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Eine Welt der Hinterbliebenen (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 2. Auflage
420 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6550-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Eine Welt der Hinterbliebenen -  Benedict Balke
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In einer postapokalyptischen und dystopischen Welt stehen übernatürliche Kreaturen an der Spitze der Nahrungskette. Der Waisenknabe Elio wächst in einer der wenigen menschlichen Gemeinschaften auf, die in jener Welt noch existieren. Von ihren Bewohnern wird sie das Lager genannt. Als seine einzigen Freunde Lias und Theo tragischerweise durch den Angriff der furchterregendsten Bestie ums Leben kommen, wird Elio von einem tapferen Krieger des Lagers gerettet. Von Schuldgefühlen getrieben beginnt er, in seinem Retter einen Mentor zu sehen und erwägt sogar, in dessen Fußstapfen zu treten. Jetzt liegt es an ihm, herauszufinden, ob der mysteriöse Mann, den die Bewohner den großen Krieger nennen, wirklich der ist, der er vorgibt zu sein oder bloß eine trügerische Fassade aufrechterhält.

Benedict Balke ist in Essen aufgewachsen und im Verlauf seiner Schulzeit nach Dortmund umgezogen. Kurz nach Abschluss des Abiturs hat er im Alter von 18 Jahren begonnen, seinen ersten Roman zu schreiben, der 2 Jahre später fertiggestellt wurde. Momentan widmet er sich neben seinem Anglistik- und Philosophiestudium dem Schreiben seines zweiten Romans.

1. KAPITEL


RACHEGELÜSTE


An einem Tag hatte Lias seinem besten Freund Elio anvertraut, dass seine Eltern durch einen Angriff der schrecklichsten Bestie ihrer verlorenen Welt ums Leben gekommen waren. Das blutige Trauma hatte sich ereignet, als er noch ein kleines Kind gewesen war. Gemütlich saßen die beiden am Feuer des Lagers. Erschreckend detailliert beschrieb Lias, wie er sich damals gefühlt hatte. Seine Erzählung war so lebendig, als würde er diese Zeit noch einmal erleben:

„Ich lebte in einer anderen Wohngemeinschaft, welche dem Territorium der Bestie um einiges näher war. Dort gab es viel weniger Bewohner, vor allem die Ausrüstung der wenigen Krieger ließ zu wünschen übrig.

In der besagten Nacht war ich von qualvollen Schreien und einem scharfen Fauchen von draußen geweckt worden. Mit Schrecken musste ich feststellen, dass meine Eltern, die mich zuvor liebevoll in den Schlaf gewiegt hatten, verschwunden waren. Ich bekam schreckliche Angst. Hektisch warf ich die dicke Wolldecke beiseite, um zu dem geöffneten Spalt des Gemachs zu krabbeln. Meine Angst stieg noch mehr an, weil dieser nicht verschlossen war. In der Regel achtete meine Mutter darauf, das zu tun, bevor sie mich allein ließ. Die Schreie wurden immer lauter. Als ich auf allen vieren zu dem offenen Spalt kroch, spielte sich etwas vor meinen Augen ab, was meine Sicht auf das Leben drastisch veränderte.

Die Zelte, die mir schon immer Sicherheit und Geborgenheit geboten hatten, waren in grellen Flammen aufgegangen. Ich sah viele vertraute Menschen, die durch die nackte Angst in ihren blutverschmierten Gesichtern kaum noch wiederzuerkennen waren.

„Lauf weg, mein Kind!“, rief mir eine Frau zu, die bereits seitdem ich denken konnte, eine Freundin meiner Mutter war. Benommen taumelte sie in verschiedene Richtungen. Plötzlich fiel sie hin, ihr Gesicht war auf einen Stein geprallt. Durch den Schock, der in all meinen Gliedern steckte, war ich wie versteinert stehen geblieben. Panisch beobachtete ich, wie aus ihrem Kopf dunkles Blut geströmt kam, welches sich auf der Erde verteilte. Es war auf mich zugekommen.“

Seine Augen waren aufgerissen, als sähe er genau den Moment noch einmal vor sich. Zu Elio sagte er:

„Es hat meine Hände überschwemmt.“

Eine Gänsehaut überzog Elio, es musste schrecklich gewesen sein. Voller Spannung klebte er an Lias Lippen, als dieser weitersprach:

„Einen Augenblick später erblickte ich erstmals die furchteinflößende Bestie, die auf ihren sechs gewaltigen Pranken inmitten der schreienden Menschen über die Trümmer der Zelte gestapft kam. In jener Nacht sah ich die gelb-funkelnden Augen, die von nun an meine schlimmsten Albträume prägten. Schließlich musste ich mitansehen, wie die giftigen Saugnäpfe sich an immer mehr panische Bewohner hefteten. Diese waren winselnd in sich zusammengesackt. Die langen Fühler suchten nach weiteren Zielen. Das gewaltige Maul riss Fleischfetzen aus den regungslosen Menschen. Die Zähne waren mit Blut getränkt. Immer wieder glaubte ich, auf dem Tigerkopf mit dem weit aufgerissenen Maul ein dämonisches Lächeln zu sehen. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass mich dies für den Rest meines Lebens begleiten würde.“

Der Teil, der jetzt kam, bewegte Elio am meisten. Ein Kind sollte so etwas nicht mit ansehen müssen. In allen Einzelheiten erzählte Lias:

„Plötzlich schimmerte ein Funken Licht durch das Blutbad zu mir hindurch. Ich sah, wie meine Mutter aus der aufgewühlten Menschenmenge auf mich zu gerannt kam. Nachdem sie mich entdeckt hatte, war sie noch schneller als zuvor durch die schreienden Bewohner, die sie immer wieder versuchten zurückzuziehen, hindurch gestürmt. Aus der Entfernung konnte ich das Glitzern der Tränen in ihren Augen sehen. Ihr langes braunes Haar flatterte völlig zerzaust im Wind. Ohne Rücksicht stieß sie alle ringsherum gewaltsam zur Seite, um mich zu erreichen. Noch nie zuvor hatte ich meine Mutter so verzweifelt gesehen. Es schien, als hätte mein hilfloser Anblick sie mehr als die Angst um das eigene Leben gequält.“

Das konnte Elio sich gut vorstellen, sie hatte Lias geliebt. Dies hatte sein Freund ihm bereits unzählige Male erzählt. „Was ist dann passiert?”, drängte er, weil er das Reden unterbrochen hatte. Lias Blick war gesenkt. Wie gefesselt starrte er auf die tänzelnden Flammen, als sähe er in ihnen Bilder der besagten Nacht. Kurz sah es so aus, als kämpfte er mit den Tränen. Dann schluckte er schwer, um anschließend seine Erzählung fortzuführen:

„Ich sah ihr weiter in die Augen. Auch ich spürte den tiefen Schmerz in ihrem Inneren. Schon immer hatte ich durch die warme Aura hindurch in ihre Gefühlswelt hineinblicken können. Ich erinnere mich nicht daran, jemals mit ihr gestritten zu haben. Harmonie herrschte zwischen uns. Doch in diesem Moment war nicht nur furchtbare Angst, sondern auch eine tiefe Trauer in ihren geweiteten Augen zu sehen, die ich noch nie zuvor wahrgenommen hatte.

Elio starrte seinen Freund entgeistert an. Obwohl dieser den Blick nicht erwiderte, konnte er seine inneren Schmerzen durch die verkrampften Gesichtszüge hindurch sehen. Eine einzelne Träne floß an seiner Wange hinunter. Der sonst unerschütterliche Junge wirkte auf einmal verletzlich. Elio hatte keine Freude daran, ihn leiden zu sehen, aber zugleich wollte er unbedingt wissen, wie die Geschichte weiterging.

„Ich nehme an, sie hat dich nicht erreicht.”, raunte er, sein Blick schweifte auch zu dem Feuer.

Lias stieß einen langen Seufzer aus.

„Nein”, erwiderte er leise. „Mit enormer Wucht rempelte ein taumelnder Mann sie an. Sie verlor das Gleichgewicht, fiel zu Boden und kippte nach vorne. „Nein, Mama!“, schrie ich mit Tränen in den Augen. Vergeblich versuchte sie, zurück auf die Beine zu kommen. Offenbar war sie von ihren Kräften verlassen worden. Ihre dünnen Arme konnten sie nicht mehr hochdrücken. Es dauerte nicht lange, bis sie aufgab.

Nur noch ihr Kopf war leicht nach oben gerichtet, damit sie mich anschauen konnte. Ich sah ihre stark blutende Stirn. Die Hälfte ihres Gesichts war mit schwarzer Erde bedeckt. Trotz der Tränen in ihrem Gesicht lächelte sie mich liebevoll an. Ein letztes Mal in meinem Leben spürte ich jene heimische Wärme, die mich bereits seit der Geburt umgeben hatte.

Ich weinte furchtbar laut, als sich die beiden Fühler der Bestie an ihren Rücken saugten. In diesem Moment verließ mich der Wille, weiterzuleben. Sie legte ihr warmes Lächeln nicht ab, bis sich ihre müden Augen auf ewig geschlossen hatten. Dies sah ich in meinen Albträumen immer wieder. Doch es waren nicht bloß grausame, sondern auch schöne Träume, in denen mir das Lächeln meiner Mutter wieder begegnete. Ich bewunderte sie immer für ihre Lebensfreude und Warmherzigkeit gegenüber anderen Menschen. Niemals fühlte ich mich an ihrer Seite unwohl.”

Abermals unterbrach er das Reden, um tief einzuatmen. Seine Augen waren noch wässriger geworden.

„Wie konntest du der Bestie entfliehen?”, fragte Elio, der jetzt auch Trauer in seinem Inneren verspürte.

„Ein Mann, der mir bereits lange vertraut gewesen war, stürmte aus der wilden Menschenmenge heraus. Hastig nahm er mich auf den Arm”, erwiderte Lias. „Er hat mich fest an die Brust gedrückt, sodass die Sicht auf das grausame Blutbad verdeckt war. Dann rannte er mit mir in die Wälder hinein. Sein Name war Ludwig, einst war er mit meinem Vater befreundet gewesen. Doch kurze Zeit später überreichte er mich kaltherzig an die Wächter vor den Grenzen des Lagers. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, da war er bereits verschwunden.

In den folgenden Jahren erfuhr ich, dass mein Vater bei dem Angriff der Bestie ebenfalls ums Leben gekommen war. Offenbar hatte der feige Ludwig nicht den Mut dazu aufgebracht, mir dies persönlich zu sagen. Angetrieben von ungewollten Schuldgefühlen und einer Wut, die nicht zu bändigen war, schwor ich mir, dass ich den Tod meiner Eltern eines Tages rächen würde.” Das war Lias Geschichte.

Elio hatte noch einen weiteren Freund, auch seine Lebensgeschichte brannte sich in sein Gedächtnis ein. Lias und Elio lernten ihren zukünftigen Gefährten Theo unerwartet beim großen Mahl kennen.

Bereits seit unzähligen Generationen wurde das Mahl im Lager täglich vor dem Sonnenuntergang abgehalten. Alle Bewohner versammelten sich an den großen Tafeln, die zuvor mit langen hölzernen Sitzbänken von den obersten Hausfrauen und einigen ihrer Mädchen im Herzen des Lagers aufgebaut worden waren. Ausschließlich an Ruhetagen unterließen sie wegen des riesigen Feuers auf dem Gestein das Aufbauen der Tafeln, wodurch die Menschen sich mit den Bänken zufrieden geben mussten. Dann wurden die riesigen Metalleimer um das wärmende Feuer herum aufgestellt. Einer von ihnen wurde mit rohem Fleisch gefüllt, der andere mit unzähligen spitz geschliffenen Stöcken. Auf diese Weise konnten die Bewohner das Fleisch aufspießen, um es über dem Feuer brutzeln zu lassen.

Diese Art der Nahrungsverteilung...

Erscheint lt. Verlag 16.1.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Fantasy / Science Fiction Science Fiction
Schlagworte dystopischer Roman • ergreifend • Krieger • Postapokalypse • Übernatürliche Kreaturen
ISBN-10 3-7693-6550-X / 376936550X
ISBN-13 978-3-7693-6550-4 / 9783769365504
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