Gefährlich erregende Nähe (eBook)
144 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3717-9 (ISBN)
Die sexy Fremde an der Bar flirtet so heiß mit Lennox, dass er sich auf einen One-Night-Stand einlässt. Ein Fehler? Er steckt im Wahlkampf für das Amt des New Yorker Bürgermeisters - und Amara entpuppt sich als die Anwältin seines Rivalen! Hat sie ihn in eine Falle gelockt?
<p>Wenn Kira Sinclair gerade nicht als Büro - Managerin arbeitet oder neue Zeilen für eine Geschichte schreibt, verbringt sie Zeit mit ihrem Ehemann, zwei bezaubernden Töchtern und jeder Menge Tieren auf ihrer kleinen Farm im Norden Alabamas. Egal in welcher Form, Schreiben war schon immer ein Teil ihres Lebens.</p>
2. KAPITEL
Am liebsten hätte Kinley ihre Wut einfach herausgeschrien. Aber sie wollte in Gegenwart dieses Mannes nicht die Kontrolle über sich verlieren.
Pleite. Sie war komplett pleite.
Die Millionen Dollar auf ihrem Konto hatten ihr immer ein Gefühl der Sicherheit gegeben. Sie hatte immer nur ungern auf das Geld zurückgegriffen, weil es gestohlenes Geld war. Aber gerade zu Beginn hatte sie keine andere Möglichkeit gesehen. Sechzehn Jahre alt, auf sich allein gestellt, auf der Flucht. Auf der Flucht vor Menschen, die ihr Böses antun wollten.
Ja, sie hatte in ständiger Gefahr gelebt, und weil das ohnehin nicht mehr zu ändern war, hatte sie sich entschlossen, eine Art moderner Robin Hood zu werden. Ihr Computertalent machte es ihr leicht, den Reichen – natürlich nur den verbrecherischen Reichen – ihr Geld zu stehlen, um es den Bedürftigen zu geben. Zwangsläufig erhöhte sich dadurch die Zahl ihrer Feinde. Denn jeder Verbrecher, den sie bestahl, schwor ihr bittere Rache.
Irgendwann hatte sie eine seelische Hornhaut dagegen bekommen. Gegen die Ängste, gegen die Unsicherheit.
Aber gestern hatte Jameson Neally ihr Vermögen gestohlen, das Geld, das eine Art Sicherheitsnetz für sie war. Und jetzt fühlte sie sich wirklich hilflos. So viele Menschen hatten ihr Rache geschworen – und jetzt hatte sie beinahe selbst das Bedürfnis, Rache zu nehmen. An Jameson Neally.
Aber nein, so war sie nicht. Auge um Auge, Zahn um Zahn – das sollte nicht ihre Philosophie werden. Auch wenn ihre Eltern versucht hatten, sie so zu erziehen. Zu einem Menschen ohne Skrupel.
„Wo genau ist mein Geld denn jetzt?“, stieß Kinley mit zusammengebissenen Zähnen hervor.
Jokers ratloser Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Aber noch immer klammerte sie sich an die Hoffnung, dass er sich vielleicht nur einen grausamen Scherz mit ihr erlaubte. „Also, was ist mit dem Geld?“
„Ja, also, ich …“
„Jetzt erzählen Sie mir nicht, Sie haben es verloren.“
Joker schüttelte fast panisch den Kopf. Er setzte sich an den Computer und tippte wild auf der Tastatur herum. Immer wieder blickte er ungläubig auf den Bildschirm.
„Was ist denn jetzt?“, fragte sie fordernd.
„Es … es ist gestohlen“, stotterte er kopfschüttelnd.
Sie konnte es kaum glauben. Der Dieb, der ihr ihr Geld gestohlen hatte, hatte es sich selbst wieder stehlen lassen. So etwas konnte wirklich nur ihr passieren! Denn in ihrem Leben lief niemals etwas glatt …
„Wer hat es gestohlen? Und wie kriegen wir es zurück?“ Das war alles, was sie interessierte. Weil sie das Geld dringend brauchte, weil es ihr Sicherheit gab. Nur mit diesem finanziellen Polster war es ihr möglich, sich vor all denen zu verbergen, all denen zu entkommen, die ihr etwas antun wollten.
Natürlich, sie hätte wieder irgendwem Geld stehlen können, um sich ein neues Sicherheitspolster zuzulegen, aber das hätte ihrer Philosophie widersprochen.
Denn das Geld, das sie sich von Verbrechern aneignete, floss zu hundert Prozent wohltätigen Zwecken zu. Das Geld, das Joker ihr gestohlen hatte, war ihr privates Polster gewesen; es war ausschließlich das Geld, das sie Lockwood Industries gestohlen hatte, dem Unternehmen der Familie ihres Bruders. Das Geld, wegen dessen Veruntreuung Gray fälschlich verurteilt worden war. Ja, anfangs hatte sie davon einiges genommen, aber nur so viel, wie sie zum Überleben brauchte. Und über die Jahre hatte sie diese Beträge wieder ersetzt. In letzter Zeit hatte sie diese Reserve nur noch angegriffen, wenn es absolut nötig war. Denn, so sah sie es, das Geld gehörte ihr ja nicht wirklich.
Bis sie sechzehn war, war jeder Tag ihres Lebens eine Lüge. Sie war das Kind zweier Berufsverbrecher, die sie in ihrem Sinne – in ihrem kriminellen Sinne – aufzogen. Im Alter von elf oder vielleicht zwölf Jahren hatte sie dann erkannt, dass das, was ihre Eltern von ihr verlangten, nicht normal war.
In Häuser einbrechen. Menschen um ihr Geld betrügen. Stehlen. Alles, um ihre Eltern zu bereichern. Doch irgendwann war in ihr erwacht, was ihre Eltern so völlig vermissen ließen: ein Bewusstsein für das, was Recht und Unrecht ist, Schuldgefühle.
Sie wollte doch nur ein normaler Teenager sein! Ein Teenager, der Ärger bekommt, wenn er länger auf einer Party bleibt als mit den Eltern abgesprochen. Der vielleicht als Strafe Hausarrest aufgebrummt bekommt. Aber nein, ihr Leben war ein völlig anderes. Sie wurde in raffinierte Pläne ihrer Eltern eingebunden, um reiche Leute um ihr Geld zu bringen.
Die Kulisse all dieser Untaten war Las Vegas. Hierher kamen genug reiche Leute, hier ließen sogar sonst vorsichtige Menschen in ihrer Achtsamkeit nach.
Die Neonlichter, das Gewusel und Gewimmel – hier waren die Jagdgründe ihrer Eltern. Und für sie war es ein Gefängnis. Ein Gefängnis, aus dem sie nach langer sorgfältiger Planung schließlich entkommen konnte.
Das allerdings auf Kosten ihres Halbbruders, von dessen Existenz sie nicht einmal wusste. Den Raubzug selbst hatte sich ihre Mutter ausgedacht, die sich auf diese Weise an ihrem Ex-Ehemann, Grays Vater, dafür rächen wollte, dass er sie verlassen hatte. Aber Kinley hatte, um ihrerseits ihre Eltern hereinzulegen, die Schuld auf den Falschen geschoben. Gray wurde wegen Unterschlagung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
„Also eins ist schon mal klar“, sagte Joker und riss sie aus ihren Gedanken. „Ich bin schuld, dass Ihr Geld weg ist, ich habe es mir stehen lassen. Deshalb hole ich es auch zurück. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern.“
Kinley lachte verbittert auf. „Sie werden verstehen, dass ich das etwas anders sehe“, erwiderte sie mit Hohn in der Stimme. „Ich werde ja wohl kaum einem Mann trauen, der mich um mein gesamtes Vermögen gebracht hat. Ich lasse Sie nicht aus den Augen, bis ich all mein Geld zurückhabe. Bis auf den letzten Cent.“
Sie musterte ihn. Sie wusste, auf seinem Gebiet war er brillant. Denn während er sie überwachte, hatte sie ihrerseits Nachforschungen über ihn angestellt.
Joker besaß als Hacker einen Ruf wie Donnerhall. Der Mann, der niemals versagte. Er nahm durchaus nicht jeden Job an, aber wenn er einen annahm, brachte er ihn auch mit Erfolg zu Ende. Er hatte es auch geschafft, eine Aura des Geheimnisvollen um sich aufzubauen. Über den privaten Joker – oder Jameson – war so gut wie nichts bekannt.
Er war ein Mythos, eine Legende.
Und irgendetwas sagte ihr, dass er an dieser Legende eifrig mitgestrickt hatte.
Wenn sie ihn so ansah, hatte er nur wenig vom Klischeebild eines Hackers. Schlechte Körperhaltung vom vielen Sitzen, Übergewicht von zuckrigen Energydrinks und zu viel fettigen Pizzas – all das traf auf ihn nicht zu. Oh nein, er sah wirklich gut aus und hatte hatte einen schlanken, sehnigen, durchtrainierten Körper.
Nicht, dass sie das interessiert hätte!
Joker blickte erst schuldbewusst zu Boden, dann sah er ihr in die Augen. „Im Moment habe ich wirklich keine Ahnung, wo das Geld sein könnte, Kinley. Aber ich verspreche Ihnen: Ich finde es und hole es Ihnen zurück. Und ich versichere Ihnen noch mal: Ich wollte sie nur beschützen. Ich wollte Ihnen helfen.“
„Das ist ja wohl gründlich danebengegangen.“
„Das kann ich nicht leugnen.“ Nervös fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. „Glauben Sie mir, ich fühle mich total schlecht deswegen.“
„Das ist ja wohl das Mindeste.“
Sie klang streng, wütend, aber im Innersten ihres Herzens tat ihr der Mann, der jetzt so schuldbewusst vor ihr stand, sogar ein wenig leid. Was für ein absurdes Gefühl! Wie konnte sie Sympathie entwickeln für einen Typen, der ihr so etwas angetan hatte?
Joker trat näher auf sie zu. „Ich hole das Geld zurück, Kinley. Das schwöre ich Ihnen bei allem, was mir heilig ist.“
„Ich brauche Ihre Hilfe nicht. Ich finde das Geld schon selber wieder. Geben Sie mir einfach alle Informationen, die Sie haben.“
„Nein.“
Kinley schüttelte den Kopf. Hatte sie sich verhört? „Was soll das heißen: nein?“
„Nein, das kann ich nicht machen. Ist einfach zu gefährlich für Sie. Die Gefahr, die das Ganze – inklusive meiner Aktionen – ausgelöst hat, ist ja immer noch akut. Diese gefährlichen Leute sind Ihnen immer noch dicht auf den Fersen.“
„Mit viel Geld hätte ich mich vor diesen Leuten besser schützen können. Aber das haben Sie mir ja abgenommen.“
Wieder blickte er zu Boden. „Ja, ich weiß, und es tut mir ja auch unendlich leid. Aber glauben Sie mir, ich werde …“
„Ich traue Ihnen nicht, Joker.“
„Sie trauen niemandem auf der großen weiten Welt, Kinley.“
Damit hatte er sogar recht, aber darum ging es hier nicht. „Sie haben mir schon genug Ärger gemacht. Geben Sie mir alle Informationen, und ich verschwinde.“
„Tut mir leid, daraus wird nichts. Definitiv nicht.“
Sie hörte es an der Entschlossenheit in seiner Stimme: Er würde sich nicht umstimmen lassen.
„Na gut.“ Sie wandte sich um und ging in Richtung Ausgang. „Dann nehme ich die Sache eben selbst und alleine in die Hand.“ Als sie im Türrahmen stand, wandte sie sich noch einmal um. „Auf Nimmerwiedersehen, Sie...
| Erscheint lt. Verlag | 17.4.2025 |
|---|---|
| Übersetzer | Peter Müller |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | bücher für frauen • Cora • cora bücher • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • eBook • ebook liebesroman • Frauenroman • Liebesgeschichte • Liebesroman • Romantische Bücher |
| ISBN-10 | 3-7515-3717-1 / 3751537171 |
| ISBN-13 | 978-3-7515-3717-9 / 9783751537179 |
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