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Dürfen wir diesen Kuss wagen, Mylord? (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3156-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dürfen wir diesen Kuss wagen, Mylord? - Lara Temple
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Mit gesellschaftlichen Vergnügungen hat die junge Witwe Lily Walsh abgeschlossen, seit ihr Mann im Krieg gegen Napoleon sein Leben lassen musste. Doch nun hat sich ihre jüngere Schwester mit dem begehrten Junggesellen Lord Marcus Sherbourne verlobt! Lily muss sie auf Bälle begleiten, muss ihre Vertraute in allen femininen Angelegenheiten sein - und zerbricht fast daran! Denn entgegen jeder Vernunft bringt der charmante, attraktive Marcus ihr Herz zum Rasen. Dass seine Blicke ihr verraten, wie sehr er ihre sehnsüchtigen Gefühle erwidert, macht die Situation nur noch verzweifelter ...

2. KAPITEL


London

Offenbar wollte London sie fernhalten.

Lily hielt ihren ramponierten Regenschirm in den Wind und bog in die Brook Street ein. Donner grollte, Fahrzeuge fuhren in schnellem Tempo an ihr vorbei und bespritzten sie mit Schlamm und Schlimmerem. Sie hätte sich eine Droschke nehmen sollen, aber aus Sturheit hatte sie es nicht getan. Und jetzt würde sie bei ihrer Ankunft aussehen wie eine ertrunkene Ratte. Wenn sie überhaupt ankam. Ihre Stiefel waren durchweicht, und ihr Koffer hing schwer an ihrem Arm. Sie hatte viel zu viel eingepackt, wie sie nun merkte. Verglichen mit der Kleidung der Frauen, die sie in der Poststation gesehen hatte, waren ihre Kleider vor mindestens zehn Jahren aus der Mode gekommen.

Sie blieb vor einem schmalen Haus aus dunklen Ziegelsteinen stehen. Nummer dreiundzwanzig. Es sah ebenso respektabel aus wie die Häuser links und rechts daneben, mit einem Erkerfenster und zwei Etagen darüber. Alle Fenster hatten schwere Vorhänge. Irgendwie war sie davon ausgegangen, dass ihre Mutter etwas Größeres gemietet hätte.

Für einen Moment blieb Lily mit klopfendem Herzen stehen.

„Passen Sie doch auf, Miss.“

Ein Mann mit einem Schubkarren voller Fässer versuchte auf dem engen Trottoir an ihr vorbei zu kommen, und sie eilte die Stufen hinauf zur Tür. Nun gab es kein Zurück mehr.

Eine Magd mit sommersprossigem Gesicht, eingerahmt von einer Leinenhaube, starrte Lily an. „Miss Lily!“

„Hallo, Ailish.“ Lily lächelte Annies Magd an. Seit Lily sie zuletzt vor zwei Jahren in Kent gesehen hatte, war aus dem Mädchen eine junge Frau geworden. Ailish schaute sie von oben bis unten an.

„Sie sind ja völlig durchnässt, Miss Lily! Oh je, oh je, Sie holen sich noch den Tod. Kommen Sie mit in den hinteren Salon. Dort brennt ein Feuer, und wir kriegen Sie schnell wieder trocken. Sie lassen am besten alles hier stehen, und ich sage Henry Footman, er soll sich darum kümmern.“

Lily stellte seufzend ihren ramponierten Handkoffer ab und folgte dem kleinen Wirbelwind durch den schmalen Korridor. Von innen war das Haus ebenso wenig beeindruckend wie von außen, aber vermutlich sahen alle Häuser, die nur für eine Saison vermietet wurden, so aus. Jedenfalls für jemanden mit dem schmalen Geldbeutel ihrer Eltern, egal was für Ansprüche ihre Mutter hatte.

„Ist meine Schwester daheim?“

„Aber natürlich, Miss. Es ist noch nicht zehn Uhr. Sie sind alle noch im Bett. Gestern waren sie auf dem Ball bei Lady Cratthook und sind erst nach Mitternacht heimgekommen. Mr. Devenish und Mr. Piers sind keine Freunde von langen Nächten.“

„Ich erinnere mich, dass Annie auch nicht gern lange ausgeht“, sagte Lily und kämpfte sich aus ihrem durchnässten Mantel.

„Nun, manchmal muss es wohl sein“, erwiderte Ailish philosophisch.

„Lily.“

Beim Klang der vertrauten Stimme drehte sich Lily um, und ihr leerer Magen verkrampfte sich. Ihre Mutter hatte eine schöne Stimme, tief und klangvoll. Lily hatte viele Jahre gebraucht, um zu verstehen, was sie daran störte. Das, was ihr bei ihrer Mutter fehlte – die Wärme.

„Hallo, Mama.“

Mrs. Devenish gab Ailish ein Zeichen, und die Magd eilte mit Lilys Gepäck hinaus.

„Hast du meinen Brief nicht erhalten, Lily?“

Lily konzentrierte sich darauf, die nassen verwirrten Bänder ihrer Haube zu öffnen, aber eine Locke ihrer rötlichbraunen Haare hatte sich darin verfangen, und sie konnte den Knoten nicht lösen.

„Nein, Mama. Ich habe seit dem letzten August keinen Brief mehr von dir erhalten.“

„Meine Güte. Wie bedauerlich. Wir haben nicht erwartet …“

„Ich habe euch vor einer Woche einen Brief gesendet, in dem ich mein Kommen ankündigte. Ich weiß, dass du ihn bekommen hast, weil Annie erwähnte, dass du ihn gelesen hast. In dem Brief, in dem sie meine Ankunft bestätigte.“

„Nun ja, aber mehr auch nicht, weißt du. Bei all den Vorbereitungen auf die Hochzeit sind wir ziemlich durcheinander. Momentan ist wirklich kein guter Zeitpunkt für einen Besuch. Wir werden keine Zeit haben, uns mit dir zu beschäftigen.“

„Das braucht ihr auch nicht, Mama. Ich bin gekommen, weil Annie …“ Endlich gelang es Lily, den Knoten zu öffnen und atmete tief durch. Aber besser, sie schob es nicht Annie in die Schuhe. „…, weil Annie heiraten wird und ich noch Zeit mit ihr verbringen möchte, bevor sie mit ihrem neuen Gatten fortgeht.“

Mrs. Devenish ging zum Tisch und nestelte an dem Strauß aus pinken und malvenfarbenen Blumen.

„Trotzdem …“

Was auch immer ihre Mutter noch gegen ihren Besuch vorbringen wollte, blieb ungesagt, weil die Tür aufsprang, Annie hereinstürmte und sich Lily in die Arme warf.

„Oh Lily, wie wundervoll, dass du hier bist. Ich habe dich so vermisst!“

„Anne. Etwas mehr Zurückhaltung, bitte.“

Annie zog sich bei der Ermahnung ihrer Mutter sofort zurück, aber sie führte Lily an der Hand zum Feuer.

„Deine Handschuhe sind ganz nass! Zieh sie aus und wärme dich. War die Kutsche sehr schlimm? Als wir auf dem Ball waren, dachte ich, dass du gewiss zwischen lauter nach Zwiebeln und Knoblauch stinkenden Leuten sitzen müsstest, während ich tanzte und Champagner schlürfte. Nun ja, eigentlich war es Limonade, aber trotzdem fühlte ich mich plötzlich schuldbewusst. Bitte sage mir, dass es nicht so schlimm war.“

Lily lachte und log, während sie ihre Handschuhe abstreifte.

„Es war überhaupt nicht schrecklich. Die meiste Zeit habe ich geschlafen.“

Annie lächelte und schüttelte den Kopf.

„Ich wette, so war es nicht. Du bist gewiss erschöpft. Ailish bringt dein Zimmer in Ordnung und macht dir einen Kakao, dann kannst du schlafen. Und wenn es das Wetter erlaubt, machst du heute Nachmittag mit mir und Lord Sherbourne eine Runde durch den Park. Ich möchte, dass du ihn sofort kennenlernst.“

Mrs. Davenish hatte sie mit einem Blick beobachtet, den beide nur zu gut kannten und zu ignorieren gelernt hatten. Doch nun mischte sie sich ein.

„Ich glaube nicht, dass Lord Sherbourne zwei Passagiere in seinem Wagen mitnehmen möchte, meine liebe Anne. Die modernen Sportfahrzeuge sind nicht dafür gebaut, größeres Gewicht zu transportieren.“

Annie drückte Lilys Hand.

„Nein, Mama. Warum gehen wir beide nicht nach oben, damit du dich umziehen kannst, Lily?“

Lily folgte ihr die Treppe hinauf. Sie war dankbar, dem finsteren Blick ihrer Mutter zu entrinnen. Sie hatte nicht erwartet, freundlich von ihr begrüßt zu werden, und schon lange gestand sie ihrer Mutter nicht mehr die Macht zu, sie zu verletzen. Doch diese missmutige Feindseligkeit zermürbte sie und warf sie in Gedanken zurück in unglücklichere Zeiten.

Die Bemerkung ihrer Mutter über ihr Gewicht hatte – ebenso wie sie selbst – bei Lily an Bedeutung verloren. Die Jahre, in denen Lily hinter den Kriegstrommeln herziehen und Pennies zählen musste, hatten bewirkt, was die Beleidigungen ihrer Mutter nicht zuwege gebracht hatten. Sie würde nie so gertenschlank sein wie Annie, die Piers in Aussehen und Figur sehr ähnelte. Doch die Jahre in der Gesellschaft von Soldaten hatten sie gelehrt, dass viele Männer eine ganz andere Meinung über diese Dinge hatten als ihre Mutter. Viele fanden anscheinend Gefallen an ihren üppigen Hüften und Brüsten und hatten keine Hemmungen, es Tim mitzuteilen. Anfangs hatte sie befürchtet, er würde sich über diese Kommentare ärgern, aber ihm gefiel es offenbar durchaus, wenn man ihr Aussehen lobte.

Das Gästezimmer neben Annes Zimmer war klein aber nett, und aus dem nassen Fensterchen sah Lily die Wipfel dunkelgrüner Bäume. Es regnete nicht mehr, und als sie mit dem Ärmel die kondensierte Feuchtigkeit von der Scheibe gewischt hatte, sah sie die Sonne langsam durch die Lücken zwischen den Wolken kriechen, und es öffnete sich ein Stück blauer Himmel.

Lily lächelte. Sie war erschöpft, innerlich und äußerlich tat ihr alles weh – aber die Sonne kam zum Vorschein, und sie war glücklich, Annie zu sehen.

„Ich bin so froh, dass ich gekommen bin, Annie. Du hast mir schrecklich gefehlt.“

Annie umarmte sie und begann von hinten Lilys Kleid aufzumachen, so wie Lily es bei ihr gemacht hatte, als sie Kinder waren.

„Es ist mir egal, was Mama sagt, Lily. Marcus … Lord Sherbourne … gibt nichts auf den äußeren Schein und sein dummes Fahrzeug. So ist er ganz und gar nicht, und manchmal ärgert sich Mama darüber, obwohl sie es hinter diesem gewissen Lachen verbirgt. Du weißt schon, dem voller Luft. Ich kann es kaum erwarten zu hören, wie du ihn findest.“

„Ich werde ihn gewiss mögen, wenn du es tust, Liebes.“

„Ich hoffe es. Er kann sehr charmant sein, aber manchmal … Wie auch immer, Piers hält ihn für einen Prachtkerl. Sie reden schon mal auf Latein oder Griechisch oder so. Du weißt, wie manche Leute den armen Piers missachten, weil er nicht höflich über Politik reden kann. Dann verkriecht er sich in irgendeine Ecke. Aber Marcus holt ihn persönlich da heraus. Es war das Erste, was mir an ihm auffiel, als wir uns letztes Jahr begegneten.“

Kluger Mann, dachte Lily. Er musste bemerkt haben, dass er bei Annie mit Komplimenten...

Erscheint lt. Verlag 4.2.2025
Reihe/Serie Historical
Übersetzer Renate Körting
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
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ISBN-10 3-7515-3156-4 / 3751531564
ISBN-13 978-3-7515-3156-6 / 9783751531566
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