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Das Geheimnis vom Darss -  Gabi Krieg

Das Geheimnis vom Darss (eBook)

Schattenlicht

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
187 Seiten
Hinstorff Verlag
978-3-356-02560-6 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
12,00 inkl. MwSt
(CHF 11,70)
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Marie, Ex-Journalistin aus Berlin, hat sich in der alten Büdnerei auf dem Darß eingerichtet; doch die Vergangenheit greift erneut nach ihr. Eines Morgens findet sie ein Kind, schwer verletzt auf menschenleerer Straße liegend. Die Umstände des Unfalls bleiben ungelöst und genauso mysteriös wie das Auftauchen eines stummen Jungen, der sich nachts herumtreibt. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter diesen Ereignissen und was hat der finstere Darßwald damit zu tun? Durch ihren Einsatz gegen einen umstrittenen Straßenbauplan gerät Marie ins Visier lokaler Konflikte und macht sich mächtige Feinde. Als sie zudem entschlossen gegen rechtsextreme Umtriebe vorgeht, gerät sie endgültig in Gefahr. Lichtblick ist die Freundschaft mit dem charmanten Gero von Gothen. Doch kann er Marie beschützen, wenn die dunklen Mächte zuschlagen und sie um ihr Leben kämpft?

Gabi Krieg studierte Germanistik, Publizistik, Theaterwissenschaft in Berlin. Sie arbeitete zunächst als Dramaturgie- und Regieassistentin am Theater, bevor sie als Producerin zum Fernsehen wechselte. Als Redakteurin der ARD entwickelte und betreute sie diverse Serienformate, bevor sie sich ganz dem Drehbuch- Schreiben widmete. Einen Teil des Jahres verbringt sie regelmäßig auf dem Fischland/Darß, wo sie ihre Romane schreibt.

Gabi Krieg studierte Germanistik, Publizistik, Theaterwissenschaft in Berlin. Sie arbeitete zunächst als Dramaturgie- und Regieassistentin am Theater, bevor sie als Producerin zum Fernsehen wechselte. Als Redakteurin der ARD entwickelte und betreute sie diverse Serienformate, bevor sie sich ganz dem Drehbuch- Schreiben widmete. Einen Teil des Jahres verbringt sie regelmäßig auf dem Fischland/Darß, wo sie ihre Romane schreibt.

Kapitel 1                                                      DIE KRÄHE


Noch war die Nacht nicht bereit, zu weichen. Schwarzem Molton gleich lag die Dunkelheit über der Landschaft, dicht und lichtleer. Selbst der Nebel, der vom Meer heraufgezogen war, wurde unsichtbar. Marie erkannte ihn an der hohen Luftfeuchtigkeit, die ihr entgegenschlug, als sie zur Tür hinaustrat. Und an seinem Geruch. Feuchte Erde und Tang. Sie schaltete die Lampe über der Haustür ein. Die Feuchtigkeit war so hoch, dass sie in der Luft zu winzigen Tropfen kondensierte. Die Sicht reichte kaum einen halben Meter weit. Sollte sie wirklich laufen? Doch, sie musste raus. Sie musste die Unruhe loswerden, die sie die ganze Nacht wachgehalten hatte. Marie schlug die Kapuze hoch und warf einen Blick zurück ins Haus.

»Ja oder nein?«

Orion sah sie träge an, gähnte ausgiebig und trabte auf seinen Platz zurück.

Normalerweise ließ der Hund keine Gelegenheit aus, sie zu begleiten. Aber heute schien selbst ihm das Wetter zu ungemütlich. Marie zog die Tür hinter sich zu und wollte gerade los, als im selben Moment etwas gegen ihren Kopf fuhr. Erschrocken prallte sie zurück. Sie spürte eine flüchtige Berührung von etwas Hartem, Scharfem, gleichzeitig durchfuhr sie ein Schmerz an der Stirn, dem ein heiseres Krächzen folgte. Im Schein der Hauslampe schwang sich eine Krähe in die Luft, Sekunden später verschluckt von Nebel und Dunkelheit. Marie überfiel ein ungutes Gefühl. Einen Moment zögerte sie, dann schüttelte sie das Gefühl entschlossen ab und lief los.

Sie ließ die Einfahrt zu ihrem Grundstück hinter sich und bog wenige Meter danach links in den Ortswald ein. Das Licht ihrer Stirnlampe sprang vor ihren Füßen auf und ab, der kleine leuchtende Kegel reichte gerade, die dicken Wurzeln und Äste, die sich über den Weg zogen, rechtzeitig zu erkennen, um nicht hinzuschlagen. Die Bäume rechts und links des Weges waren mehr zu ahnen, als zu sehen. Ihre schwarzen Stämme verschmolzen mit dem Dunkel der Nacht. Marie dachte zurück an die Zeit, als ihre Blätter einen leuchtend grünen Baldachin geformt hatten. Wie oft hatte er sie vor der Sommerhitze geschützt? Sie dachte an das rotgoldene Leuchten eben dieser Blätter, die ihre Spätsommertage verzaubert hatten. Aber diese Zeit war vorbei. Der Herbst war bereits fortgeschritten, er hatte die Farben der Landschaft mit sich genommen und die Bäume wie ein Heer verlorener Krieger zurückgelassen.

Marie fiel in einen gleichmäßigen Trab und ließ die Gedanken wandern. Wie vertraut ihr dieser Weg, ja, die ganze Gegend inzwischen waren. Dabei war es erst wenige Monate her, dass sie ihr Leben in Berlin mit einem auf dem Darß getauscht hatte.

Ein leises Stechen in der linken Seite erinnerte Marie daran, ihren Atem besser zu kontrollieren. Der Wunsch, stehen zu bleiben, drängte sich auf; sie bezwang ihn und lief weiter. Fünfzehn Minuten später hatte sie den Ort erreicht. Darkow lag unter Nebel begraben. Nur spärlich erhellte das Licht der Straßenlaternen den grauen Dunst. Marie folgte der Straße in Richtung Bodden, dann schlug sie die südliche Umgehung ein. Niemand begegnete ihr. Der Ort schlief noch, nur hier und da waren erste Fenster erhellt. Sie kam jetzt in enger bebautes Gebiet, lief vorbei an Gärten und reetgedeckten Familienhäusern und näherte sich der nächsten Abzweigung. Sie wollte sich schon weiter Richtung Wasser halten, als sie ihr Tempo plötzlich verlangsamte. Da lag etwas auf der Straße. Ein unförmiger Klumpen zeichnete sich schattenhaft auf dem Boden ab. Sie hatte ihn noch nicht ganz erreicht, als sie erkannte, was es war: Ein Kind lag regungslos auf dem nassen Asphalt. Die Arme nach vorne gestreckt, den Kopf zur Seite gedreht, die Beine angewinkelt. Marie kniete neben ihm und schob seine Haare aus dem Gesicht. Es war ein Junge, vielleicht zehn Jahre alt.

»Hey …«, rief Marie sanft. »Hallo … kannst du mich hören?« Der Junge reagierte nicht. Eine glänzende Flüssigkeit begann, sich unter seiner Schläfe hervorzuschlängeln. Marie fingerte nach ihrem Handy und registrierte nebenbei, dass weit am Ende der Straße zwei Rücklichter im trüben Schein einer Straßenlaterne aufleuchteten. Marie überlegte kurz, ob sie hinterherlaufen und den Fahrer um Hilfe bitten sollte, aber der Wagen war bereits vom Nebel verschluckt. Eilig alarmierte sie stattdessen den Notruf, dann wählte sie die Nummer ihrer Freundin Inga. Es dauerte keine fünf Minuten, bis die Ärztin da war.

»Hast du ihn so hingelegt?«, fragte die, als sie sich zu dem Jungen niederkniete.

„Ich hab mich nicht mal getraut, ihn anzufassen.«

»Dann bist du die Nächste, der ich dringend empfehle, den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen.«

Inga brachte das Kind in die stabile Seitenlage und hob vorsichtig den Kopf des Jungen an, um die Quelle der Blutung festzustellen.

»Kann ich was tun?«

»Die Decke aus meinem Wagen holen.«

Marie ging auf den froschgrünen Corsa zu, der am Straßenrand parkte. Von Ferne durchschnitt das bläuliche Licht des Rettungswagens geräuschlos den Nebel. Marie kam sich wie in einem Unterwasser-Film vor. Das Licht ihrer Stirnlampe streifte den Straßengraben. Ein heller Strahl schoss auf. Der Reflektor eines Schulranzens. Sie kletterte in den Graben und nahm den Rucksack an sich. Hinter ihr hatte der Krankenwagen die Kreuzung erreicht. Zwei Rettungssanitäter eilten Inga zu Hilfe. Marie hielt sich abseits, um den Einsatz der Mediziner nicht zu stören. Erst als der Junge auf eine Trage gebettet in den Wagen geschoben wurde, trat sie näher. Das Gesicht des Jungen war kalkweiß, seine Augen geschlossen, das blonde Haar blutverkrustet. Inga ahnte Maries Frage.

»Er hat eine Schädelfraktur und ist bewusstlos, seine Vitalwerte sind sehr schlecht. Mehr kann ich nicht sagen.« Die Türen des Rettungswagens schlugen hinter den Sanitätern zu, der Fahrer wendete und gab Gas. Sekunden später waren sie vom Nebel verschluckt. Nur das Martinshorn war noch zu hören. Jetzt war es eingeschaltet.

»Wo bringen sie ihn hin?«

»In die Notaufnahme nach Ribnitz.«

Marie sah auf den Ranzen in ihren Händen. Ein grün gesprenkelter Kunststoff-Rucksack, mit Klebebildern und Stickern geschmückt. Wilde Tiere und schnelle Autos.

»Jemand muss die Eltern verständigen.«

Inga nickte und blickte auf die Uhr. »Gleich sieben. Ich muss bald die Praxis aufmachen. Ist es ok, wenn ich die Polizei übernehme? Die müsste jede Sekunde da sein.«

Marie wusste, dass ihr damit der Besuch bei den Eltern zufiel. Sie nickte.

»Was ist das?« Inga zeigte auf Maries Stirn.

Marie fühlte kurz nach. Sie spürte etwas Krustiges. »Nichts.«

„Nach nichts sieht es nicht aus. Desinfizier es bitte zu Hause.« Marie nickte abwesend und sah auf die Stelle, wo eben noch der Junge gelegen hatte.

»Was macht ein Kind um diese Zeit auf der Straße?«

**

»Ich weiß es nicht … ich wollte ihn gerade wecken, da hab ich gesehen, dass er gar nicht da war … und dann haben Sie schon geklingelt …«

Aufgelöst fuhr sich Meike Sander durch ihr blondes Haar und stopfte hektisch Sachen in ihre Handtasche. Es war nicht schwer gewesen, die Eltern des Jungen zu ermitteln. Sein Rucksack war ordentlich mit einem Namensschild beschriftet. Marie stand unwohl in der gemütlichen Küche des kleinen Einfamilienhauses und hätte sich lieber wer weiß wohin gewünscht, als die Überbringerin einer so traurigen Nachricht zu sein. Die Mutter unterbrach ihre Hektik und starrte Marie an.

»Das hat er noch nie gemacht. Was ist überhaupt passiert? Wieso ist er gestürzt?«

Marie fühlte sich noch unwohler.

»Ich weiß es nicht. Ich kam erst vorbei, als es schon passiert war.«

Meike Sander sah Marie unverwandt an.

»Vielleicht können die Ärzte mehr sagen. Bestimmt können sie das.«

Die Mutter richtete ihren Blick auf eine grüne Mütze, die sie in Händen hielt.

»Timmi hat noch nie seine Mütze vergessen … nur heute … und jetzt ist er auf den Kopf gefallen.«

Marie schnürte es den Hals zu. Als hätte die Mütze etwas verhindern können. Hilflos streichelte sie Meike Sanders’ Arm. Der Vater des Jungen kam in die Küche, den Autoschlüssel in der Hand.

»Meike, wir müssen los.«

Die Mutter nickte, aber rührte sich nicht.

»Schatz, wir müssen jetzt ins Krankenhaus.«

Patrick Sander legte einen Arm um seine Frau und führte sie hinaus.

Als Marie auf die Straße zurücktrat, war der Morgen angebrochen. Der Tag hatte sich die Herrschaft über die Nacht zurückerobert, aber den dichten Nebel konnte auch das fahle Morgenlicht nicht auflösen. Das Land war in tiefes Grau getaucht. Die passende Farbe zu dem, was passiert war, dachte Marie, und zog den Reißverschluss ihrer Joggingjacke hoch. Die Jacke war inzwischen ausgekühlt und klamm, der Geruch von muffigem Schweiß hing darin. Zu Hause würde sie als erstes eine heiße Dusche nehmen. Marie fiel in einen schnellen Trab.

**

Sie erreichte die alte Büdnerei in weniger als 30 Minuten, ein Rekord. Marie ließ Orion hinaus und stellte das heiße Wasser in der Dusche an. Als sie in den Spiegel schaute, sah sie, was Inga gemeint hatte: Auf ihrer rechten oberen Stirn klebte blutiger Schorf. Darunter waren zwei Schnitte zu erkennen. Die Krähe...

Erscheint lt. Verlag 5.3.2025
Verlagsort Rostock
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Schlagworte Darss • Darß • Mystery • Ostseekrimi • Regionalkrimi
ISBN-10 3-356-02560-0 / 3356025600
ISBN-13 978-3-356-02560-6 / 9783356025606
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