Arterien (eBook)
320 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3620-7 (ISBN)
Martin Brenninger - Ein Leben zwischen Wissenschaft, Spiritualität und innerem Wachstum Martin Brenninger wurde 1971 im Sternzeichen Krebs als Sohn einer Arbeiterfamilie in einem kleinen Dorf in Niederbayern geboren. Dort, wo die Kirche auf dem Berg nicht nur ein Wahrzeichen war, sondern das Zentrum des sozialen Lebens, prägten ihn die Werte einer ländlich-katholischen Gemeinschaft ebenso wie die Herausforderungen eines Kindes, das als erstes Scheidungskind und Gymnasiast in einem konservativen Umfeld aufwuchs. Mit großem Ehrgeiz studierte er Maschinenbau an der Technischen Universität München und promovierte am Lehrstuhl für Landmaschinen. Über 20 Jahre arbeitete er bei Fendt, dem renommierten Hersteller von Traktoren im Allgäu, und prägte mit seiner Expertise die Entwicklung moderner Landtechnik. Doch seine Karriere war stets begleitet von einer inneren Frage: "Ist das alles, oder gibt es mehr?" Bereits in seiner Kindheit erhielt Martin eine erschütternde Diagnose: eine genetische Augenkrankheit, die ihn im Laufe seines Lebens erblinden lassen würde. Trotz dieser Prognose beschloss er, seinen Weg entschlossen zu gehen und sich nicht von Einschränkungen definieren zu lassen. Heute sieht Martin die Welt mit anderen Augen - durch seine Intuition, Spiritualität und einen tiefen inneren Zugang zu den Dingen. Ein Wendepunkt in seinem Leben war der Verlust seiner langjährigen Partnerin im Jahr 2023. Ihre Liebe und Stärke inspirierten ihn, einen neuen Weg einzuschlagen. Bereits seit 2020 ist Martin Schüler der spirituellen Tradition Sant Mat, die ihn lehrte, durch Meditation und innere Einkehr eine tiefere Verbindung zum Leben zu finden. Mit seiner Buchreihe Arterien verbindet Martin Brenninger Abenteuer und Mystik mit einer Botschaft, die von innerem Wachstum und dem Streben nach Harmonie durchzogen ist. Seine fast vollständige Sehbehinderung ist für ihn kein Hindernis, sondern eine Einladung, die Welt auf eine ganz eigene, vielschichtige Weise zu erleben - und diese Perspektive mit anderen zu teilen. Martin Brenninger lebt heute im Allgäu, wo er seinen spirituellen Weg weiter erkundet und seine Leser:innen einlädt, gemeinsam mit ihm die Geheimnisse von Arterien zu entdecken.
KAPITEL 3 – EINE KÖNIGIN
Nachdem unser Entschluss gefasst war, verließen wir den mystischen Zauber des Falkensteins und begaben uns wieder hinab ins flache Land. Es war, als ließen wir einen Traum hinter uns – einen Ort voller Magie und Geheimnisse, die uns verführt und mitgerissen hatten. Der Bus schlängelte sich die Serpentinen hinunter, während der verschneite Wald wie ein Märchenbild an uns vorbeizog. Die schneebedeckten Äste schienen sich über uns zu neigen, als wollten sie uns ein letztes Mal festhalten, bevor wir endgültig Abschied nahmen. Doch in uns wuchs der Tatendrang, eine stille Entschlossenheit, die die Wehmut über unseren Aufbruch überwog.
Als wir unten im Tal ankamen, begannen die sanften Hügel des Allgäus, ihre schützenden Arme von uns zu strecken. Der Schnee glitzerte im Licht der winterlichen Sonne, und alles wirkte wie in Watte gepackt, als wäre die Welt still geworden. Doch tief in mir wusste ich, dass diese Stille nur trügerisch war – sie war das Vorspiel zu etwas Größerem, zu einer Mission, die jetzt beginnen musste. Ursula machte wieder den gewohnten Umweg. Dann setzte sie mich zu Hause ab, und wir verabschiedeten uns – eine kurze, knappe Verabschiedung, denn Worte waren in diesem Moment nicht nötig.
Meine Wohnung, die mir sonst immer ein Ort des Rückzugs und der Geborgenheit war, kam mir plötzlich fremd und leer vor. Die gewohnte Umgebung wirkte karg, als ob all ihre Farben ausgebleicht wären. Doch ich hatte keine Zeit für sentimentale Gedanken – meine Aufgabe lag klar vor mir. Es galt, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Mein Arbeitsverhältnis hing in der Schwebe, und ich wusste, dass der Anschein gewahrt werden musste, ich würde nicht freiwillig gehen. Ein alter Bekannter, ein kampferprobter Anwalt, hatte sich bereit erklärt, mich zu vertreten. Die Firma bot mir eine alternative Stelle an, doch die Bedingungen waren so gestaltet, dass klar war, wie unwillkommen ich inzwischen dort war. Schritt für Schritt verhandelte mein Anwalt einen Auflösungsvertrag. Ich ließ die Dinge laufen, ohne Eile – alles Teil des Plans.
Ursula war in der Zwischenzeit dabei, einen geeigneten Ort zu finden, wo wir der geheimnisvollen Frau näherkommen könnten. Tage vergingen, bis eines Morgens eine Nachricht auf meinem Handy erschien – eine einzige Zeile: „Jetzt.“ Die Zeit war gekommen.
Ich stand vor dem Spiegel und betrachtete mich. Meine Haare waren ungewaschen, fettig und schlaff. Der ungepflegte Eindruck war gewollt, fast wie eine Maske, die ich mir aufgesetzt hatte. Mit Widerwillen zog ich die verschwitzte, zerknitterte Kleidung an, die ich zuvor zurechtgelegt hatte. Es widerstrebte mir, mich so heruntergekommen zu präsentieren, doch es musste sein. Ich wollte, dass mein Äußeres mein inneres Durcheinander spiegelte – das Bild eines Mannes, der sich im freien Fall befand. Schließlich klingelte ich noch bei der älteren Dame, die bei uns im Haus wohnte, und ließ sie wissen, dass ich wohl in eine Klinik müsste. Ihr Gesichtsausdruck zeigte sogleich Besorgnis, doch ich wusste, dass damit auch der erste Teil unseres Plans in Gang gesetzt war. Die Nachbarschaft würde nun wissen, warum ich für unbestimmte Zeit nicht da sein würde.
Als Ursula mich abholte, war ihre Reaktion unvermittelt: „Mein Gott, du siehst ja schrecklich aus.“ Sie lachte, doch in ihren Augen lag Stolz – wir hatten es geschafft, ich war bereit. Sie erzählte mir, dass sie eine psychosomatische Klinik im Schwarzwald gefunden hatte, in der viele spirituelle Menschen untergebracht waren. Es schien der perfekte Ort, um unseren Plan umzusetzen.
Die nächste Hürde war die Einweisung in die Klinik. In Freiburg wartete ein Psychiater auf uns, der mit der Klinik zusammenarbeitete. Die Fahrt dorthin verlief in Schweigen – ich war in Gedanken versunken und ließ die bevorstehende Mission wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen. Der Psychiater war ein älterer Mann mit scharfem Blick. In dem Gespräch schilderte ich meinen persönlichen und beruflichen Verlust – mein äußeres Erscheinungsbild tat den Rest. Als „Notfall“ wurde ich in die Klinik im Schwarzwald eingewiesen.
Es war bereits später Nachmittag, als wir die Einweisung in der Hand hielten. Für die Aufnahme in die Klinik war es zu spät, also suchten wir uns ein Hotel in der Nähe. Ein Doppelzimmer – Teil der Geschichte, dass Ursula als meine Partnerin auftreten würde, um ihre Besuche in der Klinik zu erklären. Das Hotel war warm und einladend, das Zimmer in hellem Holz gehalten. Wir aßen vorzügliches vegetarisches Essen, doch ich konnte nur an den nächsten Tag denken.
Im Zimmer gingen wir noch einmal unseren Plan durch. Ich würde bereits in der Klinik sein, bevor die Frau verlegt werden würde. Niemand würde Verdacht schöpfen, dass ich ihretwegen dort war. Gleichzeitig konnte ich die Zeit nutzen, um Kraft zu tanken und mich auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten. Ursula würde mich regelmäßig besuchen, aber im Bus nächtigen.
Am nächsten Morgen fuhren wir zur Klinik. Sie lag malerisch inmitten des Schwarzwaldes, das alte Gemäuer von Wäldern und Hügeln umgeben. Der Ort strahlte eine eigenartige Ruhe aus, doch ich konnte das unterschwellige Dröhnen der Geschichten, die sich hier abgespielt hatten, fast spüren. Ein Ort, der bereits viel gesehen und erlebt hatte. Man hatte die Gebäude modernisiert, doch der alte Charme blieb erhalten.
Wegen meiner Behinderung und der Dringlichkeit erhielt ich ein Zimmer in der Nähe der Rezeption und der Pflege. Es war ein schönes Einzelzimmer mit Blick auf die freie Natur – und ein großes, behindertengerechtes Badezimmer. Ursula begleitete mich durch den Aufnahmeprozess, dann verabschiedete sie sich.
Am Abend saß ich auf meinem Bett, blickte aus dem Fenster in die Dunkelheit des Waldes und atmete tief durch. Die erste Etappe war geschafft. Jetzt begann das Warten – und ein vorsichtiges, achtsames Vorgehen.
Der nächste Tag begann mit einem Termin bei einem der somatischen Ärzte der Klinik. Bereits beim ersten Betreten des kleinen, funktionalen Behandlungszimmers spürte ich, dass dieser Mann anders war. Er war Mitte vierzig, mit ruhigen Augen und einem warmen Lächeln, das etwas Beruhigendes ausstrahlte. Seine Bewegungen wirkten bedacht und sanft, als ob er in einem inneren Rhythmus lebte, der mir seltsam vertraut vorkam. Später würde ich erfahren, dass er in seiner Freizeit Jazzmusiker war – und das erklärte einiges.
„Wie geht es Ihnen?“ begann er das Gespräch, während er sich neben dem Schreibtisch Platz nahm, doch seine Augen blieben wachsam auf mir.
Zögernd berichtete ich von einer Sache, die mich belastete: dem Speisesaal. Seit zwei Jahren hatte ich mich von größeren Menschenansammlungen ferngehalten. Doch hier, in der Klinik, spürte ich diesen Druck, sobald ich den Saal betrat. Als ob die Präsenz der anderen Menschen mich erdrücken würde, wie eine Welle, die gegen mich schlug. Ich schämte mich fast, es laut auszusprechen, selbst in einer psychosomatischen Klinik. Ich wollte nicht für verrückt erklärt werden, und doch… hier musste ich es wagen.
Der Arzt nickte nur leicht, ließ meine Worte in der Luft hängen. Es war, als würde er ihnen Raum geben, um wirklich gehört zu werden. Einen Moment lang wirkte es, als ob er in Gedanken versunken war, doch seine Augen verrieten, dass er ganz bei mir war.
„Gibt es sonst noch etwas?“ fragte er schließlich. „Etwas, das Sie vielleicht bisher noch niemandem erzählt haben?“
Das Gespräch fand in einem Raum statt, der in seiner Schlichtheit fast klinisch wirkte. Eine Liege an der Wand, ein Schrank, ein kleiner Schreibtisch – nichts Ablenkendes. Doch der Arzt selbst durchbrach diese Monotonie mit seiner Präsenz. Während ich sprach, bewegte er sich langsam im Raum, räumte ein paar Akten auf, schloss einen Schrank. Aber nie ließ er mich aus den Augen.
Zögernd sprach ich das an, was ich bisher nur für mich behalten hatte: „Ich sehe Farben.“ Die Worte kamen stockend, als ob ich mich selbst erst davon überzeugen musste, es laut auszusprechen.
Der Arzt stoppte in seiner Bewegung und drehte sich mit einem interessierten Ausdruck zu mir um. „Orange, oder? “
Ich blinzelte überrascht. Woher wusste er das? „Ja“, antwortete ich unsicher. „Besonders stark bei emotionalen Menschen. Manchmal ist es nicht nur Orange, sondern fast schon Rot. Es ist, als ob die Farben eine Intensität annehmen, die mit ihren Gefühlen zusammenhängt. Und bei ruhigen oder kühlen Menschen sehe ich oft gar keine Farben, nur klare, kühle Töne.“
Er lächelte leicht, als ob er das schon geahnt hätte. „Das ist nicht ungewöhnlich“, sagte er leise. „Ihr Gehirn sucht neue Wege, um die Welt zu interpretieren, jetzt, wo sich Ihr Sehvermögen verändert. Es versucht, die Informationen, die Ihre Augen nicht mehr vollständig liefern können, auf andere Weise zu verarbeiten. Das ist eine Art Schutzmechanismus.“ Er machte eine kurze Pause, als ob er mich nachdenklich musterte....
| Erscheint lt. Verlag | 3.2.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| ISBN-10 | 3-7693-3620-8 / 3769336208 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3620-7 / 9783769336207 |
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