Götter des Wyrdwood - Wyrdwood-Zyklus (eBook)
432 Seiten
Panini (Verlag)
978-3-7569-9954-5 (ISBN)
RJ Barker lebt in Leeds mit seiner Frau, seinem Sohn und einer Sammlung fragwürdiger ausgestopfter Tiere, seltsamer Kunstobjekte, schauriger Musik und mehr Büchern, als sie eigentlich unterbringen können. In seiner Jugend hat er alles gelesen, was er in die Finger bekam, und war immer »der mit dem Buch in der Tasche«. Nachdem er eine Weile in einer Rockband gespielt hatte, erkannte RJ, dass er ein lausiger Musiker war, und kehrte zu seiner ersten Liebe, der Schriftstellerei, zurück, wo er feststellte, dass er das tatsächlich besser beherrschte. Neben seinem Debüt-Fantasyroman Die Stunde der Assassinen hat RJ Kurzgeschichten und historische Stücke geschrieben, die im ganzen Land aufgeführt werden. Auf seine wallenden Locken wäre auch jeder mittelalterliche Kavalier überaus stolz.
RJ Barker lebt in Leeds mit seiner Frau, seinem Sohn und einer Sammlung fragwürdiger ausgestopfter Tiere, seltsamer Kunstobjekte, schauriger Musik und mehr Büchern, als sie eigentlich unterbringen können. In seiner Jugend hat er alles gelesen, was er in die Finger bekam, und war immer »der mit dem Buch in der Tasche«. Nachdem er eine Weile in einer Rockband gespielt hatte, erkannte RJ, dass er ein lausiger Musiker war, und kehrte zu seiner ersten Liebe, der Schriftstellerei, zurück, wo er feststellte, dass er das tatsächlich besser beherrschte. Neben seinem Debüt-Fantasyroman Die Stunde der Assassinen hat RJ Kurzgeschichten und historische Stücke geschrieben, die im ganzen Land aufgeführt werden. Auf seine wallenden Locken wäre auch jeder mittelalterliche Kavalier überaus stolz.
Kapitel 1
Kirvens Beine schmerzten wegen der vielen Treppen, und ihr Kopf pochte, während sie durch die oberen Räume des Turms schritt. Sie bewältigte den Aufstieg selten öfter als einmal pro Tag, denn sie kannte die Auswirkungen. Aber heute hatte sie sich nicht bremsen können. Sobald Venn gelandet war, hatte dey nur mit ihr gesprochen, um sie zu bitten, sich in deren Räume zurückziehen zu dürfen, und sie hatte es denen erlaubt. Hatte beobachtet, wie dey davongegangen war, während die Rai sie ansprachen und sie antwortete. Doch worüber sie geredet hatten, wusste sie nicht mehr.
Sie war wie betäubt in ihr Arbeitszimmer zurückgekehrt. Betäubt, als stünde sie unter Drogen. Sie konnte kaum fassen, dass ihr Kind, ihr heiß geliebtes, wunderbares Kind wieder da war und lebte, nachdem dey einem gefährlichen Wesen wie Cahan Du-Nahere nahegekommen war. Gewöhnlich beschäftigte sie sich nicht mit falschen Cotta-Rai, denn sie waren nur von geringem Interesse für sie. Sollten die Jäger ihre Arbeit tun. Kirven war nur am Ende dabei, wenn sie schließlich kastriert wurden und ihrem Schicksal begegneten: Hetton oder Dämpfer.
Aber in der Zwischenzeit, zwischen dem Wiedererkennen von Cahan Du-Naheres Gesicht und Venns Rückkehr, hatte sie alles gelesen, was über den Mann zu finden gewesen war. Zuerst hatte es sie getröstet, dass er eine bekannte Größe war. Dann peinigte es sie. Sie quälte sich selbst damit. Ihr Verstand sagte ihr, es gebe keinen Grund zur Sorge, Vanhu sei stark. Doch die Mutter in ihr war außerstande, sich zu bremsen, und erforschte jede noch so schreckliche Möglichkeit.
In ihrem Arbeitszimmer konnte sie sich nicht konzentrieren. Konnte nur an ihr Kind denken und wusste schließlich, dass sie weiter abgelenkt und verwirrt sein würde, bis sie mit Venn gesprochen hatte. Nicht nur, um zu erfahren, ob es dey gut ging, sondern auch um herauszufinden, ob Vanhu vor seinem Tod erfolgreich gewesen war. Wenn Venn sich zu etwas anderem erhoben hatte, zu etwas Neuem und Wunderbarem, würde das ihr Überleben in der Welt der neuen Cotta-Rai sichern. Mit schmerzenden Beinen und pochendem Kopf blieb sie vor Venns Zimmer stehen, wo Falnist, in ein Pergament vertieft, auf einem Schemel saß.
»Schläft dey?«, fragte sie.
Falnist schüttelte den Kopf.
»Ich habe dey umhergehen gehört.« Dey blinzelte sie mit blutunterlaufenen Augen an.
»Wie hältst du es in dieser Höhe nur aus?«, fragte sie und deutete auf die Mauern. Ihr Gewand, gewebt aus der leichtesten und dünnsten Wolle, bewegte sich, als wenn sie unter Wasser wäre. »Wird dir nicht schlecht?«
»Ich lese«, sagte Falnist, »und wenn ich herumlaufen muss, dann halte ich den Blick auf den Boden gerichtet.«
»Und das verhindert die Kopfschmerzen?«
»Nicht wirklich«, sagte dey und wandte sich wieder den Schriftrolle zu. Sie wartete ein Weilchen für den Fall, dass dey noch etwas hinzufügen wollte, aber dey blickte nicht noch einmal auf.
»Du kannst gehen«, sagte sie schließlich.
»Aber wer wird …«
»Ich rufe, wenn du gebraucht wirst.« Falnist wartete einen Moment, und sie hatte keinen Zweifel, dass das Trion verärgert war. Gut so. Sie hatte denen nicht verziehen, dass dey sie manipuliert hatte, und sie wollte nicht, dass dey ihr Gespräch mit Venn mitanhörte. Dey konnte ihr nicht offen den Gehorsam verweigern.
»Sehr wohl, Hohe Leoric.« Kirven wartete mit hämmerndem Kopf, während Falnist durch den unheimlichen Flur davonging. Als dey nicht mehr zu sehen war und sie leise Schritte im Treppenhaus hörte, öffnete sie die Tür und trat ein.
Venn stand am Fenster. Starrte hinaus auf Haranspeyer und nach Norden, zum fernen Wyrdwald. Dey schien gar nicht zu merken, dass sich die Tür geöffnet hatte, und sie stand einen Moment lang nur da und betrachtete ihr Kind. War dey anders als früher? Es kam ihr so vor, auch wenn sie nicht hätte sagen können, warum. Vielleicht hielt dey sich ein wenig aufrechter? Vielleicht war es etwas Ungreifbares. Etwas, das sie intuitiv mit dem animalischen Teil ihres Gehirns wahrnahm. Es war derselbe Teil, der sich auflehnte, wenn Hettoni in der Nähe waren, auch wenn sie hier keinen Abscheu empfand.
Vielleicht war dey ein wenig erwachsener geworden.
»Venn«, sagte sie leise. Dey drehte sich um. Ihr Blick fiel auf saubere, weiße Schminke und blaue, frisch gezogene Streifen, kurzes, schwarzes Haar, das noch feucht war.
»Mutter«, sagte dey.
»Du trägst noch immer nicht deine Clanfarbe.«
»Nein.«
»Ich hatte Angst um dich, Venn.« Sie trat vor. Es fühlte sich seltsam an, nicht die Tür hinter sich abzuschließen, aber sie tat es nicht. Es hatte sich etwas verändert, auch wenn sie nicht wusste, worin diese Veränderung bestand. »Sobald ich es begriffen hatte, sobald zu mir durchgedrungen war, was das für ein Mann in dem Käfig war, habe ich dir Hilfe nachgeschickt, Venn.«
»Er hätte mich getötet«, sagte Venn leise.
»Ich weiß, er ist …«
»Ich meine nicht den Gefangenen«, fiel Venn ihr ins Wort, »Vanhu. Er ließ keinen Zweifel daran. Er hätte mich getötet.«
»Ich habe ihm Befehle gegeben, Venn, es war ihm nicht erlaubt, dir etwas anzutun. Er hat nur versucht, dir Angst zu machen.« Ihr Kind ging auf sie zu. Dey war jetzt genauso groß wie sie.
»Du magst Befehle gegeben haben. Ich habe ihm in die Augen gesehen, während er mich bedroht hat.« Etwas in ihr zerbrach bei diesen Worten, bei dem Ausdruck auf deren Gesicht. Den Schmerz, den der Schrecken hinterlassen hatte, würde dey nie vergessen, er blieb deren Leben lang, und wenn sie versuchen würde, ihn auszulöschen, seine Spuren zu verwischen, würde sie die Narben nur noch vertiefen, das wusste sie.
»Erinnerst du dich an Madrine? Die Rai?« Venn sah sie an.
»Deine Erstfrau? Ich erinnere mich daran, dass alle Angst vor ihr hatten. Du selbst hattest Angst vor ihr.« Kirven nickte. »Sie sagte immer, dass sie mich töten würde, und sie war mehr als einmal kurz davor. Ertränken wäre die Methode ihrer Wahl gewesen, Venn. Als sie sagte, sie würde mich töten, hatte ich keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinte. Erst als sie tot war, wurde mir klar, dass das nie ihre Absicht war. Es war die Angst, die sie genoss, dass sie mich damit beherrschen, uns alle damit beherrschen konnte. So zu tun, als wollte sie mich verletzen, mich dem Tod nahebringen, das alles diente nur dazu, dass ich ihr glaubte.«
»Aber sie hat ihren Erstmann getötet, ihre Drittfrau und meinen Erstvater. Das hast du mir selbst erzählt.«
»Sie hatten sich gegen sie gewandt.« Kirven war dabei, Venn zu verlieren und wusste es. Sie spürte, wie das kurz aufgekommene Mitgefühl wieder schwand. »Aber das ist nicht der Punkt. Was ich meine, ist, dass die Rai sich darauf verstehen, Menschen einzuschüchtern, um zu bekommen, was sie wollen. Ich hätte dich nicht fortgeschickt, wenn ich wirklich geglaubt hätte, dass Vanhu dir etwas antun würde.«
»Du hast mich in das Blühzimmer gebracht«, sagte dey. Sie antwortete nicht. Nicht sofort.
»Ich habe nie an dir gezweifelt. Ich weiß, dass du stark bist.«
»Zweimal hättest du mich ohne weiteres sterben lassen.«
»Nein!« Sie schrie jetzt. Beruhigte sich wieder. »Das ist nicht wahr. Als mir klar wurde, was für eine Kreatur sie auf dem Floß gefangen hielten, habe ich Galderin zu dir geschickt.«
»Kreatur? Er war nur ein Mensch.«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein, er war etwas anderes.«
»Und was?« Sie holte tief Luft. Sie hatte geschworen, geheim zu halten, was sie wusste. Es war eine Sache, die man nicht mit anderen teilte, über die man nicht sprach. Aber eines Tages würde Venn an ihrer Seite herrschen und ohnehin davon erfahren. Und sie brauchte deren Vertrauen. Venn starrte sie eindringlich an, als ob dey ihr das, was sie wusste, von den Augen ablesen könnte.
»Vor der neuen Cotta-Rai, Venn, herrschte Chaos. Tausend dunkle, kaum voneinander zu unterscheidende Waldgötter wurden überall, im Norden, im Süden, im Osten und im Westen, angebetet. Jeder Geistliche in einem schmutzigen kleinen Wäldchen behauptete, er hätte den Cotta-Rai, alles Lügen natürlich. Die meisten waren Betrüger. Viele, viele Menschen starben, weil sie diese Lügen glaubten. Meine ganze Familie war darunter.« Venns Augenbrauen zogen sich zusammen, als ließe dey das, was sie gesagt hatte, zu sich durchdringen. »Aber manchmal, und niemand weiß, wie, gelingt es, einen Cotta-Nutzer großzuziehen. Diese falschen Cotta-Rai sind meistens schwach. Aber wenn sie die Überraschung auf ihrer Seite haben, nun, du hast im Wald gesehen, was sie tun können.« Venn blinzelte. Sagte nichts. Ließ sie fortfahren. »Diese Waldkulte hatten die Worte von Tarl-an-Gig einfach missverstanden, das ist der Grund, warum sie sich alle so ähnelten. Aber nicht der von Cahan Du-Nahere.«
»Was ist so anders an ihm?«, fragte Venn leise.
»Er kam aus dem Kloster eines Gottes mit Namen Zorir. Seine Anhänger waren anders. Sie glaubten nicht, dass der Cotta-Rai gekommen ist, um die Bewohner des Nordens zu besseren Menschen zu machen.«
»Nein?« Kirven schüttelte den Kopf.
»Nein, sie glaubten, Crua müsse vernichtet, müsse verbrannt werden. Dass Feuer durch das ganze Land wüten sollten und nur dadurch, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Trion auf den Sternenpfad geschickt würden, die Ordnung unseres Landes wiederhergestellt werden könne.« Sie neigte ein wenig den Kopf. »All die falschen Cotta-Rai sind auf ihre eigene Weise...
| Erscheint lt. Verlag | 18.3.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Wyrdwood |
| Verlagsort | Stuttgart |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Astounding-Award • Crawford Award • Drachen • episch • Fantasy • Gezeitenkind-Saga • Locus-Award • magisch • Tide Child • Tide-Child-Trilogie • Wald • Wälder • World Fantasy Award |
| ISBN-10 | 3-7569-9954-8 / 3756999548 |
| ISBN-13 | 978-3-7569-9954-5 / 9783756999545 |
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