If the Moon Triumphs (eBook)
432 Seiten
Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
978-3-522-61182-4 (ISBN)
Fam Schaper wurde 1997 in der Nähe von Frankfurt am Main geboren, lebt aber seit einigen Jahren in Berlin. Sie hat schon New Adult-Romane veröffentlicht, doch seit ihrer Kindheit schlägt ihr Herz für Fantasy-Geschichten. Ihre Zeit verbringt sie am liebsten mit Freunden im Park, in Secondhand- und natürlich Buchläden. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist sie auch als Lektorin tätig - sie beschäftigt sich also den ganzen Tag mit Geschichten und möchte damit auf keinen Fall wieder aufhören.
Kapitel 1
Eine Hexe braucht einen Zirkel.
Diese melodramatische Nachricht erwartet mich auf meinem Handy, als ich mit dröhnenden Kopfschmerzen in einem fremden Bett aufwache.
Meine Patentante Astrid sollte sich den Satz auf T-Shirts drucken lassen, denn ich kann nicht mehr zählen, wie oft sie ihn im letzten Jahr gesagt hat. Warum sie glaubt, nach der hundertfünfunddreißigsten Wiederholung eine andere Reaktion von mir zu erhalten als sonst, weiß ich nicht. Viel deutlicher kann ich nicht werden.
Ich habe kein Interesse, Teil des Zirkels zu sein. Ich habe kein Interesse an Magie.
Ich habe kein Interesse, eine Hexe zu sein.
Und ich habe ganz sicher kein Interesse an dem nackten Kerl, der seelenruhig neben mir schläft.
Ganz langsam bewege ich mich Richtung Bettkante. Natürlich quietscht das Bettgestell lautstark unter mir. Der Kerl regt sich, dreht mir sein Gesicht zu, doch seine Augen bleiben geschlossen.
Ich unterdrücke ein erleichtertes Seufzen.
Ich möchte nicht, dass er mir Frühstück anbietet, sondern weg sein, bevor er aufwacht.
Trotzdem verharre ich noch einen Moment unter der warmen Decke, da durch das angelehnte Fenster kalter Wind ins Zimmer dringt. Der Vorhang flattert wie ein müder Vogel mit seinen Flügeln. Sonnenstrahlen fallen aufs Bett. Dieses lächerlich sanfte Licht, das es nur ganz früh am Morgen gibt. Es scheint sein Gesicht zu streicheln. Dunkle Locken hängen ihm in die Stirn. Seine Züge sind so entspannt, als könnte er das Wort »Sorge« nicht einmal buchstabieren.
Das Bild, das sich mir bietet, ist so intim, dass mein Hals auf einmal zu eng ist, um zu schlucken.
Furchtbar.
Gestern bin ich auf die Dating-App gegangen, weil ich mich nach einem anstrengenden Abendessen mit meiner Patentante von meinen eigenen Gedanken ablenken wollte. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass dieses Date so … nah werden würde.
Ich schüttle meinen Kopf, als könnte ich die Erinnerungen an letzte Nacht abschütteln wie Staubflusen aus einer Decke.
Ich habe kein Interesse an ihm.
Also setze ich mich endlich in Bewegung, was das Bettgestell natürlich wieder aufschreien lässt. Zum Glück schläft er seelenruhig weiter. Der Fußboden ist eiskalt und sofort überzieht Gänsehaut meinen nackten Körper.
Schnell und so leise wie möglich tapse ich durch sein Zimmer und sammle meine Kleidung ein. Unterwäsche, BH, Socken. Sobald der Stoff der Socken sich an meine Haut schmiegt, fühle ich mich direkt besser, obwohl mein Mund noch immer staubtrocken ist und es hinter meiner Stirn pocht. Zu viel Wein. Definitiv zu viel Wein.
Die halbvolle Flasche, die wir gestern mit in sein Schlafzimmer genommen haben, steht noch auf dem Nachttisch. Wir waren zu beschäftigt, um sie auszutrinken.
Bevor ich mich an Details erinnern kann, schlüpfe ich in meine Jeans, Shirt und den dicken Pullover, den man im Winter in Prag definitiv braucht.
Auf meinem Handy suche ich nach der schnellsten Verbindung nach Hause, während ich mit meiner freien Hand bereits nach der Klinke greife. Aus irgendeinem Grund drücke ich sie jedoch noch nicht herunter, sondern verharre wie festgefroren an der Stelle. Ich starre die Tür vor mir so vorwurfsvoll an, als könnte ich sie für meine desaströsen Entscheidungen im letzten Jahr verantwortlich machen.
Du wirst dich nicht noch mal zu ihm umdrehen.
Doch natürlich drehe ich mich schon einen Moment später zu ihm um.
Marek.
So heißt er.
Nicht dass das eine Rolle spielt. Gleich werde ich seine Wohnung verlassen und ihn nie wieder sehen – und hoffentlich auch nie wieder an ihn denken.
Wir haben uns gestern über eine Dating-App kennengelernt, zu viel getrunken und miteinander geschlafen. Keine besonders originelle Geschichte. Auch keine besonders romantische. Und trotzdem war da … etwas zwischen uns.
Ich schüttle erneut den Kopf, obwohl das auch nichts an den hartnäckigen Gedanken ändert. Sie sind nicht wie Staubflusen in einer Decke. Sie sind wie Karamellbonbons am Gaumen. Klebrig und schwer loszuwerden.
Endlich wende ich mich von ihm ab, öffne die Schlafzimmertür und trete hinaus. Meine Schuhe und meine Jacke sind im Flur, der so lang ist, dass es mir vorkommt, als würde mich ein halber Kilometer von der Wohnungstür trennen.
Ich höre die Dusche hinter der geschlossenen Badezimmertür laufen, was wohl bedeutet, dass sein Mitbewohner schon wach ist. Da ich ihm nicht begegnen will, schlüpfe ich schnell in meine Jacke und in meine Stiefel. Ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn ich falle leicht zur Seite, stolpere über ein Paar herumliegende Sportschuhe, und kann mich nur knapp an der Wand abfangen, bevor ich der Länge nach auf dem Fußboden lande. Dabei schmeiße ich den Ständer mit den Regenschirmen um – und mache sehr viel Krach.
Mein Herz wummert in meiner Brust, ich halte den Atem an.
»Lily?«, dringt es durch die angelehnte Schlafzimmertür. Er klingt verschlafen, seine Stimme ist belegt und müde und es hört sich ein bisschen so an, als würde ich noch neben ihm liegen und er mir meinen Namen vertraut ins Ohr flüstern.
Fuck, ich muss wirklich hier raus.
Laut knarzend warnt das Parkett mich vor, dass er näher kommt. Der Weg zur Wohnungstür ist zu weit, um der peinlichen Morgen-Danach-Routine zu entkommen.
Bevor ich es mir anders überlegen kann, habe ich meine Hände schon erhoben. Eine richte ich auf den Blumenstrauß, der neben einer verwelkten Topfpflanze auf der Kommode steht, die andere auf seine Zimmertür.
Energie kribbelt in meinen Fingerspitzen, wandert durch meinen rechten Arm, rauscht dann durch meinen ganzen Körper und verlässt mich durch die linke Hand.
Das Gefühl ist so allumfassend, dass sich die Zeit für mich auszudehnen scheint. Dabei weiß ich, dass der ganze Prozess nur den Bruchteil einer Sekunde dauert.
Mareks Zimmertür schließt sich. Ich höre, wie er daran rüttelt, aber sie lässt sich nicht öffnen. Zumindest solange meine Magie hält. Ich sprinte zur Tür, reiße sie auf und flüchte ins Treppenhaus. Im Augenwinkel bemerke ich den nun verwelkten Blumenstrauß.
Ich laufe einfach an der Bushaltestelle vorbei, die mir mein Handy angezeigt hat, da ich zu viel Energie habe, um stehen zu bleiben. Der Wind peitscht durch die alten, schmalen Gassen, mein Mantel zerrt an mir, zieht mich zurück. Und doch spüre ich keine Kälte.
Schnellen Schrittes gehe ich unter einem Torbogen aus altem Stein entlang. Die Zeit hat manche Steine dunkler gefärbt als andere und mir kommt es so vor, als würde ich die Welt so glasklar wahrnehmen, dass ich das genaue Alter dieses Gebäudes mit bloßem Auge feststellen könnte.
Ich will mich miserabel fühlen, doch ich kann die Macht noch immer so unglaublich deutlich in meinem Körper pulsieren spüren. Wie ein zweites Herz. Wie ein lebendiges Wesen. Magie ist so viel berauschender als Alkohol. Mein Kater ist fort. Meine Hände sind warm. Sie sind nie warm. Meine Gedanken werden immer schneller.
Fuck, ich wollte das doch nie wieder tun.
Ich bin keine Hexe mehr, ermahne ich mich.
Ich habe der Magie aus guten Gründen abgeschworen. Aus sehr guten Gründen.
Doch gerade sind sie so weit weg, dass ich mich kaum noch an sie erinnern kann. So geht es mir immer, wenn ich gezaubert habe, aber dieses Gefühl ist nie von Dauer. Wenn das High nachlässt, bleiben nur meine Schuldgefühle zurück.
Magie ist Energie. Ich kann sie nicht aus dem Nichts wirken, sondern gewinne sie aus meiner Umgebung. Der Blumenstrauß ist der lebende – jetzt tote – Beweis.
Es wirkt harmlos. Und dieser Zauber war es auch, denn ein Blumenstrauß hat nicht viel Energie, die ich ihm nehmen könnte. Doch ich habe schon Magie von Orten beschafft, wo ich nie nach ihr hätte suchen dürfen …
Ich schaudere. Langsam lichtet sich der goldene Nebel, der sich nach dem Zaubern immer in meinem Schädel festsetzt. Und dahinter kann ich ausmachen, was mich dazu gebracht hat, meinem Erbe den Rücken zuzukehren.
Der Wind dringt durch die Nähte meines Mantels. Meine Zähne klappern leicht aufeinander. Ich begrüße die Kälte. Mein Kopf klart auf. Die Magie zieht sich aus meinem Körper zurück, bevor ich mit ihr Schaden anrichten kann.
Meine Patentante Astrid würde mir einen Vortrag halten, wäre sie jetzt hier. Geheimhaltung ist für Hexen das oberste Gebot. Dass ich in unmittelbarer Nähe zu zwei menschlichen Zeugen gezaubert habe und das auch noch ohne triftigen Grund – einem unangenehmen Gespräch zu entgehen, zählt nicht – ist grobe Fahrlässigkeit. Hexen wurden bereits vor Jahrhunderten verfolgt – die weiblichen mehr als die männlichen. Es ist uns nie gut bekommen, wenn die Menschen von uns erfahren haben. So viele von meinen Vorfahrinnen hat man in Seen ertränkt oder auf den Scheiterhaufen verbrannt. Ich habe ihr Andenken heute mit Füßen getreten.
Gut, dass ich keine Hexe mehr bin.
Dass mein Handy in diesem Moment in meiner Tasche klingelt, ist für mich eine...
| Erscheint lt. Verlag | 31.1.2025 |
|---|---|
| Mitarbeit |
Designer: Emily Bähr |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Kinder- / Jugendbuch | |
| Schlagworte | All Age Fantasy • fantasybücher • fantasy bücher für erwachsene • fantasy deutsch • Fantasy Romance • Fantasy Romance Bücher • Hexen Fantasy • LoomLight • Prag • Romantasy ab 16 • shifter fantasy • Urban Fantasy • Werwolf Fantasy • werwolf romane |
| ISBN-10 | 3-522-61182-9 / 3522611829 |
| ISBN-13 | 978-3-522-61182-4 / 9783522611824 |
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