Wolkenbruch im siebten Himmel (eBook)
319 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-7635-6 (ISBN)
Mann in gute Hände abzugeben.
Um Himmels willen! Majas Wahrsagerin sieht in ihrer Kristallkugel - nichts! Maja weiß, was das bedeutet: Sie muss bald sterben. Was soll dann nur aus ihrem Mann Oliver und ihren beiden Teenagern werden? Klarer Fall: Eine neue Frau für Oliver muss her! Gemeinsam mit ihren Freundinnen macht Maja sich auf die Suche. Dass sie selbst sich dabei Hals über Kopf in den smarten Torben verliebt, war jedoch nicht vorgesehen ...
Ein turbulenter Roman über den Mut, sein Leben noch einmal komplett umzukrempeln. Für alle Fans von Kerstin Gier!
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
<p>Michaela Thewes, geboren 1972, lebt mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Söhnen in der Nähe von Düsseldorf. Nach verschiedenen Tätigkeiten in der Verlags- und Werbebranche ist die gelernte Verlagsbuchhändlerin seit mehreren Jahren selbstständig. Sie arbeitet als freie Werbetexterin und Autorin.</p>
Kapitel 1
»Ich nix sehen.«
»Wie bitte?«
»Mir tut leid. Ich nix sehen«, wiederholte Tatjana bedauernd.
Mit meinen Ohren war also alles in bester Ordnung. Aber wie stand es um Tatjanas Augen? Vielleicht brauchte sie eine Brille. Sie war schließlich auch nicht mehr die Jüngste. Einer Wahrsagerin zu raten, mal einen Optiker aufzusuchen, wäre mir allerdings irgendwie unpassend, ja fast schon beleidigend erschienen. Die Frau konnte schließlich die Zukunft vorhersagen, da würde sie doch wohl wissen, wann es an der Zeit für eine profane Sehhilfe war. Oder etwa nicht?!
»Könnten wir … Also ich meine, könnten Sie es nicht noch einmal versuchen?«, krächzte ich nervös.
Scheinbar unschlüssig, ob sie meinem Wunsch nachkommen sollte, neigte Tatjana bedächtig den Kopf zur Seite. Ob das eine Masche war, um das Honorar in die Höhe zu treiben? Doch bevor ich ihr mehr Geld anbieten oder mit dem Gewerbeamt drohen konnte, nickte sie mit einem gequälten Seufzer.
»Okay, noch letzte Versuch.«
Tatjana kniff die Augen zusammen und beugte sich erneut über ihre Kristallkugel. Entgegen der Vorstellung, die man im Allgemeinen von einer Wahrsagerin hat, fielen ihr die Haare dabei keineswegs in wirren Locken über die Schultern, sondern waren zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihr Schmuck hingegen entsprach schon eher den gängigen Klischees. An Tatjanas Ohrläppchen baumelten riesige goldene Creolen, die man ohne Weiteres als Hula-Hoop-Reifen hätte benutzen können. Und sie trug mindestens ein halbes Dutzend langer Ketten, die im schwachen Lampenschein mit unzähligen Armreifen um die Wette glitzerten.
Möglicherweise liegt es an der Beleuchtung, kam es mir in den Sinn, während ich mit klopfendem Herzen darauf wartete, dass Tatjana etwas sagte. Es war wirklich verdammt schummrig hier drinnen. Die Vorhänge waren zugezogen, der Raum wurde lediglich von zwei kleinen IKEA-Funzeln, die zweifelsohne mit Energiesparlampen bestückt waren, erleuchtet. Aber das war bei meinen letzten Besuchen auch kein Problem gewesen. Was also war heute anders?
Vor Anspannung krallte ich meine Fingernägel in die Handfläche. Bei allem Respekt vor Tatjanas hellseherischen Fähigkeiten: Es konnte doch nicht sein, dass in meinem Leben GAR NICHTS passierte! Zugegeben – mit einem Ehemann, einem Häuschen, einem Kombi und zwei mehr oder weniger wohlgeratenen Kindern, die aus dem Gröbsten raus waren, erschien es auf den ersten Blick nicht besonders aufregend. Aber was war beispielsweise mit meinem immerwährenden Kampf gegen die Allianz des Bösen – Wühlmäuse und Schnecken –, den ich im heimischen Garten ausfocht? Oder mit den terroristischen Anschlägen verbaler Natur, denen ich ständig durch meine Mutter ausgesetzt war? Sooo ereignislos war mein Leben gar nicht, und meine Zukunft doch sicher auch nicht …
Die Wahrsagerin legte hochkonzentriert die Stirn in Falten. Dann räusperte sie sich und blickte von ihrer Kugel auf. Doch anstatt mich anzusehen, ließ sie ihre Augen über das Regal mit den Quarzen und Edelsteinen wandern, das rechts von uns an der Wand hing.
»Wie ich sagen: Ich nix sehen.«
»Ja, aber … aber … aber das kann doch nicht sein«, stotterte ich verwirrt.
Tatjana seufzte. »Leider doch.«
Auf alles war ich vorbereitet gewesen – auch auf schlechte Zukunftsprognosen. Gar nichts zu erfahren war allerdings, wie ich jetzt feststellen musste, mindestens genauso schlimm. Tatjana wollte mich doch wohl nicht einfach unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken?!?
Sie wollte nicht nur, sie tat es. Indem sie aufstand und die Vorhänge zurückzog, gab sie mir zu verstehen, dass unsere Sitzung hiermit beendet war.
Widerstrebend erhob ich mich von meinem Stuhl. Was hätte ich auch anderes tun sollen? Mich am Tisch festketten und darauf bestehen, dass sie gefälligst so lange auf ihre dämliche Kugel zu starren hatte, bis sie etwas sehen konnte?
Auf dem Weg zur Tür redete Tatjana entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit in einer Tour.
»Ist Wetter nicht herrlich? Drrringend auch nötig, nicht? Immer nur Rrregen, Rrregen, Rrregen – nix schön.«
Sie gurgelte das R wie Mundwasser. Ob sie vielleicht das Fehlen eines schwarzen Katers oder einer wilden Lockenmähne mit ihrem osteuropäischen Akzent wettzumachen versuchte?
»Hoffen wirrr, dass Rrrest von Sommerr so bleibt.«
Hoffen? Sie als Wahrsagerin müsste das doch eigentlich wissen, schoss es mir durch den Kopf. Sogleich schämte ich mich jedoch für diesen ketzerischen Gedanken.
Als ich mich verabschiedete, reichte ich Tatjana den Umschlag mit ihrem Honorar, doch sie hob abwehrend die Hände.
»Behalten Sie.«
Das sah Tatjana so gar nicht ähnlich. Verdattert schob ich den Umschlag in meine Handtasche zurück. Okay, wenn sie mein Geld nicht wollte … Es war ja nicht so, als ob ich zu viel davon hätte oder frisch gedruckte Blüten in Umlauf bringen müsste. Aufdrängen würde ich es ihr ganz bestimmt nicht. Sie nicht sehen – ich nicht zahlen. Das klang nach einem fairen Deal.
Ich verließ Tatjanas Wohnung dennoch mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Draußen auf der Straße atmete ich erst einmal tief ein und aus. Dann setzte ich mich wie ein Aufziehfigürchen in Bewegung. Das Klackern meiner Absätze hallte bei jedem Schritt von den Häuserwänden wider: Ich nix sehen. Ich nix sehen …
Der falsche Satzbau und die fehlerhafte Grammatik bereiteten mir das geringste Kopfzerbrechen. Ich versuchte, meine Gedanken zu entwirren. Dass es Tatjana nicht gelungen war, ihrer Kugel Informationen über meine Zukunft zu entlocken, war für sich allein betrachtet, noch kein echter Grund zur Besorgnis. Wirklich beunruhigend fand ich jedoch, dass Tatjana mein Geld abgelehnt hatte. Bescheidenheit und Genügsamkeit waren nämlich nicht gerade ihre charakteristischsten Eigenschaften. Obwohl sich ihr Stundensatz ohne Weiteres mit dem eines Arztes oder Rechtsanwalts messen konnte, erhöhte sie ihr Honorar ständig. Warum also hatte sie heute mein Geld verschmäht? Aus Mitleid? Hatte sie womöglich doch etwas gesehen und es aus Rücksicht auf meine Gefühle für sich behalten? Oder wusste sie, was es zu bedeuten hatte, wenn die Kugel nichts preisgab? Musste ich schlimmstenfalls damit rechnen, dass ich mir schon bald die Radieschen von unten ansehen würde?
Ach was, sicher ist Tatjana heute nur nicht richtig in Form, versuchte ich mich selbst zu beruhigen. Vielleicht hat sie schlecht geschlafen oder ihre Tage …
Mit einem ärgerlichen Kopfschütteln beschleunigte ich meine Schritte. Ich lief so schnell, dass ich schon nach wenigen Minuten das Franziskus-Krankenhaus erreichte. Die Klinik genoss über die Grenzen Düsseldorfs hinaus einen hervorragenden Ruf. Was, wie meine Freundin Britta, die hier als Chirurgin arbeitete, zugab, nur zum Teil an der Leistung der Ärzte lag. Mindestens genauso viel Anteil am hohen Renommee des Krankenhauses hatte Küchenchef Karl. Während man in anderen Kliniken oftmals kränker entlassen wurde, als man gekommen war – zum Herzinfarkt oder Knochenbruch gesellte sich dank des abscheulichen Fraßes, den man vorgesetzt bekam, auch noch eine kleine Magenverstimmung –, ließen die Patienten im Franziskus-Krankenhaus sich gern von Karls guter Küche verwöhnen.
In diesen Genuss kamen im Übrigen auch die Besucher, denn in der Krankenhauscafeteria gab es wirklich leckeres Essen zu zivilen Preisen. Allerdings war das nicht der eigentliche Grund, warum meine Freundinnen und ich uns hier des Öfteren zum Mittagessen trafen. Britta, die durch ihre Doppelbelastung als Ärztin und alleinerziehende Mutter von unserem Viererkleeblatt diejenige war, deren Zeit am knappsten bemessen war, konnte auf diese Weise das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden – eine kleine Stärkung in der Mittagspause und ein Treffen mit uns. Auch wenn Britta gelegentlich behauptete, es sei andersherum …
Vor der Cafeteria bremste ich kurz ab und ließ meinen Blick über die gut besetzten Tischreihen hinweggleiten. Ich brauchte nicht lange zu suchen, denn Nadine konnte man einfach nicht übersehen, zumindest nicht in diesem Aufzug. Sie trug eine pinkfarbene hautenge Jeans, eine bunte Bluse mit Blümchenprint und darüber ein Bolerojäckchen im angesagten Colorblockstyle. Jede andere hätte in dem Outfit wie ein Papagei ausgesehen – Nadine auch, aber es stand ihr. Sie war tatsächlich eine Art Paradiesvogel: exzentrisch, etwas flatterhaft und mitunter ein wenig geschwätzig. Gerade beugte sie sich über den Tisch zu Sophie hinüber und gestikulierte, während sie erzählte, wild in der Luft herum. Es musste wohl etwas Lustiges sein, denn Sophie warf lachend ihre blonden Locken zurück.
Als ich ihren Tisch erreichte, unterbrachen die beiden ihr Gespräch.
»Hallo, Maja.« Nadine sprang auf und drückte mich herzlich an sich.
Sophie stand ebenfalls auf, um mich zu umarmen, und hauchte, wohl um ihren Lippenstift nicht zu verschmieren, ein Küsschen rechts und ein Küsschen links an meinen Ohren vorbei, dabei verströmte sie wie immer einen zarten Vanilleduft. In ihrem rosafarbenen Etuikleid und den dazu passenden Riemchenpumps sah sie aus, als wäre sie soeben der Titelseite eines Hochglanzmagazins entstiegen. Es war gar nicht so einfach, mit Sophie befreundet zu sein. Vor allem an Tagen, an denen man selbst nicht ganz auf der Höhe war. Denn an Sophie war immer alles vorbildlich – ihre Klamotten, ihr Make-up, ihre Haare, ja sogar ihr Mann und ihre Kinder. Trotzdem mochte ich sie von Herzen, zumindest wenn ich sie nicht gerade umbringen wollte, weil sie so verdammt perfekt war.
»Kannst du mir verraten,...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | beheartbeat • Bridget Jones • Chick Lit • chick lit deutsch • Frauenroman • Freche Frauen • Freundschaft • Humor • Kerstin Gier • Liebe • Liebeskummer • Liebesroman • long term relationship • Mr. Right • Roman für Frauen • Romantic Comedy • Romantik • Second Chance • Traummann • Wahrsagerin • Zweite Chance |
| ISBN-10 | 3-7517-7635-4 / 3751776354 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-7635-6 / 9783751776356 |
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