Licht und Schatten - Biografie von Nici und Haylo (eBook)
190 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-9737-6 (ISBN)
About the autor: Born behind the mountains in Transilvania. Grown up in Brasil. She lives today in Gemany.
Haylo
Im September 1939, als Hitler der Welt den Krieg erklärte, bin ich, Annelore Karres, als zweite Tochter von 4 Kindern, von den Eltern Beatrice geborene Tavolato, und Helmut Karres, in Mediasch geboren.
1947, am Ende des zweiten Weltkrieges und nach langen Verhandlungen mit der Kommunisten Führerin Anna Pauker, wurde unserer Familie erlaubt das Land zu verlassen, wenn wir der Kommunistischen Partei alle unsere Fabriken, Börsenpapiere, so wie Häuser und Privatvermögen für einen Spot-preis überlassen würden.
Unsere Fabrik besaß damals eine Fußballmannschaft die in Rumänien eine gewisse Berühmtheit erlang hatte.
Mittig sitzt mein Großvater,
Meine Großeltern mit einem Teil ihrer Enkeln im Garten des Parkhotels in Gmunden, Österreich, wo wir das erste Jahr nach unserer Flucht uns versteckt hatten.
So gelang es unserer Familie die Ausreisegenehmigungen zu erlangen, so dass ein Teil unsere Sippe von 37 Personen mit dem Orientexpress, aus Rumänien nach Österreich fliehen konnten, wo wir uns in den Kriegswirren, unerkannt, am Traunsee verstecken konnten. Als nach einem Jahr in der Fremde, die Familienoberhäupter beschlossen die Sippe zu teilen, so dass die eine Hälfte nach Übersee, Brasilien sich begeben sollte, um dort eine neue Existenz zu gründen, und die andre Hälfte in Österreich bleiben, mit demselben Ziel, da man damals nicht wusste, wie es politisch in Europa weiter gehen würde.
Das verkleinerte errettete Vermögen, dass in der Schweiz lag, wurde geteilt, so wie ein Familienvertrag geschlossen, dass wenn Einer von uns in Not geriete, die Anderen Familienmitglieder ihn Aufnehmen und helfen mussten. Ohne Schuldzuweisung.
Unsere Familie mit 6 Personen, so wie die Familie vom großen Bruder meines Vaters, Sami Onkel, mit 7 Personen, machten sich also 1948 nach Brasilien, Sao Paulo auf, wo unsere Väter eine neue Existenz gründen sollten. Der übrige Teil der Sippe blieb in Österreich
São Paulo in Brasilien 1949
Diese Jahre in Übersee sollten für alle Beteiligten bleibende Eindrücke hinterlassen, das jeden von uns geprägt hat.
1952 musste ich meine Familie in Brasilien, wegen schwerem Asthmaanfällen, wieder verlassen, so dass ich ab diesem Moment, mit meinen 13 Jahren, auf mich allein gestellt, mir die Stärke und Unerschrockenheit aneignete, die mein späteres Leben prägen sollte.
Nach 3 Wochen auf einem Dampfer erreichte ich Genua, wo mein Cousin Horst, als Student aus Frankfurt kommend, mich in Empfang nahm und mich nach Graz, zu meinen späteren zweiten Vater, Hermann Onkel, brachte der mich liebevoll in Empfang nahm.
Erschrocken über meinen skelettierten Körper brachte mich der Onkel in einem Sanatorium unter, dass mich in einem Jahr, vom Skelett zu einem Menschen aufpäppelte. Danach man mich in ein Tiroler Internat steckte, in dem ich die deutsche Sprache in Wort und Schrift beigebracht bekam und da dieses Internat ab jeglicher Ansiedlung, lag, lernte ich im Winter Skifahren und im Sommer wurde gewandert, so dass sich meine Lungen wieder zu einer vernünftigen Kapazität entwickelte. Dort sollte ich dann bis zum Eintreffen unserer übrigen Familie bleiben, die 1956 mit der gesamten Sippe Brasilien verließ, um sich in der demokratisch, wirtschaftlich aufstrebenden Stadt Frankfurt niederzulassen, so dass ich mich, aus dem Internat kommend, meiner Familie in Deutschland anschließen konnte.
In Frankfurt bekamen es meine Eltern mit der Angst zu tun, dass ich in dieser Stadt, die nicht mit der besten Luft gesegnet war, wieder meine Asthmaanfälle bekäme, so dass sie mich für ein Jahr nach »Garmisch-Partenkirchen« in einem Mädchen Pensionat anmeldeten, wo man mir unter Anderem, gutes Benehmen beibrachte. Dort lernte ich, unter Aufsicht, wie man einen großen Haushalt führen, große Gesellschaften gibt und damit man das Personal besser kontrollieren kann, auch Kartoffeln schälen, kochen und bügeln sowie staubwischen. All das wurde unterstützt durch Kunsterziehung, Musik und Literaturunterricht. Mit dem Knigge gingen wir ins Bett und standen morgens damit auf. Mir Küken von 16 Jahren lehrte man noch zusätzlich die Fertigkeit des Maschinenschreibens, in der Annahme, dass ich später mein Leben selbst bestreiten müsste. Meine Person stach damals von den hübschen 19-21-jährigen, gut entwickelten, aus wohlhabendem Haus kommenden jungen Damen aus ganz Europa, die sich auf die Ehe mit Diplomaten und Industriellen vorbereiten sollten, insofern ab, dass ich ein mageres, linkisches, flachbrüstiges und pubertierendes Wesen war, mit dem keiner etwas anfangen konnte
Ich mit 17 Jahren
Mit siebzehn Jahren kam ich dann, ohne Schulabschluss, aus dem Pensionat nach Hause und meine Mutter nahm mich an die Hand um bei der Frankfurter städtischen Berufsberatung Informationen einzuholen, wie es mit mir nun weitergehen könne. Die Dame bei der Berufsberatung empfahl uns den Beruf des Erziehers, denn den könnte ich mit meinem Asthma auch an der See und in den Bergen ausüben.
Davor musste ich noch ein Jahr lang, den Realschulabschluss nachholen. Ein zweijähriges Seminar für Erzieher folgte, bis ich die Berechtigung erhielt, mich an Kinder zu wagen.
Ich spezialisierte mich auf Schulkinder mit schwierigem sozialem Hintergrund, darauf die Stadt Frankfurts mir im Bahnhofsviertel eine Stelle zuwies, wo mir die Mutter eines Zöglings, die dem horizontalen Gewerbe nachging, zu Weihnachten einen Kanarienvogel schenkte, aus Dank, dass ich mich um ihren Sohn kümmerte. Der Vogel erhielt den Namen Pirikito. Seinen Käfig stellten wir in der Küche auf den Eisschrank, von wo er mit seinem Gezwitscher die Familie erfreute. Die verschissene Jacke meines Vaters zeugte von der innigen Freundschaft zwischen den Beiden, da Pirikito sich immer auf die Schulter von meinem Väterchen setzte, wenn dieser sich im Fernsehen die Nachrichten ansah.
Mit 20 Jahren, nun Reif für die Ehe, bekam ich es mit der Angst zu tun, keinen Ehemann zu bekommen, denn als Erzieherin bekam ich zu dieser Zeit nur Mütter und Kinder zu Gesicht. Da beschloss ich mich auf die Suche nach einem Ehemann zu machen und stellte fest, dass sich die Männer, zu der damaligen Zeit, in Clubs zusammenrotteten. Ein Fußballclub, Skatclub oder andere Clubs kamen für mich nicht in Frage, denn ich suchte einen Mann aus gutem Hause mit Geld, den ich in einem Tennisclub zu finden hoffte. Mit dem wenigen, schwer verdienten Geld als Kindergärtnerin, kaufte ich mir entzückende Tenniskleider und gab das restlich Erspartes für die Anmeldung bei einem Verein aus, der schräg gegenüber von unserer Wohnung, in der Forsthausstraße lag. Was mir jedoch bereits bei der Anmeldung Kopfzerbrechen bereitete war, das ich einen Bürgen für meine Aufnahme benötigte und da ich keine Menschenseele kante, der für mich bürgen konnte, schrieb ich einfach »Ober-Bürgereismeter Bockelmann« in das Aufnahmeformular, in der Hoffnung, dass niemand den damaligen Frankfurter Ober-Bürgermeister fragen würde, ob er eine Haylo Karres kenne, das anschießend auch prima klappte, denn nach 58 jähriger Club Mitgliedschaft hat mich noch Niemand nach diesem Bürgen gefragt. Als ich das erste Mal im Club erschien, braun gebrannt mit einem knappen weißen Tennisrock, hatte ich den Eindruck, dass alle jungen Männer, die an zwei Tischen auf der Terrasse des Clublokals saßen, nur auf mich gewartet hätten.
Da saß nun meine Beute, für die ich so viel Geld ausgegeben hatte.
Ich fand schnell Anschluss und kam in eine Klicke, die sich täglich im Club trafen, Tennis spielten, an Sommerabenden zum Baden an Seen fuhren und, winters im Taunus Rodeln oder Ski liefen. Die Partys bei uns zu Hause waren legendär. Wenn meine Eltern übers Wochenende mit Freunden fort waren oder zum Kartenspielen fuhren, wurde unsere Wohnung sturmreif geschossen.
Als mein Väterchen dann feststellte, das bei seiner Abwesenheit sein Weinbestand schrumpfte, sicherte er seinen Wein im Keller mit einem dicken Vorhängeschloss, das jedoch kein Problem für uns darstellen sollte, da wir den abgeschlossenen Weinkeller umgingen, indem wir die Holzlatten des Nachbarkellers lockerten und auf diesem Wege an seinen Wein gelangten.
Das Schlafzimmer meiner Eltern, das sie aus amerikanischen Beständen möbliert hatten, wurde begehrt und ausgewürfelt. Bei einer dieser Exzesse brach das Bett meines Vaters in-zwei und wurde anschließend, mühsam, mit einem Nagel in die alte Position gebracht. Als mein Väterchen dann mitten in der Nacht mit seinem Bett zusammenbrach, schimpfte er erbärmlich auf die Möbel-Qualität der Amerikaner.
Nach Eintritt in den Tennis Club machten mir einige Herren den Hof. Einer davon besaß ein Mofa und machte daher das Rennen. Dieter Messerknecht kam aus einer alten Bremer Dynastie, die ihn für ein Jahr in die Fremde schickte, wo er sich zum Mann entwickeln sollte. Er war jedoch so schüchtern, dass er nach diesem Jahr nach Hause fuhr, ohne sich mir erklärt zu haben. Als ich ihn nach Jahren, bei einem Empfang in Bremen wieder sah, viel er vor mir auf die Knie und sang...
| Erscheint lt. Verlag | 10.3.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-7693-9737-1 / 3769397371 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-9737-6 / 9783769397376 |
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