Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Holzauge sei wachsam ! -  Josef Eiglmeier

Holzauge sei wachsam ! (eBook)

Fliegererlebnisse 1939 - 1945
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
284 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-4692-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
19,99 inkl. MwSt
(CHF 19,50)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Der Roman "Holzauge sei wachsam!" von Josef "Sepp" Eiglmeier ist ein Fliegerroman, der das Leben junger Luftwaffenschüler während des zweiten Weltkriegs schildert. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung einer Gruppe angehender Piloten in den Jahren 1939 - 1945, deren Alltag zwischen Flugpraxis, Theorieunterricht und persönlichen Abenteuern auf unterhaltsame Weise erzählt wird. Der Roman ist mehr als eine heitere Sammlung von Anekdoten - es ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das Einblicke in die Lebenswelt einer Generation bietet, die im Spannungsfeld zwischen militärischen Pflichten und persönlicher Identität stand. Die Leichtigkeit der Erzählung spiegelt die Strategien wider, mit denen junge Menschen versuchten, die Herausforderungen und Härten des Krieges zu bewältigen. Das Buch lädt ein, die Erfahrungen und Erlebnisse der Figuren zu teilen, und regt zugleich zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der historischen Realität an. Es stellt keine Verherrlichung des Krieges dar, sondern zeigt, wie Menschen in einer schwierigen Zeit Wege fanden, ihren Alltag mit Humor und Hoffnung zu gestalten.

Der gelernte Buchdrucker und Feldwebel Josef "Sepp" Eiglmeier wurde am 20. Juli 1921 in Deggendorf geboren und verstarb am 19. Mai 1985. Er betrieb bis zu zwei Buchhandlungen im niederbayerischen Raum zusammen mit seiner Ehefrau über viele Jahre um nach deren frühen Tod im fortgeschrittenen Alter sich als Selbständiger im Vertrieb von Druckwerken zu engagieren. Josef Eiglmeier war ein deutscher Autor, der vor allem durch seinen Roman "Holzauge sei wachsam!" bekannt wurde. Das Manuskript schildert auf lebhafte und amüsante Weise Erlebnisse und Begebenheiten aus dem Leben von Fliegern während der Kriegszeit, insbesondere aus der Perspektive junger Luftwaffenschüler, wurde von ihm allerdings aufgrund der kritischen Auseinandersetzung mit dem zweiten Weltkrieg nicht veröffentlicht. Josef Eiglmeier zeichnet sich durch eine humorvolle, lockere Sprache und einen scharfen Blick für menschliche Eigenheiten aus. Es gewährt Einblicke in die alltäglichen Herausforderungen, das Zusammenleben und die Erlebnisse junger Männer in einer Zeit voller Unsicherheiten. Josef Eiglmeier wendete seinen Humor weiter an. Er trat als Redner im Fasching auf und schrieb auch Reden für Dritte. Als "Schnurzelmeier" hatte er jahrelang eine Mundart-Kolumne in der Deggendorfer Zeitung, wo er seine Erkenntnisse aus den Kundenkontakten in seiner Buchhandlung unerkannt unters Volk der Kleinstadt brachte.

13 FLUGPRAXIS


Um acht Uhr früh ist sonntägliches Wecken. Die beiden Blindgänger fahren gähnend aus dem Schlaf, als die Mädels vom Waschraum zurückkommen und den Kaffeetisch für vier Personen decken. Verlegen, mit hochrotem Kopf scheucht Inge die zwei blinden Passagiere aus der Falle und macht sie auf den bevorstehenden Stubendurchgang aufmerksam. Die Flieger gehen sofort unter den Betten in volle Deckung. Als die Luft wieder rein ist, trinken sie gemeinsam Kaffee und halten großen Kriegsrat, wie die Flieger am besten unbemerkt aus dem Lager kommen. Inge denkt angestrengt nach:

„Ich sehe nur eine Lösung. Ihr zieht unsere Uniform an und marschiert frech wie Oskar einfach los. Seid ihr erst einmal außerhalb der Baracke, so kann gar nichts mehr schief gehen, weil alle noch beim ausgedehnten Frühstück sitzen und am Lagertor selbst keine Wache ist.“

„Hm - nette Aussichten“, kommentiert Hühner stirnrunzelnd. „Aber sicher der beste Weg. Und unsere Klamotten?“

"Die bringen wir euch an die Waldecke, wo wir uns schon öfter getroffen haben - einverstanden?"

Die Flieger stimmen zu, die Mädels holen ihre zweite Garnitur aus dem Schrank. Sie können sich kaum vor Lachen halten, als ihre Freunde dann in der braunen Einheitskluft stecken und zum Frühkonzert aus dem Volksempfänger wie ein gutgeschultes Ballett die Beine werfen.

„Neckisch seht ihr aus“, gibt Ruth beim Studium dieser komischen Figuren zu. Als sie sich mit je zwei Semmeln den Brustausschnitt füllen und so ihrem naschhaften Körper den letzten weiblichen Schliff verleihen, lachen sie Tränen. Mit dem Kopftuch verdecken sie den verräterisch kurzen Haarschnitt. Inge wirft noch einen sichernden Blick auf den Korridor und dann schieben die beiden Helden, von den besten Wünschen der Mädels begleitet, los. Ohne Jede Schwierigkeit kommen sie aus dem Lager, streben dem vereinbarten Treffpunkt zu.

Zigarettenrauchend erwarten sie ungeduldig am Waldrand die feierliche Übergabe ihrer Klamotten. Hühner und Meier ergehen sich zur Verkürzung der Wartezeit in Selbstbetrachtungen.

„Langer - Du siehst in dem Aufzug so verboten aus, wie eine ausgewachsene Vogelscheuche im Ruhestand.“ Hühner, der ihn immer wieder grinsend mustert, holt aus seinem Brustausschnitt eine zweckentfremdete Semmel und bedient sich der Marschverpflegung.

„Komm, sei friedlich, Orje! Mit Deinem einseitig abgerüsteten Busen bist Du direkt museumsreif! Außerdem bin ich jetzt schon bald zu der Überzeugung gekommen, dass uns die Mädels hier warten lassen, bis wir schwarz werden und wie die Pilze Wurzeln schlagen. Und wo sind unsere schönen Uniformen, he?“

"Jot we de - janz weit draußen!" bestätigt Hühner auf Berliner Hochdeutsch und macht den ultimativen Vorschlag, nach spätestens zehn Minuten endgültig den Heimweg anzutreten.

„Was? In dem Aufzug willst Du Hirsch heimlaufen?“

„Das walte Hugo, der Dicke - oder willst Du lieber in kurzen Unterhosen marschieren, Jupp?“

„Auf keinen Fall!“ wehrt dieser entrüstet ab. „Beugen wir uns der höheren Gewalt und stiefeln wir los – komm!“

Schimpfend über die Falschheit des weiblichen Geschlechts machen sie sich mit geballter Wut im Leibe und mit semmelgeschwellter Brust auf den Heimweg.

In sonntäglicher Ruhe treffen sie den sonst lärmerfüllten Flugplatz an. „Jupp - komm reiß Dich zusammen und laufe jetzt nicht wie ein ausgedienter Ackergaul durch das Gelände”, korrigiert Hühner den plumpen Gang seines Freundes in Anbetracht des Kommenden. Als sie in den heimatlichen Hafen einlaufen, setzt Meier daraufhin seine Hüften in Schwingungen, wie ein leichter Kreuzer auf schwerer See.

Vor den Baracken herrscht das sonntags übliche Stillleben. Liegestühle, in denen sich sonnenverbrannte Gestalten räkeln. Gartenfreunde, die mit Spaten und Rechen der Verschönerung der Anlagen nachhelfen. Skatspieler von Kiebitzen umgeben beim spannenden Oberligakampf. Korrespondenten mit Briefblöcken und Füllern bewaffnet bei ihrer feldpostfördernden Tätigkeit und Luftraumbeobachter in den offenen Fenstern.

Wie auf Kommando unterbrechen sie alle ihre Tätigkeit und blicken gespannt auf die herannahenden Arbeitsmaiden, die rasch im Eingang verschwinden. Sofort springen sie durch die Fenster in ihre Stuben, um auf den Korridor zu kommen und Spalier zu bilden. Leise tuscheln sie, wem wohl die hohe Ehre des weiblichen Besuches zuteilwürde.

Fluglehrer Haake kommt eben aus seiner Stube, sieht verblüfft auf die Mädels, die sich in dieses Männer-Silo wagen. Der Korridor liegt im Halbdunkel, sodass er seinen Irrtum nicht erkennen kann. Freundlich grüßend stellt er sich ihnen in den Weg, setzt ein verbindliches Zahnpasta-Reklame-Lächeln auf, fragt sie nach ihrem Begehr. „Wir suchen den Gefreiten Hühner und Meier und wären ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie uns ihre Stube verraten könnten, Herr General!" wispert Hühner frech mit mädchenhaft-verstellter Stimme. Haake, sich seiner Ehre bewusst, überhört den frotzelnden General, verweist sie auf die Stube 13 - bereit sie hinzuführen.

„Oh, vielen Dank, Herr Kamerad“, wehrt Meier mit unterstreichend graziöser Randbewegung ab. Forsch marschieren sie an Haake vorbei auf ihre Stube zu. Respektvoll machen ihre unter der Türe stehenden Kameraden den Eingang frei. Meier streckt ihnen die Zunge zur Begrüßung entgegen.

„Bäh - ihr blöden Halbaffen, blendet euere Kulleraugen ab und verrenkt euch ja keine Knochen: Wir sind's bloß", gibt er sich zu erkennen. Sie kramen ihren Superbusen aus dem Brustausschnitt und entledigen sich unter schallendem Gelächter ihrer Kameraden der weiblichen Bekleidung, schlüpfen in ihre Trainingsanzüge, verstauen die erdbraune Uniform in ihren Schränken.

„He - wie seid denn ihr an diese Dinger gekommen? Habt ihr eure Klamotten etwa am schwarzen Markt verklopft und beim RAD geklaut?" will Dauster wissen.

„Du bist doch Deutschlands Dümmster“, erwidert Meier und sieht ihn mitleidig an. Dann erzählen sie den gespannten Kameraden, dass sie die vergangene Macht im RAD-Lager geschlafen haben.

„Ui, das war aber schön!“ wirft Böhm mit hintergründigem Grinsen ein. Hühner schneidet ihm die weiteren Ergüsse ab:

„Was heißt hier schön, wenn wir in diesem komischen Aufzug stiften gehen müssen? Nerven muss man haben, Kinders. Nerven wie Drahtseile, sage ich euch! Stellt euch einmal die Sache mit Haakes freundlichem Empfang vor. Wie leicht hätte das schief gehen können.“

„Den habt ihr aber auch selten schön verarscht“, gibt Böhm seiner Freude Ausdruck. „Wenn der dies spitzbekommt, dann frisst er euch beide ohne Kraut zum Nachtisch!“

Jäh brechen sie ihre Unterhaltung ab. Auf dem Korridor nahen unverkennbar Haakes Schritte und machen vor ihrer Türe halt. Vermutlich ist er um den guten Ruf seiner Gruppe besorgt. Entgegen jeder militärischen Gewohnheit klopft er an, betritt nach aufforderndem „Herein“ die Stube. Suchend sieht er sich nach den Mädels um, die sich seiner Meinung nach noch hier befinden müssten.

„Wo ist denn ihr netter Damenbesuch?“ wendet er sich fragend an Hühner und Meier. Der ganze Verein grinst. Meier belügt vorsätzlich seinen Vorgesetzten:

„Die sind schon wieder weg, Herr Fluglehrer. Wir sollen ihnen aber recht herzliche Grüße von den Mädels ausrichten.“ Erläuternd fügt er hinzu, dass Inge nur ihre Uhr, die er ihr gestern Abend bei der Feier scherzhafterweise als Pfand abgenommen hatte, abgeholt hätte.

"So so", meint Haake nur sinnend und verlässt kopfschüttelnd die Stube. Die Zurückbleibenden haben größte Mühe, ein verräterisches Geheul zu unterdrücken.

Nach dem Mittagessen machen sich die beiden witzig veranlagten Volksgenossen in ihrer zweiten Garnitur und einem Paket unter dem Arm auf den Weg nach Jänschwalde, um sich wieder ihre eigenen Klamotten einzutauschen. Die Wiedersehensfreude ist sehr einseitig, die Flieger spielen stur.

„Strafe muss sein, für euer unerlaubtes Eindringen in unsere geheiligten Räume“, legen die Mädels ihren Standpunkt klar. Beim anschließenden Spaziergang im nahen Wald bringen sie es aber trotzdem mit ein klein wenig Zärtlichkeit fertig, die schmollenden Flieger zu versöhnen.

Begünstigt durch das langandauernde Hochdruckwetter macht die fliegerische Weiterbildung ganz gute Fortschritte. Tag für Tag hängen Lehrer und Schüler in der Luft, um das gesteckte Ausbildungsziel möglichst noch vor dem Termin zu erreichen. Die ersten kleinen Überlandflüge ohne Zwischenlandung im Bereich der Flughafenzone bekommen die Schüler zur Erlernung der Orientierung - des „Franzens” - verpasst.

Meier sitzt vor Haake in der offenen Klemm 35 am Doppelsteuer. Nach beendeter Platzrunde fliegen sie vom Heimathafen weg. Höher und höher klettert die Maschine, hinein in den mit Schönwetterwolken bezogenen Himmel. Ruhig liegt die Mühle in der Luft, winzig...

Erscheint lt. Verlag 14.2.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
ISBN-10 3-7693-4692-0 / 3769346920
ISBN-13 978-3-7693-4692-3 / 9783769346923
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 1,2 MB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Das Ende der Welt. Roman

von Sabine Ebert

eBook Download (2025)
Knaur eBook (Verlag)
CHF 18,55