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G. F. Unger 2319 (eBook)

Die Unbeugsamen

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7517-7945-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

G. F. Unger 2319 -  G. F. Unger
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Alle sechs bis acht Wochen ritt ich nach Elkhorn, um mal andere Gesichter zu sehen, ein paar Drinks zu nehmen, etwas Poker zu spielen und anschließend bei Dora Whitaker den Rest der Nacht zu verbringen. Dora gehörte der Saloon. Ich saß in dieser Nacht wieder einmal beim Poker und gewann zwischen Abendessen und Mitternacht etwa hundert Dollar. Es war dann gegen Mitternacht, als die Postkutsche von Cripple Creek nach Elkhorn kam. Draußen blies ein kalter Wind, denn der Winter lauerte schon in Wyoming. Einige Gäste, die an der Bar standen, gingen hinaus. Einer von ihnen steckte kurz danach wieder den Kopf in den rauchgeschwängerten Saloon und brüllte: »Da ist ein Weltwunder gekommen, Jungs! Oho, jetzt bekommt unsere schöne Dora Konkurrenz!«


Die Unbeugsamen

Alle sechs bis acht Wochen ritt ich nach Elkhorn, um mal andere Gesichter zu sehen, ein paar Drinks zu nehmen, etwas Poker zu spielen und anschließend bei Dora Whitaker den Rest der Nacht zu verbringen. Dora gehörte der Saloon.

Ich saß in dieser Nacht wieder einmal beim Poker und gewann zwischen Abendessen und Mitternacht etwa hundert Dollar.

Es war dann gegen Mitternacht, als die Postkutsche von Cripple Creek nach Elkhorn kam. Draußen blies ein kalter Wind, denn der Winter lauerte schon in Wyoming. Einige Gäste, die an der Bar standen, gingen hinaus. Einer von ihnen steckte kurz danach wieder den Kopf in den rauchgeschwängerten Saloon und brüllte: »Da ist ein Weltwunder gekommen, Jungs! Oho, jetzt bekommt unsere schöne Dora Konkurrenz!«

Und dann kam die Schöne auch schon herein. Ihr Haar war rotgolden, doch ihre Augen funkelten schwarz im Lampenschein. Sie trug ein flaschengrünes Reisekostüm, so wie es die wirklichen Ladys bevorzugten, besonders die in New Orleans, dieser französischen Stadt unseres Kontinents.

Wir hörten dann Dora Whitakers lauten Ruf: »Debra!« Und dann kam sie auch schon durch die offene Tür des Hinterzimmers.

Nun liefen sie aufeinander zu und fielen einander in die Arme. Und es war immer noch still im Saloon.

Fast hundert Gäste waren hier versammelt, denn Elkhorn in Colorado war für alle Menschen auf hundert Meilen im Umkreis sozusagen der Nabel der Welt.

Die beiden Schönen lösten sich endlich voneinander, hielten sich aber dennoch an den Händen. Und dann rief Dora Whitaker in die Stille: »Sie ist meine Schwester! Und sie ist eine Lady. Habt ihr wilden Jungs das verstanden? Sie ist eine Lady!«

Die letzten Worte rief sie mit warnendem Klang in ihrer kehligen und dennoch melodisch klingenden Stimme, welche jedem Mann unter die Haut ging.

Nach diesen Worten ging Dora mit ihrer Schwester Debra die geschwungene Treppe nach oben.

Und ich wusste ziemlich sicher, dass ich diesmal nicht in Doras Bett landen würde. Und schon gar nicht irgendwann in den ersten Morgenstunden, nachdem der Saloon geschlossen worden war. Nein, diesmal hatte Dora gewiss keine Zeit und kein Verlangen nach mir.

Das war mir klar. Und so war ich eigentlich – was Dora betraf – umsonst nach Elkhorn gekommen. Dann wollte ich wenigstens beim Pokern gewinnen. Denn die Dollars konnte ich gut gebrauchen. Meine Pferdezucht warf noch keinen großen Gewinn ab. Ich betrieb sie noch nicht lange genug mit einem wunderbaren Hengst und einem Dutzend Zuchtstuten. Sie alle hatten prächtige Fohlen bekommen, aus denen etwas werden würde. Doch das brauchte Zeit.

Es verging noch fast eine Stunde. Ich gewann nochmals etwa fünfzig Dollar und hatte insgesamt nun um die einhundertfünfzig Dollar eingesackt, wie man so sagt. Damit konnte ich mit meinen beiden Helfern wieder eine Weile auf der Pferderanch leben.

Kurz vor Ende der Nacht kam einer von Dora Whitakers Angestellten zu uns an den Tisch und sagte mitten in unser Pokerspiel hinein: »Mister Logan, die Chefin möchte Sie sofort sehen.«

Ich staunte.

Heiliger Rauch, Dora ließ mich nach oben bitten. Was war das?

Ich ging nun wortlos, ließ die anderen Spieler, die mich wahrscheinlich beneideten, zurück. Und oben stand die Tür zu Doras beiden Räumen offen. Ich kannte mich ja gut aus.

Vom Wohnzimmer aus gelangte man in ihr Schlafzimmer. Dort stand das große Messingbett mit den kinderkopfgroßen Kugeln auf den Bettpfosten.

Aber diese Tür war heute geschlossen.

Ich durfte also nur ins Wohnzimmer. Und hier saßen die beiden Schwestern, die zwar beide wunderschön, doch äußerlich sehr unterschiedlich waren.

Dora war schwarzhaarig mit blauen Augen.

Diese Debra aber hatte rotgoldene Haare und pechschwarze Augen.

»Setz dich, mein Freund«, sprach Dora zu mir. »Und schließ die Tür. Wir haben mit dir zu reden.«

Nun war ich neugierig. Ich witterte irgendetwas und wusste dennoch nicht, was es sein würde. Und so setzte ich mich und bekam einen Drink eingeschenkt.

Sie sahen mich beide prüfend an, besonders jene Debra mit ihren kohlschwarzen Augen. Ja, sie forschte noch, versuchte mit ihrem Instinkt in mich einzudringen. Und gewiss hatte Dora ihr eine Menge von mir erzählt.

Und Dora war es auch, welche sagte: »Debra wird deine Nachbarin dort draußen in den Hügeln. Ich bitte dich, ihr ein guter Nachbar zu sein. Kümmere dich um sie, wenn sie Hilfe möchte. Kann ich mich darauf verlassen?«

Ich sah von ihr auf jene Debra und dann wieder auf sie und nickte kurz.

Da sagte sie: »Schwester, er ist einer der letzten Ritter auf dieser Erde. Du wirst einen Beschützer haben wie sonst keinen unter zehntausend. Jeff, du weißt ja, dass mir die kleine Ranch neben deiner gehört. Ich habe sie damals von Ben Miller beim Pokern gewonnen. Sie ist nicht viel wert, aber es ist ein schönes Fleckchen Erde in dem kleinen Tal. Debra möchte eine Weile die ganze Welt vergessen, allein sein und nichts mehr hören und sehen von dieser Welt. Verstehst du? Eigentlich ist sie auf der Flucht vor einem Mann. Wenn er bei ihr auftauchen sollte, dann beschütze sie. Jeff Logan, du bist mir etwas schuldig. Oder nicht?«

Ich nickte wieder. Was sollte ich auch sagen? Eigentlich konnte ich nur nicken.

Und dann sah ich wieder in Debras schwarze Augen.

Nun konnte ich irgendwie spüren, dass sie fertig war mit dieser Welt und ihren Menschen, nichts mehr sehen und hören wollte. Sie war vor irgendwelchen Dingen zu ihrer Schwester geflüchtet.

Ich erhob mich.

Dora sagte: »Debra trägt unseren Mädchennamen. Sie heißt Debra Dennehy. Ich lasse morgen in aller Frühe einen Wagen mit allen notwendigen Dingen beladen. Concho wird sie mit all dem Zeug hinausbringen. Reite mit ihnen. Gut so, Jeff?«

Und wieder nickte ich.

Dann ging ich. Es war heute nichts mit Dora in ihrem schönen Bett bis zum Vormittag und einem späten Frühstück. Ich würde die paar Stunden bis zum Sonnenaufgang im Heu des Mietstalls schlafen. Es lohnte sich nicht mehr, im Hotel ein Zimmer zu nehmen.

Der kleine Mexikaner, den sie nur Concho nannten, fuhr den Wagen, welcher voll beladen war.

Debra Dennehy und ich, wir ritten hinterher. Es war ein weiter Weg zu meiner Ranch in den Hügeln unterhalb der Grand Mesa zwischen den Elk Mountains und der Sawatchkette. Es war ein verdammt abgelegenes und einsames Land. Auch ich hatte mich vor etwas mehr als zwei Jahren dorthin geflüchtet, um meinem Revolverruhm zu entkommen.

Ich ahnte, dass auch Debra Dennehy in die Einsamkeit flüchtete, wenn auch aus anderen Beweggründen als ich damals.

Die ersten Meilen redeten wir kein Wort. Ich ließ ihr Zeit, drängte mich nicht auf. Gewiss, sie war schön, eigentlich noch schöner als Dora.

Was mochte sie in die Einsamkeit getrieben haben?

Als wir einmal einen Hügelsattel überquerten, anhielten und das Land betrachteten, da sprach sie plötzlich: »Gut, Mister Logan, Sie haben ein Recht darauf, mehr über mich zu erfahren. Dora bat Sie, mich zu beschützen und mir wie ein guter Nachbar Hilfe zu geben. Ich bin einem Clan weggelaufen, einem mächtigen Clan von Verbrechern, die sich als erfolgreiche Geschäftsleute und Unternehmer tarnen. Ich bin immer noch mit einem der Söhne des Clan-Chefs verheiratet. Und ich weiß zu viel. Deshalb können diese Banditen mich nicht in Freiheit lassen. Sie wollen mich wieder unter Kontrolle bekommen. Nur so können sie sich sicher sein, dass ich nicht eines Tages ...« Sie brach ab, aber wahrscheinlich wollte sie sagen: »... eine Kronzeugin ihrer Machenschaften und Verbrechen werden könnte.«

Ich sagte, bevor sie den Satz beenden konnte: »Schon gut, Debra. Wir sollten als Nachbarn alle Förmlichkeiten lassen. Nennen Sie mich Jeff. Und ich sage Debra zu Ihnen. Einverstanden? Ich werde ein guter Nachbar und Beschützer sein. Dora bat mich darum. Ich bin ihr das schuldig. Und ich tue es gern.«

»Danke«, murmelte sie und blickte dabei geradeaus, so als versuchte sie, in der Ferne etwas von ihrer Zukunft erkennen zu können. Doch sie sah nur das wilde, schöne Land der Rocky Mountains mitten in Colorado.

Ich begann, die ganze Sache erst so richtig zu begreifen.

Sie war auf der Flucht vor einem mächtigen Clan, den sie verlassen wollte. Doch sie wusste zu viel über diesen Clan. Und der Mann, mit dem sie verheiratet war, musste sie bitter enttäuscht und verraten haben. Nun hatte sie wieder ihren Mädchennamen angenommen.

Ich ahnte allmählich, was sein würde, wenn man ihren jetzigen Aufenthaltsort herausfinden sollte, wenn man sie aufspürte.

Vielleicht hatte mir Dora Whitaker eine verdammt große Dankabtragung abverlangt. Denn eigentlich hatte sie mich ja immer nur mit in ihr Bett genommen und mir Zärtlichkeiten geschenkt, die ich ihr stets voll zurückzahlte.

War es das wert? War ich Debra Dennehy wegen ihrer Schwester wirklich so viel schuldig?

Zu meiner Ranch waren es von Elkhorn etwa zwölf Meilen durch einen gewaltigen Canyon, der auch von Hügelketten durchzogen wurde, die sich erhoben wie die Wellen eines Waschbretts. Und so ritten wir immer leichte Hänge hinauf und wieder...

Erscheint lt. Verlag 12.4.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer-Roman • alfred-bekker • Bestseller • bud-spencer • buffalo-bill • Cassidy • Chaco • clint-eastwood • Country • Cowboy • Deutsch • e Book • eBook • E-Book • e books • eBooks • Erwachsene • Exklusiv • für • GF • g f barner • Indianer • jack-slade • Jugend • Karl May • kelter-verlag • Kindle • Klassiker • Krimi • Laredo • larry-lash • Lassiter • lucky-luke • Männer • martin-wachter • pete-hackett • peter-dubina • Reihe • Ringo • Roman-Heft • Serie • sonder-edition • Western • Western-roman • Wilder Westen • Wilder-Westen • Winnetou • Wyatt Earp • Wyatt-Earp
ISBN-10 3-7517-7945-0 / 3751779450
ISBN-13 978-3-7517-7945-6 / 9783751779456
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