Ein verhindertes Paar (eBook)
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-077-1 (ISBN)
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie 'Der kleine Fürst' in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt 'Das Tagebuch der Christina von Rothenfels', 'Rosenweg Nr. 5', 'Das Ärztehaus' und eine feuilletonistische Biografie. 'Der kleine Fürst' ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Der zur Waise gewordene angehende Fürst Christian von Sternberg ist ein liebenswerter Junge, dessen mustergültige Entwicklung zu einer großen Persönlichkeit niemanden kalt lässt. Viola Maybach blickt auf eine stattliche Anzahl erfolgreicher Serien zurück, exemplarisch seien genannt "Das Tagebuch der Christina von Rothenfels", "Rosenweg Nr. 5", "Das Ärztehaus" und eine feuilletonistische Biografie. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
Clemens Friesinger saß auf der Insel Malta an einem trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit gut besuchten Strand. Es war ja auch noch warm, das Wasser immer noch angenehm. Er hatte sich während des Sommers nicht zu einem Urlaub entschließen können, und so war er weit im Süden gelandet, wo es noch etliche andere Urlauber gab, die den Sommer zu verlängern suchten.
Seit zwei Wochen war er hier und erholte sich von seinem stressigen Job in der IT-Branche. Er hatte sich vor dem Urlaub geschworen, sein Handy weitgehend ausgeschaltet zu lassen und sich an diesen Vorsatz tatsächlich gehalten. Andere elektronische Geräte waren gleich ganz zu Hause geblieben. Zwei Telefonate mit seinen Eltern, zwei mit seiner ›kleinen‹ Schwester Pauline, eins mit einem Freund – das wars gewesen. Nicht einmal einen Blick auf seine Mails hatte er riskiert, von sonstigen Nachrichten ganz zu schweigen, und er musste zugeben: Eine bessere Entscheidung hätte er nicht fällen können. Er fühlte sich ruhig, gelassen und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr.
Wenn er zurück in München war, würde er alles daransetzen, nicht gleich wieder in schlechte alte Gewohnheiten zu fallen. Dafür hatte er sogar einen Merkzettel, eine Art Plan erstellt, und er gedachte, sich daran zu halten. Unter Punkt eins stand zum Beispiel darauf: ›Jeden Tag wenigstens eine halbe Stunde Sport‹. An zweiter Stelle hatte er vermerkt: ›Zwei Stunden vor dem Schlafengehen: keine elektronischen Geräte mehr‹. Er war direkt gespannt darauf, ob es ihm gelingen würde, seine jetzige sehr angenehme, entspannte Lebensweise in den Alltag zu übertragen.
Er war schon immer sportlich gewesen, weil er Spaß an Bewegung und diesen jetzt, im Urlaub, wieder entdeckt hatte. Er war in den beiden zurückliegenden Wochen gelaufen und natürlich viel geschwommen, aber er hatte sich auch einer Gruppe von Leuten angeschlossen, die morgens sehr früh am Strand eine Art Gymnastik machten. Die meisten von ihnen waren ältere Damen, die ihn geradezu überschwänglich in ihren Reihen begrüßt hatten. Für ihn war das, was da geboten wurde, kein sonderlich anspruchsvolles Programm, aber es verschaffte ihm jeden Morgen einen schönen Start in den Tag, und ein paar nette Bekanntschaften hatte er außerdem gemacht.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie die zwei Jungs ins Wasser liefen, die seit ein paar Tagen nachmittags mit ihrer Mutter zum Strand kamen. Deutsche, wie er, sie wohnten auch in seinem Hotel wie die meisten Leute an diesem Strandabschnitt. Ihm war schon aufgefallen, dass die Mutter, die noch sehr jung war, den Blick kaum jemals von ihrem Handy hob, die ganze Zeit tippte sie Nachrichten oder telefonierte. Er fragte sich, ob er selbst auch so besessen wirkte, wenn er nicht gerade im Urlaub war. Eine unangenehme Vorstellung! Und wieso tobte sie nicht mit ihren Söhnen im Wasser? Sie war eine kleine, etwas pummelige Blondine mit großen blauen Augen und einer Stupsnase. Offenbar war sie mit ihren Söhnen allein hier, er hatte jedenfalls den Vater der beiden Jungen noch nicht gesehen.
Das Meer war heute nicht so ruhig wie an den beiden vergangenen Tagen, die Jungs kreischten entzückt, als sie von der ersten Welle umgeworfen wurden. Er schätzte den Jüngeren auf sechs Jahre, der Ältere war vielleicht acht. Schwimmen konnten sie beide noch nicht richtig, das hatte er schon gesehen. Aber sie liebten das Wasser, es wäre ein Leichtes gewesen, ihnen Schwimmen beizubringen.
Warum mache ich das nicht, dachte er gleich darauf. Ich bin ja noch eine Woche hier. Ich frage die Mutter, ob sie was dagegen hat, die Jungs wären bestimmt begeistert.
»Mama, guck mal!«, rief der Ältere, woraufhin seine Mutter kurz den Blick hob, ihm zuwinkte und sich wieder auf ihr Handy konzentrierte.
Blöde Kuh, dachte Clemens unwillig und begegnete, noch während er das dachte, dem Blick eines Mannes, der etwa so alt sein mochte wie er: Er war noch braun vom langen heißen Sommer, seine dunkelblonden, ziemlich langen Haare waren von sehr hellen Strähnen durchzogen. Wahrscheinlich, dachte Clemens, hat er jede freie Minute zu Hause im Schwimmbad verbracht. Oder auf dem Balkon. Ein Neuankömmling. Clemens hatte ihn am Tag zuvor zum ersten Mal am Strand gesehen und an diesem Morgen beim Frühstück.
Gesprochen hatten sie noch nicht miteinander, aber das ließ sich ja nachholen, der Typ sah nett aus. In den ersten Urlaubstagen hatte er mit niemandem reden wollen, so kaputt war er gewesen, aber spätestens, seit er mit der Frühgymnastik begonnen hatte, war das anders geworden. Und etwas Abwechslung von den alten Damen der Gymnastikgruppe konnte nicht schaden, immerhin hatte er ja noch eine ganze Woche Urlaub vor sich.
Er grinste kurz, der andere grinste auch, dann blickten sie wieder zum Meer – und sahen die Jungs nicht mehr. Sie sprangen gleichzeitig auf, rannten zum Wasser – und entdeckten recht schnell einen Kopf, der andere jedoch fehlte.
Wie ferngesteuert stürzten sie sich wiederum gleichzeitig in die Wellen, kraulten zu dem Jungen, der verzweifelt versuchte, den Kopf über Wasser zu halten und, sobald es ihm einmal gelungen war, schrie: »Timmy! Timmy!«
Clemens sah etwas ein paar Meter von ihnen entfernt im Wasser aufblitzen, wechselte einen kurzen Blick mit dem anderen Retter, der knapp nickte und sich auf den Weg machte, während Clemens hinter den schreienden Jungen schwamm und ihm die Hände unter die Achseln schob, um ihn ein Stück aus dem Wasser zu heben. Der Junge hustete, spuckte und zappelte. Sobald er zu Atem gekommen war, schrie er wieder nach seinem Bruder.
»Halt still!«, rief Clemens. »Wir holen euch beide hier raus, aber halt dich ruhig, sonst gehen wir unter. Sieh doch, da ist dein Bruder!«
Der Junge in seinen Armen wurde tatsächlich ruhig. Langsam kam der Blonde mit dem kleineren Jungen auf sie zu, dessen Augen geschlossen waren und der keinen Ton von sich gab. Nebeneinander schwammen sie mit beiden Kindern zurück zum Strand. Zwischendurch warf Clemens immer wieder einen Blick auf den Kleineren, voller Angst, weil dieser noch immer kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte.
Doch kurz bevor sie wieder Grund unter den Füßen hatten, fing der Junge an zu husten und zu zappeln, und das war der Moment, in dem Clemens vor Erleichterung Tränen in die Augen schossen. Noch während er versuchte, sie hinunterzuschlucken, hörte er den Blonden sagen: »Ich bin übrigens Sebastian. Basti für meine Freunde.«
»Clemens«, sagte Clemens.
Sie grinsten einander an, wie vorhin, am Strand, als sie den Jungs zugesehen hatte.
Jetzt erst bemerkten sie, dass praktisch alle, die sich am Strand befanden, zusammengelaufen waren. Einige Männer kamen ihnen bereits entgegen, nahmen ihnen die Jungs ab und trugen sie aus dem Wasser. Die Mutter lief bleich und erschrocken weinend neben ihnen her.
Der Größere konnte schon wieder reden, der Kleinere atmete zwar, regte sich aber sonst kaum. Jemand rief, ein Arzt sei unterwegs, und tatsächlich tauchte gleich darauf sogar ein ganzer Rettungswagen auf.
Clemens und Sebastian hielten sich abseits, sie hatten getan, was sie konnten.
»Der Mutter würde ich später sehr gern mal deutlich die Meinung sagen«, erklärte Sebastian.
»Das habe ich mir auch fest vorgenommen. Außerdem ist mir, kurz vor dem Unglück, der Gedanke gekommen, dass ich den Jungs in meiner letzten Urlaubswoche noch das Schwimmen beibringen werde.«
»Komisch«, meinte Sebastian, »ich hatte den gleichen Gedanken.«
»Das scheint bei uns öfter vorzukommen. Wir sind auch gleichzeitig aufgesprungen und haben uns ins Wasser gestürzt.«
»Eine Woche bleibst du noch?«
»Ja, und du?«
»Auch. Für mich sollte es nur ein Kurzurlaub sein. Wie lange bist du denn schon hier?«
»Zwei Wochen. Ich hatte dringend Erholung nötig, und die habe ich hier tatsächlich gefunden.«
Jemand kam auf sie zu: Es war die junge Mutter. »Danke«, sagte sie, sie sah völlig aufgelöst aus. »Vielen, vielen Dank, dass ihr meine Jungs gerettet habt. Ich weiß, ich hänge zu viel am Handy, aber ich … ich …« Sie brach ab, wusste nicht weiter.
»Das hätte schiefgehen können«, sagte Clemens, und Sebastian setzte hinzu: »Wir haben gerade beschlossen, deinen Jungs das Schwimmen beizubringen.«
Sie machte große Augen. »Aber sie können doch schwimmen!«, sagte sie. »Jedenfalls behauptet Tommy das immer.«
»Kannst du schwimmen?«, fragte Clemens.
Sie schüttelte verschämt den Kopf. »Nein, kann ich nicht, meine Eltern konnten sich damals keinen Schwimmkurs leisten. Und ich kann meinen Jungs auch keinen bezahlen. Deshalb habe ich mich ja so gefreut, als wir diese Reise gewonnen haben, bei einem Preisausschreiben. Meine Jungs hatten ja noch nie das Meer gesehen und ich vorher auch erst ein einziges Mal. Sie sind ganz verrückt nach Wasser, ich eher nicht so, ich gehe eigentlich nur ihnen zuliebe an den Strand. Ich kriege schon Angst, wenn ich die Wellen nur sehe, ehrlich gesagt. Ich würde da nie reingehen. Im Pool war ich bisher ein einziges Mal, aber es hat mir nicht gefallen. Ich glaube, Wasser ist einfach nichts für mich.«
»Das wollen wir doch mal sehen«, sagte Sebastian und nahm Clemens damit das Wort aus dem Mund. »Ich schlage vor, wir bringen dir auch das Schwimmen bei. Eine Woche haben wir noch Zeit, aber das schaffen wir. Ich bin übrigens Basti, mein Freund ist Clemens, deine Jungs heißen Tommy und Timmy und …«
»… und ich bin Gloria. Ist das euer Ernst, mit dem Schwimmen?«
»Worauf du dich verlassen kannst.«
Es wurde nach Gloria gerufen, mittlerweile saß der kleine Timmy wieder recht lebendig neben seinem Bruder, beide lutschten genussvoll ein Eis.
»Gib...
| Erscheint lt. Verlag | 25.2.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Der neue Dr. Laurin |
| Verlagsort | Hamburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Arzt • Arztroman • Chefarzt • Doktor • Dr. Daniel • Dr. Norden • Fortsetzungsroman • Klinik • Krankenhaus • Krankenschwester • Landdoktor • Martin Kelter Verlag |
| ISBN-10 | 3-69049-077-4 / 3690490774 |
| ISBN-13 | 978-3-69049-077-1 / 9783690490771 |
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