Mord im Elfenbeinturm (eBook)
380 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7583-3684-3 (ISBN)
Mirco Deflorin lebt in den Schweizer Alpen. Er ist verheiratet, 48 Jahre alt. Er schreibt verschiedene Genres an Bücher.
Kapitel 1: Nächtlicher Ruf in den Elfenbeinturm
Der raue Diamant erwacht
Das schrille Klingeln des Telefons durchschnitt die Stille der Nacht wie ein scharfes Messer. Detective Inspector Liam O'Reilly schreckte aus einem unruhigen Schlaf hoch, seine Hand tastete instinktiv nach der Waffe unter seinem Kopfkissen, bevor sein benommenes Gehirn realisierte, dass er die falschen Prioritäten setzte – schließlich hatte noch nie ein Mörder höflich angerufen, bevor er zuschlug. Mit einem unterdrückten Fluch angelte er nach seinem vibrierenden Diensthandy auf dem Nachttisch, wobei er beinahe eine halbvolle Whiskyflasche und mehrere zerknitterte Fallakten zu Boden fegte.
"O'Reilly", knurrte er in den Hörer, seine Stimme rau vom Schlaf und zu vielen Zigaretten. Die Uhr an der gegenüberliegenden Wand zeigte 3:27 Uhr. Ein Anruf zu dieser Stunde bedeutete nie etwas Gutes.
"Sir, hier ist Constable Johnson. Es tut mir leid, Sie zu dieser Stunde zu stören, aber wir haben einen Mordfall an der Universität Oxford. Eine Professorin wurde in ihrem Büro tot aufgefunden. Der Dekan besteht darauf, dass unser bester Mann den Fall übernimmt."
O'Reilly unterdrückte ein Stöhnen. Natürlich musste es ausgerechnet die verdammte Universität sein. Ein Ort voller selbstgefälliger Akademiker, die glaubten, sie stünden über dem Gesetz. "Verstanden, Johnson. Ich bin in zwanzig Minuten da."
Er schwang seine Beine aus dem Bett und rieb sich mit beiden Händen über das unrasierte Gesicht. Sein Blick fiel auf den zerbrochenen Spiegel an der Wand – ein stummer Zeuge seiner letzten Auseinandersetzung mit den Dämonen der Vergangenheit. Das zersplitterte Glas warf sein Bild in Fragmenten zurück: graue Strähnen in dem einst tiefschwarzen Haar, Falten um die Augen, die von zu vielen schlaflosen Nächten und gesehenen Schrecken zeugten.
O'Reilly erhob sich schwerfällig und navigierte durch das Chaos seiner kleinen Wohnung. Überall lagen Zeitungen, Fallakten und leere Takeaway-Behälter verstreut. Er hatte seit Wochen keine Energie mehr aufgebracht, aufzuräumen. Wozu auch? Es gab niemanden, der ihn hier besuchte, niemanden, dem er etwas beweisen musste.
Im Bad spritzte er sich kaltes Wasser ins Gesicht und starrte sein Spiegelbild an. Die blauen Augen, einst voller Feuer und Idealismus, blickten ihm müde und desillusioniert entgegen. Zwanzig Jahre bei der Mordkommission hatten ihre Spuren hinterlassen, nicht nur äußerlich.
Er zog ein zerknittertes Hemd und eine abgewetzte Lederjacke an, die schon bessere Tage gesehen hatten. Seine Marke und Dienstwaffe fanden ihren gewohnten Platz an seinem Gürtel. Bevor er die Wohnung verließ, griff er nach einer Packung Zigaretten und seinem abgenutzten Notizbuch – treue Begleiter in den dunkelsten Stunden seiner Arbeit.
Der nächtliche Regen prasselte auf O'Reilly nieder, als er zu seinem alten Volvo eilte. Das Fahrzeug, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, passte perfekt zu seinem Besitzer – zuverlässig, aber mit deutlichen Gebrauchsspuren. Er ließ den Motor aufheulen und manövrierte durch die verlassenen Straßen Oxfords, während seine Gedanken bereits um den bevorstehenden Fall kreisten.
Die altehrwürdigen Gebäude der Universität ragten wie dunkle Schatten in den Nachthimmel. O'Reilly konnte nicht umhin, eine gewisse Ironie in der Situation zu sehen. Diese Hallen des Wissens, in denen sich die Elite des Landes tummelte, waren nun Schauplatz eines brutalen Verbrechens geworden. Er fragte sich, welche Geheimnisse hinter den dicken Mauern und imposanten Fassaden lauerten.
Als er auf den Parkplatz vor dem Hauptgebäude einbog, sah er bereits das Blaulicht mehrerer Polizeiwagen. Uniformierte Beamte hatten den Bereich abgesperrt und hielten neugierige Nachtschwärmer und erste Pressevertreter auf Abstand. O'Reilly stieg aus, zündete sich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Der Rauch vermischte sich mit dem feinen Nieselregen zu einer gespenstischen Wolke um ihn herum.
"Schöne Bescherung, die Sie uns da eingebrockt haben, Johnson", begrüßte er den jungen Constable, der nervös von einem Fuß auf den anderen trat. "Erzählen Sie mir, was wir haben, während wir reingehen."
Johnson schluckte sichtbar, eingeschüchtert von O'Reillys rauer Erscheinung und dem Ruf, der ihm vorauseilte. "Ja, Sir. Das Opfer ist Professorin Emilia Hartmann, eine renommierte Wissenschaftlerin im Bereich der Genetik und Genmanipulation. Der Nachtwächter fand sie vor etwa einer Stunde in ihrem Büro. Es sieht nach einem gewaltsamen Tod aus."
O'Reilly nickte grimmig, während sie die breite Steintreppe zum Eingang hinaufstiegen. Der süßliche Geruch des Todes vermischte sich bereits mit dem Duft von altem Holz und Büchern, der in diesen Hallen allgegenwärtig war. "Irgendwelche Zeugen? Verdächtige?"
"Bisher nicht, Sir. Das Gebäude war um diese Zeit eigentlich geschlossen. Wir befragen gerade das Sicherheitspersonal und versuchen herauszufinden, wer sonst noch Zugang hatte."
Sie erreichten den ersten Stock, wo weitere Polizisten und Forensiker geschäftig hin und her eilten. Am Ende des Korridors war eine Tür mit Absperrband versehen. Dahinter lag das Büro von Professorin Hartmann – und die Antworten, die O'Reilly suchte.
Bevor er den Tatort betrat, hielt O'Reilly inne und schloss für einen Moment die Augen. Er atmete tief durch, sammelte seine Gedanken und bereitete sich mental auf den Anblick vor, der ihn erwartete. Es war ein Ritual, das er vor jedem neuen Fall vollzog – ein kurzer Moment der Besinnung, bevor er in die Abgründe menschlicher Grausamkeit eintauchte.
Mit einem letzten, sarkastischen Lächeln wandte er sich an Johnson: "Na dann, lassen Sie uns mal sehen, was die feinen Herrschaften vom Elfenbeinturm uns diesmal eingebrockt haben. Ich hoffe, Sie haben starke Nerven, Constable. Etwas sagt mir, dass dies kein gewöhnlicher Fall wird."
Mit diesen Worten schob O'Reilly das Absperrband beiseite und betrat das Büro, bereit, sich den Herausforderungen zu stellen, die dieser nächtliche Ruf in den Elfenbeinturm mit sich bringen würde. Die Jagd nach der Wahrheit hatte begonnen, und O'Reilly war entschlossen, jeden noch so dunklen Winkel der akademischen Welt zu durchleuchten, um Gerechtigkeit für das Opfer zu finden – egal, welche Geheimnisse er dabei aufdecken würde.
Schatten über Oxford
Detective Inspector Liam O'Reilly atmete tief durch, bevor er das Absperrband durchschritt und die Leitung der Ermittlungen übernahm. Der Korridor vor dem Büro der ermordeten Professorin glich einem Bienenstock - Uniformierte, Forensiker und aufgeregte Universitätsangestellte wuselten durcheinander. O'Reilly's scharfer Blick erfasste jedes Detail, während er sich einen Überblick verschaffte.
"Johnson, sorgen Sie dafür, dass alle Unbefugten den Bereich verlassen", bellte er dem jungen Constable zu. "Ich will nur essentielles Personal hier haben. Und bringen Sie mir den leitenden Beamten."
Während Johnson davoneilte, um die Anweisungen auszuführen, wandte sich O'Reilly an die versammelten Polizisten. Seine Autorität war sofort spürbar, als er sprach: "Hören Sie zu, Leute. Ab jetzt übernehme ich die Leitung. Ich erwarte präzise Arbeit und absolute Diskretion. Wir haben es hier mit einer hochsensiblen Situation zu tun. Jeder Fehler könnte fatale Folgen haben."
Die Beamten nickten ernst, einige wirkten sichtlich eingeschüchtert von O'Reillys rauer Art. Er ignorierte die nervösen Blicke und wandte sich dem Tatort zu, als ein älterer Sergeant auf ihn zukam.
"Ah, Detective", grüßte Sergeant Donovan seinen alten Bekannten mit einem knappen Nicken. "Wie immer bin ich Ihnen einen Schritt voraus. War als Erster am Tatort."
O'Reilly musterte den Mann kurz. "Bericht, Sergeant. Was haben wir?"
Donovan führte O'Reilly ein Stück vom Trubel weg und senkte die Stimme. "Das Opfer ist Professorin Emilia Hartmann, 52 Jahre alt, Lehrstuhl für Molekulare Genetik und Genmanipulation. Gefunden wurde sie von dem Nachtwächter während seiner Routinerunde gegen 2:30 Uhr. Todesursache scheint ein stumpfer Schlag gegen den Hinterkopf zu sein, aber das muss die Gerichtsmedizin bestätigen. Der Tatort wirkt chaotisch, möglicherweise gab es einen Kampf."
O'Reilly nickte grimmig. "Zeugen? Verdächtige?"
"Bisher niemand, Sir. Das Gebäude hätte um diese Zeit leer sein sollen. Wir überprüfen gerade die Zugangsprotokolle und Überwachungsaufnahmen."
"Gut. Sorgen Sie dafür, dass jeder, der in den letzten 24 Stunden das Gebäude betreten oder verlassen hat, identifiziert und befragt wird. Ich will wissen, wer hier ein- und ausgeht wie in seinem Wohnzimmer."
Als Donovan sich entfernte, um die Anweisungen umzusetzen, wandte sich O'Reilly dem Fenster zu. Der Campus lag im diffusen Licht der Straßenlaternen, die hohen Gebäude warfen lange Schatten. Trotz der frühen Morgenstunde herrschte bereits hektische Aktivität. Studenten und Dozenten, geweckt vom Blaulicht und den Sirenen, sammelten sich in kleinen Gruppen, tuschelten aufgeregt und starrten zum Tatort hinauf.
O'Reilly beobachtete die Szene mit einer Mischung aus...
| Erscheint lt. Verlag | 8.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Akademischer Thriller, Mystery • Kriminalroman, Psychothriller • Krimi, Thriller • Spannungsroman, Polizeithriller • Universitätsroman, Wissenschaftsthriller |
| ISBN-10 | 3-7583-3684-8 / 3758336848 |
| ISBN-13 | 978-3-7583-3684-3 / 9783758336843 |
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