Eine Niete – oder das große Los? (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-153-2 (ISBN)
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt "Das Tagebuch der Christina von Rothenfels", "Rosenweg Nr. 5", "Das Ärztehaus" und eine feuilletonistische Biografie. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
»Du isst Fleisch?«, fragte die dünne Blonde, die Olli direkt gegenübersaß, mit kritischem Blick.
Olli hieß eigentlich Olivia Sendlinger, aber soweit sie sich erinnern konnte, hatte noch nie jemand sie Olivia genannt, bis auf ihre Oma väterlicherseits.
»Ja, manchmal«, antwortete Olli. »Ist das ein Problem?« Sie fragte sich allmählich, wo sie hier gelandet war. Sie hatte den Tipp von einer Kollegin bekommen: »Sieh dir das doch mal an. Das Zimmer soll groß und hell sein, und meine Freundin sagt, die Frauen, die da wohnen, sind alle supernett.«
Ein WG-Zimmer, das war es, was Olli derzeit dringend suchte, denn ihre alte WG hatte sich aufgelöst, aus verschiedenen Gründen. Lisa und Illy hatten München verlassen, Finn hatte sich verliebt und war zu seiner Freundin gezogen, und dann war auch noch die Vermieterin gekommen und hatte ihnen erklärt, sie brauche die Wohnung nun leider selbst und müsse ihnen daher kündigen. Also war Olli gar nicht erst auf die Suche nach neuen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern gegangen, sondern nach einer neuen Bleibe.
»Wir sind hier eine vegane Frauen-WG«, erklärte die Blonde. Wie hieß sie noch gleich? Olli hatte ihren Namen nicht richtig verstanden, es war etwas Exotisches gewesen. Jedenfalls ein Name, den sie noch nie zuvor gehört hatte.
»Das wusste ich nicht«, erwiderte Olli wahrheitsgemäß, denn sonst hätte sie die Tüte aus der Metzgerei, bei der sie vorher eingekauft hatte, etwas weiter nach unten in ihre Einkaufstasche gesteckt. Deshalb also waren die Blicke der Blonden immer wieder an ihrer Tasche hängengeblieben.
»Tut mir leid«, sagte die Blonde kühl und erhob sich, »aber unter diesen Umständen brauchen wir das Gespräch überhaupt nicht fortzusetzen.« Als Olli verdattert sitzen blieb – das war es also schon gewesen? – setzte sie mit einem Hauch von Ungeduld hinzu: »Kommst du? Wir haben noch eine ganze Reihe von Frauen, mit denen wir Bewerbungsgespräche führen müssen.«
Hatte sie das gerade wirklich gesagt? ›Bewerbungsgespräche‹? Es ging hier doch nicht um einen Job, sondern um ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft? Aber hier würde sie es sowieso nicht aushalten, wenn die anderen Bewohnerinnen so ähnlich waren wie diese Blonde. Dabei hatte Olli nichts gegen Veganerinnen, eine ihrer Freundinnen aß auch keine Tiere oder tierische Produkte, aber sie trug es nicht vor sich her wie eine Erleuchtung, die anderen Menschen leider noch fehlte.
Sie sprang auf, nickte der Blonden kühl zu und marschierte, ohne sich noch einmal umzudrehen, aus dem Zimmer. Im Flur warteten tatsächlich schon ein paar Frauen. Hinter sich hörte sie die Blonde mit lauter Stimme sagen: »Also, da es offenbar Missverständnisse gegeben hat: Wir sind hier eine vegane Frauen-WG …«
Im Treppenhaus blieb Olli erst einmal stehen und atmete tief durch. Das war jetzt der sechste Reinfall gewesen. Allmählich fragte sie sich, ob es denn tatsächlich in ganz München kein bezahlbares Zimmer für eine Studentin der Psychologie gab. Sie wollte Kindertherapeutin werden, das war schon lange ihr sehnlichster Wunsch. Sei drei Semestern studierte sie nun, und sie tat es, anders als manche andere, mit wachsender Begeisterung. Aber sie brauche ein ruhiges Zimmer in einer Wohnung, die sie sich mit netten, verträglichen anderen Leuten teilen konnte.
Sie hatte noch zwei Termine an diesem Tag, aber ihre Laune war bereits jetzt im Keller, dabei ließ sie sich wirklich nicht leicht entmutigen. Aber sechs Absagen in Folge, das musste eine Frau auch erst einmal verkraften!
Sie machte sich also auf den Weg zur nächsten WG, wo ihr im fünften Stock eines Altbaus ein junger Mann nach mehrmaligem Klingeln die Tür öffnete, der aussah, als wäre er gerade erst aufgestanden. Dabei war es später Nachmittag. Er roch ungewaschen und hatte eine Bierfahne. »Bist du die Freundin von Kalli?«, fragte er. »Der ist nicht da.«
»Hier ist ein Zimmer frei«, sagte Olli, »deshalb bin ich hier. Ich bin mit einem verabredet, der Felix heißt.«
»Das bin ich.« Felix kniff die Augen zusammen, versuchte offensichtlich, sich zu erinnern.
»Ich bin Olli«, sagte Olli ungeduldig. »Wir haben gestern miteinander telefoniert, erinnerst du dich?«
Er wirkte jetzt etwas wacher. »Du bist Olli?«, fragte er. »Ich dachte, du heißt Oliver.«
»Olivia.«
»Wir nehmen hier keine Frauen auf, sorry.« Er kniff die Augen zusammen, betrachtete Olli anerkennend. »Wobei das in deinem Fall echt schade ist, ey.«
Olli war kurz davor, ihm eine zu scheuern, aber sie war zu gut erzogen, also drehte sie sich nur um und rannte wieder nach unten. Wenigstens blieb ihr nun ein Zimmer erspart, zu dem sie jedes Mal mühevolle fünf Stockwerke hätte hochsteigen müssen. Ihr Vater sagte immer: »Alles hat seine Vor- und Nachteile.« Wie Recht er doch hatte!
Sie hastete weiter, ihr Terminplan für heute war eng getaktet, sie hatte es schließlich eilig. In zwei Wochen musste die Wohnung komplett geräumt sein und ›besenrein‹ übergeben werden. Was für ein Wort! Sie war sicher, es noch nie zuvor gehört zu haben. Mit dem Besen einmal durch die Wohnung zu gehen, würde jedenfalls nicht reichen, vor allem im Bad nicht. Die Fliesen waren ziemlich verkalkt, und die Fugen wiesen etliche dunkle Flecken auf. Die würden sie überpinseln müssen. Außerdem gab es ein paar Löcher in den Wänden, wo keine sein durften. Sie hatten Regale angedübelt, was ihnen eigentlich untersagt war. Das Haus war nämlich richtig alt und stand angeblich unter Denkmalschutz. Jedenfalls hatte das mal jemand behauptet.
Bei ihrem nächsten Termin wurde sie von einer Frau in ihrem Alter mit strahlendem Lächeln begrüßt. »Ich bin Olena«, sagte sie. »Olli?«
»Ja«, sagte Olli und hatte sofort ein gutes Gefühl. Die Wohnung hatte hinter der Tür eine große Diele, keinen Flur. Die Diele sah aufgeräumt aus, von ihr gingen mehrere Türen ab. Es gab eine Garderobe mit vielen Jacken und Mänteln, ein Schuhregal und eine Kommode, auf der Schlüssel und ein Handy lagen.
»Magst du was trinken? Wir können uns ja erst mal in die Küche setzen«, schlug Olena vor.
»Ja, gern«, sagte Olli und folgte ihr in die Küche, die an einem Ende der Diele lag und ebenfalls ziemlich groß war.
Auch die Küche sah tadellos aus. Nicht klinisch rein, aber für Ollis Ansprüche sauber genug und sehr gemütlich, mit einem großen Tisch in der Mitte und sechs Stühlen drumherum. Ein üppig bestücktes Gewürzregal kündete davon, dass hier gern und offenbar auch international gekocht wurde.
»Ich habe gerade Tee gekocht«, sagte Olena.
»Tee wäre toll.« Olli trank lieber Kaffee, aber das würde Olena nicht schon heute erfahren.
»Also, wir sind im Moment zu fünft, haben aber Platz für sechs«, sagte Olena. »Drei Jungs und zwei Mädchen. Wenn du einziehen würdest, wäre es wieder ausgeglichen.« Sie grinste Olli verschwörerisch an.
»Was macht ihr so, beruflich, meine ich?«
»Einer studiert Betriebswirtschaft, einer arbeitet in einer Computerwerkstatt, eine machte eine Ausbildung bei der Stadt, einer will auf die Kunstakademie und bewirbt sich da gerade, und ich bin Köchin.«
Olli war angenehm überrascht. Sie mochte es, wenn die Leute, mit denen sie zusammenwohnte, sich nicht zu ähnlich waren.
Als hätte Olena ihre Gedanken erraten, sagte sie: »Du wärst dann, wenn das mit der Kunstakademie klappt, die dritte Studentin, das wäre ein kleines Übergewicht, aber das kriegen wir schon hin.«
»Kann ich das Zimmer mal sehen?«, fragte Olli. Natürlich würde sie es nehmen. Die Lage war toll, Olena war nett und der angegebene Preis für das Zimmer war niedriger als alles, was sie bisher gesehen hatte.
»Ja, klar, wir trinken nur erst noch den Tee, okay? Also, dein Zimmer, das muss ich dazu sagen, wäre das kleinste von allen, weshalb du auch weniger zahlen müsstest als wir anderen. Ich überweise jeweils die Miete von meinem Konto, alle anderen zahlen also an mich. Die Abrechnungen mit der Hausverwaltung macht einer von den Jungs – der, der Betriebswirtschaft studiert – und wir haben eine gemeinsame Haushaltskasse, in die wir einzahlen. Von dem Geld kaufen wir alles, was für die Allgemeinheit ist.«
»Kocht ihr regelmäßig zusammen?«
»An den Wochenenden, sonst nicht, weil es zu aufwendig wäre, das zu organisieren. Das klappt gut, wir wirtschaften eher sparsam. Es gibt einen Putzplan für Bad, Küche und Diele, ihre Zimmer halten alle selbst in Ordnung. Am Anfang gab es da Auseinandersetzungen, weil vor allem die Jungs es nicht so mit dem Putzen hatten, aber mittlerweile wissen sie, wie es geht.« Wieder grinste Olena breit.
Als sie ihren Tee getrunken hatten, sagte Olli. »Also, wenn mir jetzt auch noch das Zimmer gefällt, würde ich gerne einziehen. Aber ich nehme an, die anderen müsste ich auch noch kennenlernen, bevor Ihr entscheidet, oder?«
»Ach, das kriege ich schon hin«, sagte Olena unbekümmert, woraus Olli schloss, dass ihr Olenas Zustimmung bereits sicher war.
Auf dem Weg zu dem Zimmer, das Ollis Zimmer werden sollte, sagte Olena: »Es ist wirklich klein, das Zimmer, aber sehr gemütlich, und es liegt schön ruhig nach hinten raus …«
Sie öffnete die Tür – und Olli war sprachlos. Sie betrachtete etwas, das vermutlich als Abstellraum gedacht war. Es hatte ein Guckloch, das den Namen ›Fenster‹ nicht verdiente und war so schmal, dass man höchstens ein Bett für eine Person hineinstellen konnte. Immerhin würde ans Fußende des Bettes vielleicht noch ein Schrank passen, aber etwas, das als Schreibtisch taugte, war in dem, was sie sah, beim besten Willen nicht mehr unterzubringen.
Jemand öffnete die Wohnungstür, eine fröhliche...
| Erscheint lt. Verlag | 11.3.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der neue Dr. Laurin |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Arzt • Arztroman • Chefarzt • Doktor • Dr. Daniel • Dr. Norden • Fortsetzungsroman • Klinik • Krankenhaus • Krankenschwester • Landdoktor • Martin Kelter Verlag |
| ISBN-10 | 3-69049-153-3 / 3690491533 |
| ISBN-13 | 978-3-69049-153-2 / 9783690491532 |
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