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Blut auf der Elfenfahne (eBook)

Schottland 1745
eBook Download: EPUB
2025 | 2. Auflage
440 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-1623-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Blut auf der Elfenfahne -  Jürgen Ehlers
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Großbritannien 1745. Der ehrgeizige William Augustus, der Lieblingssohn des Königs, übernimmt das Oberkommando der englischen Armee. Sein Freund Jan Asmussen wird Hauslehrer für Lucy, die Tochter des Lairds von Dunvegan, auf der Insel Skye in Schottland. Jan ist froh, den Intrigen am Hof entronnen zu sein. Er ahnt nicht, dass sein Auftrag selbst Teil einer Intrige ist. Und als Bonnie Prince Charlie mit einer Handvoll Getreuer in Schottland landet, um die Krone für seinen Vater zu erobern, kommt es zum Aufstand, der Freundschaften hinwegfegt, und bei dem Menschlichkeit und Gewissen dem Ehrgeiz zum Opfer fallen. Jans Freund William Augustus gilt schon bald als gnadenloser Schlächter. Und Lucys geliebter Vater, der Laird MacLeod, wird von seinen Gegnern nur als der Böse Mann bezeichnet. Alles, was Jan und Lucy bisher für gesichert gehalten hatten, gilt nicht mehr, und sie müssen entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen.

Jürgen Ehlers, Eiszeitforscher und Krimiautor, wurde 1948 in Hamburg ggeboren. Seit 1992 schreibt er Kurzkrimis und Kriminalromane. Er ist Mitglied im "Syndikat" und in der "Crime Writers' Association".

Sixpence auf die Hunde


Chigwell, England, Mai 1744

Der Platz vor der Gastwirtschaft war in weitem Rund mit einem provisorischen Zaun abgesperrt, und hinter der Barriere drängten sich jetzt ein paar hundert Menschen. Jan und William Augustus waren rechtzeitig gekommen, sie standen in der ersten Reihe. William Augustus, der junge Duke of Cumberland, sah sich um. Die Zuschauer, zumeist Männer, aber auch Frauen und Kinder, schienen überwiegend den ärmeren Bevölkerungsschichten anzugehören. Niemand dabei, den er kannte. Gut. Niemand brauchte von diesem Treffen mit Jan und von diesem Gespräch zu wissen.

»Wie hast du von dieser – dieser Darbietung erfahren?«, fragte Jan.

William lachte. »Ich weiß fast alles. In meiner Position ist es entscheidend, gut informiert zu sein.«

»In deiner Position?«

William Augustus nickte. »Es geht um die Krone. Um die Krone Englands.«

Wirklich? Jan sah seinen Freund zweifelnd an, wartete auf weitere Erklärungen. Aber William Augustus zuckte nur mit den Achseln und schwieg.

Bull Baiting gab es natürlich auch in London, in Hockley-in-the-Hole zum Beispiel, aber nach der Schlacht von Dettingen hatte William zu oft im Mittelpunkt gestanden. Er konnte sich nicht sicher sein, ob man ihn dort nicht erkennen würde. »Übrigens solltest du lieber Englisch sprechen«, sagte er, »sonst fallen wir auf.«

Jan nickte. »Bull Baiting«, sagte er. »Eine Art Stierkampf also. Bis jetzt hatte ich gedacht, so etwas gäbe es nur in Spanien.«

Wie naiv bist du eigentlich?, dachte Cumberland. Sie hatten sich gemeinsam einige Male aus der behüteten Welt des Hofes entfernt, aber zu den wilderen Unternehmungen, Preiskämpfen etwa, bei denen halbnackte Frauen mit dem Messer aufeinander losgingen, hatte er Jan lieber nicht mitgenommen. Er sagte: »Stierkampf gibt es auch hier in England. Aber es ist kein gewöhnlicher Stierkampf, wo irgendein strahlender Held mit gezücktem Degen das arme Tier niedermetzelt, sondern es ist ein Kampf Tier gegen Tier. Sie hetzen Hunde auf den Stier.«

Daher also das Gebell. Jan sah sich um. Jemand ging mit einem Eimer herum und sammelte Geld ein.

»Was wird das?«, fragte Jan.

»Du kannst wetten.«

»Wetten?«

»Ja, natürlich. Das ist doch der Sinn des Ganzen. Du musst dich entscheiden: Glaubst du, dass am Ende der Stier am Boden liegt, oder dass er sich die Hunde vom Leib halten kann?«

Gerade wurde der Stier in den Ring geführt. Ein großer, mächtiger Bulle; er sah wild und gefährlich aus.

»Bull or dogs?«, fragte der Mann mit dem Eimer.

»Bull.« Jan setzte einen Shilling auf den Stier.

»Sehr wohl mein Herr, einen Shilling auf den Stier, so geht es, meine Herrschaften, sehen Sie her, so geht es!« Der Mann verbeugte sich in gespielter Ehrfurcht.

William lachte. Jan wurde rot. Ihm war klar, dass er zu viel gesetzt hatte. William setzte Sixpence auf die Hunde.

»Jetzt glaubt keiner mehr, dass du ein kleiner Handwerker bist.«

»Es tut mir wirklich leid ...«

»Unwichtig. Sie dürfen nicht wissen, wer ich bin. Du kannst dich hier ruhig sehen lassen. Es ist ja im Prinzip eine respektable Veranstaltung. Ich habe selbst Lords schon bei solchen Wettkämpfen gesehen, und die haben sich nicht im mindesten geschämt. Aber in meiner Position ist es nicht ratsam.«

»Nein.« Jan fragte sich, was den Duke of Cumberland so sehr reizte, dass er dennoch gekommen war.

Der Stier stand in der Mitte der Arena. Sein Besitzer hielt ihn an einem kräftigen Strick, damit er sich nicht auf das Publikum stürzen konnte, das ihn aus sicherer Entfernung verhöhnte. Von rechts wurden jetzt die Hunde hereingeführt. Kräftige Bulldoggen, die an ihren Leinen zerrten. Die Unterhaltung erstarb.

»Es geht los!«, raunte William.

Jan nickte. Einer der Hunde – Jan konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob er sich losgerissen hatte oder von seinem Besitzer in den Ring geschickt worden war – raste in wildem Eifer auf den Stier zu. Der versuchte, das Tier auf die Hörner zu nehmen. Der Hund wich aus, sprang den Stier an. Der schüttelte ihn ab, und bevor der Hund sich wieder aufrappeln konnte, hatte der Stier ihn erwischt und ihm mit dem linken Horn die Seite aufgeschlitzt. Das tödlich verletzte Tier jaulte und wälzte sich am Boden. Der Stier stieß noch einmal zu.

»Sieht nicht schlecht aus für dich!«, rief William. »Sieht nicht schlecht aus!«

Da wurden die anderen Hunde freigelassen. Sie stürzten sich auf den Bullen, bissen zu, wo sie ihn packen konnten, in die Flanken, in die Hörner. Der Stier schüttelte sie ab.

»Ich bin mit dir hierhergekommen«, sagte William, »weil wir hier ungestört miteinander reden können. Und wir müssen miteinander reden. Du bist dreiundzwanzig Jahre alt, genau wie ich. Aber während für mich völlig klar ist, wie mein weiteres Leben verlaufen wird, ist für dich nichts geklärt. Ich bin der Duke of Cumberland, und ich bin erwachsen.«

Jan nickte. Das wusste er alles.

»Aber was willst du machen? Du hast überhaupt keine Funktion am Hofe. Du bist ja nur der Sohn meines Lehrers, meines verstorbenen Lehrers, um genau zu sein.«

»Du brauchst dir um mich keine Sorgen zu machen«, sagte Jan. »Ich werde schon durchkommen!«

»Ich mache mir aber Sorgen. Du bist mein Freund. Ich will nicht, dass du nur gerade so durchkommst. Ich will, dass du eine gute Position bekommst, einen Posten, der deinen Fähigkeiten entspricht ...«

In diesem Moment brüllte der Stier vor Wut und Schmerz auf; einer der Hunde hatte sich in seiner Flanke festgebissen. Die Menge tobte. Einige feuerten den Stier an, der wie wahnsinnig umhersprang und mit den Hufen ausschlug, während die meisten dem Hund zuriefen, auf keinen Fall loszulassen.

Jan riss sich von dem brutalen Schauspiel los. »Ich könnte als Lehrer arbeiten«, sagte er.

»Ja, das könntest du. Das habe ich auch schon gedacht. Und zufällig habe ich erfahren, dass einer unserer schottischen Freunde, ein gewisser Normand Mac-Leod, einen Lehrer für seine Tochter sucht.«

Ein neuer Aufschrei. Der Bulle hatte sich auf den Boden geworfen und den Hund unter sich begraben. Sein Besitzer drängte sich durch die Menge und versuchte, die Dogge unter dem rasenden Stier herauszuziehen.

»Fair Play! Fair Play!«, forderte die Menge.

Doch wie der Mann sich auch mühte, es gelang ihm nicht, die Beine des wild um sich schlagenden Hundes zu packen; er bekam selbst einen Huftritt vom Bullen und hinkte zur Seite. Der Hund regte sich nicht mehr.

Jan schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht. Mit kleinen Mädchen kann ich überhaupt nicht gut umgehen.«

William lachte. »So klein ist sie gar nicht mehr. Siebzehn Jahre.«

»Aber Edinburgh?«, sagte Jan zweifelnd. Er hatte Schwierigkeiten, sich auf das Gespräch zu konzentrieren, das sein künftiges Leben entscheiden sollte, während gleichzeitig vor ihm ein Kampf auf Leben und Tod tobte. Der Bulle hatte sich erhoben, stand wieder da wie zu Beginn, den Kopf leicht gesenkt, und wartete auf den nächsten Angriff. Ein weiterer Hund versuchte es als Nächster. Er war nicht schnell genug. Der Bulle schleuderte ihn hoch in die Luft, dass er vor Schmerz jaulte. Er landete mitten zwischen den Zuschauern, rappelte sich auf und rannte wieder nach vorn.

William ließ keinen Blick von dem Schauspiel. Er schüttelte den Kopf. »Nicht Edinburgh. Du hast mir doch immer erzählt, dass dir die großen Städte nicht gefallen. Nun, da habe ich genau das Richtige für dich gefunden. Dunvegan auf der Insel Skye.«

»Skye?«

»Ja, das ist eine dieser westlichen Inseln. Gehört alles zum schottischen Hochland. Wild und romantisch ...«

Der Hund flog ein zweites Mal durch die Luft; eine Frau kreischte auf, als ihr der blutige Köter ins Gesicht klatschte. Sie ging zu Boden. Wütend rappelte sie sich wieder auf. Die Umstehenden lachten. Der Hund rührte sich nicht mehr.

»Aber der gute Laird ist vollkommen zivilisiert, genau wie wir. Er sitzt als Abgeordneter für Inverness-shire im Unterhaus. Ich bin sicher, dass du hervorragend mit ihm auskommen wirst. Wenn er denn da ist. Die meiste Zeit hält er sich in London auf.«

Jan sah seinen Freund an.

»Du denkst natürlich an das Geld ...«

Jan schüttelte den Kopf. Er hatte überhaupt nicht an Geld gedacht.

Erneut wurden mehrere Hunde losgelassen. Wieder versuchte der Bulle die Angreifer abzuschütteln, doch jetzt hatte sich das Blatt zu seinem Nachteil gewendet. Einem der Hunde gelang es, sich in seiner Nase festzubeißen und ihn zu Boden zu zwingen. Der Stier brüllte, schüttelte sich und schlug mit den Hufen aus, doch es half nichts. Mehr und mehr Hunde schafften es, sich in ihn zu verbeißen.

»Dein Shilling ist verloren«, sagte William ungerührt. »Was nun deine schottischen Einkünfte angeht, so kann ich dir versichern,...

Erscheint lt. Verlag 28.3.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte 1745 • Abenteuer • Bonnie Prince Charlie • Culloden • duke of cumberland • Gewissensentscheidung • Insel Skye • Schlächter von Culloden • Schottland
ISBN-10 3-8192-1623-5 / 3819216235
ISBN-13 978-3-8192-1623-7 / 9783819216237
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