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Boy Parts - Ein Roman -  Eliza Clark

Boy Parts - Ein Roman (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
368 Seiten
Festa Verlag
978-3-98676-202-5 (ISBN)
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7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
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Irina ist wie besessen: Auf den Straßen Newcastles spürt sie unscheinbare Männer auf, um sie zu fotografieren - schonungslos, in expliziten Posen. Und statt sich um den öden Barjob und ihre Kunstkarriere zu kümmern, gibt sie sich Drogen, Alkohol und extremen Filmen hin. Als sich in einer Londoner Galerie die Chance einer großen Ausstellung bietet, gerät Irina in einen selbstzerstörerischen Strudel aus Wahn und Gewalt - und reißt ihre beste Freundin sowie den schüchternen Supermarktangestellten, in den sie sich verguckt hat, mit hinab ... Ein rabenschwarzer Psychothriller, kompromisslos und narzisstisch, intelligent und modern. Furchtlos lotet die Autorin die Tabubereiche der Sexualität und der Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert aus. Es ist kein Zufall, dass Boy Parts als feministisches American Psycho gefeiert wird.  Eliza Clark ist eine der besten jungen britischen Schriftstellerinnen. GUARDIAN: »Die meisten Leser werden vor Lachen heulen und/oder vor Entsetzen die Augen schließen.«  MSLEXIA: »Wenn jemand die Angst unserer Zeit durchdringen und verstehen kann, dann ist es Eliza Clark.«

Eliza Clark ist eine der besten jungen britischen Schriftstellerinnen. Wir sind sicher, dass der Festa Verlag mit den deutschen Erstausgaben ihrer brillanten Romane BOY PARTS und PENANCE sowie der Geschichtensammlung SHE'S ALWAYS HUNGRY den Start einer großen literarischen Karriere miterlebt.  Eliza Clark ist von ihrer Heimatstadt Newcastle nach London gezogen, wo sie das Chelsea College of Art and Design besuchte. Sie arbeitete danach im Bereich Social Media Marketing. 2020 erschien BOY PARTS, ein rabenschwarzes Psychodrama, das Blackwell's zum besten Roman des Jahres wählte und der mit dem Women's Prize for Fiction Award ausgezeichnet wurde. 2023 führte das Soho Theatre, London, eine Bühnenadaption auf. PENANCE, ihr nächster Roman, erschien 2023. Unter dem Deckmantel des True Crime skizziert Eliza Clark die Desillusionierung der Jugend, größenwahnsinnig und ohne Zukunft, vollgestopft mit Junk-Food und Storys über Serienmörder. Kurz nach der Veröffentlichung wurde Eliza Clark von dem renommierten Literaturmagazin Granta auf die Liste der besten jungen britischen Autoren aufgenommen. Ihre Website: www.elizaclarkauthor.com

Eliza Clark ist eine der besten jungen britischen Schriftstellerinnen. Wir sind sicher, dass der Festa Verlag mit den deutschen Erstausgaben ihrer brillanten Romane BOY PARTS und PENANCE sowie der Geschichtensammlung SHE'S ALWAYS HUNGRY den Start einer großen literarischen Karriere miterlebt.  Eliza Clark ist von ihrer Heimatstadt Newcastle nach London gezogen, wo sie das Chelsea College of Art and Design besuchte. Sie arbeitete danach im Bereich Social Media Marketing. 2020 erschien BOY PARTS, ein rabenschwarzes Psychodrama, das Blackwell's zum besten Roman des Jahres wählte und der mit dem Women's Prize for Fiction Award ausgezeichnet wurde. 2023 führte das Soho Theatre, London, eine Bühnenadaption auf. PENANCE, ihr nächster Roman, erschien 2023. Unter dem Deckmantel des True Crime skizziert Eliza Clark die Desillusionierung der Jugend, größenwahnsinnig und ohne Zukunft, vollgestopft mit Junk-Food und Storys über Serienmörder. Kurz nach der Veröffentlichung wurde Eliza Clark von dem renommierten Literaturmagazin Granta auf die Liste der besten jungen britischen Autoren aufgenommen. Ihre Website: www.elizaclarkauthor.com

DEAN / DANIEL

Im Bus zur Arbeit kommt mir das Essen hoch. Ich schlucke es wieder runter, Textur und Geschmack des Haltestellen-Sandwichs sind immer noch unverkennbar.

Als der Bus links ranfährt, wackle ich auf meinen Absätzen raus. Ich stelle mir vor, wie ich umknicke, wie mein Knöchel bricht und sich durch die Haut spießt. Ich stelle mir vor, wie ich in der Notaufnahme ein Foto davon knipse und es Ryan schicke: Ups, heut kann ich wohl nicht! Aber ich kriege mich nicht dazu hinzufallen. Das ist, als würde man versuchen, im seichten Gewässer den Kopf unten zu behalten, das geht einfach nicht.

»Alles klar bei dir, Liebes?«, fragt der Busfahrer.

»Geht schon.«

Ich komme eine halbe Stunde zu spät in die Bar. Um zwölf hätten wir aufmachen sollen. Ryan wird frühestens um eins hier sein. Ich drücke meine Stirn gegen das kühle Türglas, verfehle das Schlüsselloch ein paarmal und hinterlasse einen hellen Fleck Make-up.

Ich bereite nur das Nötigste für den Tag vor und nippe an einem Glas Wasser, bis Ryan da ist. Er jammert, weil ich die Tür (schon wieder) mit Make-up eingesaut und oben im Mezzanin – im Mez, wie er es nennt – nicht die Stühle von den Tischen geholt hab. Mir brummt der Schädel. Er fragt, wann ich nach Hause gekommen bin (um vier Uhr früh – ich sage um zwei) und ob ich verkatert bin (»nein«), dann lässt er mich allein am Tresen stehen und drückt sich im Büro rum.

Eine Stunde lang schneide ich in Ruhe Obst; ich kille sechs Zitronen und häute eine Ananas. Die Limonen lasse ich liegen, mein letzter Tequila klebt mir noch bitter am Gaumen.

Ich höre sie, ehe ich sie sehe: zwölf Kerle in Anzügen. Sie kommen die Straße runter, platzen rein und brüllen rum, mit roten Gesichtern, total von sich überzeugt, und die nächste halbe Stunde stehe ich da und mixe Old Fashioneds.

Sie beschweren sich, ich würde zu lange brauchen. Als schnellere Alternative biete ich ihnen Manhattans an, und der Anführer des Rudels lacht höhnisch auf. Seine Designerkrawatte sitzt locker, und er öffnet den obersten Knopf seines Monogramm-Hemds, am dicken Handgelenk eine protzige Uhr. Um einen wohlhabenden Eindruck zu erwecken, wurden keine Mühen gescheut. Höchstwahrscheinlich ein »Graf Rotz von der Backe«, wie meine Mam sagen würde.

»Ist uns ’n bisschen zu weibisch, Schätzchen.«

»Im Grunde ist ein Manhattan das Gleiche wie ein Old Fashioned, bloß schneller in der Zubereitung«, sage ich und rühre dabei in zwei Gläsern. Weil er nur auf meine Titten glotzt, entgeht ihm mein spöttisches Lächeln.

»Ist der nicht rosa?«

»Nein, ist vor allem mit Bourbon.« Ich glaube, das verwechselt er mit einem Cosmopolitan, aber so oder so will er nicht.

Sie gehen rauf ins Mezzanin und beschweren sich lautstark über die Wartezeit. Kein verficktes Trinkgeld. Was auch sonst?

Ich bete, dass es bei der einen Runde bleibt, aber sie bestellen noch zwei Flaschen Auchentoshan und bereiten mir die Hölle auf Erden. Es kostet echt Kraft, nicht die Hände überm Kopf zusammenzuschlagen, auf dem Boden sitzen zu bleiben oder in den Eiskübel zu kotzen, den ich ihnen bringen muss. Um sie rauszuekeln, lege ich ein Album von Merzbow ein. Für die ersten drei Songs ist das noch witzig, aber dann glauben sie, die Lautsprecher wären kaputt, und der Lärm verschlimmert meinen Brummschädel.

Der Anführer entfernt sich vom Rudel. Er kommt runter und lehnt sich an den Tresen. Ich warte darauf, dass er noch eine Flasche bestellt, aber stattdessen quatscht er mich an. Er quatscht und quatscht und quatscht. Sein nach hinten gegeltes Haar lichtet sich; eine Strähne fällt ihm dauernd in die Augen, worauf er sie sich jedes Mal zurückklatscht, als erschlüge er eine Fliege.

»Ich bin übrigens Vollpartner«, sagt der Anzugtyp. Klare Aussprache, Oxford-Englisch, bestimmt nicht von hier. Ein Kolonist, hat sich offenbar aus dem Londoner Umkreis herverpflanzt. Wahrscheinlich lebt er bei den ganzen Fußballern oben in Northumberland und gibt vor seinen Stadtjungs damit an, dass ihn seine Villa in Darras Hall bloß ’ne schlappe Mille kostet, dass er neben Martin Dúbravka wohnt und die Lebensqualität da oben ja so viel besser ist, solange man sich von den miesen Gegenden fernhält.

»Meine Zeit ist teuer«, sagt er.

»Meine auch.« Das missversteht er und knallt mit seiner Pranke einen 20-Pfund-Schein auf den Tresen, als wäre die Granitplatte der Arsch seiner Sekretärin.

Hinter ihm ist eine Frau aufgetaucht: schon älter, dürr, ohne Begleitung; ihre Solarienhaut nussbraun, die Haare viel zu dunkel gefärbt, die Zähne gelblich. Bestimmt ein Alki.

»Entschuldigung«, sagt sie. Der Anzugtyp ignoriert sie – vielleicht hört er sie auch nicht.

»Also, hier hab ich ’n hübsches kleines Trinkgeld für dich.« Erniedrigend, aber ich steck’s trotzdem ein. »Für heute gehörst du mir, klar?«

»Die nächsten fünf Minuten vielleicht.« Wieder landet ein Zwanni auf dem Tresen, dann in meiner Tasche. »Ich werd nur kurz die Dame hier bedienen.«

»Wie viel, damit du hier hinschmeißt und mit mir heimkommst?«

»Für so was ist’s noch zu früh.« Ich verdrehe die Augen, seine Miene verfinstert sich.

»Entschuldigung!«, brüllt der Alki jetzt, aber der Anzugtyp lässt sie nicht vorbei.

Er beugt sich vor und packt mich am Handgelenk, sein Bauch quillt über die Thekenkante. Er grunzt, die zusammengekniffenen Schweinsäuglein blutunterlaufen vom nachmittäglichen Alkoholkonsum.

»Du zitterst ja«, stellt er fest. Reizend, dass er glaubt, er wäre dafür verantwortlich und nicht etwa mein – wie ich angenommen hatte, offensichtlicher – Kater. Er greift fester zu; meine Haut färbt sich weiß unter seinen Fingern. Alles dreht sich. Sobald ich ihn erst mal vollgereihert hab, wird er’s bereuen. Eine Schande, dass ich nicht kotzen kann, ohne mir die Finger in den Rachen zu stecken. Damit könnte ich mich jetzt wunderbar aus der Affäre ziehen, ohne mich groß zu bewegen. Ich könnte natürlich schreien, nur bin ich von der ganzen Raucherei gestern Abend immer noch heiser. »Na, hast du Schiss?«, lallt er. Er ist besoffener als angenommen.

»Lass mich los.« Tut er aber nicht. Ich komme nicht an die Obstmesser ran. Mit der freien Hand greife ich mir stattdessen eins der Biergläser aus der Reihe vor mir. »Ich zähl jetzt bis drei«, warne ich ihn.

Der Alki hämmert auf den Tresen.

»Was glaubst du, wie alt mein Sohn ist?«, fragt sie. Der Mann lässt mein Handgelenk los, als hätte er sich die Finger verbrannt.

»Gary, was zum Henker?« Ein zweiter Kerl, im cremefarbenen Sommeranzug, wankt peinlich berührt die Treppe runter; er ist ungefähr im gleichen Alter, zwar gepflegter, dafür aber knallrot, vermutlich von zu viel Scotch und Urlaub ohne Sonnencreme. »Liebes«, setzt er an. Die Frau fällt ihm ins Wort. Wahrscheinlich doch kein Alki, bloß ’ne ruppige Mam.

»Was glaubst du, wie alt mein Sohn ist?« Sie hält mir ihr Smartphone vor die Nase. Auf dem Display leuchtet mir meine Website entgegen. Sie hat ein Schwarz-Weiß-Foto aufgerufen: Da kniet ein Junge, seine Zunge zwischen meinem Mittel- und Zeigefinger, mein Ringfinger bohrt sich in seine Wange.

Ah.

»Er ist 20 Jahre alt. Hat seinen Ausweis dabeigehabt und mir einen Modelvertrag unterschrieben. Kann ich Ihnen alles zeigen.«

»Blödsinn. Was für ein Quatsch! Sie da.« Sie tippt Gary auf die Schulter. Der Kerl im Sommeranzug fragt, was hier los sei – die ruppige Mam ignoriert ihn. »Wie alt sieht der Bursche da aus, Ihrer Meinung nach? Sieht der vielleicht wie 20 aus? Sieht der für Sie verdammt noch mal wie 20 aus?«

Gary blickt zu der Mam hin, dann zu mir, dann aufs Foto.

»Ich glaube, wir sollten abhauen«, sagt der Kerl im Sommeranzug. »Jungs«, ruft er. »Jungs, Zeit zu gehen.«

Aber Gary denkt immer noch nach und betrachtet das Foto.

»Er hatte seinen Ausweis dabei«, sage ich. Ich hole mein Smartphone raus und rufe ein Foto davon auf. Zuerst zeige ich’s Gary. »Seht ihr? 20. Und jetzt zieht Leine.«

Die ruppige Mam verlangt, dass die Männer bleiben. Als Zeugen. Aber da sind sie auch schon weg und hinterlassen bloß eine Wolke aus teurem Rasierwasser, das so penetrant riecht, dass mir ganz schwummrig wird. Die ruppige Mam will den Ausweis sehen.

»Das ist mein Ältester! Das ist Dean, du dämliches Miststück; der Ausweis gehört meinem älteren Sohn. Daniel ist 16. Wenn du das nicht aus dem Netz nimmst, zeig ich dich verdammt noch mal an.«

Ich hab ihn im Bus gescoutet und da schon vermutet, dass er eventuell erst in die Oberstufe geht. Er hatte einen Anzug an. Wahrscheinlich geht er auf eine dieser Schulen, deren Uniformen wie Büro-Outfits aussehen, aber man kann ja schlecht von mir erwarten, das gleich auf den ersten Blick zu wissen. Ich hab schon Kerle gesehen, die sehen mit 30 noch wie zwölf aus. Deswegen sollen sie auch immer den Ausweis zeigen. Deswegen speichere ich alles ab.

Außerdem könnte mich kein Gericht der Welt dafür verurteilen. Die Brüder sehen sich dermaßen ähnlich. Nur eine Mutter würde wegen eines Passbilds eine solche Haarspalterei betreiben. Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass sich die Geschworenen in so einem Prozess gegen mich stellen würden: Schönheit setzt man ja automatisch mit Tugendhaftigkeit gleich....

Erscheint lt. Verlag 24.3.2025
Übersetzer Elena Helfrecht
Verlagsort Borsdorf
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Moderne Frau • Psychodrama • Thriller • Urban-Horror
ISBN-10 3-98676-202-7 / 3986762027
ISBN-13 978-3-98676-202-5 / 9783986762025
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