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Der Ritter und die blinde Lady (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
256 Seiten
CORA Verlag
978-3-7515-3157-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Ritter und die blinde Lady - Melissa Oliver
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London im Mittelalter: Mit jedem Tag kommt für Joan Lovent die ewige Nacht näher. Bald schon wird die junge Lady völlig erblindet sein. Was nicht heißt, dass sie ihr Schicksal wehrlos akzeptiert! Tapfer kämpft sie gegen alle Einschränkungen. Doch als sie eines Tages aus einer bedrohlichen Lage von Sir Warin de Talmont, einem Freund ihres Bruders, gerettet wird, ist sie überzeugt: Er sieht in ihr nicht eine Frau, sondern nur ein hilfloses Geschöpf, dem Dunkel geweiht. Dass Warin in ihrem Herzen ein helles Licht der Liebe und der Leidenschaft entzündet, muss ihr Geheimnis bleiben. Es sei denn, sie kann ihn von ihrem Mut überzeugen ...

1. KAPITEL


Westcheap, London, Herbst 1226

Sir Warin de Talmont zog sich die Kapuze über den Kopf und ließ den Mann nicht aus den Augen, dem er durch das enge Labyrinth der Londoner Gassen bis zur belebten Marktstraße von Westcheap gefolgt war. Er entdeckte Nicholas d’Amberly – ein weiteres Mitglied der erlesenen Gruppe kampferprobter Männer, die sich „Ritter der Tapferkeit des Schwertordens“ nannte. Pro Rex. Pro Deus. Pro fide. Pro honoris.

Ihr Motto erinnerte treffend daran, dass ihnen, im Gegensatz zu vielen anderen Geheimorden dieser Tage, König und Vaterland heilig waren, und sie sich deren Schutz auf die Fahnen geschrieben hatten. Unermüdlich waren sie in diesen unruhigen Zeiten damit beschäftigt, Verschwörungen gegen die englische Krone aufzudecken.

Nicholas ging an ihm vorbei und nickte leicht. Ebenso unauffällig erwiderte Warin den Gruß. Er setzte seine Verfolgung fort, bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmenge und vorbei an den zahllosen Ständen, an denen die Händler von Westcheap ihre Waren anpriesen.

Warin erblickte Savaric Fitz Leonard, der an der nahegelegene Ludgate Wache hielt. Auch er gehörte zu dem kleinen Kreis der Schwertordensritter. Minutiös hatten Warin und seine beiden Mitstreiter die Verfolgung des Verdächtigen geplant. Nun hofften sie, den Mann zu fassen und ihm die Namen der Drahtzieher zu entlocken.

Nach wochenlanger Ungewissheit über das Ausmaß des Komplotts und die Bedrohung für die Krone war es ihnen gelungen, diese eine Spur ausfindig zu machen. Möglicherweise lieferte sie endlich die nötigen Hinweise, wer die Verräter waren, die sich Dracones nannten und deren Erkennungszeichen ein doppelköpfiger Drache war.

Warin folgte dem Mann, der sich zielstrebig durch das Getümmel zwischen den Marktständen schlängelte. Auf der einen Straßenseite waren vor allem Händler, die Seiden-, Leinen- und Barchentstoffe sowie Silberschmuck verkauften, während auf der anderen Seite Lederwaren feilgeboten wurden und Schuhmacher weiches Korduanleder zusammennähten und an fußähnlichen Holzstümpfen in Form brachten.

Der Geruch von Leder vermischte sich mit dem süßlichen Dunst von Milch und Butterfässern aus der nahen Milk Street und dem Gestank von Vieh, das in der angrenzenden Cattle Street verkauft wurde. Zu guter Letzt verliehen Fahnen aus Ale und Schweiß der Luft eine unverwechselbare Schärfe. Doch genau das war es, was Warin an London liebte – das geschäftige Treiben vieler fleißiger Menschen in einer großen Stadt. Und er wollte alles in seiner Macht Stehende tun, damit diese Stadt sicher war und niemand die Macht der Krone infrage stellte.

Der Verdächtige, dem er folgte, blieb plötzlich stehen und sprach mit einem Schuster am letzten Stand der Straße. Der Handwerker nickte, zog einen Beutel aus dem Ärmel seines Umhangs und ließ ihn auf die ausgestreckte Handfläche des Mannes fallen. Der steckte den Beutel ein und setzte seinen Weg durch die Menge fort, nun mit etwas mehr Eile als zuvor. Warin folgte ihm in die enge Bread Street, in der Brot, Gebäck und gefüllte Teigtaschen verkauft wurden.

Warin beschleunigte seine Schritte. Er war froh, dass er dank seiner Körpergröße die Übersicht behielt, sodass er den Verdächtigen nicht aus den Augen verlor. Doch just in dem Moment, da der Mann in Höhe der Honey Lane durch einen hölzernen Torbogen in eine schmale Seitengasse bog, hörte Warin einen durchdringenden Schrei und drehte sich um. Eine kleine Menschenmenge scharte sich um eine junge Frau, die zu Boden gefallen war und auf Händen und Knien im Dreck herumtastete. Warin erkannte sie sofort. Es war Joan Lovent – die jüngere Schwester von Thomas Lovent, dem Großmeister des Schwertordens.

Verdammt!

Warin fluchte leise und überlegte einen kurzen Moment lang, ob er die Verfolgung fortsetzen oder der Frau zu Hilfe eilen sollte.

Er wusste, was auf dem Spiel stand, wenn er den Mann entkommen ließ, doch ihm blieb keine andere Wahl. Er eilte zu der Gestürzten und schob die Umstehenden beiseite. Warum um alles in der Welt war sie hier, in diesem geschäftigen Teil der Stadt, und offenbar ohne jede Begleitung?

Vor ein paar Tagen hatte ihr Bruder London im Auftrag der Krone verlassen. Bevor Thomas Lovent aufgebrochen war, hatte er Warin gebeten, auf seine eigenwillige Schwester achtzugeben. Warin hatte allerdings gedacht, damit wären lediglich ein paar Höflichkeitsbesuche in Toms Haus gemeint gewesen, zu denen er noch keine Zeit gefunden hatte. Niemals hatte er sich eine Situation wie diese vorgestellt – Joan Lovent unbeaufsichtigt und schutzlos auf dem schmutzigen Pflaster einer Londoner Straße. Er stieß einen gereizten Seufzer aus und ging vor ihr in die Hocke.

„Seid Ihr verletzt, Mistress Joan? Was ist geschehen?“

Die junge Frau hob den Kopf und blinzelte.

„Sir Warin de Talmont?“

Sie zog die erdbeerblonden Brauen zusammen und rieb sich geistesabwesend über die Stirn, wobei sie dort einen Streifen Schmutz hinterließ, den Warin ihr am liebsten aus dem Gesicht gewischt hätte.

„Ihr seid hier?“

„Ja, und ich bin froh, Euch zu Diensten zu sein. Erlaubt mir, Euch aufzuhelfen, Mistress.“ Warin richtete sich wieder auf, ergriff ihre rechte Hand und zog sie auf die Beine.

Bei der Berührung ihrer Hand schoss eine plötzliche Wärme durch seine Adern, die seine Gereiztheit noch steigerte. Er ließ sie los und sah, dass sich die neugierige Menschenmenge zerstreute.

„Habt Ihr Euch verletzt?“, erkundigte er sich erneut.

„Nein, es geht mir ausgezeichnet, Sir. Vielen Dank.“ Sie strich sich mit den Händen über die verdreckte Schürze, die sie ab der Taille über dem Kleid trug.

„Gut. Dann kommen wir zu der entscheidenden Frage, warum Ihr hier seid, Mistress. Würdet Ihr mir das bitte erklären?“

Sie lachte leise. „Ah, Ihr glaubt, ich sei Euch eine Erklärung schuldig?“

„Ja, in der Tat.“ Er seufzte. „Für eine Jungfer wie Euch ist es gefährlich, sich in diesem Teil von London aufzuhalten.“

„Eine Jungfer wie mich?“ Joan straffte die Schultern und hob das Kinn. „Was wollt Ihr denn damit sagen?“, fragte sie empört.

Er stöhnte leise, weil er die Frau beleidigt hatte.

Joan Lovent war eine außergewöhnliche Schönheit mit ihren zarten Zügen, ihrem cremefarbenen Teint und dem langen rotblonden Haar, das sie hochgesteckt unter einem Leinenkopftuch verbarg. Dass lockige Strähnen ihrer Haarpracht unter dem Tuch hervorlugten, machte ihren Anblick noch bezaubernder. Tragischerweise litt sie an einem unheilbaren Augenleiden und würde eines Tages vollständig erblinden. Bei Joan Lovent fühlte sich Warin hin- und hergerissen zwischen seinem Mitgefühl für ihre Situation und seiner Verärgerung über ihre Widerborstigkeit.

Das erste Mal war er ihr im Sommer vor zwei Jahren begegnet, als Tom ihm die Aufgabe übertragen hatte, seine Schwester sicher an einen bestimmten Ort zu geleiten. Schon damals hatte sie Warin Kopfzerbrechen bereitet. Seitdem hatte er sie nur wenige Mal gesehen und kaum mit ihr gesprochen. Dennoch löste Joan Lovent noch immer dieselben Empfindungen bei ihm aus. Sie war nicht nur ein Ärgernis, sondern auch so scharfsinnig, dass es ihm Unbehagen bereitete. Es kam ihm vor, als ob sie bis in seine zerrüttete Seele blicken könnte. Deshalb versuchte er, der Frau so gut es ging aus dem Weg zu gehen.

Er hob ihren dünnen Stock auf und reichte ihn ihr. „Es war nicht böse gemeint, Mistress, aber eine Dame Eures Standes sollte keinen Ausflug in diesen Teil der Stadt unternehmen. Hier seid Ihr nicht sicher.“ Er beugte sich vor und fügte flüsternd hinzu: „Insbesondere, wenn man bedenkt, wer Euer Bruder ist.“

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Ich danke Euch für Eure Hilfe, Sir Warin – auch wenn mein Ausflug hierher Euch wahrhaftig nichts angeht.“

Er langte nach einem winzigen Zweig, der an ihrem Kopftuch hängen geblieben war, und ließ ihn zu Boden fallen. „Da bin ich anderer Meinung, Joan. Ich bin Euch zu Hilfe gekommen, weil Ihr einen Ritter brauchtet.“

„Das glaubt Ihr also?“

„Natürlich.“ Er nickte. „Ihr habt geschrien – und ich eilte zu Euch.“

„Sehr zuvorkommend von Euch, Sir.“ Sie wandte sich zum Gehen. „Ihr seid wirklich eine große Hilfe für uns törichte Jungfern, die in den falschen Teilen der Stadt umherschlendern. Jetzt muss ich mich allerdings verabschieden. Entgegen Eurer Annahme bin ich nicht allein hierhergekommen, und mein Page wird gleich mit den Besorgungen, die ich ihm aufgetragen habe, in die Honey Lane kommen. Ich wünsche Euch noch einen guten Tag, Sir Warin, und danke Euch vielmals.“

Diese Worte sprach sie in einem beschwingten Singsang, der nicht zu der Gekränktheit zu passen schien, die sie noch vor wenigen Augenblicken zur Schau getragen hatte.

Er streckte die rechte Hand aus und hielt Joan am Ellbogen fest. „Nicht so eilig, Mistress. Ihr habt mir noch immer nicht den Grund verraten, warum Ihr hier seid, geschweige denn, weshalb ich euch auf dem Boden vorgefunden habe.“

Sie lachte leise. „Ich wüsste nicht, dass ich Euch zur Rechenschaft verpflichtet bin, Sir.“

„Natürlich nicht, doch solange Euer Bruder nicht in London ist, fühle ich mich für Eure Sicherheit verantwortlich.“

...

Erscheint lt. Verlag 18.2.2025
Reihe/Serie Historical
Übersetzer Mira Bongard
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
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ISBN-10 3-7515-3157-2 / 3751531572
ISBN-13 978-3-7515-3157-3 / 9783751531573
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