Der unvergessliche Viscount Bromley (eBook)
144 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3687-5 (ISBN)
Über sechs Jahre war Nicholas, Viscount Bromley, verschwunden. Keine Nacht ist vergangen, in der Lady Eleanor nicht sehnsüchtig an ihn gedacht, sich um ihn gesorgt hat! Jetzt ist er wieder in London, und Eleanor will Antworten. Warum schaut er sie an, als hätte es niemals die brennende Leidenschaft zwischen ihnen gegeben?
Romane von Georgette Heyer prägten Sophias Lesegewohnheiten. Als Teenager lag sie schmökernd in der Sonne auf der Veranda ihrer Großmutter mit Ausblick auf die stürmische Küste. Ihre Karriere als Autorin nahm jedoch in Bilbao, Spanien, ihren Anfang. Nachdem ihr drei Weißheitszähne gezogen wurden, lag sie aufgrund starker Schmerzmittel tagelang flach. Die Zeit vertrieb sie sich mit einem Stoß Mills & Boons-Romane. Unter dem Einfluss der Medikamente dachte sie, so etwas kann ich auch schreiben. Nach mehreren Romanen, die in der Reihe Harlequin Historical erschienen sind, ist sie der Meinung, endlich ihren Traumberuf gefunden zu haben. Aber genauso wie das Schreiben genießt sie die Besichtigung von europäischen Kunstschätzen mit ihrem Ehemann, einem Maler. Ihre drei fast erwachsenen Kinder, zahlreiche Haustiere und Hausrenovierungen, die nie vollständig abgeschlossen sind, verschaffen ihr den nötigen Ausgleich zu ihrer Autorentätigkeit.
PROLOG
James River, Virginia 1818
Er war am Ende seiner Kräfte und schon seit geraumer Zeit völlig durchgefroren.
Mit jedem Atemzug spürte er in sich den Zorn, der noch größer war als die Schmerzen und die Angst und gut zu dem wütenden Brausen des Flusses passte.
Er wusste, dass er einmal anders gewesen war, und diese unbestimmte Gewissheit, für die er selbst keine Gründe nennen konnte, verursachte ihm einen unbeschreiblichen Schmerz.
Innerlich fluchend ließ er den Körper in das eisige Wasser gleiten und schloss angesichts der stechenden Kälte die Augen. Mit der linken Hand, die noch nicht gänzlich gefühlstaub war, hielt er sich am Schilf fest und versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Der Mann, der ihn aus dem Hinterhalt angegriffen hatte, lauerte noch irgendwo in der Nähe mit seinem Messer. Er spürte dessen Gegenwart, auch wenn in der Dunkelheit kaum etwas zu erkennen war. Außer seinem Verstand hatte er keine Waffe, um sich gegen den anderen zu verteidigen. War er in seinem Leben jemals in Sicherheit gewesen? Er konnte sich nicht mehr entsinnen.
„Nicholas Bartlett! Geben Sie auf! Mir entkommen Sie nicht!“ Die kehlige Stimme des Unbekannten kam ganz aus der Nähe.
Er drehte den Kopf in Richtung der Stimme. Der Name, den der Mann gerufen hatte, kam ihm vertraut vor, und mit einem Mal ergab alles einen schrecklichen Sinn.
Vergeblich wehrte er sich gegen den plötzlichen Ansturm der Erinnerungen. Jede Bedrohung mündete in die nächste. Immer neue Bilder und Worte füllten die Leere seines Lebens und verankerten ihn wieder in einer Wahrheit, die ihm so lange verschlossen geblieben war.
Sein Verfolger, der sich im Schilf vor ihm bewegte, stieß Drohungen aus und hob eine stählerne Klinge, die kurz im trüben Licht des Sichelmondes aufschimmerte.
„Vitium et Virtus!“
War das ein Gebet oder eine Prophezeiung? Eine Vorhersage für Künftiges oder eine Beschreibung des Vergangenen?
„Nein.“ Seine Stimme klang entschieden, als er wutentbrannt aus dem Wasser schoss, um sich seinem Schicksal zu stellen. Er spürte kaum, als das Messer des Gegners sein Gesicht traf. Der Wille zu überleben machte ihn furchtlos, und als er den Hals des Angreifers zu fassen bekam, bemerkte er plötzlich eine Kraft in sich, die jeden Zweifel beseitigte. Wenn er überleben wollte, gab es keine andere Möglichkeit. Er hörte, wie ein Knochen brach, und sah im Mondlicht das entsetzte Erstaunen in den hervortretenden Augäpfeln seines Gegners. Der heiße Atem des Fremden, den er noch eben auf dem rechten Unterarm gespürt hatte, erlosch, und der letzte Widerstand des Mannes versiegte. Leben verwandelte sich erschreckend rasch in Tod. Es war nur noch ein plätscherndes Geräusch zu vernehmen, als der Körper schlaff in das Wasser fiel und von den schwarzen Fluten des James River erfasst wurde.
Nass bis auf die Knochen setzte er sich in das feuchte Gras am Ufer und ließ den Kopf mit den schmerzenden Schläfen zwischen die Knie sinken.
Vitium et Virtus.
Nicholas Bartlett.
Er erkannte die Bedeutung der Worte, wusste plötzlich wieder, wer er war.
Nicholas Henry Stewart Bartlett. Viscount Bromley. Ein Wappen mit einem Drachen auf der rechten Seite und einem Pferd auf der linken – beide in Gold.
Ein Landsitz in Essex. Stammsitz der Familie.
Oliver. Fred. Jake.
Der Club: das Vitium et Virtus.
„Zum Teufel!“ Erinnerungen fluteten sein Gehirn, da auf einmal alle Dämme gebrochen waren: Augenblicke der Ehre, der Scham und des Exzesses nach so vielen Jahren, in denen er als ein Niemand im Nichts vegetiert hatte.
Tränen stiegen ihm in die Augen. Es fühlte sich an, als ob die Tränen aus Blut wären, während ihm bewusst wurde, was er mit dem Vergessen alles verloren hatte und welche Existenz er nun führte.
Der junge und zügellose Londoner Lord, dem die Welt zu Füßen lag, war durch den geschundenen Mann ausgetauscht worden, der er durch jahrelange Entbehrungen geworden war und der nur durch Willenskraft und Ausdauer überlebt hatte.
„Nicholas Bartlett. Nick.“
Er ließ sich den Namen auf der Zunge zergehen und murmelte ihn leise in die Nacht, um ihn wirklich zu erfassen. Die Vokale hatten die Färbung des amerikanischen Kontinents angenommen, nur dass ihm erst jetzt auffiel, wie weit er sich von den englischen Wurzeln und der Sprechweise der feinen Gesellschaft in London entfernt hatte. Als er seinen Namen wieder und wieder aussprach, hörte es sich wie ein seltsames Klagelied an.
Sosehr er sich auch bemühte, die Lücken zu füllen, das Letzte, woran er sich in England erinnern konnte, war eine Begegnung mit seinem Onkel in Bromworth Manor in Essex. Wie so oft hatte er sich mit ihm heftig gestritten. Danach lag alles im Dunklen. Er konnte sich nicht daran erinnern, nach London zurückgekehrt, geschweige denn an Bord eines Schiffes nach Amerika gegangen zu sein. Schmerzen und Wasser waren das Einzige, dessen er sich entsann. Weshalb hatte er sein Gedächtnis verloren, und wie war er auf ein Schiff nach Übersee gelangt? Hatte man ihn – einen herumirrenden Menschen ohne Erinnerung – schanghait?
Er wusste, dass er auf keinen Fall freiwillig nach Amerika aufgebrochen war, auch wenn er wegen seiner wachsenden Spielschulden in immer größere Schwierigkeiten geraten war. Damals hatte er sich nicht gescheut, in den übelsten Spielhöllen Londons zu verkehren, wo Betrug an der Tagesordnung war. Er hatte Drohungen erhalten, falls er nicht zahlte, hatte seinen Kopf aber immer irgendwie retten können. Seine Freunde waren für ihn da gewesen und hatten ihm wiederholt geholfen, einem Teil der Forderungen nachzukommen. Außerdem war der Club in Mayfair für ihn wie ein Zuhause gewesen. Das Vitium et Virtus hatte ihm die Familie ersetzt. Jacob Huntingdon, Frederick Challenger und Oliver Gregory, mit denen er gemeinsam den Club gegründet hatte, liebte er wie die Brüder, die er nie gehabt hatte.
Mit zitternden Fingern berührte er die große schmerzende Wunde auf der rechten Wange, die vom Auge bis zum Mundwinkel verlief, und aus der unaufhörlich klebriges Blut hervorsickerte.
Das rechte Auge fühlte sich seltsam an. Es war eine so dunkle Nacht, dass er sich fragte, ob er auf diesem Auge erblindet war. Ein letztes Geschenk seines Verfolgers, der nun tot im Fluss schwamm? Er schloss das andere Auge und war erleichtert, im fahlen Mondlicht verschwommene Umrisse zu erkennen.
Nick holte tief Luft. Noch fühlte er sich nicht dazu imstande, den Rückweg auf dem Uferpfad anzutreten, der von Pappeln gesäumt war, die schwärzer als die Nacht in den Himmel ragten. Er wollte nicht, dass jemand ihn in diesem Zustand sah, und musste sichergehen, dass nicht noch weitere Männer unterwegs waren, die ihm nach dem Leben trachteten. Eine Weile blieb er wie erstarrt sitzen. Eine grenzenlose Erschöpfung hatte seinen nassen und blutenden Körper erfasst, und Trauer befiel ihn, weil durch seine Hände ein anderer Mensch das Leben verloren hatte. Er hatte nie zuvor jemanden getötet, und obgleich er es nur getan hatte, um sein eigenes Leben zu retten, ergriff ein lähmendes Schuldgefühl von ihm Besitz.
Wie konnte er je wieder Teil der Gesellschaft sein? Wie konnte er nach dem, was eben geschehen war, wieder ein Leben als Lord führen? Hatte sein Angreifer eine Familie? Wer hatte ihn beauftragt? In Amerika hatten schon zwei andere Männer versucht, Nick zu töten. Es musste einen Feind geben, der sie bezahlt hatte, einen Auftraggeber, der die ganze Zeit im Verborgenen blieb und die Fäden zog.
Nick hatte viele verschiedene Namen benutzt, seit er sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern befand und weder wusste, wer er war, noch wie er in diese fatale Lage hatte geraten können. Beziehungen zu Menschen zu entwickeln, hatte er schon bald vermieden. Letztendlich brachte er die Leute, die er mochte, nur in Gefahr.
Emily. Die junge Tochter des freundlichen Reverends und seiner Frau, die ihn bei sich aufgenommen hatten, war von einer Klippe gestoßen worden. Das Mädchen hatte nur überlebt, weil es sich am Gestrüpp festgehalten hatte. Nach diesem Vorfall hatte er verstanden, dass er sich von allen anständigen Menschen fernhalten musste.
Er hatte sich von Ort zu Ort begeben und die verschiedensten Arbeiten angenommen. Es war ein elendes Leben, ein Getriebensein ohne Ziel und ohne Lichtblicke.
Peter Kingston. So nannte er sich hier in dem Städtchen Richmond, der Hauptstadt von Virginia. Er konnte von heute auf morgen verschwinden. Den schweigsamen Mann mit den vernarbten Händen, der in der Taverne von Shockoe Bottom arbeitete und nie lächelte, würde niemand vermissen. Ein Fremder. Ein Einzelgänger. Ein Außenseiter. Und jetzt auch noch ein Mörder. Bis heute Abend war er nichts als ein Schatten gewesen, der durch Amerika wanderte und dabei kaum eine Spur hinterließ. Das hatte sich nun geändert, nachdem er einem Mann das Genick gebrochen hatte.
Er wischte sich mit dem ausgefransten Ärmel seines Gehrocks über den Mund, zuckte vor Schmerz zusammen und stand auf. Er musste zurück in seine Unterkunft, trockene Kleidung anziehen und sich um die Wunde kümmern. Dann würde er seine wenigen Habseligkeiten einpacken und sich auf den Weg zum Hafen machen. Er musste ein Schiff finden, das ihn...
| Erscheint lt. Verlag | 20.2.2025 |
|---|---|
| Übersetzer | Mira Bongard |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | 2024 • 2025 • Adel • amnesie-romanze • Aristokratie • Autor • Belletristik • beste • Britische • Buch • bücher für frauen • Chance • Cora • cora bücher • cora liebesromane • cora neuerscheinungen • cora romane • Cora Verlag • cora verlag kindle • Deutsch • eBook • ebook liebesroman • Ehefrau • Erfolgsautor • Fiktion • Frauen • Frauenliteratur • Frauenroman • Freundin • für • Geheimnis • Gemütlich • Geschichte • Geschichten • herzerwärmend • Historische • Historischer • Leidenschaft • Liebe • Liebende • Liebesgeschichte • Liebesroman • London • Mädchen • Mama • Mutter • Muttertag • Regency-Romanze • Roman • romantisch • Romantische Bücher • Romanze • SIE • Top • Top-Titel • verlorene • viktorianische • Viscount • wiedervereinte • Zweite |
| ISBN-10 | 3-7515-3687-6 / 3751536876 |
| ISBN-13 | 978-3-7515-3687-5 / 9783751536875 |
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