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Der Norden im Wilden Westen (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
482 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7440-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Norden im Wilden Westen -  Sandra Burkhardt
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Amerika, irgendwo in den Rocky Mountains, 1878 "Der wilde Westen ist eine Männerwelt, da haben junge, blonde Mädchen nichts verloren." Das ist wohl der Satz, den sie oft genug gehört hat. Dennoch war das oft auch der letzte Satz, den diese Männer gesagt haben, bevor sie ihnen eine Kugel in den Kopf jagte. Sie ist nach Amerika gekommen, um ihre Freiheit zu suchen, aber hat nur die kalte Einsamkeit gefunden. Bis sie plötzlich einer Gruppe gesetzloser Männer über den Weg läuft. Vor allem der berüchtigte Anführer der Bande, Joseph Blackhat, scheint ihr nicht mehr von der Seite weichen zu wollen und bekundet offen sein Interesse an ihr. Doch wie weit kann sie ihr Spiel aus Zuneigung und Zurückweisung noch treiben, bis Joseph die Selbstbeherrschung verliert? Und wie viel Vertrauen sollte man in die Worte eines Mannes legen, der für seine unberechenbare Brutalität berühmt ist?

Sandra Burkhardt ist 1997 in Karlsruhe geboren und hat schon in der Schulzeit ihr Interesse für die Schreiberei und Geschichte entdeckt. 2021 veröffentlichte sie erfolgreich ihren ersten Roman und publiziert regelmäßig neue Geschichten mit historischem Hintergrund, die sowohl fiktive als auch historische Elemente beinhalten. Seit 2023 lebt sie mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter im Herzen des Erzgebirges und arbeitet unermüdlich an den neuen Abenteuern ihrer Romanhelden.

2 GENTLEMANS UND HALUNKEN


Ihre kalten Füße weckten sie, wie jeden Morgen. Das Bisonfell war etwas zu klein, sodass nachts immer wieder ihre Füße der Kälte ausgesetzt waren. Sie setzte sich auf und rieb mit den Händen über ihre eiskalten Zehen. Bei der nächsten Gelegenheit würde sie sich ein größeres Fell besorgen. Mit suchendem Blick schaute sie auf.

Möglicherweise ergab sich diese Gelegenheit ja schneller als gedacht. Aber über der Ebene lag der Morgennebel, wie ein Hochzeitsschleier und verbarg alles in seinem Dunst. Dann würde sie sich eben noch gedulden müssen. Aus ihrer Satteltasche zog sie ein in Leder eingebundenes Notizbuch und eine kleine Holzschachtel. Konzentriert klappte sie das Buch auf und schaute auf die Karte, die sie aus einem Buch herausgerissen hatte. In dem Holzkästchen verbarg sich ihr Kompass, mit dem sie die Karte einnorden konnte. Den hatte sie ihrem Bruder gestohlen, bevor sie abgereist war. Hoffentlich würde er es ihr nicht übel nehmen. Mit etwas Geduld fand sie den Ort, an dem sie gerade sein musste. Nicht weit lag der South Platte River und die Goldsucherstadt Denver City. Größere Ortschaften sollte sie meiden. Die Gefahr, dass man sie erkannte, war zu groß. Also würde sie weiter Richtung Westen auf die Rocky Mountains zureiten. Entschlossen packte sie alles wieder in die Satteltaschen und warf ihre Sachen zu ihrem Pferd hinunter. In geübten Bewegungen packte sie ihren Falben auf. Das Pferd scharrte nervös mit den Hufen. Die Stute war schon immer ungeduldig gewesen. Aber kaum ein Pferd lief schneller als dieses. Dieses Talent konnte sie hier draußen gut für sich nutzen. Verborgen im Schleier des Nebels ritt sie weiter dem Westen entgegen. Mit der aufsteigenden Sonne verschwand der Dunst und gab den Blick auf einen Fluss frei. Das musste der South Platte River sein.

Am Ufer erkannte sie einige Männer, die mit einfachen Schürfwerkzeugen nach Gold suchten. Sie merkten gar nicht, dass sie geradewegs auf sie zuritt. Es wäre ein Einfaches, sie zu töten. Aber gerade fand sie keinen Grund, ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Diese Männer hatten scheinbar weder den großen Goldfund gemacht noch ein großes Fell für sie dabei. Der erste Schnauzbärtige sah auf, als sie auf der anderen Seite den Goldsuchern bei ihrer Arbeit zusah.

«Einen wunderschönen guten Tag, Miss.» Er nahm seinen Hut ab und verbeugte sich lächelnd.

Sie schwieg und nickte nur ernst. Nun sahen auch die anderen Männer auf. Auch diese begrüßten sie mit einer überschwänglichen Verbeugung. Sie hatte schnell bemerkt, dass die Männer hier selten eine Frau zu Gesicht bekamen und sich dann verhielten wie britische Gentlemans. Doch sie wusste, dass dies nur Eindruck schinden sollte. Kaum drehte sie ihnen den Rücken zu, sah man die gierige Lüsternheit in ihren Augen aufblitzen und die vornehmen Herren wurden zu sabbernden Freiern. Ohne die Goldsucher zu beachten, ließ sie ihr Pferd in den Fluss gehen. In großen Schritten trug ihr Falbe sie zum anderen Ufer. Ihre Stiefel ragten in das Wasser, sodass ihre kalten Füße noch kälter wurden. Ärgerlich verzog sie die Mundwinkel. Wieder müsste sie rasten, um ihre Füße zu trocknen. Neben dem Bisonfell sollten auch gewachste Lederstiefel auf ihre Liste mit Besorgungen stehen.

«Ihre Kleidung ist völlig durchnässt. An meinem Feuer könnt Ihr euch aufwärmen und trocknen.» Vertrauensvoll lächelnd zeigte er auf die kleine Zeltansammlung zwischen den Büschen.

Sie wusste, dass er sie nicht nur mit dem Feuer wärmen wollte. Männer waren so einfach, zu durchschauen. Sie wollten alle dasselbe. Niemals brauchte sie Hilfe von irgendwem. Trauen durfte man schon gar niemanden. Also würdigte sie ihn keines weiteren Blickes und ritt einfach weiter.

«Sei vorsichtig, Mädchen. Der Oregon Trail ist gefährlich. Banditen, Halunken und Indianer.», warnte ein anderer.

Natürlich wusste sie, dass es kein Sonntagsspaziergang werden würde. Allerdings war den besorgten Goldsuchern auch nicht klar, dass sich wohl eher die Banditen, Halunken und Indianer vor ihr fürchten sollten. Am Horizont entdeckte sie Berge. Das mussten die Rocky Mountains sein. Irgendwo in diesem gewaltigen Gebirge versteckte sich ihre Freiheit. Nun trieb sie die Vorfreude und ihr Pferd galoppierte zielgerichtet auf die Bergkette zu. Aber als die Berge noch immer kein Stück näher kamen, musste sie sich eingestehen ein Nachtlager aufzubauen. Ihre Zehen spürte sie beinahe nicht mehr. Die Landschaft der letzten Wochen war faszinierend und unspektakulär zu gleich. Aber nun würden die Rocky Mountains endlich für Abwechslung sorgen. Sie war schon immer von der Gefahr fasziniert und stürzte sich am Liebsten kopfüber hinein. Möglicherweise war auch genau das der Grund, dass sie den Tod nicht fürchtete. Es gab schließlich weit Schlimmeres als den Tod. Sie wusste es, hatte sie es doch bereits erlebt.

Auf einem Hügel stand eine Baumgruppe. Das wäre der perfekte Ort für eine Nacht. Sie sattelte ihren Falben ab, entzündete mit viel Mühe ein kleines Feuer und zog die nassen Stiefel aus. Der Dampf der Feuchtigkeit stieg aus dem Inneren ihrer Schuhe auf. Dann as sie die letzten Streifen Dörrfleisch und schluckte alles mit einem kräftigen Schluck Whiskey aus ihrer Feldflasche herunter. Der Alkohol betäubte die schmerzenden kalten Füße und vertrieb die Alpträume. Mit herangezogenen Beinen kroch sie wieder unter ihr Bisonfell. Das leichte Schwindelgefühl tat, was es sollte und sie versank in einen tiefen Schlaf.

Wieder waren es die kalten Füße, die sie weckten.

Verschlafen öffnete sie die Augen. Heute schien es besonders kalt zu werden, denn ihr Atem bildete kleine Nebelschwaden vor ihren Lippen. Während sie sich mit beiden Händen über ihr Gesicht strich, setzte sie sich auf.

Wieder rieb sie ihre Zehen warm und schlüpfte in die Stiefel. Als sie sich umsah, bemerkte sie, dass sie an einem See geschlafen hatte.

Das Wasser funkelte im Tageslicht und sofort überkam sie das Bedürfnis, hineinzugehen. Versichernd schaute sie sich um. So etwas Anzügliches hatte sie noch nie getan. Aber es reizte sie dennoch oder gerade deswegen. Also zog sie ihre Kleidung gänzlich aus, öffnete ihre Zöpfe und stieg in das kalte, aber belebende Nass. Mit geschlossenen Augen und einem zufriedenen Stöhnen ließ sie sich in das Wasser fallen. Wie sehr sie Wasser mochte. Damals war sie immer mit einer Anstandsdame an den Fjord gegangen und hatte immer ein Badekleid getragen.

Die Fjorde waren bisher das Einzige, das sie an ihrer Heimat vermisste. Die langen Felsstrände mit dem kristallklaren Meer. Aber dieser See erfüllte nun dennoch seinen Zweck. Genüsslich in Erinnerungen schwelgend schwamm sie durch das Wasser. Zum Schluss tauchte sie noch einmal gänzlich unter und ging wieder hinaus zu ihrem Pferd. Sie trocknete die langen Haare mit einem Leinentuch und zog ihre Kleidung über den noch nassen Körper. Plötzlich kam ein Reiter aus den Büschen an ihren Sandstrand. Zornig schaute sie ihn an. Was fiel ihm ein, ihr diesen Moment zu nehmen?

«Ich grüße, meine Schöne.» Er stieg ab und verbeugte sich.

Sie schwieg und musterte ihn kritisch. Seine Satteltaschen waren gut gefüllt, aber seine Füße waren zu groß, um ihm die Stiefel zu nehmen.

«Ein Bad am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, nicht wahr? Was hältst du von einer Tasse Kaffee?» Lächelnd ging er auf sie zu.

Dieser Mistkerl hatte sie wohl beobachtet. Wieso hatte sie das nicht bemerkt? Sie musste vorsichtiger werden!

«Kein Interesse.» Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, stellte sie ihren Fuß in den Steigbügeln und holte Schwung zum Aufsteigen.

Doch der Fremde legte die Hand auf ihre Schulter.

«Es wäre wirklich guter Kaffee.», flüsterte er.

«Versp...»

Ein ohrenbetäubender Knall beendete seine Aufdringlichkeit schlagartig. Ihr Pferd zuckte zusammen, aber sie hielt es an den Zügeln im Zaum. Der Mann schrie auf und kippte nach hinten auf den Boden.

«Du Dreckshure!», schrie er voller Schmerzen.

Nun drehte sie sich herum und zeigte mit dem noch rauchenden Revolver auf den am Boden fluchenden Mann.

«Nein! Tu das nicht! Ich hätte dir...» Wieder schoss sie.

Dieses Mal gezielt zwischen seine Augen, aber durch den enormen Rückstoß traf sie stattdessen den Hut. Doch das reichte aus. Ein letztes Mal bäumte sich der Körper auf, um dann mit aufgerissenen Augen zu erschlaffen. Ein kreisrundes Loch zeichnete nun seinen Kopf. Es wirkte wie die Nisthöhle eines Spechts. Blut und Gehirnmasse liefen aus seinem Hinterkopf aus. Scheinbar hatte sie einen Durchschuss geschafft. Damit bestätigte sich ihr Verdacht, dass der Mann nicht gerade mit Intelligenz gesegnet war. Ungerührt steckte sie den Revolver zurück und sah sich sein Pferd an. Sie sattelte es ab, um es der Freiheit zu überlassen. Außerdem konnte sie nun ganz einfach die Satteltaschen durchsuchen. Darin waren die üblichen Sachen eines Reisenden. Proviant, Munition,...

Erscheint lt. Verlag 7.2.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Adel • Cowboys • Liebesroman • Outlaws • Wilder Westen
ISBN-10 3-7693-7440-1 / 3769374401
ISBN-13 978-3-7693-7440-7 / 9783769374407
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