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Jerry Cotton Sonder-Edition 258 (eBook)

Der Cop, den alle hassten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Aufl. 2025
80 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7517-7900-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jerry Cotton Sonder-Edition 258 - Jerry Cotton
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Brooklyn, wo es am finstersten ist. Slums, Arbeitslose, Süchtige, Jugendbanden und Mafiagangster. Eines schlimmen Tages schlossen sich alle zu einem Sturm auf das 76. Polizeirevier zusammen. Was die Wut der Massen aufputschte, war eine Reihe ungeklärter Mädchenmorde. Es gab Zeugen, die behaupteten, die betroffenen Mädchen kurz vorher in Begleitung eines uniformierten Polizisten gesehen zu haben. Da schalteten wir vom FBI uns ein. Wir suchten den Cop, den alle hassten ...

1


Der Aufschrei übergellte das Dröhnen der Rockmusik, unter deren Wucht aus voll aufgedrehter Stereoanlage die Fenster klirrten.

Ich trat gegen die Eingangstür, zweimal, dreimal. Krachend brach das Schloss aus dem alten Holz. Vor uns lag die vollkommene Finsternis eines lichtlosen Raums.

Die Stablampe in Phils Hand schleuderte ihren weißen Lichtkegel in die Dunkelheit. Das Licht traf ein paar Garderobenhaken, ein Schild mit der Aufschrift Zu den Waschräumen, ein Reklameplakat für eine Whiskysorte und die große Doppeltür zur Lusitana Bar, einer Kaschemme, die seit zwei Wochen geschlossen war.

Trotzdem dröhnte jenseits der Tür die Stereoanlage.

Das Schreien ging in lang gezogenes Heulen über, und das Heulen ertrank im Wummern der elektrischen Gitarren.

Wenn wir zu spät kamen, wenn wir Fiorello tot oder im Sterben fanden, würden sie schießen. Ein Typ wie Roscoe Marr gab nicht auf.

Phil erreichte die Tür als Erster. In der Sekunde, in der er sie aufstieß, schaltete er seine Lampe aus.

Ein bläuliches Spotlicht malte einen Kreis dürftiger Helligkeit auf die Tanzfläche. In diesem Kreis krümmte sich ein dicklicher blonder Mann, der nur mit Schuhen, Sockenhaltern und einer lächerlich geblümten Unterhose bekleidet war.

Dicht vor ihm standen zwei Männer. Ein dritter Mann, ein massiver, stiernackiger Glatzkopf, war auf dem Weg zur Tür, weil er wahrscheinlich trotz des Stereogedröhns Geräusche gehört hatte.

Phil räumte den Glatzkopf mit einem blitzschnellen linken Haken ab. Der Mann ging zwischen Tischen und Stühlen zu Boden.

Ich brüllte gegen die Stereoanlage an: »FBI! Keine Bewegung oder es knallt!«

Der Mann links von dem Nackten war Roscoe Marr, der andere Guy Gurd, ein Gehilfe, der tun würde, was Marr tat.

Ich sah Marrs Hand zum Jackenausschnitt hochzucken. Ich hielt den 38er schussbereit, und die Bewegung wäre Grund genug gewesen durchzuziehen, aber ich gab ihm noch eine halbe Sekunde. Das rettete ihn. Er spreizte die Finger und stoppte die Bewegung seiner Hand. Dann breitete er langsam die Arme zur Seite aus. Guy Gurd tat es ihm nach. Das hatte ich erwartet.

Marr sagte etwas. In dem Gebrüll der Lautsprecher war nichts zu verstehen.

Ich ging zur Tanzfläche. Der feiste Blonde hob den Kopf und glotzte mich an. Die untere Hälfte seines Gesichts war blutverschmiert. Bei jedem Atemstoß quoll Blut aus seinem Mund.

Roscoe Marr hielt meinem Blick stand. In seinem kantigen Gesicht zuckte kein Muskel.

Die Rocknummer brach mit einem gefetzten Dissonanzakkord ab. Für ein paar Sekunden lief das Band leer.

Ich knöpfte Marrs Jacke auf. Er trug einen 42er Revolver im Schulterholster.

»Die Kanone ist registriert«, sagte er.

»Schalt die Hi-Fi-Anlage ab!«, befahl ich.

Mit einem Kopfnicken gab er den Befehl an Gurd weiter. Ich befreite Gurd von seiner Waffe, bevor ich ihn zum Steuerstand gehen ließ. Die ersten Takte der nächsten Nummer brachen aus dem Lautsprecher und vergurgelten, als Gurd das Band stoppte.

Hinter mir rappelte sich der Glatzkopf aus den Stuhltrümmern. Phil kümmerte sich um ihn. Er hieß Paddy Green, ein drittklassiger Schläger, den Marr ebenso als gelegentlichen Gehilfen benutzte wie Gurd.

Ich beugte mich zu dem Blonden. »Kannst du aufstehen, Fiorello?«

Er schüttelte vorsichtig den Kopf und wimmerte.

»Wer hat dich so zugerichtet?«

Bevor Lee Fiorello antworten konnte, sagte Marr: »Vergiss nicht, dass du gestürzt bist, Lee. Du bist gestürzt und hast dir die Schnauze zerschlagen.«

»Ruhe!«, befahl ich.

Auf Fiorellos haarloser Brust sah ich einen großen Fleck versengter Haut, die Spur einer glühenden Zigarre. »Und das?«

Fiorello versuchte zu sprechen. Über seine zerschlagenen Lippen drangen nur unverständliche Laute.

»Er braucht einen Arzt, Phil «, sagte ich. »Ruf eine Ambulanz und ein paar Leute, die uns helfen, diese Prachtexemplare der Menschheit abzutransportieren.«

»Du willst mich verhaften?«, fragte Roscoe. Er hatte eine tiefe Stimme mit einem harten, metallischen Klang. »Du hast keinen Grund. Niemand erhebt Anklage gegen mich.« Er wies auf Fiorello. »Oder hörst du einen Laut von ihm?«

»Er kann nicht sprechen. Ihr werdet festgehalten, bis er sich geäußert hat.«

Phil telefonierte. In den zehn Minuten, die es dauerte, bis der Ambulanzwagen eintraf, kümmerten wir uns um Fiorello. Wir halfen ihm in eine Hose, legten ihm einen Mantel um und ließen ihn seinen Mund kühlen. Er wimmerte ständig vor sich hin und verhielt sich wie ein Kalb, das um ein Haar geschlachtet worden wäre.

Gleichzeitig mit der Ambulanz kam ein Transportfahrzeug des FBI. Unsere Kollegen verluden Roscoe Marr, Gurd und Green.

»Ich verlange eine Vernehmung noch heute Nacht«, sagte Marr.

»Du bekommst deine Vernehmung«, sagte ich. »Vorher werden wir uns bei dir umsehen.«

Der Schauplatz unseres Zusammenstoßes war Coffey Street, South Brooklyn, in der Nähe des 40. Piers. Wir fuhren durch die schmalen Straßen nach Norden. Roscoe Marr bewohnte ein Brownstonehaus in der Congress Street, ein altes, mit großem Aufwand in Ordnung gebrachtes Haus. Sechzig Prozent der Congress Street gehörten genauso zu den Slums wie das übrige South Brooklyn.

Marrs Haus und ein paar Bauten in der unmittelbaren Nachbarschaft waren eine winzige Insel im Sumpf aus Armut, Verbrechen, Gewalt, und natürlich fürchtete Roscoe Marr niemand. Er war selbst der gefährlichste Mann im Süden Brooklyns und ein gutes Stück darüber hinaus.

»Wird Fiorello aussagen?« Phil dachte laut.

»Bei der Vernehmung vielleicht. Vor Gericht fällt er auf jeden Fall um.«

»Bei einer Anklage wegen Mordversuchs können wir Roscoe Marr wenigstens für ein paar Wochen aus dem Verkehr ziehen.«

»Ein Mord an Fiorello war nicht geplant. Zu einem Mord nimmt Marr keine Zeugen mit, auch nicht seine eigenen Jungs.«

»Bei jeder anderen Beschuldigung erwirkt er Freilassung auf Kaution, und die Kaution blättert Walt Krasdale hin, egal wie hoch sie ausfällt.«

Krasdale. Dieser Name benannte das wirkliche Problem, das wir zu lösen versuchten. Der Mann, der so hieß, saß in einer Villa auf Staten Island, war Mitglied des Country Clubs, spendete große Summen für Wahlkämpfe und die Heilsarmee und wurde von seinen Nachbarn achtungsvoll gegrüßt.

Die Nachtseite von Walt Krasdales Existenz trug viele hässliche Bezeichnungen: Prostitution, Glücksspiel, Erpressung, Handel mit Rauschgift, Handel mit Mädchen, Handel mit gestohlenen Trucks samt Ladung und anderes mehr. An allen diesen Unternehmen und Geschäften beteiligte sich Krasdale auf eine Weise, die man als indirekt bezeichnen konnte.

Er finanzierte sie. Den Zuhältern, Buchmachern, Dealern und Hehlern gab er Kredite für die Beschaffung von Mädchen, die Auszahlung von Gewinnen, den Kauf von Rauschgift, die Übernahme von Diebesgut. Je nach Risiko verlangte er zwischen zwanzig und fünfzig Prozent.

Nach dieser Methode hatte Krasdale seine Gewinne aus vielen Verbrechen im Lauf von dreißig Jahren auf einige Millionen gesteigert. Von den zehn Dollar, die eine Straßendirne ihrem Zuhälter ablieferte, floss ebenso ein Anteil in seine Tasche wie von der halben Million, die eine Transaktion mit gestohlener elektronischer Ausrüstung einbrachte.

Die Zeiten, in denen Krasdale selbst mit seinen Partnern verhandelt hatte, waren lange vorüber. Jetzt saß er, ein sechzigjähriger krötenhässlicher Mann, in seiner Villa oder im Chefbüro seiner Immobilienfirma und regierte das Syndikat vom Telefon aus. Ständig waren seine Kassierer unterwegs, rechneten mit den kleinen und den großen Partnern ab, übernahmen schmale Dollarpäckchen oder pralle Aktentaschen voll Geld, zahlten Summen auf Tarnkonten ein oder meldeten ihrem Boss, wenn irgendwer nicht zahlen wollte.

Natürlich hätte Walt Krasdale von seinen Geschäftspartnern nicht einen Cent des geliehenen Geldes wiedergesehen, von Zinsen und Gewinnbeteiligung ganz zu schweigen, wenn hinter seinen Forderungen nicht die mächtigste Drohung gestanden hätte, der sich ein Mensch gegenübersehen kann.

Die Drohung mit dem Tod.

Wenn seine Kassierer mit leeren Händen zurückkamen, schickte Walt Krasdale seine Gerichtsvollzieher. Krasdales Gerichtsvollzieher pfändeten keine Möbel. Sie töteten.

Und sein Gerichtsvollzieher für South Brooklyn war Roscoe Marr.

Ich drehte das Steuerrad. Der Jaguar glitt in die Congress Street. Nach zwanzig Yards erfassten die Scheinwerfer die Gestalt einer jungen Frau, die mit schnellen Schritten auf der linken Straßenseite ging. Ich nahm die Geschwindigkeit zurück und hielt den Jaguar mit ihr auf einer Höhe.

Sie wandte den Kopf und sah ängstlich zu uns herüber.

Sie war sehr jung, zwischen achtzehn und zwanzig, groß, schlank, mit langem Blondhaar, das bis auf ihre Schulter fiel. Sie trug einen weiten Pullover, eine Hose aus rotem Leder und flache Schuhe. Sie sah nicht aus wie ein...

Erscheint lt. Verlag 29.3.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Action Abenteuer • action romane • action thriller • action thriller deutsch • alfred-bekker • Bastei • bastei hefte • bastei heftromane • bastei romane • bastei romane hefte • Bestseller • Deutsch • eBook • E-Book • eBooks • erste fälle • Fall • gman • G-Man • Hamburg • Heft • Heftchen • Heftroman • heftromane bastei • Kindle • Krimi • Krimiautoren • Krimi deutsch • krimi ebook • Krimi kindle • Kriminalfälle • Kriminalgeschichte • Kriminalgeschichten • Kriminalroman • Kriminalromane • kriminalromane 2018 • kriminalromane deutsch • Krimi Reihe • Krimireihen • krimi romane • Krimis • krimis&thriller • krimis und thriller kindle • Krimi Urlaub • letzte fälle • martin-barkawitz • Polizeiroman • Romanheft • Roman-Heft • schwerste fälle • Serie • Soko-Hamburg • spannend • spannende Krimis • spannende Thriller • Spannungsroman • Stefan Wollschläger • Tatort • Terror • thomas-herzberg • Thriller • Wegner
ISBN-10 3-7517-7900-0 / 3751779000
ISBN-13 978-3-7517-7900-5 / 9783751779005
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