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Die Rache des Henkers (eBook)

Ein Tagebuch aus dem Bauernkrieg: Zwischen Aufstand, Glauben und Gewissen
eBook Download: EPUB
2025
376 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7296-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Die Rache des Henkers - Christoph Wegele
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(CHF 9,75)
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Ein einfacher Bauernsohn im Strudel der Reformation - Mut, Verrat und ein ungewöhnliches Bündnis. Grafschaft Waldburg, 1525. Der junge Ignaz Donnerfels hat nichts im Sinn als ein einfaches Leben - bis ihn ein Zufall an den falschen Tisch führt und in den Bauernkrieg hineinreißt. Mit jedem Schritt verliert er ein Stück Unschuld und gewinnt doch an Stärke. Zwischen den Fronten des Glaubens und der Macht gerät Ignaz in die Nähe des legendären Truchsessen Georg von Waldburg, dem legendären Bauernjörg. Aus dem Bauernsohn Ignaz wird ein Kämpfer, ein Zeuge blutiger Geschichte und ein Mensch, der Loyalität neu für sich definieren muss. Ein Roman voller Ehre, Leidenschaft und Schicksal, über Freundschaft, die in den Stürmen der Zeit besteht, und über den Preis der Menschlichkeit in Zeiten des Krieges.

Christoph Wegele wurde 1980 in Ravensburg geboren. Geschichte faszinierte ihn schon immer und so führte ihn sein beruflicher Weg auf die Waldburg. Seit 2009 ist er hier in verschiedenen Funktionen im Einsatz. Georg II!. von Waldburg, der "Bauernjörg" polarisiert bis heute, deshalb hat sich Christoph intensiv mit ihm beschäftigt. Ihm war schon immer klar, sollte er jemals ein Buch schrieben, wird der Bauernjörg darin eine große Rolle spielen. Schließlich war schnell klar, dass hinter ihm mehr steckt als gemeinhin geglaubt wird. Im Rahmen der Museumsarbeit werden auf der Waldburg auch Theaterführungen angeboten. So entwarf Christoph die Figur des Ignaz Donnerfels, des Henkers, als Figur für gruselige Führungen an Abendveranstaltungen. In Christophs erstem Roman "Die Rache des Henkers" treffen nun diese fiktive Figur und der historische Georg III. von Waldburg aufeinenader.

Kapitel II Der Trossknecht


Ich erwachte mit brummendem Schädel. Der Boden neben mir war rot gefärbt. Im ersten Moment fürchtete ich, dass mir einer den Schädel eingeschlagen hatte. Meine Nase gab aber bald Entwarnung. Es war der Wein von gestern. Offensichtlich war auch dieser meiner Gesellschaft überdrüssig geworden.

Die Erinnerungen kamen zurück. Zumindest die vom Anfang des Abends. Als ich mich stöhnend aufsetzte, blickte ich langsam um mich. Jede Kopfdrehung verursachte nie gekannte Schmerzen im Kopf.

„Ah, er lebt noch!“ Ich erkannte Meister Frantz an seiner Stimme, konnte aber noch nicht so weit sehen, wie er weg saß. Fast fünf Meter. Zu meinem Erstaunen waren wir in einem Wald. „Wie, wo, wer…“, stammelte ich vor mich hin. Frantz erklärte mir, dass er mich und meinen Rausch mit sich genommen hatte. Ihm war es zwar nicht gestattet, in der Stadt zu übernachten, aber dafür durfte er in der freien Natur nächtigen, ohne Repressalien zu fürchten. Vielerorts wurden nämlich Menschen, die außerhalb der Stadt in der Natur schliefen, als Räuber abgeurteilt, denn jeder rechtschaffene Mensch hätte ja in einer Schenke nächtigen können. Nur die Henker natürlich nicht.

Meister Frantz reichte mir einen wohlriechenden Kräutersud und etwas Brot. Vorsichtig nahm ich beides zu mir und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass sich mein Allgemeinzustand besserte. So langsam wurde mir wieder bewusst, was letzte Nacht passiert war: Konrad hatte mich verstoßen. Konnte das wirklich sein? Sonst war er doch weder altmodisch noch übermäßig bigott. Aber der Umgang mit einem Henker schien dann doch zu viel für ihn gewesen zu sein.

Meister Frantz bot mir an, diesen Tag noch mit mir zu verbringen. Er hatte vor, zügig in Richtung der großen Städte im Fränkischen zu ziehen, in der Hoffnung, dort eine feste Anstellung zu finden. Große Hoffnung machte er sich besonders in Nürnberg.

„Auf einen Tag wird es dann aber doch nicht ankommen“, meinte er, „zumal ich ja selten die Möglichkeit habe, mich ausführlich mit jemandem zu unterhalten.“ Und so erzählten wir uns gegenseitig unsere Geschichten und ich erfuhr viel über das Alltagsleben der Scharfrichter, wie er sich selbst nannte. Henker sei wohl die eher abfällige Bezeichnung seines Berufsstandes. Zu meiner Belustigung erwähnte er auch, dass er mit dem Gedanken spielte, seine Geschichte einst aufzuschreiben. Ein absurder Gedanke, fand ich insgeheim. Wozu das und wer sollte das lesen? Aber da er das „Henkersleben“ als eher einsam beschrieb, würde er dafür ja genug Zeit haben. Als ich erwähnte, dass ich lesen und schreiben konnte, entgegnete er mit einem Lächeln, dass ich damit bereits eine entscheidende Fähigkeit beherrschte, die nötig wäre, um Scharfrichter werden. Jetzt sollte man nur noch mit Messer und Beilen umgehen können, um sich damit die handwerklichen Fähigkeiten aneignen zu können. Ebenfalls lächelnd winkte ich ab. Für mich kam das natürlich nicht in Frage. Meine Zukunft lag schließlich im Wirtshaus. Den kleinen Vorfall würde ich mit Konrad schon klären können.

Proviant hatten wir genug und so blieben wir noch den ganzen Tag und übernachteten nochmals an der gleichen Stelle. Am nächsten Morgen bedankte ich mich herzlich bei Meister Frantz, und wir verabschiedeten uns wie alte Freunde. Dann ging jeder seines Weges.

Einen halben Tag später erreichte ich Sieberatsreute. Als ich durch den Ort ging, bemerkte ich nach einer Weile, dass mich hier und da jemand seltsam ansah. Manche gingen mir geradezu aus dem Weg. Auch meine Grüße wurden nicht erwidert, obwohl wir uns hier doch alle gegenseitig kannten. Schließlich bog ich an der einzigen Kreuzung ab und nahm den letzten kurzen Stich in Richtung „Weißes Ross“. Die Wirtschaft war wie ausgestorben. Niemand reagierte auf mein Klopfen oder meine Rufe. In der Hoffnung, im Stall jemanden zu finden, lief ich hinters Haus. Mir wurde zunehmend flauer im Magen. Am Gartenzaun fiel mir ein kleines Bündel auf. Darauf lagen mein kleines Beil und ein Stück Papier, beschriftet mit „Ignaz“. Zögernd faltete ich das Papier auf. Sofort erkannte ich die Handschrift von einem der Mönche. Er hatte den Brief in Konrads Namen geschrieben, und der ließ keinen Zweifel daran, dass ich hier unmöglich bleiben konnte. Er fand aber sehr freundliche Worte, bedauerte das alles sehr und wünschte mir alles Gute. Das Bündel beinhaltete meine gesamte Habe: Leibwäsche und meinen Mantel. Außerdem einen Beutel mit den paar Münzen, die ich über die Zeit zusammengespart hatte.

Mit Tränen in den Augen erkannte ich, dass Konrad diese Entscheidung sehr schwer gefallen sein musste und er es wohl nicht ertragen konnte, mich zu sehen. Im selben Moment wurde mir klar, was das bedeutete. Ich würde auch Mechthild nicht mehr sehen können, und diese Erkenntnis fügte mir einen stechenden Schmerz in der Magengegend zu. Mir wurde schlecht. Und noch schlechter wurde mir bei dem Gedanken, dass ein anderer Mann ihr Bett und ihr Herz erobern würde. Meinen Traum würde nun ein anderer leben.

Alles, was mir geblieben war, lag vor mir, eingewickelt in eine alte Wolldecke. Neben meiner Habe fand ich außerdem einen Laib Brot und ein schönes Stück des leckeren Schinkens. Unter dem Bündel kam auch noch eine Lederflasche mit Bier zum Vorschein. Somit war ich zumindest für eine Reise gerüstet. Wo auch immer die jetzt hinführen sollte.

Ziellos lief ich zunächst weiter bis in das Waldstück oberhalb der Wirtschaft. Nach Hause zu Vater und Bruder wollte ich nicht. Aus der Reaktion der Sieberatsreuter war zu schließen, dass meine Begegnung mit Meister Frantz auch hier bekannt war. Was Konrad für sein Wirtshaus befürchtete, galt für den elterlichen Hof genauso. Ich würde ihnen mit meiner Anwesenheit nur schaden, also ging ich besser nicht dorthin.

Oben auf der Hügelkette im Wald stand ein Bildstöckchen zu Ehren des Heiligen Sebastian. Auf der einfach gezimmerten Bank davor nahm ich Platz. Der Märtyrer war an einen Pfahl gefesselt und mit unzähligen Pfeilen durchbohrt worden. Er galt als Linderer aller Schmerzen. Auch wenn ich körperlich unversehrt war, fühlte ich mich seinem Martyrium sehr nah. Alles war mir genommen, nur weil ich mich an den falschen Tisch gesetzt hatte. Ein Tisch, an dem ich einen guten, ehrlichen und rechtschaffenen Menschen kennengelernt hatte. Einen Henker!

Auch wenn der Glaube meiner Mitmenschen der Grund für meine Misere war, stiftete mir der Heilige auf dem Bildnis ein wenig Trost. Ich kam innerlich zur Ruhe. Da aber Trauer noch nie jemanden nach vorne gebracht hat, brauchte ich nun einen neuen Plan, wie ich mein Leben bestreiten wollte. Ich hatte ein paar Münzen, für ungefähr zwei Tage zu essen, Kleidung auch für schlechtes Wetter, außerdem die übliche persönliche Ausrüstung und mein kleines Beil. Unbewusst hatte ich dieses plötzlich in die Hand genommen und stellte dabei fest, dass es wohl immer an meiner Seite sein würde. Meine Franziska! Freilich hatte ich sie bei dem schicksalshaften Ausflug nach Ravensburg nicht dabei, aber jetzt hatte ich ja auch keinen Ort mehr, um es aufzubewahren. Ein Stück des Lederriemens, mit dem das Bündel geschnürt war, nutzte ich, um mir eine Halterung für mein kleines Beil an meinem Gürtel zu machen. Wo auch immer meine Reise hinführen würde, eine gewisse Wehrhaftigkeit wäre sicher nicht verkehrt. Außer meinem Messer und meinem kleinen Beil hatte ich nichts, was mir als Waffe dienen konnte, und so positionierte ich beides griffbereit am Gürtel.

Erst jetzt fiel mir auf, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Brot, Rauchfleisch und Bier waren ja grundsätzlich ein gutes Vesper und ich ließ es mir schmecken. Nebenbei schweiften die Gedanken um meine Zukunft. Freilich konnte ich lesen und schreiben, aber Bildung machte keine Berufspraxis, und wichtige Dinge wurden nur in der Praxis erlernt. Am besten würde es also sein, mich in eine Stadt zu mogeln und dort in einer Schenke oder Schlachterei Anstellung zu finden. Das wäre zwar ein bescheidener Anfang, aber es wäre einer.

Den Weg nach Ravensburg kannte ich zwar, aber diese Stadt bot mir keine Zukunft mehr. Weder als „Trinkgefährte eines Henkers“ noch als Waldburger Leibeigener. Beides sollte lieber mein Geheimnis bleiben. Deshalb entschied ich mich für die andere Richtung: Wangen, ebenfalls eine freie Reichsstadt und somit voller Möglichkeiten. Sicherheitshalber entschied ich mich dazu, nicht den direkten Weg zu nehmen. Außerdem zog ich meinen Mantel über, obwohl es gar nicht so kalt war. So sah ich aus wie ein Pilgerreisender und schaffte es tatsächlich durch Waldburg, ohne erkannt oder angesprochen zu werden.

Da ich mich auf dem Weg nach Wangen ja nicht auskannte, musste ich mich an die Hauptstraße halten. Um kein Risiko einzugehen, beschloss ich, kein Wirtshaus oder Ähnliches aufzusuchen, um ja nicht als flüchtiger Leibeigener erkannt zu werden. Und so nahm ich um die Mittagszeit unter einem Baum Platz. Zu spät bemerkte ich, dass sich auf der Straße zwei Reiter...

Erscheint lt. Verlag 7.1.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Schlagworte 16. Jahrhundert • Aufstieg aus Armut • Bauernaufstand historische Erzählung • Bauernjörg • Bauernjörg Georg von Waldburg Roman • Bauernkrieg • Deutsche Geschichte Reformation Belletristik • Epischer Roman Bauernsohn Krieg • Freundschaft in dunklen Zeiten • Heldenroman Bauernkrieg Deutschland • Henker • Historische Fiktion Georg von Waldburg • Historische Kriegsromane deutsch 16. Jahrhundert • Historischer Roman Bauernkrieg Deutschland • Historischer Roman über Freundschaft im Krieg • Kriegsabenteuer Literatur • Krieg und Kameradschaft historischer Abenteuerroman • Landsknecht • Landsknecht Abenteuerroman Renaissance • Schicksal Bauernsohn Landsknecht Bauernkrieg
ISBN-10 3-7693-7296-4 / 3769372964
ISBN-13 978-3-7693-7296-0 / 9783769372960
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