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Ein Bulle auf Sylt -  Steffi Kugler

Ein Bulle auf Sylt (eBook)

Ihr Kinderlein kommet
eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
282 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-7146-8 (ISBN)
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3,99 inkl. MwSt
(CHF 3,90)
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Adventszeit auf Sylt - stimmungsvolle Weihnachtsmärkte, traditionelles Gebäck, leckerer Glühwein - besser kann man dem Weihnachtsfest nicht entgegenfiebern. So denkt auch Kriminalhauptkommissar Brunner, zumal er diese Zeit frisch verliebt mit Frieda Söncksen, der einzigen Hebamme von Sylt, verbringen möchte. Ausgerechnet eine Reihe von Babyentführungen reißt ihn aus seiner romantischen Stimmung. Als auch Brunners gerade mal fünf Wochen alte Nichte Freya und seine Angebetete Frieda verschwinden, wird die Jagd nach den skrupellosen Tätern für den Kriminalpolizisten zu etwas sehr Persönlichem. 'Ein Bulle auf Sylt' ist der zweite Krimi der Sylt-Romane von Steffi Kugler, die von lokalen Originalen, wahren Ereignissen und existierenden Orten der Insel inspiriert werden.

Im Rheinland aufgewachsen, verbringt Steffi Kugler seit vielen Jahren einen Großteil ihrer Zeit auf Sylt. Dort lässt sie sich von den Menschen, Orten und kleinen Skandalen der Insel immer wieder zu neuen Themen für ihre Bücher inspirieren. Die Sylt-Romane von Steffi Kugler sind ihre zweite Reihe von Kriminalromanen, die auf Sylt spielen. Im Buchhandel erhältlich sind bereits zwei Sylt-Romane; beide sind 2024 erschienen. Einige der aus ihrer ersten Krimireihe, den RA-Krimis, bereits bekannten Sylter Originale werden erneut eingeführt, um lokale Verbrechen aufzuklären und Schlimmeres für die Insel und ihre Bewohner zu verhindern. Die sieben Bände der RA-Krimi-Reihe mit dem Ermittlerteam aus der Redaktion der Rheinischen Allgemeinen sind die ersten veröffentlichten Romane von Steffi Kugler. Ihre enge Verbundenheit zu Sylt und einigen ihrer Einwohner führt die Kölner Journalisten regelmäßig auf die Insel und damit unmittelbar in die Reichweite der dortigen Bösewichte. Mit jedem aufzuklärenden Verbrechen erfährt der Leser etwas mehr über die ermittelnden Journalisten und ebenso über die Insel Sylt. Alle Kriminalromane von Steffi Kugler sind unabhängig und ohne Kenntnis der vorangegangenen Bücher zu lesen. Website: https://www.steffikugler.de

FREITAG, 17. NOVEMBER 2023


Jubiläumsfeier in der Polizeidirektion Flensburg


Zusammen mit sechs weiteren Jubilaren saß Kriminalhauptkommissar Michael Brunner in der ersten Reihe des Festsaals des ‚Flensburger Hofs‘, nur wenige Meter vom Rednerpult entfernt. Jeder der Ehrengäste der Veranstaltung war gebeten worden, eine Begleitung aus seinem privaten Umfeld mitzubringen. Unverheiratet, momentan nicht liiert und ohne eigene Kinder hatte Brunner sich für seine Schwester Ella entschieden, die nun aufrecht neben ihm saß und konzentriert den ersten Worten der Lobrede auf ihn lauschte.

Den ganzen Tag lang hatte er gehofft, durch ein unerwartetes Ereignis um den Termin herumzukommen. Aber nichts war passiert; weder ein Verbrechen noch ein medizinischer Notfall hatten seine Anwesenheit auf Sylt erforderlich gemacht. Am frühen Nachmittag hatte er sich schließlich in den Zug gesetzt und war gut zwei Stunden später von Ella am Flensburger Bahnhof abgeholt worden. Und jetzt saßen sie nebeneinander hier.

Angespannt strich Brunner immer wieder mit den Händen über seine Oberschenkel. Das Gefühl des rauen Anzugstoffs unter den Handinnenflächen beruhigte ihn ein wenig. Bereits bevor der für ihn ausgewählte Gratulant das Wort ergriffen hatte, war Brunner die Aussicht unangenehm gewesen, für kurze Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Nur etwa 1,70 m groß und deutlich übergewichtig, mit störrischem braunem Haar und Dreitagebart wirkte der Kriminalhauptkommissar auf viele Menschen, denen er das erste Mal begegnete, wie ein gemütlicher, in sich ruhender Teddybär. Aber sein Äußeres täuschte; wer ihn für körperlich behäbig und deshalb geistig harmlos hielt, unterschätzte ihn erheblich. Brunners Verstand war schnell und scharf. In der Einschätzung seines Gegenübers irrte er sich selten. Ihn nicht ernst zu nehmen, war der größte Fehler, den Verbrecher begehen konnten.

Genau diesen Fehler machte der Erste Polizeihauptkommissar Peter Streeb regelmäßig. Streeb war Brunners direkter Vorgesetzter und der Mann, mit dem er während des letzten Jahres die meisten Kämpfe auszufechten hatte.

Als genau dieser sich erhoben hatte, um freundliche Worte über seinen Mitarbeiter zu finden, war es um Brunners Selbstbeherrschung geschehen gewesen. Hätte ihm in genau diesem Moment nicht seine Schwester zur Beruhigung ihre linke Hand auf seine Rechte gelegt, wäre er aufgesprungen und aus dem Saal gelaufen. So aber war er sitzengeblieben. Streebs Auftritt hatte ohne Störung begonnen:

„Lieber Kollege Brunner,

es ist mir eine außerordentliche Ehre und Freude, dir heute zu deinem fünfundzwanzigjährigen Dienstjubiläum zu gratulieren. Du bist nicht nur ein bemerkenswerter Kriminalist mit einer Aufklärungsquote, die ihresgleichen sucht, du hast dich auch als ein stets hilfsbereiter Kollege bewiesen, dessen fünfundzwanzigjährige Hingabe und Einsatzbereitschaft nichts anderes als ein Vorbild für uns alle sein kann.

Liebe Anwesende,

was soll ich euch noch über unseren geschätzten Kollegen

…“

Streebs Formulierung über die fünfundzwanzigjährige Hingabe und Einsatzbereitschaft schien nicht nur Brunner, sondern auch seine Schwester zu irritieren.

„Nichts anderes als ein Vorbild sein kann?“, fragte Ella flüsternd und hielt seine Hand noch etwas fester. „Will dein Chef sich tatsächlich mit dieser lauwarmen Formulierung bei dir bedanken? Sind ihm keine passenderen Worte eingefallen, um deutlich zu machen, dass für dich die Arbeit bei der Kriminalpolizei kein Beruf, sondern eine Berufung ist?“

Brunner blieb stumm. Auch wenn es ihm schwerfiel, er musste die Rede irgendwie aussitzen. Am besten hörte er gar nicht richtig zu, was Streeb über ihn sagte.

„…

Seit zehn Jahren lebt und arbeitet unser geschätzter Kollege Brunner nun bereits auf Sylt. Dort, so habe ich es selbst recherchiert, ist er nicht irgendein ‚Bulle‘, sondern das unbestechliche, aber gleichzeitig stets verständnisvolle Gesicht der Kriminalpolizei. Seine Leidenschaft für die Sicherheit auf der Insel und sein unermüdlicher Einsatz auf diesen knapp 100 Quadratkilometern Sand haben ihn dort zu einem wahren Helden gemacht. Auf einem Eiland, das nicht nur mit den Extremen der Natur konfrontiert wird, sondern auch mit den Extremen der Gesellschaft, verlässt man sich auf Brunners Integrität, seine Empathie und vor allem auf sein unerschütterliches Wirken für das Wohl aller Menschen. …“

Direkt nach der hoffentlich bald endenden Rede seines Vorgesetzten würden Ella und er sich verabschieden, verabschieden müssen, zu seinem Bedauern. Während Brunner sich die Umsetzung dieses Vorhabens bildlich vorstellte, schaffte er es, die Worte Peter Streebs fast vollständig auszublenden. Die Wahl seiner Begleitung war nicht zufällig auf seine Schwester gefallen; ihr Zustand hatte dabei eine wichtige Rolle gespielt. Deutlich sichtbar war sie hochschwanger und bot ihm damit die perfekte Ausrede, die Veranstaltung in genau dem Moment zu verlassen, den er für den richtigen hielt.

„Seine Worte klingen, als hätte er dich auf einen bedeutungslosen Außenposten verklappt, an dem du nichts falsch machen kannst“, flüsterte Ella empört weiter. „Fast wie: Er ist stets bemüht, agiert entsprechend seinen Möglichkeiten und verträgt sogar das raue Klima der Nordsee.“

Brunner schwieg weiter. Wenn er nicht reagierte, würde Ella vielleicht die Lust daran verlieren, Streebs Rede zu analysieren.

In Gedanken versetzte sich Brunner in sein Büro in Westerland. Als Leiter der Kriminalpolizei war er der höchstrangige Polizeibeamte der Insel. Seiner Insel, wie er empfand. Jedes Verbrechen, das auf Sylt verübt wurde, ging ihn persönlich etwas an. Ganz besonders hatte das im allmählich endenden Jahr für die Verbrechen im Umfeld seines Freundes Heinrich Nissen gegolten. Im Umfeld von Heinrich und Ella, einer Verbindung, die Brunner nie hatte sehen wollen und immer noch missbilligte.

„…

Möge dieses Jubiläum nicht nur als eine Feier zu Ehren von Brunners Vergangenheit gesehen werden, sondern ebenso als eine Anerkennung für die Fortsetzung seiner beeindruckenden Arbeit in der Zukunft.

Wenn wir gleich unsere Gläser auf die anwesenden Jubilare erheben, dann lautet mein Trinkspruch für Brunner: ‚Auf die nächsten fünfundzwanzig Jahre und auf einen Mann, der nicht nur Verbrechen bekämpft, sondern die Flamme der Gerechtigkeit in unseren Herzen lodern lässt.‘

Herzlichen Glückwunsch, lieber Michael.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem bemerkenswerten Meilenstein!“

Brunner atmete auf. Endlich war sein Vorgesetzter mit seiner lieblosen Rede zu einem Ende gekommen.

Das Publikum klatschte.

Peter Streeb faltete seine Notizen sorgfältig zusammen und schob sie in die Innentasche seines Jacketts. Dann griff er zu der an das Rednerpult gelehnten Urkunde, die in einem einfachen Aluminiumrahmen steckte, hob den davor liegenden Blumenstrauß hoch und ging auf den Hauptkommissar zu. Die Hand, die er erst Ella, dann seinem gefeierten Mitarbeiter reichte, war warm und trocken. Im Gegensatz zu einem Großteil seiner Zuhörer schien Streeb seinen Auftritt genossen zu haben.

Undeutlich ein paar Dankesworte nuschelnd, nahm Brunner Urkunde und Blumen entgegen. Mit hochrotem Kopf setzte er sich wieder neben Ella, die leise stöhnte.

„Warte noch einen Moment“, bat Brunner. „Das Schlimmste haben wir nun hinter uns. Der Nächste auf der Liste der Jubilare ist ein Kollege, den ich wirklich schätze. Gemeinsam haben wir unsere ersten Jahre bei der Polizei verbracht, deshalb möchte ich bei seiner Ehrung noch dabei sein.“

„Ich kann nicht mehr warten“, kam es leise, aber unmissverständlich von seiner Schwester. „Vielleicht hat mich die Rede deines Chefs doch zu sehr aufgeregt.“

„Du meinst …?“ Brunner sah sie alarmiert an. „Es geht los? Jetzt?“

„Nicht jetzt sofort. Aber ich glaube, mein Baby könnte es eiliger haben, hier wegzukommen, als du.“

„Es geht los“, rief Brunner laut aus und sprang auf. „Es geht los.“

Der Sitznachbar auf Ellas anderer Seite, ein stattlicher Mann in Festtagsuniform, schien sofort verstanden zu haben, worum es ging. Noch während Brunner hilflos durch den Saal rief, sprang auch er auf und streckte Ella seinen Arm hin, um ihr hochzuhelfen.

„Wir brauchen ein Taxi“, sagte sie kurzatmig zu ihm.

„Nicht besser einen Krankenwagen?“ Ihr uniformierter Sitznachbar musterte sie kritisch.

Ella schüttelte den Kopf. „Ein Taxi reicht aus, da bin ich mir sicher. Nur mein eigenes Auto sollte ich im Moment wohl lieber stehenlassen.“

Wieder einmal verfluchte Brunner seine Entscheidung, nie wieder selbst ein Auto zu lenken. Aber jetzt eine Ausnahme davon zu machen und Ella und das ungeborene Kind womöglich in Gefahr zu bringen, war keine...

Erscheint lt. Verlag 9.12.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror
ISBN-10 3-7693-7146-1 / 3769371461
ISBN-13 978-3-7693-7146-8 / 9783769371468
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