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Farm der Tiere (eBook)

Ein Märchen | Sie wollten Freiheit. Sie bekommen Unterdrückung | Der Klassiker über Macht, Manipulation und Moral neu übersetzt von Eike Schönfeld

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1., Vollständige Neuübersetzung
150 Seiten
Insel Verlag
978-3-458-78494-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Farm der Tiere - George Orwell
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Eine Farm. Eine Revolution. Ein Traum von Freiheit, der in Diktatur umschlägt.

Die Tiere auf der Farm des Säufers Mr Jones werden vernachlässigt, ausgebeutet und misshandelt - bis sie eines Tages beschließen zu rebellieren. Die Intelligentesten unter ihnen, die Schweine, führen den Aufstand an, vertreiben den menschlichen Peiniger und stellen neue Regeln für das Zusammenleben auf: Alle Tiere sind gleich! Ein glückliches Leben scheint bevorzustehen, doch allmählich bilden sich neue Machtstrukturen heraus ... und aus ehemals Unterdrückten werden neue Gewaltherrscher.

George Orwells dystopischer Roman von 1954 ist erschreckend aktuell - und dabei in zeitgemäßer Neuübersetzung so zugänglich wie nie.

In einer Welt voller Fake News, Filterblasen und Führungsversagen hält Orwell uns den Spiegel vor. Ein Kompass für kritisches Denken mit Witz, Biss und bedrückender Klarheit.



<p>George Orwell (1903-1950) war Sozialist und einer der wichtigsten englischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er k&auml;mpfte als Antifaschist im Spanischen B&uuml;rgerkrieg. Zu seinen bekanntesten Werken z&auml;hlen <em>1984 </em>und <em>Farm der Tiere</em>.</p>

1. Kapitel


Mr Jones vom Herrenhof hatte die Hühnerställe für die Nacht abgeschlossen, war jedoch zu betrunken, um daran zu denken, auch die Klappen zu verriegeln. Der Lichtkreis seiner Laterne tanzte hin und her, als er über den Hof wankte und dann vor der Hintertür die Stiefel auszog. Aus dem Bierfass in der Spülküche goss er sich ein letztes Glas ein, bevor er nach oben zum Bett ging, in dem Mrs Jones schon schnarchte.

Das Licht im Schlafzimmer war kaum erloschen, als es überall in den Wirtschaftsgebäuden scharrte und flatterte. Über den Tag hatte sich herumgesprochen, dass der alte Major, der prämierte Middle-White-Eber, in der vorigen Nacht einen merkwürdigen Traum gehabt habe und diesen den anderen Tieren mitteilen wolle. Man war übereingekommen, dass alle sich in der großen Scheune versammelten, sobald Mr Jones sicher von der Bildfläche verschwunden war. Der alte Major (wie er stets genannt wurde, obgleich er unter dem Namen Willingdon Beauty zur Schau gestellt worden war) genoss auf dem Hof eine hohe Wertschätzung, sodass alle sehr bereitwillig auf eine Stunde Schlaf verzichteten, um sich anzuhören, was er zu sagen hatte.

An einem Ende der großen Scheune, auf einer Art erhöhtem Podium, hatte der Major es sich unter einer Laterne, die von einem Balken herabhing, bereits auf seinem Strohlager bequem gemacht. Er war zwölf Jahre alt und in letzter Zeit recht füllig geworden, dennoch war er nach wie vor ein majestätisches Schwein und ungeachtet dessen, dass seine Hauer nie gestutzt worden waren, eine weise und gutmütige Erscheinung. Schon bald trudelten nach und nach die anderen Tiere ein und machten es sich auf ihre jeweilige Art bequem. Erst kamen die drei Hunde, Blümchen, Jessie und Zwicker, dann die Schweine, die sich auf dem Stroh unmittelbar vor dem Podium niederließen. Die Hühner hockten sich auf die Fenstersimse, die Tauben flatterten auf die Dachsparren, die Schafe und Kühe legten sich hinter die Schweine und käuten wieder. Die beiden Zugpferde Boxer und Kleeblatt kamen zusammen herein, sie schritten sehr langsam und traten mit ihren riesigen haarigen Hufen sehr achtsam auf, falls ein kleines Tier im Stroh verborgen war. Kleeblatt war eine stämmige, mütterliche Stute, die sich den mittleren Jahren näherte und nach ihrem vierten Fohlen nicht mehr ihre Figur wiedererlangt hatte. Boxer war ein mächtiges Tier, nahezu achtzehn Handbreit hoch und so kräftig wie zwei gewöhnliche Pferde zusammen. Ein weißer Streifen von Stirn zu Nase verlieh ihm ein etwas dümmliches Aussehen, und tatsächlich war er auch nicht von erstrangiger Intelligenz, wegen seiner Charakterfestigkeit und gewaltigen Arbeitskraft jedoch allgemein geachtet. Nach den Pferden kamen Muriel, die weiße Ziege, und Benjamin, der Esel. Benjamin war das älteste Tier auf dem Hof und das übellaunigste. Er sprach selten, und wenn, dann meistens, um eine zynische Bemerkung zu machen – beispielsweise sagte er, Gott habe ihm einen Schwanz gegeben, um die Fliegen abzuhalten, aber lieber hätte er keinen Schwanz und keine Fliegen gehabt. Als einziges unter den Hoftieren lachte er nie. Auf die Frage, warum das so sei, sagte er, er sehe nichts, worüber er lachen könne. Dennoch war er, was er freilich nicht offen zugab, Boxer innig zugetan; zumeist verbrachten die beiden den Sonntag auf der kleinen Koppel hinter der Obstwiese, wo sie nebeneinander grasten und niemals redeten.

Die beiden Pferde hatten sich gerade niedergelegt, als etliche Entchen, die ihre Mutter verloren hatten, hintereinander schwach piepsend in die Scheune getrippelt kamen und auf der Suche nach einem Plätzchen, wo niemand auf sie treten würde, herumliefen. Kleeblatt schuf mit ihrem großen Vorderbein eine Art Wall um sie herum, in den sich die Entchen hineinschmiegten und sogleich einschliefen. Im letzten Moment kam Mollie, die törichte, hübsche weiße Stute, die Mr Jones' Einspänner zog, geziert hereingetänzelt, an einem Stück Zucker knuspernd. Sie stellte sich weit vorn hin und schwang ihre weiße Mähne in der Hoffnung, aller Aufmerksamkeit auf die roten Bänder zu lenken, die hineingeflochten waren. Ganz zuletzt kam die Katze, die sich wie üblich nach dem wärmsten Platz umsah und sich schließlich zwischen Boxer und Kleeblatt zwängte, wo sie dann während der gesamten Rede Majors, ohne auch nur auf eines seiner Worte zu achten, behaglich schnurrte.

Nun waren sämtliche Tiere versammelt bis auf Moses, den zahmen Raben, der hinter der Hintertür auf einer Stange schlief. Als Major sah, dass alle es sich bequem gemacht hatten und aufmerksam warteten, räusperte er sich und hob an:

»Genossinnen und Genossen, ihr habt ja schon von dem merkwürdigen Traum gehört, den ich letzte Nacht hatte. Aber auf den komme ich später zu sprechen. Davor habe ich etwas anderes zu sagen. Ich glaube nicht, Genossinnen und Genossen, dass ich noch viele Monate unter euch weile, und bevor ich sterbe, halte ich es für meine Pflicht, die Weisheit, die ich mir erworben habe, an euch weiterzugeben. Ich hatte ein langes Leben, ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, wenn ich allein in meiner Bucht lag, und ich glaube sagen zu dürfen, dass ich die Natur des Lebens auf dieser Welt so gut wie nur ein jetzt lebendes Tier verstehe. Und darüber möchte ich zu euch sprechen.

Nun denn, Genossinnen und Genossen, welcher Art ist dies unser Leben? Seien wir ehrlich, unser Leben ist erbärmlich, mühselig und kurz. Wir werden geboren, wir erhalten gerade so viel Nahrung, dass uns der Atem nicht ausgeht, und diejenigen unter uns, die dazu fähig sind, werden gezwungen, bis zum letzten Atom ihrer Kraft zu arbeiten, und in dem Augenblick, in dem unsere Nützlichkeit ans Ende kommt, werden wir mit abscheulicher Grausamkeit geschlachtet. Kein Tier in England kennt die Bedeutung von Glück oder Muße, nachdem es ein Jahr alt geworden ist. Kein Tier in England ist frei. Das Leben eines Tiers ist Elend und Sklaverei: Das ist die schlichte Wahrheit.

Doch ist dies einfach Teil der natürlichen Ordnung? Ist dieses unser Land so arm, dass es denjenigen, die darauf weilen, kein anständiges Leben bieten kann? Nein, Genossinnen und Genossen, tausend Mal nein! Englands Erde ist fruchtbar, sein Klima ist gut, es kann einer ungeheuer größeren Zahl von Tieren als denen, die es heute bewohnen, reichlich Nahrung bieten. Dieser eine Hof, der unsere, würde ein Dutzend Pferde, zwanzig Kühe, Hunderte Schafe ernähren – und alle würden sie in Annehmlichkeit und Würde leben, wie wir es uns heute kaum vorstellen können. Warum also leben wir weiterhin unter diesen erbärmlichen Bedingungen? Weil uns fast der gesamte Ertrag unserer Arbeit von den Menschen gestohlen wird. Darin, Genossinnen und Genossen, liegt die Antwort auf alle unsere Probleme. Sie lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen – Mensch. Der Mensch ist der einzige wirkliche Feind, den wir haben. Entfernen wir den Menschen von der Bühne, dann ist der wahre Grund unseres Hungers und unserer Überlastung auf immer abgeschafft.

Der Mensch ist das einzige Wesen, das konsumiert, ohne zu produzieren. Er gibt keine Milch, legt keine Eier, er ist zu schwach, um den Pflug zu ziehen, er kann nicht schnell genug laufen, um Hasen zu fangen. Und dennoch ist er der Herr über alle Tiere. Er lässt sie arbeiten, er gibt ihnen dafür das bloße Minimum, das sie vor dem Verhungern bewahrt, und alles Übrige behält er für sich. Unsere Arbeit bestellt die Erde, unser Mist düngt sie, und dennoch ist keiner unter uns, der mehr als seine nackte Haut besitzt. Ihr Kühe, die ich hier vor mir sehe, wie viele Tausende Liter Milch habt ihr im Lauf des letzten Jahres gegeben? Und was ist mit dieser Milch geschehen, die kräftige Kälber hätte aufziehen sollen? Jeder Tropfen davon ist durch die Kehlen unserer Feinde gelaufen. Und ihr Hennen, wie viele Eier habt ihr im letzten Jahr gelegt, und aus wie vielen dieser Eier sind Küken geschlüpft? Die restlichen sind allesamt auf den Markt gekommen, um für Jones und seine Männer Geld einzubringen. Und du, Kleeblatt, wo sind die vier Fohlen, die du ausgetragen hast, die dir Stütze und Freude im Alter hätten sein sollen? Ein jedes wurde mit einem Jahr verkauft – und keines wirst du jemals wiedersehen. Als Lohn für deine vier Niederkünfte und deine ganze Mühsal auf den Feldern, was hast du je davon gehabt außer deinen dürftigen Rationen und einer Box?

Und selbst dem elenden Leben, das wir führen, ist seine natürliche Spanne verwehrt. Um meinetwillen klage ich...

Erscheint lt. Verlag 19.11.2025
Übersetzer Eike Schönfeld
Sprache deutsch
Original-Titel Animal Farm
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 1984 • Adaption • aktuelles Buch • Aldous Huxley • All Ages • Andy Serkis • Animal Farm • Animal Farm Deutsch • Aufstand der Tiere • Bücher Neuerscheinung • Buch zum Film • Diktatur • Donald Trump • Dystopie • Englische Literatur • Fabel • Fahrenheit • Film • Film-tie-in • Freiheit • Gesellschaft • Gesellschaftsroman • Gewaltherrschaft • Gleichheit • Kinofilm • Klassiker • Literaturverfilmung • Macht • Machtmissbrauch • Manipulation • Margaret Atwood • Moral • Neuerscheinung 2025 • neues Buch • Oktoberrevolution • Parabel • Politische Fabel • Politische Satire • Ray Bradbury • Rebellion • Report der Magd • Revolution • Schöne neue Welt • Schwein • Sowjetunion • Stalinismus • Tierfabel • Unterdrückung • USA
ISBN-10 3-458-78494-2 / 3458784942
ISBN-13 978-3-458-78494-4 / 9783458784944
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