Im Rausch der Farben (eBook)
460 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-3453-8 (ISBN)
Iris und Hazel
„Seit wann bist du wieder hier?“
„Seit gestern kurz vor Mitternacht, ich sag`s dir. Venedig im Februar, ist einfach nur kalt und grau.“
Hazel umarmte Iris. „Alles Gute zum Geburtstag! Hier habe ich dir mitgebracht.“
Sie holte ein Päckchen aus der Handtasche und überreichte es Iris mit einem Lächeln. „Vorsicht, es ist zerbrechlich.“
Iris öffnete es vorsichtig. „Das ist ein Fisch.“
„Ja, aus Marienglas. Der ist echt. Nicht aus Fernost importiert.“ Iris umarmte Hazel. „Danke. Das freut mich wirklich. Ich stelle ihn neben das Aquarium.“
„Da werden sich deine „Goldis“ aber freuen. Ich muss los, mein Auto suchen.“
„Wie bitte?“ Iris sah Hazel ungläubig an. „Also, du hast ja schon so einiges verlegt, aber dein Auto? Also so alt bist du auch noch nicht.“
Hazel grinste. „So mit Anfang zwanzig kann das schon mal passieren.“
„Ach, Hazel. Komm, hol dein Auto. Ich glaube es nicht.“
„Ja, und ich war mir absolut sicher, dass ich es in der Tiefgarage im Haus geparkt habe, aber anscheinend habe ich das in dem ganzen Streß vor Venedig vergessen und es steht immer noch beim Fitness-Studio.“
„Also dann. Bei mir kommt gleich ein Klient.“
„Die untreue Ehefrau, oder?“
„Hm. Mal sehen. Er hat noch nichts gesagt.“
„Bis dann.“
Iris sah zu, wie Hazel die Straße hinunter Richtung Fitnessstudio spazierte. Typisch Hazel, immer ein wenig verpeilt und trotzdem erfolgreich. Dann kam ihr Klient. „Guten Tag. Jörg Thalbach mein Name.“
„Nehmen Sie doch Platz, Herr Thalbach.“ Iris wies auf die Besprechungsecke.
„Kaffee?
“ „Ja, gerne.“ Er nickte. Jörg Thalbach war Anfang 40 und wirkte mit seinem Business-Anzug wie ein erfolgreicher Banker oder einem anderen Beruf aus der Finanzbranche. Sie servierte ihm den Kaffee. „Und worum geht es Ihnen?“
Er rührte seinen Kaffee um. „Um meine Verlobte. Wir wollen im Sommer heiraten. Allerdings gibt es da etwas, was mich irritiert.“
„Erzählen Sie.“
„Ich habe es erst kürzlich bemerkt. Meine Freundin, Julia geht einmal im Monat weg, gegen 19 Uhr und kommt irgendwann am nächsten Vormittag zurück. Es war reiner Zufall, dass ich es mitbekommen habe. Ich bin einen Tag früher von einer Tagung abends zurückgekommen und sie war nicht zu Hause, ich habe sie nirgendwo erreicht. Julia ist Psychologin und arbeitet freiberuflich. Ich bin viel unterwegs. Ich habe sie darauf angesprochen. Jedenfalls hat sie sich geweigert, mir zu sagen, wo sie war. Und ich denke, wenn man heiratet, sollte man sich vertrauen können. Sie hat mich neugierig gemacht. Ich möchte, dass sie herausfinden, wo sie hingeht, mit wem sie sich trifft und ob..“
„Ob sie Ihnen treu ist.“
„Ja, das auch. Obwohl sie hat mir versichert, dass sie niemanden anders hat. Und das möchte ich ihr gerne glauben. Aber trotzdem ist es seltsam.“
„Ja.“
Iris Handy klingelte. „Kann ich kurz?“
Thalbach nickte. „Ja, klar.“
„Hazel? Was ist los?“
Iris ging in die Küche und schloss hinter sich die Tür. „Jetzt noch mal langsam. Du hast dein Auto gefunden.“
Hazel schluchzte. „Ja. Es steht in der Tiefgarage bei den Plätzen des Fitnessstudios. Ich bin näher hingegangen. Da habe ich bemerkt, dass jemand im Auto sitzt. Ich bin rangegangen, habe gesehen, es ist Daniel. War schon wütend, was tut er in meinem Wagen, habe an die Scheibe geklopft. Aber er hat nicht reagiert, dann habe ich die Tür aufgemacht und gesehen, dass er tot ist.“
„Oh nein.“
Es entstand eine kleine Pause. „Du musst sofort die Polizei alarmieren. Hörst du?“
Marlies fing an zu weinen. „Komm, Iris, du kannst mich jetzt nicht allein lassen.“
„Ich komme sofort. Ruf du schon mal bei der Polizei an und rühr dich nicht vom Fleck.“
Iris wurde heiß. Sie musste diesen Thalbach möglichst schnell loswerden. Sie ging zurück ins Büro.
„Herr Thalbach. Ich übernehme die Sache, wenn Sie mir noch die Adresse ihrer Freundin angeben und ihren Arbeitsplatz. Hätten Sie noch ein Foto?“ Ja. Er legte ein Foto auf den Tisch. Eine Mittdreißigerin mit gewinnendem Lächeln, schulterlanges mittelblondes Haar, Brille. Schlank.
„Bis wann denken Sie, haben Sie die Sache herausgefunden?“
„Schwer zu sagen. Ich gebe Ihnen Bescheid, sobald ich einen Ansatzpunkt habe.“ „Ideal wäre übrigens diese Woche, da bin ich unterwegs, und sie ist allein.“
„Also dann.“ Jörg Thalbach nickte ihr zu und verließ ihr Büro.
Draußen war es grau und es nieselte ein wenig. Iris schlüpfte in ihren Parka und machte sich auf den Weg zur Tiefgarage. Daniel, tot in Hazels Wagen. Die beiden hatten sich vor zwei Monaten getrennt, weil Daniel fremdging und Hazel die beiden in flagranti ertappt hatte. Da war nichts mit abstreiten. Aber Hazel hatte eine Riesenwut auf ihn.
Als sie sich der Tiefgarage näherte, wusste sie, dass Hazel ihren Rat befolgt hatte. Es wimmelte nur so von Polizei, und die Tiefgarage war abgesperrt. Keine Chance reinzukommen. Sie hätte heulen können. Sie hatte es Hazel doch versprochen.
Sie beide hatten sich doch versprochen, immer für- einander da zu sein, damals als sie aus dieser Sekte flohen und ihre Mütter zurückließen.
Das war keine zehn Jahre her. Sie fragte aber trotzdem: „Hallo, meine beste Freundin, Hazel Berger hat ihren Ex-Freund tot gefunden. Wie geht es ihr? Kann ich kurz zu ihr?“
„Das müssen Sie Frau Brandt fragen. Da kommt sie schon.“ Eine Frau Anfang 40 kam auf sie zu, mit Pagenschnitt und Hornbrille. Sie sah kantig und streng aus, aber sie fragte freundlich:
„Sind Sie diese Iris mit der sie telefoniert hat, bevor Frau Berger uns angerufen hat?“
„Ja.“ Iris nickte. „Und was hat Sie Ihnen gesagt?“
„Dass sie Daniel in ihrem Wagen tot gefunden hat.“
„Und sonst?“
„Sie hat geheult und war fertig mit den Nerven.“
„Hatten die beiden Streit?“
„Sie haben sich vor zwei Monaten getrennt.“
„Aha, geben Sie uns bitte ihre Personalien, der Vollständigkeit halber. Vielleicht kommen wir noch auf sie zu.“
„Was ist mit Hazel?“
„Die wurde zunächst nach Hause gefahren. Sie hat was zur Beruhigung bekommen.“ „Wie ist es denn passiert?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sie verstehen, laufende Ermittlungen.“ „Ok. Danke.“ Iris machte sich auf den Weg. Daniel war tot, wer hatte einen Grund, ihn umzubringen? Sie hatte zu Daniel nie einen Draht gefunden, aber er war nicht die Sorte Mensch, bei der man das kommen sah.
Im Grunde waren es doch meistens Menschen aus dem näheren Umfeld, die einen Grund hatten, jemanden umzubringen. Freunde, Familie oder der Beruf. Daniel war Anlageberater. Hier würde doch am ehesten ein Mörder zu finden sein. Vielleicht jemand, der sich schlecht beraten fühlte?
Egal, die Polizei würde es schon herausfinden.
Sie läutete bei Hazel und kurz darauf ertönte der Summer und die Tür öffnete sich. Sie stieg die Marmorstufen hoch in den zweiten Stock. Hazel erwartete sie in der Tür. Ihre Augen waren rot vom Weinen und sie zitterte leicht. „Komm rein.“
Iris umarmte Hazel. „Alles wird wieder gut.“
„Weiß nicht. Wie kommt er in meinen Wagen? Wie kommt mein Wagen in die Tiefgarage. Ich versteh das alles nicht.“
Sie ließen sich auf der Couch nieder. Minou, Hazel Perserkatze schmiegte sich an Marlies.
„Was meinst du, hatte er Feinde?“
„Ach quatsch. Klar hat er mich verärgert, genauso wie die Freundin davor und noch ein paar andere Mädels.“
„Und wie lief es im Job?“ Hazel zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Ich denke gut.“
„Und die Familie?“ Hazel streichelte Minou.
„Ja, da war mal was. Wegen einer Erbschaft oder so. Aber das hat sich alles wieder beruhigt. Das muss ein Irrer gewesen sein.“ Hazel fröstelte wieder.
„Komm, ich koche uns Tee.“, sagte Iris. Minou folgte ihr in die Küche und miaute. „Klar, sie hat Hunger.“ Hazel fütterte ihre Katze. „Glaubst du ich brauche einen Anwalt?“ „Warum? Verdächtigen Sie dich?“, fragte Iris und goss den Tee auf.
„Ich weiß nicht, jedenfalls will diese Frau Brandt noch mal bei mir vorbeikommen. Sie hätte da noch ein paar Fragen.“
„Das ist sicher Routine.“
„Ja, aber Daniels Leiche war in meinem Auto.“
„Aber du warst doch gar nicht da.“
„Stimmt auch wieder.“ Hazel schlürfte ihren Tee. Sie...
| Erscheint lt. Verlag | 25.3.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-8192-3453-5 / 3819234535 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-3453-8 / 9783819234538 |
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