Der Bergdoktor 2275 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-7829-9 (ISBN)
Matthias Höller, charismatischer Hüttenwirt und eingefleischter Junggeselle, genießt sein Leben und seine Freiheit in vollen Zügen, als ihn ein schwerer Unfall zum Nachdenken zwingt. Plötzlich ist er auf fremde Hilfe angewiesen, doch da ist niemand! Jetzt erinnert er sich an Claudia, eine einstige Saisonkraft, und den Sohn, den er nie anerkannt hat. Auf der Suche nach einer Lösung lädt Matthias Claudia und den siebenjährigen Luca zu sich auf die Alm ein. Doch der Sommer bringt mehr als nur frische Bergluft: Alte Gefühle flammen auf, neue Konflikte entstehen, und Matthias erkennt, dass er nicht nur um die Zukunft seines Lebenswerks kämpfen muss - sondern um das Glück seines Sohnes ...
Neuanfang mit Herz
Ein Sommer, der alles verändert. Ein Mann, der eine zweite Chance braucht. Und ein Junge, der mehr als nur einen Vater sucht ...
Von Andreas Kufsteiner
Matthias Höller, charismatischer Hüttenwirt und eingefleischter Junggeselle, genießt sein Leben und seine Freiheit in vollen Zügen, als ihn ein schwerer Unfall zum Nachdenken zwingt. Plötzlich ist er auf fremde Hilfe angewiesen, doch da ist niemand! Jetzt erinnert er sich an Claudia, eine einstige Saisonkraft, und den Sohn, den er offiziell nie anerkannt hat.
Auf der Suche nach einer Lösung lädt Matthias Claudia und den siebenjährigen Luca zu sich auf die Alm ein. Es dauert nicht lange, dann flammen alte Gefühle auf, neue Konflikte entstehen, und Matthias erkennt erschüttert, dass er nicht nur um die Zukunft seines Lebenswerks kämpfen muss – sondern auch um das Glück seines Sohnes ...
Auf der Höller-Alm oberhalb von St. Christoph brach ein sonniger Julimorgen an. Eine Drossel sang ihr Lied. Die Kühe grasten auf ihren saftigen Sommerweiden. Unweit der Hütte stieß Resl, die Leitkuh der Herde, ein kräftiges »Muuh!« aus. Die Glocke an ihrem Hals bimmelte. Als wollte sie den Wirt der Almhütte ermahnen, endlich das Bett zu verlassen und seinen Melkpflichten nachzukommen.
Mit einem unwilligen Grunzen öffnete Matthias Höller die Augen. Der fesche Enddreißiger leckte sich die Lippen. Sein Mund fühlte sich trocken an. Er schüttelte den Kopf, um ihn zu klären. Und bereute es sogleich: In seinem Schädel herrschte ein Getöse, als probte dort die Blaskapelle von St. Christoph den Radetzky-Marsch. Was, zum Henker, war gestern passiert?
Ein Stöhnen entfuhr ihm, als die Erinnerung langsam zurückkehrte. Gestern hatte sich seine deutsche Urlaubergruppe verabschiedet. Allesamt rüstige Rentner. Und trinkfest! Matthias hatte ihnen vor der Abfahrt ein paar Runden Zirbenschnaps spendiert.
Im Gegenzug hatten sie ihn und sein Serviermadel, die Claudia, mit dem mitgebrachten Korn aus ihren Koffern abgefüllt. Matthias war von kräftiger Statur und gut geeicht, wie man sagte. Aber nach dem zehnten »Ex und hopp in den Kopp!« hatte die Stube auch für ihn angefangen, sich zu drehen. Dass Claudia bis dahin mitgehalten hatte, grenzte an ein Wunder.
Claudia! Erst einundzwanzig. Drall und liebreizend in ihrem tief ausgeschnittenen Dirndl. Trotz ihrer zierlichen Statur stand sie ihren Mann, das hatte Matthias während der Saison manches Mal bemerkt. Sei es beim Einfangen und Melken der Kühe, sei es beim Hacken von Brennholz. Aber ihre Trinkfestigkeit? Die war ihm neu.
Draußen fing die depperte Drossel erneut an zu trällern. Jeder Ton bohrte sich wie ein Eispickel in Matthias' Schädel. Herr im Himmel! Wie war er gestern überhaupt herauf in sein Bett gekommen? Er konnte sich nicht an den Weg über die Treppe erinnern. Ratlos hob er den Kopf und stützte sich auf die Ellbogen auf.
Seine Hirschlederne lag neben dem Bett. Ein weißer, gewirkter Stutzen auch. Ein Haferlschuh stand neben der Tür. Den zweiten und den fehlenden Stutzen konnte er nirgendwo entdecken.
Argwöhnisch hob er das Laken eine Handbreit an. Sogar seiner Unterhose hatte er sich im Suff noch entledigt. Und ...
Der Hüttenwirt erstarrte. Quer über seinem behaarten Männerbein lag ein Schenkel. Ein draller, heller Madelschenkel, der geradewegs zum Hineinkneifen einlud.
Träumte Matthias noch? Oder lag er nach dem Korn gestern gar im Delirium? Er streichelte den Madelschenkel, zog versonnen seine Konturen bis zur Hüfte nach – und wandte anschließend erst den Kopf.
Scharf sog er die Luft ein. Claudia lag neben ihm im Bett. Nackt, wie Gott sie erschaffen hatte. Ihre Brüste, die oft so reizvoll aus dem Dirndl lugten, wurden durch das Laken kaum verdeckt.
Matthias riss die Hand von ihrem Schenkel, als hätte er sich daran verbrannt. Zu spät! Schon räkelte sich Claudia. Sie stieß einen wohligen, kleinen Seufzer aus und öffnete die Augen.
Ihre Blicke begegneten einander. Im ersten Moment wirkte das Madel so erstaunt wie Matthias. Gleich darauf aber lächelte es ihn an.
»Guten Morgen, Chef.«
Die Begrüßung gab Matthias den Rest. Stöhnend sank er zurück auf die Matratze.
Deren Sprungfedern quietschten leise, als sich Claudia neben ihm kerzengerade aufsetzte.
»Krieg' ich kein Busserl? Du weißt aber schon, was man tut, wenn man neben einem Madel aufwacht, gell?«, fragte sie ihn spitz.
Matthias wandte nicht den Kopf nach ihr.
»Du kennst meinen Wahlspruch«, teilte er den Deckenbalken mit.
»Freilich«, erwiderte Claudia. »Auf der Alm, da gibt's koa Sünd.«
Matthias rieb sich die Nasenwurzel. Es half nur wenig gegen das Getöse in seinem Kopf.
»Ja, das auch«, musste er zugeben.
Sein Ruf als größter Schürzenjäger von St. Christoph ließ sich nicht leugnen. Zwar war er nie verheiratet oder einem Madel versprochen gewesen, die Einsamkeit aber kannte er nicht: Stets fanden sich genügend Urlauberinnen, die mit ihm das Bett teilen.
»Ich hab eigentlich gemeint: Keine Gspusis mit dem Personal. Weil das nix als Ärger gibt.« Erst recht, wenn das Personal wie in diesem Fall seine Tochter sein hätte können!
Claudia tätschelte mitleidig seine Schulter. Er sah auf. Der Schalk blitzte ihr aus den dunklen Augen, als sie zurückgab: »Schade. Ich hätt' sonst die Dorli gefragt, ob sie Lust auf einen flotten Dreier hat.«
Ein erstickter Laut entkam Matthias. Claudia schien zu genießen, dass es ihm angesichts ihrer Dreistigkeit die Sprache verschlagen hatte. Unbekümmert schwang sie die Beine aus dem Bett. Sie griff nach einem Hemd, das über dem Bettpfosten hing, und schlüpfte hinein. Seinem Hemd, sah Matthias. Dem karierten von gestern.
Spitzbübisch zwinkerte sie ihm zu.
»Was, glaubst du, sagt die Dorli, wenn ich das heut' zur Arbeit trag'?«
Statt zu antworten, zog sich Matthias das Polster übers Gesicht. Dorli gehörte praktisch zum Inventar seiner Hütte. Tüchtig und treu, fromm und bieder herrschte sie seit Jahren uneingeschränkt über Küche, Keller und Gästekammern. Nicht auszudenken, was wäre, wenn sie von seinem Fehltritt mit Claudia erfahren würde!
Ein jäher Gedanke kam ihm. Er hob das Polster und räusperte sich. Seine Stimme klang heiser, als er zugab: »Ich kann mich an gar nix erinnern. Haben wir beide wirklich ...?« Er beendete den Satz mit einer hilflosen Geste.
Claudia schwieg zunächst. Sie spähte an sich herunter. Er tat dasselbe. Beim Anblick ihrer drallen Schenkel unter dem Hemd übermannte ihn das Verlangen von Neuem.
Nein, er brauchte nicht zu fragen, ob ihm Claudia in der Nacht gehört hatte. Matthias war kein Kostverächter und gewiss nicht blind gegenüber ihren Reizen.
Zu guter Letzt sagte sie bloß: »Ich hab schon gemerkt, dass es für dich net das erste Mal war.«
»Und für dich?«, fragte er mit rauer Stimme.
»Das würdest du gern wissen, gell? Aber so etwas steht net in meiner Personalakte.« Matthias war erneut von ihrer Dreistigkeit verblüfft – und bewunderte sie zugleich still und heimlich dafür.
Sie bückte sich und hob ihr Dirndl vom Boden neben dem Bett auf. Während sie es sich über den Arm legte und den Rock glattstrich, bimmelte draußen wieder Resls Glocke.
Claudias Blick huschte zum Fenster.
»Ich sollt' wohl besser duschen gehen«, merkte sie an. Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: »Außer du hast Lust auf eine zweite Runde.« Kam es ihm nur so vor, oder bebte ihre Stimme?
Schlagartig wurde ihm klar: Ihr Selbstbewusstsein und ihre Dreistigkeit waren bloß Fassade. Sie wusste mit dem Tabubruch der vergangenen Nacht ebenso wenig umzugehen wie er.
Matthias schwieg. Nach ein paar langen Momenten verließ Claudia mit dem Dirndl über dem Arm seine Kammer.
Der Hüttenwirt ballte eine Faust und hieb sich damit an die Stirn.
»Du Holzkopf!«, schalt er sich. Er konnte nur hoffen, dass Dorli nichts von den Geschehnissen der Nacht merkte. Dass Claudia den Mantel des Schweigens darüber breiten und sich keiner von ihnen je wieder zu so etwas würde hinreißen lassen.
***
Fast acht Jahre später hockte der Höller-Matthias in Dr. med. Martin Burgers Praxis und wartete auf das Urteil.
»Jetzt spannen Sie mich net auf die Folter, Herr Doktor«, knurrte er. »Wie schaut's aus?«
»Gut«, erwiderte der Bergdoktor.
Matthias stieß den angehaltenen Atem aus. Doch er gab sich Mühe, seine Erleichterung zu überspielen.
»Hab ich ja gewusst«, behauptete er. »Einen Höller bringt eben nix um.« Auch wenn es diesmal ausgesprochen knapp gewesen war!
Das rasche Eintreffen der Feuerwehr, die ihn aus dem Wrack seines Geländewagens geschnitten hatte, hatte sein Leben gerettet. Ebenso wichtig: Dank der professionellen Notversorgung durch Dr. Burger hatte er sein linkes Bein behalten. Das war bei dem Unfall böse zerquetscht worden. Eine Zeit lang hatte sogar das schreckliche Wort...
| Erscheint lt. Verlag | 1.3.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2017 • 2018 • Alpen • Alpen-Krimi • alpenkrimi kindle • alpen-roman • Arzt • Arztroman • Arztromane • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bergdoktor • Berge • Bergpfarrer • Bergroman • berg romane • bergromane • bergromane kindle • bergromane kindle ebook • Bestseller • Bianca • Cora • Deutsch • dr daniel • dr laurin • dr norden • Dr Stefan Frank • eBook • E-Book • eBooks • Fortsetzungsroman • Frauen romane • Frauenromane • Großdruck • große-schrift • Hans Ernst • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Heimat • Heimat-Krimi • Heimatromane • heimatromane bastei • heimatromane hefte • Heimatromane kindle • heimatromane kindle ebook • heimatromane kindle ebooks deutsch • hermann-broch • Hütte • Julia • Kelter • Kindle • Landarzt • Liebe • Liebesromane • liebesroman heimat • Mira • Patient • Reihe • Rettung • Romanheft • Roman-Heft • romantik deutsch • romantisch • schicksalsromane • schicksalsromane kindle • schicksalsromane kindle ebooks deutsch • schöne romane • Schwarzwald • Serie • spannend • steingruber • Toni-Hüttenwirt |
| ISBN-10 | 3-7517-7829-2 / 3751778292 |
| ISBN-13 | 978-3-7517-7829-9 / 9783751778299 |
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