Die kleine Schneiderei der großen Träume (eBook)
328 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-7371-3 (ISBN)
Der Stoff aus dem die Träume sind
Marielle beschließt, ihr größtes Hobby endlich zum Beruf zu machen: Sie will Schneiderin werden! Doch auf ihre Bewerbungen erhält sie nur eine einzige Zusage: Aus einem kleinen Château in einem noch kleineren Dorf im Pays de la Loire. Neugierig macht sich Marielle auf den Weg nach Courléon und stellt fest, dass ihre neue Chefin jede Hilfe gebrauchen kann: Im Schloss soll eine eigene Modenschau stattfinden. Was für eine Chance für Marielle, wären da nicht die Dorfbewohner, die das Vorhaben und Neuankömmlinge mit Skepsis beäugen. Zum Glück gibt es noch den charmanten Koch Robin, der Marielle mit seinen Köstlichkeiten im Château den Kopf verdreht - aber auch seine ganz eigenen Pläne verfolgt ...
Zwischen Nadel und Faden, Träumen und Herausforderungen wartet im malerischen Courléon ein Abenteuer, das Marielle nie vergessen wird. Ein herzerwärmender Roman über Mut, Neuanfänge und die Liebe. Der vierte, in sich abgeschlossene Roman der romantischen Reihe um das kleine Château in Frankreich mit einer neuen, liebenswerten Protagonistin.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
<p>Claire Bonnett, geboren 1997, wuchs in einem lebhaften Haushalt voller Bücher auf und begann bereits als Kind eigene Geschichten zu schreiben. Kreative Unterstützung erhält sie dabei von einer Notizbuchsammlung und einem elektrischen Klavier. Die besten Zutaten für ihre Romane findet die Autorin allerdings im Alltag, der ihrer Meinung nach immer noch die verrücktesten Ideen bereithält. Man muss sie nur aufschreiben.</p>
1. Kapitel
Marielle Maribeau war davon überzeugt, dass man jeden Tag der Woche einer bestimmten Farbe zuordnen konnte. Der Montag zum Beispiel war ein weißes Blatt. Er stand schließlich noch ganz am Anfang der Woche. Der Mittwoch hingegen verlangte eher nach einer kräftigen, gedeckten Farbe, einem Tannengrün oder einem matten Lippenstiftrot, während man sich weiter Richtung Wochenende vorarbeitete. Zum Wochenende hin griff Marielle dann nach den auffälligen Farben in ihrem Schrank. Am liebsten nach ihrem langen gelben Rock, der es schon so manches Mal geschafft hatte, die Sonne hinter den grauen Wolken über Avignon hervorzulocken.
»Mademoiselle?«
Marielle schreckte auf. Schon wieder. Dabei hatte sie sich fest vorgenommen, sich heute nicht beim Träumen erwischen zu lassen. Allzu große Vorwürfe wollte sie sich aber nicht machen. An diesem Morgen war nur eine einzige Kundin in den Laden gekommen.
Sie lächelte die Dame höflich an, die sie angesprochen hatte. Sie trug einen langen dunkelblauen Mantel, der nur wenige Zentimeter über dem Boden endete. Er war voller weißer Katzenhaare, und Marielle musste sich beherrschen, nicht nach dem Fusselroller unter der Theke zu greifen. Ihre Chefin hatte sie bereits darauf hingewiesen, dass es die meisten Menschen nicht schätzten, wenn man sie ungefragt mit einem quietschenden Roller bearbeitete. Marielle fiel diese Beherrschung allerdings schwer. Wenn sie etwas sah, das ihrer Meinung nach Verbesserungspotenzial hatte, überkam sie ein drängendes Gefühl: ein Kribbeln in den Fingerspitzen, das erst dann vergehen wollte, wenn dieser eine Knopf wieder richtig angenäht war oder die Schleife einer Bluse genau dort saß, wo sie hingehörte. Sie verschränkte die Arme hinter dem Rücken.
»Wie kann ich Ihnen helfen?«
Die Kundin deutete auf einen der Kleiderständer, die man mit Müh und Not in den kleinen Raum gequetscht hatte.
»Ich habe da dieses Kleid entdeckt und finde es einfach wunderschön!«
»Magnifique, Madame! Welches denn genau?«
Marielle begleitete die Kundin zu dem Metallständer, wo sie einen Kleiderbügel herauspflückte. Sie hielt ein hübsches Kleid mit roten Punkten in das Licht der Deckenlampe. Marielle konnte sich sogar noch erinnern, wer es damals in den Laden gebracht hatte – und dass die ehemalige Besitzerin bestimmt zwei Köpfe größer und ein paar Zentimeter breiter als ihre jetzige Kundin gewesen war.
»Perfekt für den Sommer!«, verkündete diese gerade. Mit leuchtenden Augen befühlte sie den Stoff des Kleids. »Aber haben Sie es vielleicht ein oder zwei Nummern kleiner?«
Marielle lächelte entschuldigend. »Das wünschte ich wirklich, aber das hier ist eine Second-Hand-Boutique. Jedes Teil, das wir verkaufen, ist ein Einzelstück. Ich kann Ihnen aber gerne dabei helfen, etwas Ähnliches zu finden. Ich glaube, ich kann mich sogar an ein ganz ähnliches Kleid hier irgendwo erinnern …«
Marielle wollte bereits vorangehen, doch die Kundin blieb stehen, wo sie war. Sie hielt das Kleid ein Stück höher, sodass es die untere Hälfte ihres Gesichts verdeckte.
»Können Sie es denn nicht ändern?«
Marielle schüttelte den Kopf. »Leider führen wir in unserem Laden keine Anpassungen durch.« Sie näherte sich einem Kleiderständer am anderen Ende des Raums. »Aber ich bin mir sicher, wir haben ein ähnliches Modell hier …«
Sie begann mit flinken Fingern einen Kleiderbügel nach dem anderen zur Seite zu schieben. Sie war so in ihre Mission vertieft, dass sie erst aufblickte als sie das helle Klingeln der Ladenglocke hörte.
»Aber Madame …«
Die Frau hatte das Kleid auf die Ladentheke gelegt und war gegangen. Anscheinend hatte es für sie wirklich genau dieses Teil oder gar keines sein sollen. Marielle sah ihr etwas enttäuscht durchs Schaufenster nach. Über ihrem rechten Unterarm hingen noch die alternativen Kleidungsstücke, die sie herausgesucht hatte. Nun, sie konnte die Reaktion der Dame nachvollziehen. Wer kannte nicht dieses Gefühl, sich in ein ganz bestimmtes Kleidungsstück zu verlieben? Wenn man sich endlich mit seinem gut aussehenden Nachbarn verabredete, wollte man doch auch, dass er selbst erschien und nicht sein recht ähnlich aussehender Cousin. Wobei sich Marielle nicht erinnern konnte, wann sie sich zuletzt für ein Date zurecht gemacht hatte. An Ideen für die perfekte Garderobe mangelte es nicht. Das Problem war eher, dass sie die meiste Zeit in der Boutique verbrachte – auch wenn sie diesen Umstand nie als problematisch empfunden hatte. Marielle hängte sorgsam die Kleidungsstücke wieder zurück an die Stangen und summte dabei eine leise Melodie vor sich hin. Sie freute sich darauf, in das Hinterzimmer des Ladens zu verschwinden, um dort die Neuzugänge zu begutachten. Wer wusste, vielleicht würde die Dame ja zurückkommen und dann hätte sie ein Kleidungsstück in petto, das ihr gefiel und ihr diesmal perfekt passen würde! Marielle malte sich das glückliche Lächeln der neuen Kundin aus, die sich vor dem Spiegel hin und her drehte.
Beflügelt von diesem Gedanken, räumte sie die restliche Kleidung auf. Sie warf einen letzten Blick über die Schulter und ging dann – nur kurz! – in den hinteren Teil des Ladens. Wie ein Kind am Weihnachtsmorgen stand Marielle vor den zahlreichen Kartons, die dort aufeinandergestapelt waren. Dass, anders als an einem Festtag, diese nicht mit buntem Geschenkpapier umwickelt waren, sondern einige Schrammen aufwiesen und etwas muffig rochen, störte sie nicht. Für sie waren es Schatzkisten. Beherzt griff sie nach dem obersten Karton und öffnete ihn. Ihre Augen leuchteten auf, als sie erkannte, dass sich darin ein paar Handtaschen aus den 1950er Jahren befanden …
»Marielle?«
Sie zuckte zusammen und ließ die oberste Tasche wieder zurück in die Pappkiste fallen. Ihre Chefin hatte die Fähigkeit, hinter einem aufzutauchen wie ein Geist. Marielle hatte sogar schon einmal beobachtet, wie Kunden verschreckt zusammengezuckt waren, als sie urplötzlich neben ihnen erschienen war. Nur war klar, dass sie nicht gekommen war, um Marielle zu fragen, ob sie Unterstützung bei der Kleiderwahl brauchte. Sie kannte ihre Vorgesetzte schon eine Weile und wusste deren Gesichtsausdruck genau zu lesen. Sie war die meiste Zeit die Ruhe selbst. Obwohl Marielle an ihrem allerersten Arbeitstag einen Brandfleck in ein Hemd gebügelt hatte, hatte sie ihr keine Standpauke gehalten. Sie hatte lediglich den Kopf geschüttelt und mit großem Bedauern das ruinierte Kleidungsstück entsorgt. Und das war es. Hier wurde niemand mit einer Wutrede bestraft, sondern vielmehr damit, dass Madame Bonnefoy enttäuscht war. In diesem Augenblick sah sie jedoch nicht enttäuscht aus, sondern vor allem unruhig und besorgt.
»Ich muss mit dir sprechen«, sagte Bonnefoy.
»Natürlich«, erwiderte Marielle. Sie folgte ihrer Vorgesetzten aus dem Lagerraum und ging in das kleine Büro nebenan. Dort erledigte Madame Bonnefoy den Papierkram, der als Boutique-Besitzerin so anfiel. Hier roch es nach Kaffee und Druckertinte und es fielen keine weichen Sonnenstrahlen durch ein Schaufenster, sondern das grellweiße Licht einer elektrischen Lampe beleuchtete den Raum. Marielle nannte es das unfreundliche Weiß. Ein Weiß, das so hell und stark war, dass es einen fast etwas einschüchterte. Ganz anders als das vielversprechend freundliche Montagsweiß, das sie so gern mochte. Madame Bonnefoy setzte sich an ihren Schreibtisch und Marielle nahm gegenüber Platz. Sie sah kurz über die Schulter.
»Aber jetzt ist niemand im Verkaufsraum …«
Bonnefoy winkte ab. »Ich habe vorhin das Schild umgedreht – und selbst wenn nicht, es hätte keinen großen Unterschied gemacht.« Sie seufzte und ließ einen Moment lang ihren Blick über die Berge von Unterlagen wandern. »Ich wünschte wirklich, wir müssten dieses Gespräch nicht führen. Ich hatte noch nie ein Händchen für solche Unterhaltungen. Dabei sollte man das als Ladenbesitzerin können, n’est-ce pas? Unangenehme Wahrheiten aussprechen.«
Marielle runzelte die Stirn sagte aber nichts. Sie wollte lieber warten, wie Madame Bonnefoy fortfuhr, um selbst zu beurteilen, wie unangenehm ihre Mitteilung ausfallen würde. Sie wusste, dass sie auf andere zart wirkte mit ihrer kleinen Körpergröße und den schmalen Handgelenken. Aber das hieß nicht, dass sie keine Herausforderungen bewältigen konnte.
Madame Bonnefoy wirkte ein wenig enttäuscht, dass Marielle den Gesprächsfaden nicht aufnahm. Sie neigte leicht den Kopf, dann sagte sie: »Du warst immer zufrieden hier, nicht wahr?«
»Sehr sogar«, erwiderte Marielle. Die Vergangenheitsform dieser Frage behagte ihr gar nicht. Hatte sie in letzter Zeit etwas falsch gemacht? Einen Kunden verärgert? Ein teures Designerstück zu günstig hergegeben? Ihr fielen sofort ein Dutzend Vergehen ein, derer sie sich vielleicht schuldig gemacht hatte.
»Ich habe immer gesehen, dass du eine Leidenschaft für Mode besitzt«, fuhr Bonnefoy fort. »Zugegeben, im Umgang mit Kunden musstest du anfangs einiges dazulernen – und auch heute noch hast du die Angewohnheit, zu den Leuten aufzuschauen wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Aber ich habe noch nie zuvor jemanden getroffen, der so schnell einen Stoff erkennen konnte oder den Stil eines Designers … darum habe ich dich auch immer behalten, obwohl es oft eng wurde.«
Marielle hob erstaunt die Brauen. Sie hatte immer angenommen, sie hätten nur nicht zu jeder Zeit eine Aushilfe gebraucht. Wenn sie genauer darüber nachdachte, waren bereits einige Personen in der Boutique erschienen und wieder gegangen. Nur war Marielle zu dem Schluss gekommen, dass diese Leute eben lieber etwas anderes machen...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Feel-Good-Romane • Frankreich • Leichte Lektüre • Roman für Frauen • Sommerroman • Urlaubsroman • Wohlfühlroman |
| ISBN-10 | 3-7517-7371-1 / 3751773711 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-7371-3 / 9783751773713 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich