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Sein zweites Leben (eBook)

Chefarzt Dr. Norden 1292 – Arztroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-146-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sein zweites Leben - Carolin Grahl
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Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! »Oliver Bogner. Vierundzwanzig Jahre alt. Verdacht auf geplatztes Aneurysma im Leistenbereich«, wandte sich der Sanitäter an Dr. Norden, während er zusammen mit seinem Kollegen den bewusstlosen jungen Mann in den Schockraum schob. Dr. Norden nickte und richtete seine Augen auf den Patienten. Dunkle, fast schwarze Locken hingen dem jungen Mann fettig und strähnig in die Stirn, seine Haut unter dem Dreitagebart war von einer aschfahlen Blässe. Er trug ein verblichenes, fleckiges T-Shirt, das früher wohl einmal dunkelblau gewesen war, dazu eine löchrige, ebenfalls schmutzige hellblaue Jeans und abgewetzte Turnschuhe. Seitlich an der fahrbaren Trage hing ein mit allerlei Habseligkeiten prall gefüllter uralter Rucksack, dem die Sanitäter wohl die Patientendaten entnommen hatten. Der junge Mann wirkte ausgesprochen ungepflegt und erweckte fast den Anschein, als würde er auf der Straße leben. »Oliver Bogner, Oliver Bogner«, murmelte Dr. Norden vor sich hin. Der Name kam ihm bekannt vor. Er war sich sicher, ihn schon einmal gehört zu haben, doch wann und wo das gewesen sein könnte, wollte ihm fürs Erste nicht einfallen. Er fühlte den Puls des jungen Mannes, der am Handgelenk kaum noch zu spüren und überdies sehr unregelmäßig war. Auch der Blutdruck war erschreckend niedrig. Als Dr. Norden den Reißverschluss von Oliver Bogners Jeans öffnete und sie vorsichtig ein Stück herunterstreifte, um den Leistenbereich zu untersuchen, fielen ihm sofort die zahlreichen Einstiche auf.

Carolin Grahl ist eine erfahrene Serienschriftstellerin, die schon in verschiedenen Romangenres tätig gewesen ist. Serien wie Der Sendlinger und Gut Waldeck tragen die unverwechselbare Handschrift der am Bodensee ansässigen Autorin. Mit der seit kurzem von uns veröffentlichten Originalserie Der junge Norden hat sie ihre schriftstellerische Meisterschaft einmal mehr unter Beweis gestellt. Der spanische Wurzeln tragende Alexander Norden, ein Neffe des berühmten Dr. Daniel Norden, wird in München Medizinstudent, von seinem Onkel aufmerksam beobachtet. Das aufregende Studentenleben des sehr und vielseitig begabten Alexander wird von Carolin Grahl auf einzigartige, spannende Weise geschildert.

Carolin Grahl ist eine erfahrene Serienschriftstellerin, die schon in verschiedenen Romangenres tätig gewesen ist. Serien wie Der Sendlinger und Gut Waldeck tragen die unverwechselbare Handschrift der am Bodensee ansässigen Autorin. Mit der seit kurzem von uns veröffentlichten Originalserie Der junge Norden hat sie ihre schriftstellerische Meisterschaft einmal mehr unter Beweis gestellt. Der spanische Wurzeln tragende Alexander Norden, ein Neffe des berühmten Dr. Daniel Norden, wird in München Medizinstudent, von seinem Onkel aufmerksam beobachtet. Das aufregende Studentenleben des sehr und vielseitig begabten Alexander wird von Carolin Grahl auf einzigartige, spannende Weise geschildert.

»Oliver Bogner. Vierundzwanzig Jahre alt. Verdacht auf geplatztes Aneurysma im Leistenbereich«, wandte sich der Sanitäter an Dr. Norden, während er zusammen mit seinem Kollegen den bewusstlosen jungen Mann in den Schockraum schob.

Dr. Norden nickte und richtete seine Augen auf den Patienten.

Dunkle, fast schwarze Locken hingen dem jungen Mann fettig und strähnig in die Stirn, seine Haut unter dem Dreitagebart war von einer aschfahlen Blässe. Er trug ein verblichenes, fleckiges T-Shirt, das früher wohl einmal dunkelblau gewesen war, dazu eine löchrige, ebenfalls schmutzige hellblaue Jeans und abgewetzte Turnschuhe. Seitlich an der fahrbaren Trage hing ein mit allerlei Habseligkeiten prall gefüllter uralter Rucksack, dem die Sanitäter wohl die Patientendaten entnommen hatten. Der junge Mann wirkte ausgesprochen ungepflegt und erweckte fast den Anschein, als würde er auf der Straße leben.

»Oliver Bogner, Oliver Bogner«, murmelte Dr. Norden vor sich hin. Der Name kam ihm bekannt vor. Er war sich sicher, ihn schon einmal gehört zu haben, doch wann und wo das gewesen sein könnte, wollte ihm fürs Erste nicht einfallen.

Er fühlte den Puls des jungen Mannes, der am Handgelenk kaum noch zu spüren und überdies sehr unregelmäßig war. Auch der Blutdruck war erschreckend niedrig. Als Dr. Norden den Reißverschluss von Oliver Bogners Jeans öffnete und sie vorsichtig ein Stück herunterstreifte, um den Leistenbereich zu untersuchen, fielen ihm sofort die zahlreichen Einstiche auf. Es bestand kein Zweifel, dass es sich bei Oliver Bogner um einen Junkie handelte, was die vorläufige Diagnose eines geplatzten Aneurysmas in der Leiste erhärtete.

»Wir brauchen auf alle Fälle eine MRT und einen Ultraschall«, sagte Dr. Norden. »Und zwar so schnell wie möglich. Sollte es sich wirklich um ein geplatztes Aneurysma handeln, muss selbstverständlich sofort operiert werden.« Er wandte sich an Schwester Inga, die ihm assistierte: »Ich veranlasse unverzüglich die notwendigen Untersuchungen. Bitte bringen Sie den Patienten als Erstes zur MRT. Ich werde auch Dr. Sommer verständigen und dafür sorgen, dass einer der Operationssäle bis auf Weiteres freigehalten wird.«

»Zur MRT. Sie können sich auf mich verlassen, Herr Dr. Norden«, versicherte Schwester Inga. Sie beugte sich über den bewusstlosen Patienten und musterte ihn mit einer Mischung aus Mitgefühl und Unverständnis. »Was in aller Welt bringt einen jungen Menschen, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, dazu, sich seine Gesundheit und damit seine ganze Zukunft mit harten Drogen zu ruinieren?«, fragte sie kopfschüttelnd. »Das werde ich nie verstehen.«

Dr. Norden zuckte nur die Schultern. Im Grunde fiel es auch ihm schwer, sich in diese jungen Junkies hineinzuversetzen.

Schon des Öfteren waren Junkies in die Behnisch-Klinik eingeliefert worden. Die meisten von ihnen schwebten in Lebensgefahr, weil sie sich entweder eine zu hohe Dosis oder verunreinigtes LSD oder Heroin gespritzt hatten, und es war durchaus schon vorgekommen, dass das Leben eines jungen Junkies nicht mehr zu retten gewesen war.

Dr. Norden sah Oliver Bogner besorgt nach, als er auf seiner fahrbaren Trage aus dem Schockraum gefahren wurde, und wandte sich dann mit einem leisen Seufzer dem nächsten Patienten zu.

Es handelte sich um einen älteren Herrn, der nach einem ausgedehnten Spaziergang plötzlich mit dem rechten Fuß nur noch unter großen Schmerzen auftreten konnte. Dr. Norden vermutete eine Übermüdungsfraktur eines oder mehrerer Mittelfußknochen und schickte den ziemlich halsstarrigen Patienten, der sich mit Dr. Nordens Diagnose überhaupt nicht anfreunden wollte und ebenso heftig wie lautstark dagegen protestierte, zum Röntgen.

Als Nächstes war eine zierliche junge Frau mit fast hüftlangen rotblonden Locken an der Reihe, die ein weinendes kleines Mädchen auf dem Arm trug. Die junge Frau stellte sich als Saskia Mendt vor und berichtete Dr. Norden, dass ihre vierjährige Andie unter Bauchschmerzen litt. Saskia war mit Andie in die Notaufnahme gekommen, weil sie fürchtete, dass die Kleine an einer Blinddarmentzündung leiden könnte, und schaute Dr. Norden aus großen, angstvoll geweiteten Augen an.

Zu Saskias Erleichterung tippte Dr. Norden nach eingehender Untersuchung lediglich auf eine Reizung des Blinddarms. Er empfahl dennoch zusätzlich einen Ultraschall, verordnete ein entzündungshemmendes Medikament und schlug vor, die Kleine, um sie nicht unnötigerweise einem chirurgischen Eingriff zu unterziehen, erst einmal eine Weile engmaschig zu überwachen. Aus diesem Grund riet er Saskia, ihr kleines Mädchen für zwei Tage stationär in die Behnisch-Klinik aufnehmen zu lassen.

Kurz darauf wurden nach einem Autounfall am Mittleren Ring mehrere verletzte Personen eingeliefert, sodass Dr. Norden noch bis zum Abend alle Hände voll zu tun hatte.

Als Dr. Sommer ihn benachrichtigte, dass bei Oliver Bogner in der Tat ein geplatztes Aneurysma an der Leiste entdeckt worden war, das eine sofortige Notoperation erforderlich machte, musste Dr. Norden, so betroffen er auch war, den jungen Junkie sofort wieder aus seinen Gedanken verbannen. Es fiel ihm allerdings nicht leicht, weil er sich mittlerweile vage zu erinnern glaubte, dass Oliver Bogner schon einmal in die Behnisch-Klinik eingeliefert worden war.

Erst nach Ende seines Dienstes in der Notaufnahme fand Daniel Norden Zeit und Gelegenheit, sich bei Dr. Sommer ausführlich nach Oliver zu erkundigen.

Dabei stellte sich heraus, dass die Operation sehr dramatisch verlaufen war und der junge Patient sogar wiederbelebt hatte werden müssen.

»Als wir den Defibrillator angesetzt haben, ist mir übrigens aufgefallen, dass Oliver Bogner über dem Herzen eine Narbe hat, die möglicherweise von einer Stichverletzung mit einem Messer herrührt«, berichtete Dr. Sommer. »Die Wunde ist damals offenbar genäht worden. Vielleicht in einem Krankenhaus, aber möglicherweise auch nur in einer Arztpraxis.«

Bei diesen Worten fiel es Dr. Norden mit einem Mal wie Schuppen von den Augen.

»Die Wunde ist in der Behnisch-Klinik genäht worden«, erwiderte er. »Ich hatte von Anfang an das Gefühl, Oliver Bogner schon einmal begegnet zu sein. Die Erwähnung der Narbe hat meiner Erinnerung nun endgültig auf die Sprünge geholfen.«

Dr. Norden verstummte für einen Moment, während vor seinem geistigen Auge der kalte Winterabend auftauchte, an dem Oliver zum ersten Mal in die Notaufnahme der Behnisch-Klinik gebracht worden war.

Der junge Mann hatte zu dieser Zeit auf der Straße gelebt, hatte wegen des Schnees und der Kälte aber gezwungenermaßen Schutz in einer Unterkunft für Obdachlose suchen müssen. Dort war es zu einem Streit zwischen ihm und zwei gewaltbereiten anderen Junkies gekommen. Der Streit war eskaliert, bis einer der Männer, mit denen Oliver in Zwist geraten war, ein Messer gezückt und Oliver damit verletzt hatte. So hatte Oliver den Tathergang dargestellt.

»Ich habe damals lange mit Oliver über seine Zukunft diskutiert«, redete Dr. Norden schließlich weiter. »Ich habe ihm nahegelegt, eine Entziehungskur zu machen, aber er hat sich zunächst strikte geweigert. Es brauchte jede Menge Überredungskunst, um Oliver von der Notwendigkeit eines Entzugs unter professioneller Aufsicht zu überzeugen. Nach langem Hin und Her hat er schließlich nachgegeben und der Einweisung in eine Entzugsklinik im Allgäu zugestimmt.«

»Wie es scheint, war der Entzug nicht gerade von Erfolg gekrönt«, bemerkte Dr. Sommer. »Zumindest nicht dauerhaft. Und offenbar nicht einmal für lange Zeit.«

»Das bedaure ich sehr, aber leider werden viele Junkies nach einem Entzug erneut rückfällig«, stimmte Dr. Norden zu. »Wahrscheinlich, weil es Ihnen nach der Entlassung aus der Entzugsklinik an Halt fehlt. Sie kehren früher oder später zu ihren alten Kumpels zurück und geraten so erneut in den Sog der Drogenszene.«

»Vielleicht sollte Oliver Bogner es nach seiner Genesung trotzdem ein zweites Mal versuchen«, schlug Dr. Sommer vor. »Dass er heute nicht auf dem Operationstisch sein Leben verloren hat, grenzt fast an ein Wunder. Wenn man so will, ist es ein Geschenk des Himmels, das er nicht leichtfertig von sich weisen sollte.«

Dr. Norden nickte, auch wenn er sich keineswegs sicher war, ob Oliver einem weiteren Entzug zustimmen würde. Und selbst für den Fall, dass Oliver Bereitschaft signalisierte, bezweifelte Dr. Norden, dass der junge Mann es im zweiten Anlauf schaffen würde, von seiner Sucht loszukommen. Solange sich in Olivers Leben nicht grundlegend etwas veränderte, solange nicht eine Wende geschah, die seinem Leben einen neuen Sinn und eine neue Richtung gab, waren seine Aussichten auf dauerhafte Heilung von seiner Sucht nicht allzu groß.

Oliver Bogners Schicksal beschäftigte Dr. Norden mehr, als ihm lieb war. Er war, als er endlich dem Ausgang der Behnisch-Klinik und seinem wohlverdienten Feierabend zusteuerte, noch immer so sehr in seine Gedanken über Oliver Bogner verstrickt, dass er Fee, die am Portal auf ihn wartete, glatt übersah.

Nach kurzem Zögern vertrat sie ihm den Weg. »Dan, wo hast du nur deine Augen und deinen Kopf?«, redete sie ihn an. »Du läufst durch die Gegend, als würdest du Scheuklappen tragen. Ist … ist in der Notaufnahme irgendetwas Besonderes vorgefallen, das dich nicht mehr loslässt?«

Daniel wandte sich überrascht Fee zu, wobei sich seine Miene in Sekundenschnelle aufhellte. »Meine Fee, du bist auch immer noch hier in der Behnisch-Klinik?«, fragte er.

Fee nickte. »Allerdings. Der Arztberuf erlaubt nun einmal keinen Dienst nach Vorschrift.«

»Du sagst es«, pflichtete Daniel ihr bei. »War es ein strenger Tag auf der...

Erscheint lt. Verlag 11.3.2025
Reihe/Serie Chefarzt Dr. Norden
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Arzt • Chefarzt • Doktor • Dr. Daniel • Dr. Laurin • Fortsetzungsroman • Klinik • Krankenhaus • Krankenschwester • Landdoktor • Martin Kelter Verlag
ISBN-10 3-69049-146-0 / 3690491460
ISBN-13 978-3-69049-146-4 / 9783690491464
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