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Der subversive Augapfel - Jōtarō Wakamatsu

Der subversive Augapfel

Ausgewählte Gedichte
Buch | Softcover
102 Seiten
2025 | 1. Japanisch-deutsche Originalausgabe
Verlag Auf dem Ruffel
978-3-933847-09-6 (ISBN)
CHF 27,95 inkl. MwSt
»Ich denke, in mir war das Bedürfnis, mich auszudrücken. Ich habe Verschiedenes ausprobiert, aber ich hatte das Gefühl, dass Literatur oder Tanka irgendwie nicht zu mir passte. Bei der Lyrik hingegen hatte ich den Eindruck, dass ich darin freier schreiben kann, so wie ich es will. Ich habe mit moderner Lyrik angefangen, Shimazaki Toson zum Beispiel ist berühmt, aber ich dachte: »Das ist keine Lyrik für mich«. Ich habe nicht viel sogenannte moderne Lyrik gelesen. Kusano Shimpei hat während des Krieges schreckliche Gedichte geschrieben. Das Gleiche gilt für Miyoshi Tatsuji und andere; ich traue Leuten nicht, die während des Krieges Gedichte geschrieben haben, die der nationalen Politik entsprachen. Ich habe das Gefühl, dass man mich in meiner Kindheit über den Krieg belogen hat. Aus dem Wunsch heraus, nie wieder belogen zu werden, habe ich das Bedürfnis, diese Dinge für mich klar und konsequent aufzuarbeiten. Ich lernte zuerst Mitsuharu Kaneko kennen und las dann Shigeharu Nakano und Hideo Oguma. Die anderen Leute, die schon vor dem Krieg geschrieben hatten, überzeugten mich nicht. Auch in diesem Sinne bin ich ein Nachkriegsdichter.« (Jōtarō Wakamatsu, aus einem Interview mit dem Übersetzer Abdurrahman Gülbeyaz)

Jōtarō Wakamatsu (1935-2021) war ein japanischer Dichter und Essayist aus der nordöstlichen Region Tōhoku, dessen Werk aus den Erfahrungen des Krieges, der sozialen Ausgrenzung und der Umweltkatastrophen seiner Heimat hervorging. Seit seinem Debüt Der Nachtwald (1961) entwickelte er eine Lyrik zwischen leiser Intimität und zorniger Anklage, in der sich persönliche Erinnerung mit kollektiver Geschichte, Liebe mit Trauma, Natur mit Gewalt verbindet. Früh kritisierte er die Atompolitik Japans, reiste 1994 nach Tschernobyl und warnte in Gedichten und Essays vor einem GAU in Fukushima – eine literarische Prophetie, die 2011 tragische Realität wurde. Werke wie Der grenzüberschreitende Nebel, Aufstand der unterjochten Nordbarbaren und das Gedicht »Die von Göttern fortgezauberte Stadt« thematisieren Kolonialgeschichte, Diskriminierung, Entwurzelung und das Schweigen nach der Katastrophe. Seine Lyrik ist eine poetische Form des Widerstands: gegen staatliche Gewalt, gegen das Vergessen, gegen die Sprachlosigkeit angesichts des Unsagbaren. Sie gibt jenen eine Stimme, die nicht gehört werden – und tut dies mit ethischer Klarheit, poetischer Kraft und unverbrüchlichem Vertrauen in das Wort.

Abdurrahman Gülbeyaz (geb. 1962 in İskenderun) studierte englische Sprache, Literatur und Kultur, Musikwissenschaften und Medizinsoziologie in der Türkei und in Deutschland. Seine Promotion absolvierte er an der Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Osaka. Seit 1999 konzentriert sich seine Forschung vor allem auf den Zusammenhang zwischen sozialen Transformationsprozessen und sozial relevanten semiotischen Systemen wie Sprache, Musik und Religion. Er lehrte als Associate Professor an der Universität Osaka in Japan und an der Salahaddin-Universität in Südkurdistan. Derzeit ist er Professor an der Fakultät für Globale Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Nagasaki, wo er Semiotik, Medientheorie und Kulturwissenschaften unterrichtet. Neben literarischen Übersetzungen aus dem Türkischen, Englischen, Kurdischen, Aserbaidschanischen und Japanischen umfasst sein Werk unter anderem A New Book of Anatomy on Modern Global Society: Introduction to the Humanities and Social Sciences of the 21st Century (2021), Meaning in Language and Music: Sign and Slaughter (2016) und Sprache und Conditio Humana: Sprachhandlung und Mehrsprachigkeit in Konfliktgesellschaften (2015). »Ich würde mich als Geisteswissenschaftler beschreiben, dessen Lehr- und Forschungsarbeit ein vielschichtiges Feld umfasst, das sich primär aus dem Zusammenspiel und der Spannung zwischen der Soziologie auf der einen und der Linguistik auf der anderen Seite ergibt. Disziplinen bzw. Bereiche wie soziologische Theorien, Soziolinguistik, Semiotik, Sprachphilosophie, Kommunikationswissenschaft, Kulturtheorien, Mehrsprachigkeit, Konflikttheorien, Migrationsforschung usw., die sich aus diesem dipolaren Feld gewissermaßen organisch herausbilden und seine nahtlos ineinander übergehenden Zonen markieren, bilden den Kern meines multidirektionalen und multimodalen Forschungsrepertoires.« (A. G.)

Saori Hasegawa, wurde 1969 in Fukui, Japan, geboren. Sie verfolgt einen künstlerischen Ausdruck, der orientalische Ästhetik und europäischen Bildausdruck verbindet. 1993 studierte sie japanische Malerei an der Aichi Prefectural University of Fine Arts and Music, die sie mit dem Kuwabara-Preis abschloss. Anschließend studierte er von 1995 bis 1999 freie Malerei an der Kunsthochschule Hamburg. Ihr Werk ist von einem scharfen Blick für das Alltägliche geprägt. Ihre Hauptthemen sind die menschliche Würde und Grausamkeit sowie das, was in der Gesellschaft oft übersehen wird. Ihr Werk zeichnet sich durch einen Ausdruck aus, der in scheinbar alltäglichen Szenen eine poetische Schönheit findet und sie in ein anderes Licht rückt, wie zum Beispiel eine Putzfrau, die still den von Menschen hinterlassenen Schmutz auf einem Bahnhof säubert, oder ein Kind, das still auf die Widersprüche in der Gesellschaft starrt. Hasegawa hat viele Jahre als freischaffende Malerin in Japan gearbeitet und in Einrichtungen und Schulen für Menschen mit Behinderungen unterrichtet; seit 2011 lebt und arbeitet sie in Deutschland in Hamburg und Kobe, wo ihre Arbeiten international ausgestellt werden.

Erscheinungsdatum
Illustrationen Saori Hasegawa
Übersetzer Abdurrahman Gülbeyaz
Zusatzinfo Zeichnungen zu einzelnen Gedichten des Bandes.
Verlagsort Engelschoff
Sprache deutsch; japanisch
Maße 110 x 215 mm
Gewicht 130 g
Themenwelt Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Schlagworte Japan • Kritik • Wahrnehmung
ISBN-10 3-933847-09-5 / 3933847095
ISBN-13 978-3-933847-09-6 / 9783933847096
Zustand Neuware
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