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Aurea von Fahlen verschleppt (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
288 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-9706-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Aurea von Fahlen verschleppt -  Marion Scheer
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Aurea, ein hübsches wohlerzogenes Mädchen, das in einer reinen Frauengesellschaft zweitausend Jahre nach der nuklearen Katastrophe behütet aufgewachsen ist, wird von einem wilden Volk entführt. Die Fahlen leben im Urwald unter archaischen Bedingungen. Aurea und ihre mutige Schwester Proles kämpfen täglich ums Überleben in der Wildnis, während ihre Mütter verzweifelt einen Weg suchen, sie zurückzuholen. Für überraschend spannende Unterhaltung ist gesorgt.

Marion Scheer wurde 1952 in Düsseldorf geboren. Im Anschluss an eine Banklehre und einige Jahre als Sachbearbeiterin bei einer Düsseldorfer Großbank, studierte sie Mathematik, Geografie und Geschichte auf Lehramt. Sie lebt und arbeitet seit fast vierzig Jahren an der ostfriesischen Nordseeküste und ist mehrfache Mutter und Oma. Solange sie schreiben kann, betreibt sie in ihrer Freizeit die Schriftstellerei. Dabei arbeitet sie gern tatsächliche Begebenheiten und Erlebnisse in ihre erfundenen Geschichten ein. Leider verhinderten mehrere schwere Schicksalsschläge, dass ihre Romane und Kurzgeschichten schon früher veröffentlicht wurden. Heute lebt die Schriftstellerin mit ihrem jetzigen Ehemann zurückgezogen in der Nähe von Emden.

Das Matriarchat


Anima fühlte sich, nach einer weiteren von Albträumen geschüttelten Nacht, wie zerschlagen. Träge hockte sie auf ihrem Lager, während der Pflegerobo geduldig auf seinen Einsatz wartete. Die wirren Gedanken in ihrem Kopf wollten ihr absolut nicht gehorchen und ließen sich in keinerlei geordnete Bahnen lenken. Sie erhob sich, um das angrenzende Bad aufzusuchen. Der Robo folgte ihr wie ein Schatten. Während sie sich ihm bereitwillig für ihre Morgentoilette auslieferte, kreisten ihre Gedanken ausschließlich um Roxi.

Der Streit zwischen ihnen war erneut aufgeflammt, weil Anima ihr schreckliche Vorwürfe wegen Proles gemacht hatte. Sie fand Roxis Verhalten verantwortungslos. Es ging ihr dabei weniger um die Strafbarkeit der Handlung, als um ihre Kurzsichtigkeit, was die schrecklichen Folgen für Proles betraf.

Wie konnte eine Wissenschaftlerin sich derart in ihren Arbeitsehrgeiz versteigen, dass sie ein Wesen zeugte und gebar, das halb Frau und halb Tier war? Und ihre liebreizende unschuldige Tochter Aurea war letztendlich von diesem Monster verschleppt worden! Sie schauderte bei diesem Gedanken, was den Pflegerobo für einen Moment irritiert innehalten ließ.

Ihre Lebensgefährtin Roxi hatte die Wohngemeinschaft vor vier Tagen verlassen, weil sie Animas offene Vorhaltungen, sowie ihre anklagenden Blicke, nicht mehr ertragen konnte. Sie war mit all ihren persönlichen Gegenständen wieder in eine Stadtwohnung gezogen.

Das große Haus auf dem Land war nun so leer und ruhig, dass Anima es dort kaum mehr aushielt. So versuchte sie, seit ihr Hausarrest aufgehoben worden war, wieder viel Zeit in ihrem Institut zu verbringen.

Sie hatte bei einer Befragung durch die Wächterinnen versichert, ihre Tochter Aurea sei nicht die Schuldige gewesen, sondern die wilde Proles. Da Aurea hervorragende Beurteilungen seitens der Schule und der Psychologin erhielt, denen Roxi mit ihrer Mutanten-Tochter nichts entgegenzusetzen hatte, gingen die Wächterinnen schließlich auch von einer Entführung aus. Obwohl im Grunde keiner eine Ahnung von den tatsächlichen Zusammenhängen hatte, durch die die beiden Mädchen so plötzlich verschwunden waren.

Anima war am späten Vormittag vor das Matriarchat bestellt worden, um sich dort einer weiteren Befragung, diesmal durch die drei ersten Frauen der Gesellschaft, zu unterziehen. Dieser Termin machte sie nervös. Es war durchaus nicht an der Tagesordnung, eine Frau vor dieses hohe Gremium, das als höchste Rechtsinstanz agierte, zu laden. Wenngleich sie eine der führenden Wissenschaftlerinnen war, hatte sie das imposante Staatsgebäude bisher nur bei ihrer beruflichen Vereidigung aufsuchen müssen.

Sie wählte besonders elegante Kleidung in einem gedeckten Grau, um bei den wichtigen Persönlichkeiten einen tadellosen Eindruck zu machen. Das verhärmte Gesicht musste der Robo mit viel Schminke einigermaßen ansehnlich zurecht malen. Das Haar ließ sie heute zu einer kunstvollen Frisur hochstecken. Ihr Spiegelbild blickte ihr schließlich ziemlich fremd und äußerst ernst aus trüben Augen entgegen. Ohne Frühstück verließ sie das Haus auf dem Gleiter.

Der Tag war klar und sehr schön sonnig. Sie hatte jedoch keinen Blick für die blühende Natur unter sich. Ganz in Gedanken versunken wandte sie sich wieder in Richtung des Grenzwalls und flog wie immer einige Minuten daran entlang. Die Wächterinnen kannten sie schon. Jeden Tag tauchte sie auf, mit dem vagen Gedanken, ihre Tochter Aurea warte dort irgendwo hinter dem Wall sehnsüchtig auf sie.

Natürlich durfte sie die Absperrung nicht durchbrechen, und die wachhabenden Frauen wechselten auch kein Wort mit ihr. So blickten sie einander nur aus einiger Entfernung an und musterten sich gegenseitig, bis Anima wieder enttäuscht weiterflog.

Als sie die Stadt erreichte, gab sie ihr Ziel ein und ließ den Gleiter autonom steuern. Es waren hier immer viele Frauen unterwegs, deshalb erschien die Automatik-Einstellung besser geeignet, um Zusammenstöße zu vermeiden. Sie selbst war auch im Augenblick viel zu unkonzentriert.

So konnte sie sich ganz ihren Gedanken und der Sehnsucht nach ihrer geliebten Tochter überlassen. Unter ihr lagen die sauberen Wege mit den aneinandergereihten Geschäften, Restaurants, Wellness-Tempeln und Kontaktbars. Sie nahm ein reges Treiben auf den sonnenbeschienenen Plätzen wahr. Überall waren Sitzecken oder Re laxliegen aufgestellt mit Sonnenschutz in vielen bunten Farben.

Neben ihr ragten immer wieder die Kristallfassaden der Wolkenkratzer auf. Sie wirkten so durchsichtig und zerbrechlich, als seien sie aus dem gefrorenen Atem eines Riesen entstanden. Endlich erkannte sie in der Ferne einen monumentalen freien Platz, der mit zarten Mosaiken und prachtvollen Anpflanzungen exotischer Blumen und Bäume geschmückt war. In der Mitte lag geschickt eingebettet ein monumentaler zweistöckiger sternförmiger Bau aus blauem Kristall. Er funkelte in der Sonne wie ein überdimensionaler kunstvoll geschliffener Edelstein. Unwillkürlich spürte sie die achtungsgebietende Kraft, welche von diesem Ort ausging. Angesichts dessen fühlte sie sich klein und unbedeutend.

Anima gab den Gleiter in die Obhut des dafür zuständigen Robos und hielt ihr MFA (Multifunktionsarmband) in Richtung der Eingangstür. Mit einem melodischen Dreiklang wurde ihr der Durchgang ermöglicht. Die Eingangshalle war vollkommen leer bis auf mehrere dienstbereite Robos, von denen einer auf sie zukam, um sie zu der Verabredung zu geleiten.

Die Wissenschaftlerin wurde an ihre Vereidigung vor vielen Jahren erinnert. Die Eingangshalle hatte sich seitdem nicht merklich verändert. Die zahlreichen Blumenarrangements mussten andere sein, aber sie wirkten genauso geschmackvoll und geschickt platziert wie damals, als sie mit den vielen anderen Frauen in bedeutenden Positionen und ihren engsten Angehörigen in den großen Sitzungssaal drängte. Damals hatte ihre Mutter noch gelebt. Traurig erinnerte sie sich daran, wie die noch rüstige Frau kurz danach freiwillig aus diesem Leben geschieden war. Sie hatte die Beweggründe nicht verstanden und diesen Verlust nie verwunden. In ihrer Gesellschaft wurden inzwischen viele Frauen bei leidlicher Gesundheit über hundert Jahre alt.

Sie zwang die negativen Erinnerungen nieder, während der Robo sie mit der Luftschleuse in die obere Etage geleitete. Er führte sie einen gegen Trittschall gedämpften Gang entlang. Alles war in blau gehalten. Nur die Türen trugen große Spiegelflächen, sodass Anima sich im Vorbeigehen ständig selbst entgegenblickte. Nach der zehnten Tür machte sie das zunehmend nervös.

Endlich blieb der Geleitrobo vor einem solchen Spiegel stehen – die Frau hätte nicht sagen können, der wievielte es war – und veranlasste, dass er sich lautlos zur Seite schob.

Anima schaute in einen freundlichen hellen mit stilvollen Gemälden geschmückten Raum, der nicht allzu riesig wirkte. Die großen Fenster waren verspiegelt. Auf einem Podest der Tür gegenüber saßen drei in dunkelblaue Roben gekleidete Frauen in einer Reihe. Sie trugen gleiche weiße Perücken mit ordentlich frisierten halblangen Locken. Die Gesichter wirkten einheitlich geschminkt, was aber nicht glaubhaft vortäuschen konnte, dass es sich um Drillinge handelte. Anima war ja auch bekannt, dass die Frauen keineswegs Schwestern waren, sondern regelmäßig aus einer Anzahl von hervorragenden Bewerberinnen gewählt wurden. Da die Wahlperiode immer acht Jahre betrug, schloss die Wissenschaftlerin, dass sie nicht von diesen Damen des Matriarchats vereidigt worden war, auch wenn ihr erster Anschein ein anderer war.

„Friede sei mit euch, edle Matriarchinnen!“ Anima legte wie vorgeschrieben beide Hände zum Gruß aneinander und zum Zeichen ihrer Vertrauenswürdigkeit.

„Friede sei mit dir, Anima Tochter der Viktoria, nimm bitte auf dieser Sitzgelegenheit Platz!“ Die drei edlen Damen sprachen vollkommen gleichzeitig, als ob sie jahrelang das Synchronsprechen geübt hätten.

Dann wandten sie sich ihr aber einzeln im ständigen Wechsel zu. Für Anima war das Verhör anstrengend. Sie hatte das unangenehme Gefühl, die Frauen wüssten einfach alles über sie und durchschauten sofort, falls sie lügen würde.

So versuchte sie, um ihre Freundin Roxi zu schützen, einige wesentlichen Sachverhalte zu verschweigen. Als sie sich aber in die Enge getrieben fühlte, entschlüpfte ihr die Bezeichnung „Monster“ für die wilde Proles, der sie die Schuld am Verschwinden ihrer Tochter gab. Aurea wäre aus freien Stücken selbständig niemals auf die Idee gekommen, ihrer Mutter solchen Kummer zu bereiten, davon war sie zutiefst überzeugt.

„Warum bezeichnest du die Tochter deiner Lebensgefährtin als Monster?“, fragte die mittlere Matriarchin, und das Facettenauge auf ihrer Stirn blinkte aufmerksam. „Ich bitte um eine genaue Erklärung“, fügte die rechte Frau streng hinzu. Und die linke edle Dame ergänzte mit leicht arroganter Gelassenheit: „Du hast die Zeit, die du brauchst!“

Anima begann zu zittern. Ihr Facettenauge flackerte...

Erscheint lt. Verlag 27.2.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte Befruchtung • Beziehungen • Mutterschaft • Natur • Sexualität • Wildnis
ISBN-10 3-7693-9706-1 / 3769397061
ISBN-13 978-3-7693-9706-2 / 9783769397062
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