SOS vom Planeten Aquaphobius (eBook)
140 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-8113-9 (ISBN)
David Pientka kam an einem eisigen Tag 1985 zur Welt. Kalt genug, dass der Main nebenan gefroren war. Vielleicht war das der erste Schritt in Richtung Künstler/Stubenhocker. Nicht auszudenken, was an einem heißen Tag aus ihm geworden wäre. Am Ende noch Surflehrer. Von frühester Kindheit an war da bereits eine tiefe Leidenschaft für phantastische Geschichten aller Art, ob im Weltall oder in mittelalterlich anmutenden Welten. Als die Fähigkeit wuchs, ganze Sätze auch schriftlich gefahrlos zu Papier zu bringen, begann die Lust am Schreiben. Später wurde aus dem Stift die Gitarre und zuletzt kam auch die Fotografie hinzu. Eins blieb aber immer bestehen: Die Leidenschaft, Geschichten zu erzählen. Geschichten voller Humor, aber auch mitunter großer Tragik. David Pientka lebt derzeit mit seiner Frau in Ungarn.
Kapitel 3
Kurz vor der Stadt konnte HeyDu erkennen, dass auch dort kleinere und größere Schiffe durch das Wasser düsten. Und vermutlich würden sie dabei gar nicht besonders auffallen. Auf dem Bildschirm sah sie das Schiff des Captains hinter ihr und sie nahm dabei wieder Kontakt zu ihm auf.
»Sollen wir in die Stadt hinein... äh ...tauchen? Oder bleiben wir außerhalb liegen und laufen rein?«
»Ah, die feine Dame redet wieder mit mir?«
»Captain, lass gut sein ...«, beschwor ihn Ed nervös.
»Eine Antwort auf meine Frage wäre nett.«
Darauf folgte kurze Stille. Dann ertönte die reservierte Stimme des Captains: »Wir tauchen in die Stadt hinein. Ich versuche währenddessen irgendwie Kontakt herzustellen.«
HeyDu hielt auf etwas zu, das für sie wie eine Straße aussah, auf der andere kleine Schiffe in die Stadt hineinfuhren. Dabei gab es mehrere Ebenen. Auf der untersten fuhr man in die Stadt, eine darüber aus der Stadt hinaus. Und darüber lagen nochmals zwei Spuren, auf denen die größeren Schiffe unterwegs waren. Dem Volumen nach könnte es sich dabei um Frachter gehandelt haben, denn sie waren sehr lang und bauchig und hatten vermutlich nur eine Art Führerhaus in der Front. Bisher hatte sie noch keine Bewohner erkennen können. Schließlich erschien eine Übertragung des Captains auf ihrem Bild mit der Bitte, an dem Gespräch teilzunehmen. HeyDu nahm an und hörte darauf ein Zischen und Lispeln. Die Stimme am anderen Ende war offenbar noch unbekannt für den Sprachcomputer, aber die Analyse lief und würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Währenddessen versuchte Captain das Standardprogramm abzuspulen, was er sagen sollte, wenn man zum ersten Mal einer unbekannten Spezies die Aufwartung machte.
HeyDu stellte sich vor, wie das alles auf sie selbst gewirkt hätte, wenn sie am anderen Ende des Hörers gewesen wäre, und sie kam zu dem Schluss, dass sie in einer ähnlichen Situation vermutlich einfach aufgelegt hätte. Schließlich ertönte ein PING und aus dem Zischen und Lispeln wurde eine für alle verständliche Sprache. Und ebenso würde das Gegenüber die Crew über den Übersetzer von nun an verstehen.
»Wir heißen euch in unserer einmaligen Stadt herzlich willkommen, Fremde! Kommt zu den angegebenen Koordinaten und trefft unsere Abgesandten füreineersteKontaktaufnahmeundeinGruppenfoto.«
Die Übertragung endete wieder und dafür erschienen besagte Koordinaten auf dem Schirm. HeyDu akzeptierte sie als neues Ziel. Sie verglich sie dabei aber auch mit denen des Notrufsignals, das sie eigentlich hergebracht hatte.
»Seltsam ... Es liegen dennoch zahlreiche Kilometer Entfernung zwischen den beiden Punkten. Der Ursprung liegt nicht einmal in dieser Stadt ...«, sagte sie über Funk zu Captain und Ed.
»Vielleicht ist das nur eine Ungenauigkeit«, versuchte Captain zu beschwichtigen. HeyDu war nicht beschwichtigt, beließ es aber erstmal dabei. Die ganze Situation verunsicherte sie zutiefst und es war schließlich auch gut möglich, dass sie alles ein wenig überinterpretierte.
Diese unglaubliche Menge an Wasser ... Sie dachte anihreZeitanderAkademie,dieStudentenverbindung, eine große Aula, das Licht ging aus und dann ... Wütend schüttelte sie den Kopf und versuchte, die Erniedrigung aus ihrem Kopf zu bekommen. Sie hatte einen Anzug an und war zudem gerade umgeben von hoffentlich sehr dichtem Stahl. Menschliche Ingenieurskunst war nicht das Beste, was sie auf dem Gebiet kannte, aber dennoch gut genug, was Sicherheit anging.
Sie stellte das Schiff auf Autopilot, versuchte, sich einigermaßen entspannt in ihrem Sessel zurückzulehnen, und betrachtete die Stadt, die langsam immer näher kam. Sie beobachtete die anderen Schiffe, die hinein- und hinausfuhren. Vor ihnen wurde jeweils die Kuppel durchlässig, wie eine Wasserwand. Und dahinter war die Umgebung scheinbar eine andere, das Licht wurde eigenartig dahinter abgelenkt, wie ein Lichtstrahl, der in eines von Janes Aquarien fiel. Auch vor ihr wurde die Kuppeldurchlässigundsiefloghindurch.Automatisch lief ein Außen-Scan ab und die Werte wurden ihr auf dem Display angezeigt. Innerhalb der Kuppel war zwar die Luftfeuchtigkeit hoch – auch auf der Scheibe zeichnete sich ein feuchter Film ab. Aber es war dennoch nicht wirklich dichtes Wasser, eher so wie auf der Erde, wenn ständig ein leichter und extrem feiner Sprühregen herrschte.
Offenbar waren hier alle Häuser einfach nur enorm. Entweder enorm hoch, enorm extravagant oder einfach auch nur enorm beleuchtet. Sie konnte durchaus Lebewesen erkennen, die in den Straßen am Boden umherliefen. Das gab ihr den ersten Hinweis darauf, dass die hier vorherrschende Rasse offenbar hauptsächlich lief. Wobei unter Wasser natürlich nicht auszuschließen war, dass man nicht auch mal durch die Gegend schwamm. Jedenfalls konnte hier in der Stadt nichts und niemand mangels ausreichend Wasser schwimmen. Der Anblick beruhigte sie ein wenig, auch wenn die Feuchtigkeitswerte dafür sprachen, dass sie dennoch ohne Anzug hier unter der Peinlichkeit leiden würde.
Sie fuhr schon recht lange an einem sehr breiten Hochhaus vorbei und erkannte jetzt erst, dass die Häuser tatsächlich Fenster hatten. Und an den Fenstern klebten unzählige kleine Putzerfischwesen, welche die Scheiben reinigten. Sie musste Jane davon erzählen. Offenbar waren das Amphibien, die auch außerhalb von Wasser leben konnten. Bei dem Anblick dachte sie an Slums und ärmliche Vororte, in denen sich die Algen an den zerbrochenen Scheiben sammelten, und an leere Schiffsskelette, aus denen die Fische herauslugten. Dabei fiel ihr auf, dass sie an ein Aquarium dachte, und ihr kam alles so furchtbar absurd vor. Sie befand sich tatsächlich unter Wasser. Sie hatte schon viel gesehen, aber dieses Element mied sie wie die gorgische Zehenpest. Und noch nie hatte sie eine Unterwasserstadt besucht, in der es geregelte Verkehrswege gab und die erstaunlich wenig Ähnlichkeiten mit dem Bild eines verdreckten Aquariums hatte. Im Gegenteil: Man konnte auch meinen, in einer ganz normalen menschlichen Großstadt zu sein. Oder in einer Metropole jeder anderen hochentwickelten Zivilisationsform. Das brachte sie zu dem Schluss, dass man die Wesen hier nicht unterschätzen sollte. Vermutlich hatten sie so einiges auf dem Kasten. Wer aus dem algigen Meeresschlamm eine solche Stadt mit dieser klaren Infrastruktur hochzog, musste wohl etwas können. Und konnte aber vielleicht auch gefährlich sein.
Sie passierte mehrere Kreuzungen und fuhr plötzlich panisch in ihrem Sessel hoch, weil sie einfach verschlafen hatte, auf Verkehrsregeln zu achten. Sie ließ den Autopiloten an, nahm aber vorsichtshalber bereits eine Position ein, in der sie sofort übernehmen konnte. Bei der nächsten Kreuzung sah sie, dass hier der Verkehr völlig simpel gelöst wurde: Wer von links oder rechts passierte, fuhr mit seinem Schiff einfach auf einer anderen Ebene, nämlich genau zwischen den beiden Spuren, die jeweils kreuzten. Sie entspannte sich wieder und betrachtete weiter die Stadt.
Die Straßen waren zusätzlich beleuchtet, was sie ein bisschen verschwenderisch fand, denn es war ja grundsätzlich und seltsamerweise sowieso hell. Manche Häuser hatten Leuchtreklame in einer Schrift, die bestenfalls nach Klecksen und Algenfäden aussah. Vermutlich legte sie diese Assoziation auch nur hinein, da sie umgeben war vom Meer.
Schließlich hatte sie die Koordinaten beinahe erreicht und schaltete wieder auf manuelle Steuerung um. Sie erkannte einen größeren Platz vor einem Gebäude, das vielleicht so etwas wie ein Regierungspalast hätte sein können. Vorsichtig und mit Schulterblick bog sie ab, hoffend, dass es hier irgendwie eine Art von Verkehrsgesetz gab. Aber es geschah nichts und ihre Fähre setzte sanft auf. Nervös befingerte sie ihren Gurt, während sie die Umgebung vor dem Schiff voller Argwohn nach einer Falle absuchte.
In dem Moment setzte neben ihr das Schiff des Captains auf, der kurz darauf fröhlich aus dem Schiff gesprungen kam. Sie konnte erst an seinem Gesicht und dann an seinem Funkspruch seine Überraschung feststellen.
»Mist, jetzt ist die ganze Fähre ...«
»Oh Mann! Alles ist nass! Die ganze Steuerung ist nass!«, fluchte Ed und übertönte Captain dabei.
HeyDu konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Sie konnte sich sehr gut vorstellen, wie aufgeregt Captain gerade sein mochte. Wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Spielzeugladen betrat. Und dabei schaltete er gerne mal die paar Hirnzellen aus, die ihn dazu brachten, regelmäßig ein- und auszuatmen. Die Umgebung war feucht genug, um das Schiff vorerst außer Gefecht zu setzen, wenn die Nässe an die Steuerung kam.
»Ich kann euch später abschleppen. Aber Konrad wird euch die Hölle heißmachen«, gab HeyDu zu verstehen und ging in den hinteren Teil der Fähre, wo sich eine kleine Sicherheitsschleuse befand, die eigentlich genau für solche Außeneinsätze konzipiert war – das Schiff vor Zerstörung durch eine andere Atmosphäre zu schützen. Sie hatte eine vage Vorstellung davon, dass sich...
| Erscheint lt. Verlag | 17.1.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Space Kabaddi |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Comedy • Humor • Raumschiff • Science Fiction • Weltall |
| ISBN-10 | 3-7693-8113-0 / 3769381130 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-8113-9 / 9783769381139 |
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