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Hilda vom Hof (eBook)

Ein Leben in der Landwirtschaft

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
254 Seiten
NOVUM VERLAG
978-3-7116-0128-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Hilda vom Hof -  Sonja Bohlen
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16,99 inkl. MwSt
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Hilda Ihben wächst auf einem Bauernhof in Ostfriesland auf. Das Leben der Erwachsenen auf dem Hof ist gekennzeichnet durch andauernde schwere Arbeit, die wenig ertragreich ist, und ein Gefühl der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit. Mit ihren zehn Jahren hilft Hilda bereits auf dem Hof mit und ist immer um die Anerkennung der Eltern bemüht, die sie allerdings kaum wahrnehmen, außer als kostenlose Hilfskraft. Ein verhängnisvoller Unfall mit einem Zuchtbullen verändert das Leben aller Bewohner des Hofes drastisch. Hildas Vater verlässt den Hof, um in einer Reha-Klinik zu lernen, mit seinen neuen Umständen zurechtzukommen. Hilda nimmt an einem Zeichenwettbewerb eines Einkaufszentrums teil, in der Hoffnung, den Hauptpreis zu gewinnen und ein wenig Freude in das Leben ihrer Familie zu bringen.

1.

Hilda betrachtete das kleine Kätzchen, das sich hungrig über die Schüssel mit frisch gemolkener Kuhmilch hermachte. Sie hatte die Milch vorher sorgfältig und mit höchster Achtsamkeit nichts zu verschütten in die kleine Porzellanschüssel gefüllt, die nun das Objekt der Begierde dieses kleinen Wesens wurde. „Hilda, was kauerst du hier faul auf dem Boden herum? Sieh zu, dass die Kälber gefüttert werden!“ Die schrille Stimme der Mutter ließ beide ruckartig in Deckung gehen, Kind sowohl als auch Kätzchen. Hilda sprang wortlos auf und rannte hinüber zur Milchkammer, der Schreck dieser lautstarken Attacke rief sie zur Flucht. „Faules Ding!“, hörte sie die Mutter noch rufen. Während Hilda nun die zwei schweren Milchkannen, die vom Vater zuvor mit frischer Kuhmilch befüllt worden waren, auf den alten Bollerwagen wuchtete, um sie rüber zum Kälberstall zu bringen, dachte sie traurig an den Streit der Eltern, den es am Morgen wieder einmal gegeben hatte. Es war die tägliche, nicht enden wollende Arbeit auf dem Hof, die Versorgung der Tiere, die nun im Sommer hinzukommende Arbeit auf den Feldern. Es raubte den Eltern die Lebensqualität, so hatte Sinas Mutter es Hilda erklärt. Sina war Hildas beste Freundin und die zwei gingen gemeinsam in die vierte Schulklasse der Grundschule im kleinen Wohnort der beiden. Sinas Familie, dazu gehörten die Eltern und der drei Jahre ältere Bruder Sven, lebten auch auf einem Bauernhof. Doch da gab es noch den Andi, der Sinas Familie bei der Hofarbeit half, und auch Sinas Großeltern lebten und arbeiteten mit auf dem Hof. Vielleicht war das auch der Grund, warum Sinas Mutter in ihrem Beruf arbeiten gehen konnte. Hildas Mutter behauptete zwar immer wieder in abfälligem Ton, Sinas Mutter sei zu faul, um im Stall mitzuarbeiten, aber Hilda war überzeugt, dass dies nicht der Fall war. Sinas Mama war überhaupt nicht faul, im Gegenteil, Hilda bewunderte immer wieder aufs Neue das herrlich ordentliche und saubere Haus der Familie, und das Beste überhaupt war, es gab keine Fliegen im Haus; es war Hilda ein Rätsel, wie Sinas Mutter es schaffte, diese lästigen kleinen Insekten außerhalb des Hauses zu halten. In ihrem eigenen Elternhaus gehörten diese kleinen Störenfriede im Sommer zum Alltag dazu und Hilda war jedes Mal beinahe froh, wenn der Sommer sich langsam dem Herbst neigte und die kältere Jahreszeit diesen Plagegeistern den Garaus machte.

Nun beobachtete Hilda das kleine Kälbchen, das genüsslich am Nuckel saugte und hungrig die noch warme Milch genoss. Die Kälbchen wurden gleich nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt, damit sie sich gar nicht erst daran gewöhnen konnten, am Euter zu trinken. Danach wären sie nämlich sehr schwer an den Nuckel des Nuckeleimers zu gewöhnen. Heute früh waren es acht Kälbchen, die es zu versorgen galt. Hilda liebte es, die süßen Kälber zu versorgen. Sie wollte natürlich ihr Möglichstes tun, um die Stimmung der Eltern wieder etwas zu heben, und da war jede Arbeit, die zur Zufriedenheit erledigt war, natürlich ein Vorteil. Außerdem versprach es heute ein wunderbarer Tag zu werden. Es war zwar Sonntag und Sonntage waren in ihrem Zuhause generell keine guten Tage. Sonntags war die Laune der Eltern immer noch etwas schlechter: Da hieß es immer, Sonntag hin oder her, bei uns ist eh jeder Tag gleich. Doch heute waren sie, Hilda und Sina, eingeladen zur Geburtstagsfeier der Zwillinge Lisa und Lena aus dem Nachbarort. Die vier Mädchen kannten sich bereits seit dem Kindergarten.

Der Vormittag zog sich qualvoll lange hin. Da die Eltern auf dem Feld beschäftigt waren, das gemähte Gras zu wenden, damit es zu Heu trocknen konnte, bereitete Hilda sich ein Butterbrot gegen den Hunger. Sie betrachtete die zwei fein verpackten Päckchen, die sie mit angestrengter Sorgfalt für die Zwillinge zurecht gemacht hatte, und dachte sich, dass die beiden sich ganz sicher sehr freuen würden.

Der Ruf der Freundin aus der Ferne riss Hilda aus ihren Gedanken. Sie sah zur Straße hinunter, wo Sina ihr freudig zuwinkend auf sie zu fuhr. Es war ein warmer Sommertag und die Vorfreude der Kinder war groß.

Ein lautstarkes Durcheinander drang nun, nachdem hastig Geschenke geöffnet, Papier zerrissen und anschließend wohlschmeckender Geburtstagskuchen vernascht wurde, aus der alten Scheune, die bunt geschmückt kurzerhand zum Partyraum umfunktioniert worden war. Die Kinder einigten sich auf ein Versteckspiel, welches auf dem gesamten Hofgelände galt. Die Familie der Zwillinge bewohnte einen Resthof, welchen die Eltern noch vor ihrer Geburt aufgekauft hatten, um sich den Traum vom Pferdehof zu erfüllen. Der Vater war Manager in einer großen Firma, gutverdienend, somit konnte großzügig investiert werden, und es entstand ein wohl ansehnliches Anwesen.

Die kleine Geburtstagsgruppe interessierte sich nun aber in erster Linie für die Heu- und Strohhalle, wo es viele Versteckmöglichkeiten gab. Sie schien perfekt für ihr Vorhaben. Der Nachmittag entwickelte sich zu einem fröhlichen Rennen, Toben und Fangen, und natürlich wurde herrlich im Heu und Stroh getobt und nicht wenig Stroh vom oberen Strohlager, welches die Kinder über die sichere Treppe nach oben erklommen hatten, war über das Geländer hinaus bis nach unten auf den Laufgang geflogen. Hilda und Sina hatten sich schon eine ganze Weile in einem sicheren Versteck verschanzt und kicherten immer wieder über dicht vorbeirennende Suchtrupps, als plötzlich eine lautschallende Männerstimme durch die Strohhalle dröhnte. „Verdammt, was macht ihr hier? Wie sieht das hier aus? Sofort antanzen hier, alle!“

Der Vater der Zwillinge hatte die Halle betreten und die Verwüstung, die sich ihm dort bot, verursachte einen so plötzlichen Wutausbruch, der jegliche Vernunft erlöschen ließ, sodass er sich beinahe vergaß. Die Kinder hielten so abrupt inne in ihren wilden Aktionen, dass sie Mühe hatten, zu Atem zu kommen, um die Lage zu deuten, in die sie sich völlig unbemerkt begeben hatten. „Wir haben Verstecken gespielt, Papa“, kam die dünne Stimme der mutigeren der beiden Zwillinge. Lisa nahm in diesem Moment erst wahr, wie die Scheune verwüstet worden war, und sah beklommen zur Schwester hinüber, die sich derweil im Hintergrund verschanzt hatte. Es war schon heftig gewütet worden, teilweise waren ganze Strohballen heruntergefallen. „Das wird sofort wieder aufgeräumt hier, die Party ist somit vorbei. Ich schließe euch hier ein und informiere eure Eltern, die können herkommen und anschauen, was ihr angerichtet habt. Zur Not packen die noch mit an!“ Die Kinder erschraken, dass sie nun hier eingeschlossen werden sollten und auch noch die Eltern informiert würden. Nicht wenige begannen zu weinen. Hilda und Sina, die sich inzwischen auch aus ihrem Versteck hervorgetraut hatten, schauten sich ängstlich um und wussten nicht recht, was sie nun tun sollten. Hilda war sich sicher, dass ihre Eltern nicht herkommen würden; sie wusste, dass die Arbeit auf dem Feld fertig werden musste, und das würde bis in den Abend hinein oder länger dauern. Als der Vater der Zwillinge die Halle im schnellen Schritt und mit vor Wut hochrotem Gesicht wieder verlassen hatte und die Kinder tatsächlich vernommen hatten, wie das Hallentor verschlossen wurde, machte sich eine bedrückte, ängstliche Stimmung breit.

Die Kinder machten sich eingeschüchtert und steifgliedrig an die Arbeit, wussten aber zunächst nicht wirklich, wo sie anfangen und wie sie die zerstörten Strohballen wieder zusammenbringen sollten. Während der dürftigen Versuche beschuldigten sie sich nun vermehrt untereinander und es entwickelten sich heftige Streitigkeiten. Während einige frustriert Strohballen stapelten oder leere Getränketüten und Saftflaschen aufsammelten, werkelten die anderen mit Besen und Kehrschaufel. Lautstarke Anschuldigungen und Beschimpfungen begleiteten die Arbeiten. Doch noch bevor die ganze Situation zu eskalieren drohte, hörte man plötzlich, wie das Schloss des Hallentores wieder geöffnet wurde. Erste Gesprächsfetzen drangen nun an die Ohren der Kinder. „Seht euch den Mist an, den eure Kinder hier angerichtet haben.“ Zuerst trat der Vater der Zwillinge in die Halle ein. Hilda erkannte nun auch die Stimme von Sinas Mutter, die mit deutlichen Worten klar machte, was sie von der ganzen Situation hielt. „Sorry, Thomas, aber es ist in meinen Augen absolut nicht in Ordnung, dass du die Kinder hier eingeschlossen hast, das sind immer noch Kinder“, sprach sie wütend. Der Vater der Zwillinge fuhr sich mit der Hand durchs Haar und faselte etwas von „Sicherungen durchgebrannt“ und „versetzt euch in meine Situation“. Während der verbalen Auseinandersetzungen sah Hilda ihre Mutter in die Halle schreiten und erschrak bis ins Mark. „Hilda wo steckst du? Sofort herkommen!“ Hildas Mutter wirkte bedrohlich und alle Anwesenden richteten nun die Aufmerksamkeit auf die fast schon raubtierähnlich hereinstürzende Person. Hilda war einer Ohnmacht nahe, ihr wurden die Knie weich und alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. Langsam und mit dem Kopf zum Boden geneigt löste sie sich aus der Kindergruppe und lief zögernd auf ihre Mutter zu. „Du undankbares Stück du“, schrie diese das Kind an. „Du weißt ganz genau, dass wir keine Zeit für so einen Dreck haben!“ Die Mutter holte kräftig aus und schlug dem Mädchen ins Gesicht, dass es zu Boden fiel. „Du räumst den Mist hier auf und danach hilfst du uns mit dem Heu, hast du verstanden?“, schrie sie dem Kind entgegen, welches sich langsam erhob und die blutende Nase hielt. Die versammelte Gruppe beobachtete mit Entsetzen, was sich soeben abgespielt hatte, und niemand wusste zunächst zu reagieren....

Erscheint lt. Verlag 10.1.2025
Verlagsort Neckenmarkt
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Biografie • Geschichte • Sonja Bohlen
ISBN-10 3-7116-0128-6 / 3711601286
ISBN-13 978-3-7116-0128-5 / 9783711601285
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