Sturmvogel (eBook)
518 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3560-6 (ISBN)
Martin Minier, 1981 in Bayreuth geboren, lebt in Höchstadt an der Aisch und arbeitet als Krankenpfleger in Erlangen. Schreiben ist sein kreativer Ausgleich zum Klinikalltag. Neben der Literatur begeistert er sich auch für Sprachen und spricht fünf Fremdsprachen.
Sokol-Militärbasis, Uschhorod, Ukraine
Die Motoren der Mercedes G 350 liefen im Leerlauf. Die leistungsstarken 211-PS-Dieselaggregate arbeiteten ruhig, bereit durch das schwierige Gelände zu manövrieren. Die Fahrer warteten darauf, dass die Gruppe in die Geländewagen stieg. Die Passagiere drängten sich in die Fahrzeuge. Der Innenraum war eng; Rucksäcke und persönliche Ausrüstung nahmen jeden freien Zentimeter ein. Die stickige Luft trug den Geruch von feuchtem Stoff und Erde.
Die Kleidung der Insassen war durchnässt, und die Enge ließ den Raum schnell unangenehm warm werden. Kaum jemand sprach – die Anspannung war in den Gesichtern zu erkennen.
Die Geländewagen setzten sich in Bewegung. Die Fahrt begann auf einer schmalen Straße. Der Himmel war immer noch von schweren, grauen Wolken bedeckt. Der Wind wehte auch am Boden heftig, peitschte den Regen gegen die Autos und ließ die Bäume am Straßenrand wie Marionetten hin- und her biegen.
Die unbefestigten Straßen verwandelten sich in schlammige Pfade. Pfützen bedeckten die Oberfläche, einige davon waren so tief, dass die Geländewagen deutlich spürbar ins Schlingern gerieten, wenn sie hindurchfuhren. Wasser spritzte hoch und bedeckte die Seitenfenster. Der Boden unter den Reifen bot kaum Halt, was die Fahrer zwang, besonders konzentriert zu bleiben. Sie hielten die Lenkräder mit beiden Händen fest, ihre Blicke starr nach vorne gerichtet.
Die Landschaft war geprägt von dichten Wäldern, sanften Hügeln und schroffen Berggipfeln. Doch unter diesen Wetterbedingungen verlor die Umgebung ihren malerischen Reiz und wurde zu einer unwirtlichen Kulisse. Blitze erhellten den Horizont in unregelmäßigen Abständen, gefolgt von Donner, der die Luft erbeben ließ. Die Geräusche des Unwetters vermischten sich mit dem monotonen Brummen der Motoren und dem rhythmischen Klatschen der Scheibenwischer.
Durch die Fenster waren nur schemenhafte Konturen der vorbeiziehenden Landschaft erkennbar. Der Regen verschleierte die Sicht, und die dichten Wolken, die die Berge umhüllten, verstärkten die bedrückende Stimmung. Es gab kaum Anzeichen von Zivilisation. Hin und wieder passierten sie ein kleines Dorf, in dem die wenigen Bewohner sich in ihre Häuser zurückgezogen hatten. Die Straßen waren leer, die Fensterläden geschlossen. Es war, als wäre die gesamte Region in eine Art Schlaf gefallen.
Die Passagiere blieben größtenteils still, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Die ständigen Erschütterungen, verursacht durch das holprige Gelände, ließen sie in ihren Sitzen hin- und her rutschen. Einige hielten sich an den Griffen über den Türen fest, um das Schaukeln besser auszugleichen. Die drückende Stille wurde nur gelegentlich von kurzen Anweisungen oder Nachfragen der Fahrer unterbrochen, die sich über Funk verständigten.
Die ersten zwanzig Minuten der Fahrt zogen sich in die Länge. Die Bedingungen auf der Straße verschlechterten sich zunehmend, je weiter sie ins Landesinnere vordrangen. In einigen Abschnitten wurde das Fahren so schwierig, dass die Wagen fast zum Stillstand kamen, bevor sie sich mit einem Ruck wieder vorwärtsbewegten.
Nach etwa weiteren zehn Minuten erreichten die Fahrzeuge ihr Ziel. Die Sokol-Militärbasis lag rund 50 Kilometer südlich von Uschhorod, versteckt in den Bergen und umgeben von dichten Wäldern. Schon aus der Ferne waren die massiven Mauern und hohen Zäune zu sehen, die den einst wichtigen Stützpunkt der sowjetischen Streitkräfte während des Kalten Krieges umgaben.
An den Eingängen standen bewaffnete Soldaten, die jeden Besucher sorgfältig überprüften, bevor sie ihn passieren ließen.
Die Gruppe wurde durch das Haupttor geleitet und betrat einen weitläufigen Innenhof, der von verschiedenen Gebäuden umgeben war. Soldaten in grau-braunen Uniformen marschierten diszipliniert über das Gelände. Auf ihren Uniformen war auf dem rechten Oberarm der goldene Trysub zu erkennen. Der Trysub, wie er aus einer TV-Dokumentation wusste, repräsentierte das Staatswappen der Ukraine – ein bedeutendes nationales Symbol, das die Identität und Geschichte des Landes verkörpert.
Der Dreizack stand im Zentrum des Wappens und symbolisierte Stärke, Souveränität und Unabhängigkeit. Umgeben war er von einem goldenen Lorbeerkranz, der Ruhm, Ehre und Sieg verkörperte. Das Wappen hatte eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreichte, und war das offizielle Symbol des Landes. Das moderne Design des Wappens wurde nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 angenommen und drückte den Stolz sowie die Verbundenheit der Ukrainer mit ihrem Land aus.
Das Herzstück der Basis bildeten die Abschussrampen, von denen aus die ballistischen Mittelstreckenraketen startbereit gehalten wurden. Diese Rampen waren strategisch über das Gelände verteilt, um optimale Verteidigung und Flexibilität zu gewährleisten. Jede Rampe war mit speziellen Vorrichtungen ausgestattet, um die Raketen zu positionieren und zu starten. Um die Integrität der Waffen und deren Einsatzbereitschaft sicherzustellen, waren umfangreiche Wartungs- und Instandhaltungseinrichtungen auf dem Gelände errichtet worden. Dazu gehörten Werkstätten, Lagerhallen für Ersatzteile und Munition sowie spezielle Reinigungsbereiche. Ein Team hochqualifizierter Techniker und Ingenieure war rund um die Uhr im Einsatz, um sicherzustellen, dass die Waffen jederzeit einsatzbereit blieben.
Begleitet von zwei Soldaten begaben sie sich zunächst zu den Hauptgebäuden der Kaserne, wo sich Büros, Unterkünfte und Versorgungseinrichtungen befanden. Die Gebäude der Kaserne waren modern und zweckmäßig eingerichtet, mit allem ausgestattet, was Soldaten und Offiziere für ihren Dienst benötigten. Überall sah man geschäftiges Treiben und Hinweisschilder in kyrillischer Schrift, die vermutlich vor Gefahren warnten.
Die Wohnbereiche waren ebenfalls auf dem Gelände untergebracht und umfassten mehrere Wohngebäude, Unterkünfte, Kantinen und Freizeiteinrichtungen. Trotz der streng geheimen Natur der Basis wurden die Lebensbedingungen für das Personal so komfortabel wie möglich gestaltet.
Um sicherzustellen, dass die Anlage auch im Falle eines Angriffs oder einer Störung der öffentlichen Versorgungsnetze autonom bleiben konnte, verfügte sie über eigene Stromgeneratoren, Wasseraufbereitungsanlagen und Heizungssysteme. Diese Einrichtungen wurden regelmäßig gewartet und getestet, um sicherzustellen, dass sie im Ernstfall einwandfrei funktionierten.
Die Zivilisten und ihre Begleiter passierten die verschiedenen Gebäude und folgten den markierten Wegen durch die Anlage. Die Soldaten, die sie begleiteten, kannten die Kaserne gut und konnten die schnellsten Routen gewährleisten, wobei die Gruppe bemüht war, möglichst wenig Aufsehen zu erregen.
Sie folgten dem Weg bis zu einem abgelegenen Teil der Kaserne. Das unscheinbare Gebäude, das sie betraten, offenbarte im Inneren eine hochtechnologische Ausstattung. Hier fanden normalerweise streng geheime Sitzungen statt, bei denen wichtige Informationen ausgetauscht und strategische Entscheidungen getroffen wurden. Nach der Ankunft am Ziel verabschiedeten sie sich von ihren Begleitern und betraten das Gebäude.
Der Raum war groß und hell erleuchtet. LED-Paneele entlang der Wände verliehen ihm einen Hauch von futuristischem Glanz. In der Mitte des Raumes stand ein großer, rechteckiger Konferenztisch aus glänzendem, dunklem Holz, umgeben von bequemen, gepolsterten Stühlen. Jeder Platz war mit einer modernen Tablet-Einheit ausgestattet, die sowohl als Notizbuch als auch als interaktives Display diente. Die Tischplatte war frei von jeglicher Unordnung.
Am Kopfende des Tisches saß ein hochrangiger Offizier in voller militärischer Uniform, der eine beeindruckende Autorität ausstrahlte. Sein Blick war konzentriert auf den Bildschirm gerichtet, auf dem eine detaillierte Karte mit strategischen Punkten und Bewegungen angezeigt wurde. Neben ihm saß sein Stellvertreter, der ebenso konzentriert und ernsthaft wirkte, vertieft in die Analyse von Berichten und Daten auf seinem Tablet.
Ein junger Offizier betrat hastig den Raum und nahm eilig seinen Platz ein; er wirkte etwas nervös, als er seine Notizen durchblätterte.
Die Atmosphäre im Raum war ruhig und konzentriert. Jeder Anwesende wusste genau, warum er hier war – jeder Einzelne war ein essentieller Bestandteil des komplexen Gefüges der Verschwörung. Plötzlich betraten ein hochrangiger Militär und ein Zivilist in einem maßgeschneiderten Anzug den Raum, und augenblicklich verstummten alle Gespräche. Die eindrucksvolle Präsenz des zivilen Mannes, der sich am Kopf des Tisches niederließ, schien den gesamten Raum zu durchdringen. Seine imposante Statur strahlte eine unangefochtene Autorität aus. Sein Blick, scharf wie der eines Raubtiers, überflog die Versammlung und zwang jeden, den er ansah, zu einem Moment der Kontemplation. Seine Augen, von intensiver Klarheit und Tiefe, schienen direkt in die Seelen der Anwesenden zu blicken. Das helle Raumlicht verstärkte seine...
| Erscheint lt. Verlag | 13.1.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Ethan Thomas |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Action - Mystery, Thriller & Spannung • Bücher Spionage Geheimdienst Thriller • Climate Fiction Thriller • deutsche thriller autoren • Investigativer Journalismus Roman • investigativer Thriller • Kriminalroman Journalist • Krimis & Thriller • Krimi-Serie deutsch • Politische Romane • spannende Bücher für Erwachsene • Spannungsroman Deutsch • Spionage-Thriller • Thriller Dangerous Investigation • Thriller dunkles geheimnis • Thriller Intrigen USA • Thriller Journalismus • Thriller New York City • thriller reihen bücher • Thriller über Spionage & Politik • Thriller Verschwörungen • Umweltkrimi • Umwelt-Thriller • Vereinigte Staaten Krimithriller • Verschwörungsthriller |
| ISBN-10 | 3-7693-3560-0 / 3769335600 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3560-6 / 9783769335606 |
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