredakteure, wie Sie sich vorstellen können. Aber es kann noch schlimmer kommen: das Edutainment! Schule und Bildung, die (ich wage es kaum auszusprechen) Spaß machen soll – der Untergang des Abendlandes!

Der Erzähler macht eine kurze Pause, um sich wieder etwas zu beruhigen, nachdem ihn die letzten Sätze emotional aufgewühlt haben.

Da ist es doch wohltuend zu wissen, dass es Menschen gibt, die all diesem oberflächlichen Tand nichts abgewinnen können. Menschen, die in ihrem Leben andere, bessere Schwerpunkte setzen.

Während des letzten Satzes geht langsam der Vorhang auf, und man sieht Antonius’ Junggesellenapartment, trendy und teuer eingerichtet. Die künstlerisch-kreative Atmosphäre wird allerdings im Moment dadurch geschmälert, dass das gesamte Interieur durch die zahlreichen Überreste einer offensichtlich unübersichtlichen Party (oder mehrerer Partys?) überdeckt wird. Nicht nur umgeworfene Gläser, leere Flaschen, diverse Tabletts mit Essensresten, sondern auch herumliegende Kleidungsstücke (von Antonius und anderen – auch weiblichen – Gästen) dominieren das Bild.

Jana bemüht sich gerade, auf dem Boden kniend, die schlimmsten Flecken aus dem weißen Teppich zu entfernen und überhaupt Ordnung in Antonius’ Apartment zu schaffen.

Während der nächsten Sätze geht der Erzähler langsam in das Bühnenbild hinein und setzt sich auf einen der weißen Designerstühle, wo er Janas Bemühungen verfolgen kann.

Ja, meine Damen und Herren, wie Sie sehen, gibt es noch Menschen, die sich ernsthaft bemühen. Menschen, die etwas Sinnvolles, Schönes, Bedeutungsvolles in ihrem Leben erreichen wollen. Ist es nicht tröstend zu wissen, dass das Streben nach Klarheit, nach Reinheit, nach Sinnhaftigkeit noch nicht ganz verloren ist?

Jana schaut kurz zum Erzähler hinüber, schüttelt frustriert den Kopf und scheuert weiter am Rotweinfleck auf dem Boden.

Ich will es kurz machen: Worum es heute Abend geht, ist nichts Geringeres als die Rückkehr zum Wesentlichen, weg vom Entertainment, weg von der Oberflächlichkeit, hin zum eigentlichen Sinn des Lebens – zum Ernst.

Nach dem letzten Satz steht der Erzähler auf und geht ab.

Von nebenan hört man den satten Klang einer E-Gitarre, eher laut als musikalisch wertvoll.

Antonius (off) Jana!

Jana (mit rotem Kopf, genervt) Ja, was ist denn?

Antonius Jana, hast du gehört, was ich gespielt habe?

Jana Nein. Ich hab nicht zugehört. Der Rotweinfleck geht nicht raus.

Antonius (betritt die Bühne) Schade für dich. Das war gerade ein echt cooler Riff. Ganz spontan improvisiert! Meine Improvisationen sind wie immer erste Klasse. Voller Power, voller Emotion! An der Gitarre lasse ich mein volles Gefühl heraus. Den Ernst des Lebens überlasse ich den anderen.

Jana (ironisch) Ganz toll.

Antonius Apropos Ernst des Lebens… Hast du schon das Sushi für Tante Augustine fertig?

Jana (immer noch den Fleck bearbeitend) Ja, steht im Kühlschrank.

Antonius (geht zum Kühlschrank, holt sich die Sushiplatte und setzt sich aufs Sofa neben der knienden Jana) Ach, und noch etwas: seit letzter Woche, als Hannes und Jimmi hier mit mir gegessen haben, sind sechs Flaschen Champagner ausgetrunken worden.

Jana Ja, stimmt. Alle leer.

Antonius Wie kommt es eigentlich, dass die Haushälterinnen in Junggesellenapartments immer den Champagner der Gäste trinken? Ich frage nur so aus Interesse.

Jana (unschuldig) Bei uns zuhause gibt es keinen Champagner. Wenn man verheiratet ist, hat man kein Geld mehr für so einen Luxus.

Antonius Meine Güte! Ich wusste gar nicht, dass die Moral in der Ehe so weit gesunken ist.

Jana Na ja, es hat auch Vorteile, verheiratet zu sein. Allerdings kenne ich meinen Leszek noch nicht so lange. Letztes Jahr haben wir geheiratet. Es war besser so. Sonst wär’ ich ihn los gewesen.

Antonius (gelangweilt) Jana, eigentlich habe ich gar keine Lust, mir deine Familiengeschichten anzuhören.

Jana Ja, ich weiß, kein interessantes Thema. Ich finde es selbst ziemlich langweilig.

Antonius Was die Ehe betrifft, hast du eine ganz schön lockere Einstellung, meine Liebe. Ein bisschen zu locker, finde ich. Du bist wirklich kein gutes Vorbild für mich. Bei so wenig Verantwortungsgefühl komme ich glatt auf die schiefe Bahn.

(Es klingelt. Jana steht demonstrativ stöhnend auf und öffnet die Tür. Hannes kommt herein.)

Antonius Ah, mein lieber Ernst! Wie geht’s? Was führt dich mal wieder in die große Stadt?

Hannes Natürlich das Vergnügen. Der pure Hedonismus. Ah, ich sehe, du bist wieder einmal beim Essen, Toni.

Antonius (betont formal) In unserer großen Stadt ist es üblich, am Nachmittag einen kleinen Imbiss einzunehmen. Als Landei kennst du dich mit solch vornehmen Gebräuchen natürlich nicht aus. Wo warst du übrigens seit letztem Donnerstag?

Hannes (setzt sich aufs Sofa) Auf dem Lande natürlich.

Antonius Was um Himmels willen tust du da eigentlich die ganze Zeit?

Hannes Wie gesagt, wenn man in der Stadt ist, amüsiert man sich. Wenn man auf dem Lande ist, amüsiert man andere Leute. Es gibt kaum etwas Langweiligeres.

Antonius Und wen musst du da amüsieren?

Hannes (verächtlich) Die Heidetouristen in ihren riesigen Reisebussen.

Antonius Und sind die wenigstens nett, die Touris?

Hannes Nett? Von denen ist keiner jünger als siebzig. Aber immerhin zahlungskräftig. Und sie kaufen meine Kartoffeln. Irgendwie muss der Mensch ja sein Geld verdienen.

Antonius Na, immerhin verdienst du nicht schlecht, was? (nimmt ein Stück Sushi vom Teller) Ach, übrigens, du bist doch in der Nähe von Lüneburg zuhause, oder?

Hannes (abgelenkt) Was? Lüneburg? Ach so, ja ja, natürlich. (sieht das Buffet) Hey, was ist denn hier los? Sushi? Tassen? Silberbesteck und Designer-Teller mit Goldrand? So ein verschwenderischer Luxus mitten in der Woche? Erwartest du jemanden?

Antonius (beiläufig) Ach, bloß Tante Augustine und Greta.

Hannes (begeistert) Jetzt gleich? Das ist ja super!

Antonius Ja, mag schon sein, aber ich glaube, Tante Augustine wird sich nicht gerade freuen, dich hier zu sehen.

Hannes (enttäuscht) Wieso?

Antonius Mein lieber Freund, es ist einfach unerträglich, wie heftig du mit Greta flirtest. Fast so schlimm, wie Greta mit dir flirtet.

Hannes Ich liebe Greta! (stolz) Ich bin heute extra hierher gekommen, um ihr einen Heiratsantrag zu machen.

Antonius Hattest du nicht gesagt, du wärst zum Vergnügen hier? Mir scheint, du bist eher auf Geschäftsreise.

Hannes Mein Gott, wie unromantisch du bist!

Antonius Was soll an einem Heiratsantrag denn romantisch sein? Es besteht immerhin die Gefahr, dass er von deiner Liebsten angenommen wird. Verliebt zu sein, ja, das ist romantisch, der Herzschmerz, das Wiedersehen nach langer Zeit, also nach zwei Tagen. Aber ein Heiratsantrag? Die ganze Spannung und die Aufregung sind doch dann vorbei. Keine Überraschungen mehr, keine Unsicherheiten. Das Schönste an der Romantik ist die Unsicherheit. (entschlossen) Sollte ich jemals heiraten, werde ich den ganzen Romantikkram schleunigst verdrängen.

Hannes Daran zweifele ich keine Sekunde. Der Berufsstand des Scheidungsanwalts wurde extra für Leute wie dich erfunden.

Antonius Wusstest du eigentlich, dass es hier in Hamburg am Familiengericht einmal einen Richter namens Dr. Roth gab? (grinst) Da hat der Standesbeamte bei der Trauung immer gesagt: „… bis dass der Roth euch scheidet“!

(Antonius lacht etwas zu heftig über seinen eigenen Witz; als er merkt, dass Hannes ihn gar nicht komisch findet, räuspert er sich peinlich berührt. Hannes hat Tonis Bonmot genutzt, um heimlich ein Sushi zu nehmen. Hannes sieht es und haut ihm auf die Hand, als er sich ein Stück Sushi nehmen will)

Hände weg vom Sushi! Das habe ich extra für Tante Augustine bestellt. (nimmt ein Stück...

Erscheint lt. Verlag 7.4.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur
ISBN-10 3-8192-1629-4 / 3819216294
ISBN-13 978-3-8192-1629-9 / 9783819216299
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