Die Brandstifter (eBook)
216 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-4323-6 (ISBN)
Hans-Peter Zürcher wurde 1956 in Zürich geboren und hat hier seine gesamte Schulzeit absolviert. Nach seinem Architekturstudium am Abend-Technikum und an der ETH Zürich, eröffnete er 1981 sein eigenes Architekturbüro, ebenfalls in Zürich. Auch heute nach seiner Pensionierung ist er noch als Architekt tätig, widmet sich aber mehrheitlich dem Schreiben. Er schreibt unter seinem Jugendnamen Hady Zürcher. Sein erstes Buch war ein modernes Märchen, erschienen im Verlag der Schweizerischen Literaturgesellschaft. Seine Leidenschaft aber, ist der Kriminalroman: Der Protagonist einer Serie von Romanen, Rico Monn, ist zuerst Polizist, dann Privatdetektiv und bearbeitet spannende Fälle aus verschiedenen Milieus. Der erste Thriller trägt den Titel Unternehmen Frankfurt Der zweite Thriller trägt den Namen Das Testament Alle erschienen im BoD Verlag, Norderstedt, Deutschland
Kapitel 1
Ein Brandopfer
Drei Ärzte standen um das Krankenbett. Das Opfer lag auf dem Laken und war fast vollständig in Verbände eingepackt. Die Ärzte sahen einander an und wussten nicht so recht, wie sie dem Opfer helfen sollten.
„Wir müssen versuchen, mit künstlicher Haut eine Besserung zu erwirken“, meinte Dr. Gubser.
Die beiden anderen Ärzte sagten, dies sei nicht mehr möglich. Der Patient hatte Verbrennungen dritten Grades und seine Haut war zu fünfundneunzig Prozent verbrannt.
Gubser recherchierte nach Krankengeschichten von Patienten mit grossen Flächen von transplantierter Haut und stiess dabei auf einen sehr seltenen Fall:
Französische Chirurgen hatten einem Brandopfer das Leben gerettet, indem sie die nach eigenen Angaben umfassendste Hauttransplantation aller Zeiten durchgeführt hatten. Dem Mann hatte ein Feuer fünfundneunzig Prozent seiner Haut irreversibel verbrannt.
Am nächsten Tag kam seine Familie ins Krankenhaus, darunter auch sein eineiiger Zwillingsbruder. „Da gab es plötzlich grosse Hoffnung“, sagte der Arzt. Denn anders als bei anderen Spendern stösst das Immunsystem eines Patienten transplantierte Haut von genetisch identischen Zwillingen (eineiige Zwillinge) nicht ab.
Der Bruder liess sich insgesamt die Hälfte seiner Haut abnehmen, um das Leben seines Bruders zu retten. Mit einer Spezialmaschine wurde sie gedehnt, um die verbrannten fünfundneunzig Prozent beim Opfer abzudecken.
Dieser Fall genoss Gubsers gesamte Aufmerksamkeit und er versuchte herauszufinden, ob ihr Patient ebenfalls einen eineiigen Zwillingsbruder hatte.
Stefan Gubser beauftragte einen der Assistenzärzte, den Bruder ausfindig zu machen und ihn ins Spital zu bitten.
Der Assistenzarzt hatte den Bruder ausfindig gemacht. Dieser kam ins Spital und wurde von Dr. Gubser empfangen.
„Meine erste Frage an Sie: Sind sie beide eineiige Zwillinge?“
„Nein, wir sind zweieiige Zwillinge. Wieso fragen Sie, spielt das eine Rolle?“
Sichtlich enttäuscht erklärte ihm Dr. Gubser, dass die Möglichkeit bestanden hätte, den Bruder zu retten. Eine Hauttransplantation sei aber nur bei eineiigen Zwillingen möglich, da die Haut sonst abgestossen werde.
„So können wir die Operation leider nicht durchführen, weshalb Sie sich von Ihrem Bruder verabschieden sollten. Er wird die kommende Nacht kaum überleben.“
„Wissen unsere Eltern davon?“, fragte der Bruder.
„Bis jetzt habe ich die Eltern nicht erreicht. Vielleicht können Sie das übernehmen?“
Dr. Gubser orientierte sein Ärzteteam über den Sachverhalt und den Umstand, dass der Patient sterben werde: „Leider gibt es noch keine Universalhaut, die vom Körper nicht abgestossen wird. Die Forschung ist zwar dran, aber es wird noch Jahre dauern.“
Das ganze Team war bedrückt über die ausweglose Situation, war doch kurz eine geringe Hoffnung aufgeflammt, die nun zunichte war.
„Wir werden den Patienten mit Morphium weiterbehandeln, damit er wenigstens schmerzfrei sterben kann. Er wird das Bewusstsein so oder so nicht mehr erlangen“, bemerkte einer der Assistenzärzte.
Die Eltern, der Zwillingsbruder sowie die jüngere Schwester standen um das Bett herum und verabschiedeten sich unter Tränen von ihrem Sohn und Bruder. Dr. Gubser begleitete die Familie in ihrem Schmerz. Er war ein Arzt mit grosser Empathie. Persönliche Anteilnahme war schon seinem Vater, seinerseits Arzt, ein echtes Anliegen gewesen. Er war zwar nur ein Landarzt mit eigener Praxis, aber seine Patienten waren ihm stets sehr wichtig gewesen.
Die Familie fand in der Tatsache Trost, dass der Patient nicht leiden musste und die Ärzte ihr Bestes gaben.
Dr. Gubser wusste, dass sein Dienst schon seit Stunden vorbei war und er eigentlich Feierabend hatte. Er könnte zu Hause sitzen, ein Bier trinken oder einfach schlafen. Er wollte aber das Brandopfer in der voraussichtlich letzten Nacht begleiten, auch wenn dieses nichts mehr spürte. Ihm war es wichtig.
Um 04.20 Uhr ertönte ein Dauerpfeifen auf dem Monitor und er wusste, dass dies das Ende war.
Er legte ein weisses Laken über den ganzen Körper und bedeckte auch das Gesicht. Dann schritt er an den Abteilungstresen und ordnete die Wegführung des Toten zur Aufbewahrung an. Er begab sich in sein Ärztebüro und telefonierte mit dem Bruder. Dieser hatte ihn gebeten, egal zu welcher Zeit anzurufen, wenn der Patient verstorben war. Er nahm die Nachricht recht gefasst auf und Dr. Gubser bat ihn, die restliche Familie zu orientieren.
Dann setzte er sich an den Schreibtisch, klappte den Laptop auf und schrieb eine E-Mail an Frau SophieWulschleger.
„... wie vereinbart orientiere ich Sie, dass Herr Helmut Graf heute Nacht um 04.20 Uhr seinen Verletzungen erlegen ist. Die Leiche wird zur Obduktion an unseren Pathologen übergeben. Sie erhalten den Bericht innert zwei Tagen ...“
Die Staatsanwaltschaft musste orientiert werden, weil der Mann Opfer einer Brandstiftung war, juristisch ausgedrückt: Brandstiftung mit Todesfolge (§ 306c StGB).
Sophie Wulschleger sass am Frühstückstisch und unterhielt sich rege mit Rolf, ihrem Mann. Sie planten Ferien auf Mallorca und diskutierten bereits über die Restaurants, die sie besuchen wollten.
Dann schaute sie zufällig auf ihr Mobiltelefon und sah, dass sie eine E-Mail vom Triemlispital erhalten hatte.
„Mein Brandopfer ist verstorben. Damit haben wir einen Mordfall“, sagte sie zu Rolf.
„Dann kommt jetzt dein Ermittler Monn wieder mal zum Zug.“
„Ja, das ist richtig. Ich werde ihn gleich anrufen“, meinte Sophie und stellte seine Nummer ein.
„Hallo Rico, wie geht es dir? Ich habe einen neuen Fall, bei dem du mitarbeiten kannst. Hast du Lust und Zeit dafür?“
Rico Monn freute sich über das Angebot und nahm es gerne an.
„Darf ich Maya auch wieder mit einbeziehen?“
Sophie bejahte und bestätigte, dass die Honorierung von Maya dieselbe sei wie die von Rico, da sie inzwischen die Prüfung und Lizenz als Privatdetektivin abgeschlossen hatte.
Rico fragte: „Wollen wir uns wie immer im Odeon treffen, was meinst du?“
„Das ist eine sehr gute Idee. Ich schlage vor, dass wir uns morgen um neun Uhr zum Kaffee treffen.“
„Wäre elf Uhr nicht besser? Dann könnten wir gleich einen kleinen Snack zu uns nehmen und einen Apéro trinken“, meinte Rico.
Sophie hatte um elf Uhr bereits einen Termin. Also verabredeten sie sich um neun im Odeon.
Sophie verabschiedete sich von Rolf und machte sich auf den Weg ins Büro.
Rico telefonierte mit Maya Engel, seiner Partnerin. Sie wohnte allein in einer kleinen Wohnung in Zürich Seebach. Sie fühlte sich wohl so. Rico war zwar ein angenehmer Zeitgenosse, aber Maya liebte ihre Freiheit. Zudem hatte sie bereits viele Jahre allein gelebt, bevor sie Rico kennenlernte. Auch während ihres Engagements in einer Sekte. Sie fand es überhaupt kein Problem, dass sie getrennte Wohnungen hatten. Rico sagte zwar immer: Eine gute Beziehung ist von Dauer, wenn man in getrennten Wohnungen lebt. Aber wirklich überzeugt war er nicht von dieser Aussage, Maya dafür umso mehr.
„Maya, wir haben einen neuen Fall. Wir können wieder gemeinsam daran arbeiten. Wir treffen Sophie morgen früh im Odeon.“
Maya wollte wissen, um was für einen Fall es sich handelte.
„Das kann ich dir auch nicht sagen. Sophie wird uns das morgen erzählen“, bemerkte Rico.
„Wollen wir heute Abend wieder einmal ins Kino gehen und einen spannenden Film schauen? Kommst du vorher zu mir?“, fragte Maya und Rico sagte zu.
Er fuhr nachmittags gegen fünf Uhr nach Seebach, bog in die Sackgasse ein und parkierte seinen Wagen auf einem Privatparkplatz. Er meinte, dass dies nur für wenige Minuten sei. Er wollte Maya abholen und mit ihr zuerst etwas Schönes zu Abend essen.
Er klingelte und drückte gleichzeitig die Klinke. Die Tür war verschlossen. Maya hasste es, wenn er einfach eintrat. Sie betrachtete ihn nicht als Fremden, aber es war ihre Wohnung und er sollte warten, bis sie die Tür öffnete.
Er blieb im Türrahmen stehen.
„Ich hole dich ab. Wir gehen zum Essen. Mein Wagen steht auf einem privaten Parkplatz, wir müssen uns beeilen.“ Maya fragte, wohin er zu gehen gedenke.
„Ich dachte, wir könnten ins Restaurant Birchegg gehen. Das ist ganz speziell. Man kann nichts auswählen. Du musst essen, was der Koch gekocht hat. Auch der Wein ist vorgegeben. Ich war schon länger nicht mehr dort, aber ich denke, es wird dir gefallen.“
Maya griff nach ihrer Tasche und schloss die Wohnungstür ab.
Als sie vor seinem Wagen standen, musste Rico feststellen, dass ihm in der kurzen Zeit wohl jemand aufgelauert und eine Busse für zweihundert Franken unter die Windschutzscheibe gelegt hatte.
„Das darf doch nicht wahr sein, so ein Mist“, fluchte Rico. „Das war wahrscheinlich wieder so ein blöder Hauswart, der nichts anderes zu tun...
| Erscheint lt. Verlag | 26.3.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Rico Monn ermittelt |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Betrug und Unterschlagung • Brandopfer • Brandstiftung • Mord • Schwestern |
| ISBN-10 | 3-7693-4323-9 / 3769343239 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-4323-6 / 9783769343236 |
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