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Sieben Jahre (eBook)

Roman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
848 Seiten
Hoffmann und Campe (Verlag)
978-3-455-02099-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sieben Jahre -  Tanja Kinkel
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Ein atemberaubender Roman über Krieg und Liebe, Macht und Verrat 1756: Friedrich II. von Preußen steht im Zenit seiner Macht - bis es seiner Erzfeindin Maria Theresia gelingt, das junge Königreich Preußen nahezu vollständig zu isolieren. Der König geht zum Angriff über. Sein Feldzug, der als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingehen wird, verlangt auch seiner Familie alles ab: Während sein Bruder und Thronfolger Wilhelm unter dem Druck zerbricht, erweist sich der bisher als leichtfüßig verrufene Heinrich als brillanter Stratege, gleichzeitig Friedrichs schärfster Kritiker und wichtigste Stütze, und seine Schwester Amalie schickt sich an, auf unerhörte Weise eigene Wege zu gehen.  Im Inferno von Krieg und Familiendrama steht  ausgerechnet der rechtelose schwarze  Pagen Hannibal an ihrer Seite, der gleichzeitig voller Mut für eine eigene bessere Zukunft kämpft ...

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt diverse Literaturpreise und Stipendien. Sie ist u. a. Mitglied im Deutschen PEN, Präsidentin der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft L. A. und wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Tanja Kinkel ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen.

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt diverse Literaturpreise und Stipendien. Sie ist u. a. Mitglied im Deutschen PEN, Präsidentin der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft L. A. und wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Tanja Kinkel ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen.

Cover
Titelseite
Widmung
Königliche Familie von Preußen
Weitere Personen, in alphabetischer Reihenfolge
Prolog: Drei Tage im August
I. Vorkrieg
II. Invasion
III. Konfrontation
IV. Fall
V. Nacht
VI. Das Wunder des Hauses Brandenburg
Epilog: Drei Tage am Ende
Nachwort
Über Tanja Kinkel
Impressum

Küstrin, 15. August 1731


Er ist vorbereitet, endlich. Diesmal wird nichts geschehen, was er nicht berechnet hat. Sie glauben alle, er sei gebrochen, und er will, dass sie es glauben. Allen voran er, der Grund seines Daseins: sein Vater. Wenn Friedrich je wieder frei sein will, dann muss er seinen Vater heute überzeugen.

Inzwischen ist der Käfig, in dem man ihn hält, ein größerer: keine zwei Räume in der Festung mehr, sondern ein Haus, in dem er mit zwei Kammerjunkern und ein paar Dienern lebt. Und den Soldaten, die ihn beaufsichtigen. Die immer noch Instruktion haben, ihn zu töten, wenn er je wieder einen Fluchtversuch unternimmt.

Der 15. August ist der Geburtstag seines Vaters, des Königs. Es ist ein Jahr her, seit sie einander das letzte Mal gesehen haben. Jetzt ist der König nach Küstrin gekommen, um sich endlich persönlich davon zu überzeugen, ob das strikte Regiment, das er zur Umerziehung seines ältesten Sohnes angeordnet hat, den gewünschten Erfolg hatte. Schon am Vorabend ist er eingetroffen, und ganz Küstrin, so schien es, lief zur Festung, um ihn zu sehen: Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König in Preußen.

An diesem Morgen haben sich die Küstriner in den Straßen aufgestellt, während Friedrich sich mit den beiden Kammerjunkern, die ihm der Vater zugeteilt hat, auf den Weg zur Festung macht. Er ist dankbar für die Menschen. Sie verdecken zum größten Teil das, was sonst unübersehbar wäre; den gewaltigen Festungswall, dann die innere Mauer, auf der vor fast neun Monaten eine Hinrichtung stattfand. Nicht, dass er sie sehen muss, um daran erinnert zu werden. Er hat seine Lektion gelernt. Nur ist das, was er gelernt hat, nicht notwendigerweise das, was der Vater ihn lehren wollte.

Er trägt keine Soldatenuniform. Dessen, so hat ihn der Vater wissen lassen, ist er noch nicht wieder würdig. Die Kleidung eines einfachen Gefangenen wiederum müsste er nicht mehr tragen – der König hat ihm längst bessere Kleidung gestattet –, doch er tut es, denn der braune Rock ist das Letzte, was ihn noch mit Katte verbindet, der an jenem Tag hingerichtet wurde. Sie trugen ihn beide, damals im November. Den braunen Rock eines preußischen Gefangenen. Wenn er heute den reuigen, gebrochenen Sohn spielt, dann will er, dass der Vater dabei zumindest auf ein Echo seines Opfers blicken muss. Ihrer beider Opfer.

Der König wartet im Arbeitszimmer des Gouverneurs auf ihn. Er hat seine übliche Entourage dabei: Grumbkow, den Kriegsminister, und Oberst Derschau. Außerdem ist General Lepel dabei, der Gouverneur von Küstrin. Sie schauen ihn alle erwartungsvoll an, während der König ihm noch den Rücken zuwendet. Keine Sorge, denkt Friedrich. Ihr bekommt, worauf ihr wartet. Ihr alle.

Der König dreht sich zu ihm um; klein und untersetzt, die Augen argwöhnisch zusammengekniffen, aber ohne den mörderischen Zorn, der vor einem Jahr noch darin loderte.

Jetzt. Jetzt muss es sein. Friedrich lässt sich nicht sinken, er wirft sich dem König zu Füßen. Er spürt den steinernen Boden unter seinem ganzen Körper, während seine Lippen die Stiefel seines Vaters berühren.

Es ist nicht das erste Mal. Doch als der König ihm das letzte Mal vor aller Augen einen Fußkuss abforderte, da hatte in Friedrich noch der Glaube gelebt, dass er seinem Vater entkommen könnte.

»Steht auf«, sagt der König.

Friedrich gehorcht und achtet darauf, es nicht zu schnell zu tun. Dies ist seine letzte Chance; er weiß es wohl.

»Ihr werdet Euch zu besinnen wissen, was nunmehr vor Jahr und Tag passiert ist und wie schändlich Ihr Euch aufgeführt, auch was für ein gottloses Vorhaben Ihr gehabt. Da ich Euch von Jugend an bei mir gehabt und Euch also wohl kennen muss, habe ich alles in der Welt getan mit Guten und Bösen, um Euch zum ehrlichen Mann zu machen.«

Sein Vater spricht Deutsch wie ein Geröll aus Steinen, das übereinanderhagelt, jedes Wort dem vorigen nachschlagend. Er hat verboten, dass irgendjemand mit Friedrich Französisch spricht während dieses langen, langen Jahres. Dass ausgerechnet sein Vater es war, der ihm eine Hugenottin zur ersten Erzieherin gab, die kaum ein Wort Deutsch sprach, ist daher nur eines von vielen Paradoxen ihrer beider Existenz.

»Da ich Euer böses Vorhaben schon argwöhnte, habe ich Euch auf das Härteste traktiert, in Hoffnung, Ihr würdet in Euch gehen und eine andere Verhaltensweise annehmen, mir Eure Fehler offenbaren und um Vergebung bitten, aber alles umsonst, und seid Ihr immer verstockter geworden!«

Ja, Vater. Gewiss, Vater. Kein Künstler, der so von dem Werk seiner Hände enttäuscht ist wie Ihr, mein Vater.

»Wenn ein junger Mensch Dummheiten tut, liederliche Händel anfängt und dergleichen, solches kann man noch als Jugendfehler pardonnieren, aber mit Vorsatz Niederträchtigkeiten und dergleichen garstige Aktion zu tun, das ist unverzeihlich! Ihr habt gemeint, mit Eurem Eigensinne durchzukommen, aber höre, mein Kerl, wenn du auch sechzig und siebzig Jahre alt wärst, so sollst du mir nichts vorschreiben!«

Der Hals seines Vaters ist rot angelaufen. Bald wird die Farbe in sein Gesicht steigen. Also sind wir wieder beim Du, denkt Friedrich. Er sieht, dass ihn Grumbkow und Derschau über die Schultern seines Vaters hinweg aufmerksam mustern. Derschau hasst ihn, daran wird sich nichts mehr ändern, und früher, als er noch der junge Narr gewesen ist, für den sein Vater ihn immer noch hält, da hat auch er Derschau gehasst. Sein neues Selbst hat sich besser im Griff und verschwendet Hass nicht auf Kreaturen wie Derschau. Grumbkow dagegen ist gefährlicher, weil intelligenter, aber Grumbkow hat auch mehr Weitblick. Friedrich hat nicht vergessen, dass es Grumbkow war, der im Herbst des letzten Jahres den vom König befohlenen Einsatz von Folter an ihm verhindert hat mit dem Hinweis, dies sei im Heiligen Römischen Reich gegen Personen königlichen Geblüts nicht gestattet. Grumbkow, dessen Intrigen wesentlich dazu beigetragen hatten, die Kluft zwischen Friedrich und seinem Vater zu vertiefen, hat dies zweifellos nicht aus Menschenfreundlichkeit getan. Nein, Grumbkow muss damals schon zu dem Schluss gekommen sein, dass Friedrich eines Tages doch den Thron besteigen und sich sehr genau erinnern wird, wem er etwas schuldet.

»Und da ich mich bis dato gegen jedermann hab durchsetzen können, da wird es mir auch nicht an Mitteln fehlen, dich zur Räson zu bringen!«

Du hast die Mittel, Vater. Aber du hast sie mittlerweile alle aufgebraucht. Ich hoffe, das Resultat gefällt dir.

Sein Vater schöpft Atem und wird wieder ruhiger. Als er fortfährt, liegt tatsächlich etwas wie Trauer in seiner Stimme. »Warum nur hat Er nicht mehr Vertrauen zu mir gehabt? Hab ich doch alles, was ich zum Ruhm unseres Hauses, der Armee und der Finanzen geschaffen, nur für Ihn getan, wenn Er sich nur würdig gezeigt hätte! Hab ich nicht alles getan, um Seine Freundschaft zu gewinnen? Alles umsonst!«

Damit haben wir nun alle drei Anredeformen, Vater. Es liegt eine gewisse Logik darin. Erst habt Ihr mit dem Kronprinzen gesprochen, und dann mit dem Verbrecher. Jetzt redet Ihr wohl gerade mit Eurem Sohn. Euer Sohn hätte einmal eine Antwort auf diese Frage gehabt, mein Vater, aber Ihr wolltet sie nicht hören. Von mir bekommt Ihr jetzt nur noch ein Schauspiel.

Erneut wirft er sich seinem Vater zu Füßen. Es liegt eine gewisse Lust in dieser völligen Erniedrigung. Noch vor einem Jahr hat er Tränen der Scham vergossen, als sein Vater sie erzwungen hatte. Aber jetzt fühlt er keine Scham mehr. Er hat ein Jahr lang Zeit gehabt, um sich neu zu schaffen. Dabei spürt er jetzt durchaus Tränen in sich aufsteigen, doch es sind Tränen, die er sich gestattet, die er heraufbeschwört. Sie sind Teil des Schauspiels vom reuigen Sohn.

»Steh auf«, sagt sein Vater erneut, und mittlerweile schaut er geradezu unbehaglich drein.

Es ist wohl doch etwas peinlich, mehr Unterwerfung zu bekommen, als man bestellt hat, mein Herr und Schöpfer.

»Hast du nach England gehen wollen?«

Vor einem Jahr hat Friedrich darauf bestanden, nur Frankreich als Ziel gehabt zu haben, nicht England, wo der Bruder seiner Mutter regiert, seines Vaters meistverabscheuter Verwandter. Es ist das letzte Geständnis, das er noch zurückgehalten hat, und er gibt es heute.

»Nun höret die Folgen! Eure Mutter würde in das größte Unglück geraten sein, weil ich sie natürlich verdächtigt haben würde, dass sie über die Sache Bescheid gewusst hat! Eure Schwester hätte ich lebenslang an einen Ort gesetzt, wo sie weder Sonne noch Mond beschienen hätte! In das Hannoversche wäre ich mit meiner Armee gezogen und hätte alles brennen und sengen lassen, sollte ich auch mein Leben, Land und Leute dabei geopfert haben. Seht, das sind die Früchte Eures unbesonnenen und gottlosen Vorhabens!«

Wilhelmine, denkt Friedrich bei den Worten »Eure Schwester«, und etwas Heißes dringt in den Wall aus Eis, den er um sich gebaut hat. Natürlich hat er gewusst, was der Vater mit ihr tun würde, wenn er sie bei ihm zurückließ. Aber es hatte keine Möglichkeit gegeben, sie mitzunehmen. Wenn es etwas gibt, das er bereut und das nichts mit der Hinrichtung seines Freundes im Schatten des Walls zu tun hat, dann dies: dass er sie durch die Flucht verlassen hat. Wie man es dreht und wendet, seine Schwester, die ihn von seinem ersten Atemzug an geliebt hat und die der einzige Mensch ist, den er noch uneingeschränkt lieben kann, hätte er nie verlassen...

Erscheint lt. Verlag 14.10.2025
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte 18. Jahrhundert • Epos • Familiendrama • Familiengeschichte • Friedrich II • Historischer Roman • Königsfamilie • Millionenauflage • Siebenjähriger Krieg • Soldatenkönig • Spiegel-Bestsellerautorin • Tanja Kinkel
ISBN-10 3-455-02099-2 / 3455020992
ISBN-13 978-3-455-02099-1 / 9783455020991
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