Raumsiedler (eBook)
226 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3427-2 (ISBN)
Diana Herwig wurde 1973 in Aachen geboren. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre hat Sie mehrere Jahre als SAP-Consultant in Frankfurt und Stuttgart gearbeitet, bevor sie zurück in die Heimat ging und nun dort als IT-Business Analystin in einem amerikanischem Konzern arbeitet. In Ihrer Freizeit beschäftigt Sie sich mit dem Schreiben und Iihren Westernpferden Mit Raumsiedler veröffentlicht sie ihren dritten Roman, eine Fortsetzung Ihres Romans Raumriss.
PROLOG
Die Sonne schien in 9.000 Metern Höhe, Manuel bekam jedoch in dem fensterlosen Flugzeug nichts davon mit. Er rieb sich die schmerzenden Augen. Seit knapp acht Stunden sah der Radaroperator auf den Monitor vor sich und verfolgte Punkte und Striche. Zwei seiner Kollegen hatten sich vor einer Stunde in die Etagenfeldbetten im hinteren Teil der Maschine gelegt. Ihr Team bestand aus dreizehn Soldaten und zwei Piloten aus verschiedenen NATO-Staaten. Wenn die beiden Kollegen sich ausgeruht hatten und die Monitore wieder übernahmen, würden er und der rothaarige Norweger neben ihm sich ebenfalls eine Stunde hinlegen können. Er massierte seine Schläfen. Es lag noch eine mehrstündige Flugzeit vor ihnen und spätestens in zwei Stunden würde sich ein Tankflugzeug anschließen, das 50.000 Liter Kerosin in ihr AWACS-Flugzeug pumpen würde. Zwanzig-STUNDEN-Flüge waren in der letzten Zeit keine Seltenheit. Auf dem Rumpf der Boeing 707 drehte sich unaufhaltsam das mächtige diskusförmige Radargerät, welches die Antennen des Hauptradars beherbergte. Diesem Airborne Early Warning and Control System verdankten sie die Daten für eine umfassende Luft-Luft-Aufklärung. Je länger ein Strich auf seinem Bildschirm erschien, umso schneller bewegte sich das Flugobjekt. Sie gehörte zu den ältesten der vierzehn AWACS-Maschinen, die im Westen Deutschlands, nahe der niederländischen Grenze, stationiert waren. Im Inneren wirkte alles bereits etwas in die Jahre gekommen. Der Boden war abgelaufen und die Wände waren teilweise vergilbt. Zudem vernahm man ein monotones Brummen, das in den neueren Modellen deutlich weniger nervtötend war. Die Technik im Inneren dieses Flugzeuges war vor zwei Jahren modernisiert worden. Dabei wurden das Navigationssystem und das digitale Kommunikationssystem aktualisiert, es wurden fünf zusätzliche Bedienerkonsolen installiert und zwei Einsatzsimulatoren umgerüstet.
Manuel gehörte seit vier Jahren zum Team und fuhr immer noch voller Stolz durch das Eingangstor der NATO Air Base, dem Militärflughafen in Geilenkirchen. Er war von der multinationalen Atmosphäre ihrer Einsatzteams beeindruckt. Zwei Drittel jedes Einsatzteams waren Soldaten anderer NATO-Staaten und so war jeder Einsatz, aber auch die übrige Zeit nie langweilig. Als er jung war, liebte er Fliegerfilme wie Top Gun und so empfand er auch teilweise die Atmosphäre auf der Air Base. Seine Ausbilder waren aber keine attraktiven Blondinen, sondern strenge Offiziere mit meist grauen Schläfen. Aktuell war die Stimmung auf dem Stützpunkt sehr angespannt, was auf die bevorstehenden Ereignisse zurückzuführen war.
Es war bereits zwei Jahre her, seit sich eine außerirdische Spezies auf der Erde bemerkbar gemacht hatte. Manuel spülte zwei Koffeintabletten mit stillem Wasser herunter und starrte wieder auf den Monitor. Er erinnerte sich an die Zeit, als »der Kontakt« die lange dagewesene Frage beantwortete, ob es an einem anderen Ort außerirdisches Leben gab. »Aliens wollen unsere Erde retten«, schrieb die Presse und andere formulierten: »Aliens wollen unsere Erde zerstören.« Es gab Pressekonferenzen, auch von Regierungen, in denen je nach Nation das ein oder andere behauptet wurde. Die sozialen Netzwerke rauchten und zwangen so manchen Server in die Knie.
Jahre vor diesem Kontakt befand sich bereits diese außerirdische Spezies vom Planeten Asuv unbemerkt auf der Erde, um ihre eigenen Forschungen zu betreiben. Diese Ermittlungen waren friedlicher Art, eine Erkundung der Gattung Mensch und des Planeten Erde, so wie sie auch andere Planeten erkundeten. Diese Besuche auf der Erde sollten in diesem frühen Stadium unauffällig durchgeführt werden. Ganz unbemerkt blieben sie jedoch nicht. Zwei Asuvaner hatten versehentlich einen Menschen, eine junge Frau, schwer verletzt, mitgenommen, um ihr Leben zu retten. Der medizinische Stand auf der Erde hätte ihr nicht mehr helfen können. Diese Frau, Lisa Moonen, lebte von da an auf dem Planeten Asuv. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fügte sie sich in die dortige Lebensweise ein und fand ein neues Zuhause. Als sie mitbekam, dass die Erforschung der Erde eingestellt werden sollte, weil diese durch ein gigantisches Naturschauspiel, einen Raumriss, zerstört werden würde, setzte sie sich für die Rettung der Erde ein. Die Wissenschaftler der Erde hatten das Phänomen bislang nicht bemerkt und hätten es auch nicht deuten können. Zu diesem Zeitpunkt hatten selbst die Bewohner von Asuv einem Raumriss noch nichts entgegenzusetzen. Es gab nur theoretische, noch nie durchgeführte Maßnahmen für solch ein Ereignis. Die Asuvaner willigten auf Drängen von Lisa einem Rettungsversuch ein. Dies erforderte jedoch auch ein Mitwirken der Erdbewohner. Die Staaten der Erde mussten gemeinsam an der Errichtung eines Schutzschirmes arbeiten, der die Auswirkungen einer gigantischen Druckwelle aus dem All zumindest mindern sollte. Kriege und Konflikte, unterschiedliche Regierungsformen und Religionen mussten in Anbetracht der drohenden Zerstörung der Erde zeitweise beigelegt werden. Es gelang, die vollständige Zerstörung der Erde abzuwenden und die Opfer und Schäden hielten sich in Grenzen. Die Erde wurde gerettet, und zwar durch die Zusammenarbeit aller politischen Mächte und der Hilfe einer bisher unbekannten außerirdischen Spezies, die den Raumriss mit einer gigantischen Implosion im Rissbereich wieder schließen konnte. Krisen sind bekanntlich hochproduktive Situationen. Die Beseitigung der Schäden übernahmen die Staaten größtenteils gemeinsam. Dann bogen die politischen Verantwortlichen jedoch wieder falsch ab. Es wurde sich, wie immer in der Geschichte, auf die Vorteile in den eigenen Staatsgrenzen konzentriert bis hin zum Protektionismus. Die ersten Konflikte keimten wieder auf. Die Erde hatte eine historische Chance zum planetaren Frieden und zum umfassenden Abbau von Ungerechtigkeiten verpasst. Angeheizt durch soziale Medien, falsche Nachrichten, die sich bekanntlich oftmals schneller verteilen als die Wahrheit, und durch Verschwörungstheoretiker, die überzeugt waren, dass die Katastrophe nur durch die Außerirdischen vorgetäuscht worden war, um die Erde zu versklaven, schien die Ordnung immer mehr aus dem Ruder zu geraten.
Manche Menschen fragten sich bald: War Lisa wirklich eine von ihnen? Oder war sie noch eine von ihnen? Sie wurde schließlich zu diesem Planeten Asuv mitgenommen und wer wusste, welchen Gehirnwäschen sie unterzogen worden war? Wollten diese Außerirdischen vielleicht doch nur die Erde unterjochen? Der Menschheit war bewusst, dass die Asuvaner technisch weiterentwickelt waren, und man fürchtet sich, wenn man sich einer fremden Macht nicht gewachsen fühlt. Eine Situation, die polarisierte. Man war entweder für die Außerirdischen oder dagegen. Eines Tages kippte die Stimmung der zerbrechlichen Einigkeit und es brodelte überall. Dies war der Grund, dass Manuel nun seit über acht Stunden auf diesen Monitor blickte. Die in Kürze bevorstehenden Ereignisse hatten jetzt alle Verteidigungseinheiten der Erde in Bereitschaft versetzt.
Im Pentagon in Virginia herrschte ebenfalls eine kaum auszuhaltende Spannung. Das Verteidigungsrisiko wurde bereits auf DEFCON 2 hochgestuft, eine Spannungsstufe, die es zuletzt in der Kuba-Krise und im Golf-Krieg gegeben hatte. Es war die letzte Stufe vor einem Atomkrieg und versetzte alle Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Ein Übergang zur nächsten Stufe, zu DEFCON 1, würde bedeuten, dass der erste Schritt in einem atomaren Krieg begonnen hätte, was so erschreckend wie unsinnig war, denn dem asuvanischen Raumschiff konnten ihre Atomwaffen ohnehin nichts anhaben. Es würde die Erde einfach verlassen und das Unheil seinen Lauf nehmen lassen.
Austin London stand steif und mit versteinerter Miene vor den Monitoren. Er hatte eine steile Karriere im Verteidigungsministerium zu verzeichnen. Tiefe Furchen in seinem Gesicht zeugten von harter Arbeit und schweren Entscheidungen. Er hatte mit den Außerirdischen vor zwei Jahren zusammengearbeitet und selbst festgestellt, dass es nicht die schreckenerregenden Aliens amerikanischer Hollywood-filme waren. Es waren menschenähnliche Wesen, ein wenig anders im Aussehen, andere Augen, Hautbeschaffenheit, sie atmeten anders, aber sie hatten ein fortschrittliches Denken. Ihre Technik war der Erde weit überlegen. Dies war es, was ihn sehr interessierte. Als nach der überstandenen Gefahr des Raumrisses einer ersten Gruppe von Menschen die Gelegenheit gegeben werden sollte, nach Asuv umzusiedeln, hatte er sich gemeldet. Seine Frau hatte ihn gerade verlassen, seine Kinder wollten nichts mehr von ihm wissen. Er hatte auf der Erde nichts mehr, was ihn hielt und ein Leben auf einem fremden Planeten würde seiner restlichen Zeit wieder einen Sinn geben. Er wurde jedoch im Auswahlverfahren aussortiert und das bereits in einer ersten Vorsortierung. Er wurde nicht einmal auf das Schulungsschiff eingeladen. Er war gut genug, um die Welt zu retten, er hatte für diese Rettungsmission sogar seine Ehe geopfert, aber mitnehmen wollten sie ihn nicht. Sie wählten meist jüngere Menschen aus. Er wusste, dass die Gefahr durch den Raumriss real gewesen war, denn er hatte die riesige Menge an Messdaten von irdischen Spezialisten bewerten lassen. Dennoch glaubte er immer mehr daran, dass diese Aliens die Menschheit nur...
| Erscheint lt. Verlag | 20.12.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-7693-3427-2 / 3769334272 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3427-2 / 9783769334272 |
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