Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de
Dunkle Schatten am Stall -  Regina Rheinwald

Dunkle Schatten am Stall (eBook)

Eine Vergangenheit, die nicht ruhen will
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
330 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6617-4 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
9,99 inkl. MwSt
(CHF 9,75)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen
Eine Frau kämpft um ihre Unschuld - und gegen die Schatten der Vergangenheit. Nach Jahren der Zurückgezogenheit wagt Birgit Dressler mit ihrem Haflinger Burschi einen Neuanfang in einem neuen Reitstall. Doch kaum angekommen, holt sie ihre Vergangenheit ein: Plötzlich steht sie erneut unter Verdacht, eine Pferdemörderin zu sein. Während Birgit verzweifelt versucht, ihre Unschuld zu beweisen, sorgt eine skrupellose Clique rund um Sophie Hansen für Angst und Unruhe im Stall. Doch das ist nicht das einzige Rätsel: Ein unbekanntes, stummes Mädchen taucht immer wieder bei den Weiden auf. Amelie kann weder hören noch sprechen, doch sie besitzt eine einzigartige Gabe im Umgang mit Pferden - und sie schreibt an einer Geschichte, die alles verändern könnte. Zwischen Misstrauen, dunklen Geheimnissen und bedrohlichen Schatten kämpft Birgit um die Wahrheit. Doch wird sie sich diesmal gegen die Vorurteile und Intrigen behaupten können?

Regina Rheinwald ist Fachfrau in Sachen Pferd und Reiten. Sie hatte eine eigene Reitschule, hat ein Studium in Ethologie des Pferdes an einer Schweizer Privatakademie abgeschlossen, arbeitete als Verhaltenstherapeutin für Pferde und hat sich inzwischen dem Schreiben und künstlerischem Arbeiten zugewandt. Von ihr sind zahlreiche Bücher erschienen, genau wie Fachartikel in Pferdezeitschriften. Ihr wohl bekannteste Buch ist *Ein Buch, das nie erschien - vom System Gewalt gegen das Pferd*, für das sie mit Unterbrechungen 10 Jahre auf Reitturnieren recherchierte und dabei Schlimmes zu Tage förderte. Das bereits 2015 erschienene Buch wird immer noch so stark nachgefragt, dass es 2025, auch bei BoD, neu aufgelegt wird. Immer auf Seiten der Pferde - das ist Regina Rheinwald.

“Shakan! - Shakaan!“

Der Ruf hallte durch den Wald, wurde wie auf Flügeln über die Steppe getragen, durchdrang eine kleine Baumgruppe, kletterte in rasendem Tempo den Hügel hinauf und fand sein Ziel in den langen Gängen und Windungen von Shakans Ohren. Ein Ruck ging durch das Pferd und es riss augenblicklich seinen Kopf hoch und schleuderte so viel geballte Luft durch seine Nüstern, dass sein Schnauben fast wie ein Knall klang. Die Stuten im Hintergrund taten es ihm gleich und suchten nach dem Grund seiner Erregung.

Shakan tänzelte, hin und her gerissen zwischen dem Drang, dem Ruf zu folgen und der Furcht, seine Stuten allein lassen zu müssen. Zwölf der wunderschönsten Stuten, die es gab, nannte er die Seinen und er wusste von mindestens zwei jungen Hengsten, die nur darauf warteten, sie allein und ohne seinen Schutz anzutreffen, um sie zu entführen.

„Shakan!“

Ein erneuter Ruf erreichte die Ohren des großen, schwarzen Hengstes. Das Tier beendete den Tanz und die Muskeln, die eben noch rollten und zuckten, kamen zur Ruhe und bildeten nun eine sanfte Hügellandschaft unter der Haut.

Noch einmal umkreiste er die Herde der wilden Schönen und verabschiedete sich dann mit einem Schlag seines rechten Vorderbeines, einem Aufstampfen, das jedem Widersacher zeigen sollte: Ich komme wieder.

Und wenn ich meine Stuten dann nicht friedlich grasend auf diesem Hügel wiederfinde, dann komme ich und hetze dich bis über den Himmel hinweg, bis zum letzten leuchtenden Stern, den du mit deinen Augen noch erkennen kannst – und das wird das letzte Leuchten sein, das deine Augen erreicht, denn dann hole ich mir meine Schönen zurück!

Das Mädchen saß wieder auf der Bank nahe der Pferdeweide und war vertieft in seine Gedanken. Mal blieb sein Blick minutenlang auf der Weide haften und dann, ganz plötzlich, als sei ihm etwas Wichtiges eingefallen, schrieb das Mädchen wieder etwas in ihr Heft. Manchmal zeichnete es auch. Das Heft war bereits angefüllt mit wunderbaren Zeichnungen eines schwarzen Pferdes und einer Herde, die das schwarze Pferd mal umkreiste, mal in dessen Mitte weilte, mal aufgebäumt vor ihr, und ein anderes Mal ruhig grasend neben ihr zeigte. Im Moment schrieb das Mädchen wieder.

Sophie hatte sich von hinten an die Bank herangeschlichen und schaute dem Mädchen über die Schulter. In der Hand hatte sie ihr Smartphone. Sie wollte schnell ein paar Fotos machen von dem, was das Mädchen da in sein Heft schrieb und zeichnete, aber dann las sie ein paar Sätze, und ganz gegen ihren Willen las sie weiter. Sie vergaß sogar zu fotografieren. So etwas, was das Mädchen da schrieb, war ihr vollkommen fremd. Aber es gefiel ihr irgendwie. Zugeben würde sie das natürlich niemals.

Dann aber stellte sie fest, dass es um das schwarze Pferd auf der Weide ging, um diesen blöden Black Fever, und schon gefiel ihr das Geschriebene überhaupt nicht mehr.

Eifersucht nagte an ihr. Das Mädchen sollte gefälligst über ihr Pferd, Sophies Pferd schreiben, und nicht über diesen blöden Rappen… Für einen kurzen Augenblick erinnerte sie sich, dass sie selbst einmal ein ganz bestimmtes Pferd hatte haben wollen. Es war auch ein Rappe und sie hatte dieses Pferd so geliebt. Eines Tages hatten ihre Eltern sie dann mit Golden Sun überrascht…

Diesem plötzlichen Eifersuchtsgefühl nachgebend, griff sie mit der rechten Hand über die Schulter des Mädchens hinweg nach dem Heft und riss es an sich. Das Mädchen fuhr hoch. Es starrte Sophie erschrocken an. Dann machte es Zeichen, dass Sophie ihr das Heft zurückgeben sollte, aber Sophie machte sich einen Spaß daraus, hielt das Heft hoch in die Luft und wedelte damit. Hol‘ es dir doch, sollte das heißen. Das Mädchen lief um die Bank herum, um das Heft wieder an sich zu bringen, aber Sophie lief ebenfalls um die Bank herum und so liefen sie einige Runden, bis sie beide aus der Puste waren. Wieder zeigte das Mädchen mit wütendem Blick, dass sie das Heft wiederhaben wolle und endlich gab Sophie es ihr.

„Nur Spaß!“, lachte sie und dann fiel ihr wieder ein, dass das Mädchen sie ja nicht hören konnte. Sie hob beide Hände mit den Handinnenflächen nach vorn vor ihren Körper und versuchte, ein beschwichtigendes Gesicht aufzusetzen, aber so schnell war das Mädchen nicht zu beruhigen.

Scheiße, dachte Sophie, hoffentlich hab‘ ich sie jetzt nicht zu sehr verschreckt. Ich hatte doch noch so viel mit ihr vor…

Sophie zeigte auf das Mädchen, dann auf das Heft, machte zeichnende Bewegungen und zeigte dann auf Golden Sun. Dann legte sie als Zeichen einer Bitte die Handflächen vor ihrem Gesicht zusammen und machte ein bittendes Gesicht. Als sie sah, dass das Mädchen immer noch verunsichert war, wiederholte sie die bittende Geste und zeigte auf ihr Pferd.

Das Mädchen machte Handzeichen, die Sophie nicht verstand und ging dann abrupt davon.

Scheiße, dachte Sophie nochmal. Scheiße…

„So, und sie wollen also meine Weiden pachten?“

Der Mann, der da in dem altdeutsch eingerichteten Wohnzimmer saß, erfüllte alle Vorurteile vom Aussehen eines älteren Landwirtes. Übergewichtig, mit einem stark geröteten Gesicht, hatte er sich stöhnend in einen großen Sessel fallen lassen und schnaufte jetzt, als wäre das für ihn eine große Anstrengung gewesen. Wie kommt der Mann da bloß wieder raus, fragte sich Birgit, und stellte sich vor, wie er dafür seine Frau herbeirief, die ihn dann mit großer Kraftanstrengung aus dem Sessel ziehen musste.

„Ja, genau“, antwortete Bernd und warf Birgit unauffällig einen Seitenblick zu.

Wo war die nur wieder, fragte er sich und stieß sie leicht am Fuß an. Birgit schreckte leicht hoch.

„Ja, genau“, wiederholte sie, und hoffte, dass die Worte passend waren.

„Und was genau haben Sie da vor?“, fragte der Mann im Sessel weiter. Besorgt, aber auch irgendwie fasziniert, beobachtete Birgit, wie der Oberkörper des Mannes sich unter den kurzatmigen Schnaufern weitete und dann wieder zusammenzog.

„Wir möchten gern einen kleinen Offenstall errichten“, erklärte sie dem Mann. Der verzog das Gesicht. Scheinbar trafen sie mit diesem Vorhaben nicht auf großes Verständnis.

„Sie wissen aber schon, dass sie auf meinen Weiden keine Baugenehmigung bekommen, nicht wahr?

Das ist Außengebiet. Da darf niemand was bauen.

„Oh“, entfuhr es Birgit, „nein, das wussten wir nicht. Das ist aber schade. Die Lage wäre so toll für Pferdehaltung.“ Sie machte ein enttäuschtes Gesicht.

„Wenn Sie den Herrmannshof kaufen, dann können sie die Weiden dazupachten“, ergänzte der Mann im Sessel nun. Birgit lachte. Toller Scherz, dachte sie, aber Bauer Ellenbrink saß weiterhin mit ernster Miene in seinem Sessel.

„War das jetzt ein Scherz?“, fragte Bernd.

„Überhaupt nicht. Der Herrmannshof steht zum Verkauf. Wussten Sie das nicht?“

Bernd und Birgit sahen sich an. Erstaunen und Verwirrung lag in ihren Blicken.

„Äh – nein. Seit wann denn?

„Na gut, vielleicht hat er es ja noch nicht offiziell gemacht, aber er hat‘s am Stammtisch erzählt. Ich hoffe, ich verrate da jetzt kein Geheimnis. Er will verkaufen.“ Der Mann im Sessel versuchte tief durchzuatmen, wobei sich ein beunruhigendes, rasselndes Geräusch in seiner Brust entwickelte.

„Tut mir leid“, entschuldigte er sich, „mein Herz.

Mir geht es gesundheitlich nicht so gut.“ Als bräuchte es noch irgendeinen Beweis für seine Äußerung, bekam er einen schweren Hustenanfall, und seine Gesichtsfarbe veränderte sich von rot nach violett.

„Brauchen Sie irgendwie Hilfe?“ Birgit machte sich jetzt ernsthaft Sorgen.

Der Mann schüttelte den Kopf und winkte hastig ab. Zum Sprechen war er nicht in der Lage, denn der Hustenanfall raubte ihm die Luft.

Endlich schien sich sein Körper wieder zu beruhigen und er entschuldigte sich nochmals.

„Sie brauchen sich doch nicht zu entschuldigen“,

meinte Birgit.

„Nein, wirklich nicht“, pflichtet Bernd ihr bei.

Der Mann versuchte sich ein Lächeln abzuringen.

„Tja, also so sieht es aus. Tut mir leid, dass ich Ihnen keine bessere Auskunft geben kann. Auf meinen Weiden können sie nicht bauen. Aber wie gesagt, ich verpachte sie Ihnen gerne, wenn Sie sie nur als Sommerweiden nutzen möchten, oder eben, wenn Sie den Herrmannshof hätten.“

Bernd und Birgit standen auf, gingen um den Tisch herum und gaben Bauer Ellenbrink zum Abschied die Hand. „Bleiben Sie sitzen“, bat Bernd den Mann. „Wir finden allein hinaus.“

Als Birgit und Bernd dann draußen außer Hörweite waren, konnte Birgit ihre Aufregung nicht mehr zurückhalten.

„Mensch Bernd, das wäre doch einfach der Hammer! Der Herrmannshof! Da kann man so viel draus machen! Das wäre einfach genial! Und dann noch die Nachbarweiden dazu. Besser geht es doch gar nicht. Was sagst du...

Erscheint lt. Verlag 7.2.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
ISBN-10 3-7693-6617-4 / 3769366174
ISBN-13 978-3-7693-6617-4 / 9783769366174
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)
Größe: 314 KB

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
Roman

von Wolf Haas

eBook Download (2025)
Carl Hanser (Verlag)
CHF 18,55

von Takis Würger

eBook Download (2025)
Diogenes Verlag AG
CHF 22,45