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Das Amulett der Ketzerin -  Arno Mieth

Das Amulett der Ketzerin (eBook)

Der Untergang des Klosters Rotaha

(Autor)

eBook Download: EPUB
2024 | 1. Auflage
296 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-8055-2 (ISBN)
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Das Amulett der Ketzerin Tief unter der Oberfläche im Kirchgarten des Rodgaudoms St. Nazarius in Rödermark/Ober-Roden werden die Ruinen des untergegangenen Klosters Rotaha vermutet.... Bauarbeiter finden beim Verlegen von Drainagen im Untergrund des Kirchgartens ein Skelett. In dessen Brustkorb ist ein Amulett verborgen, mit kryptischen Texten auf den Oberflächen.... Die Hessische Landesarchäologin untersucht das Amulett in ihrem Büro.... Sie erhält Besuch eines mysteriösen Fremden, der schließlich das Amulett raubt und dabei die Landesarchäologin schwer verletzt.... Eine internationale kriminelle Vereinigung der Gegenwart und ein Nachkomme eines Tempelritter-Ordens ringen um den Fund in Rödermark/Ober-Roden, zuletzt in der kleinen Ortschaft Cattolica Eraclea, in den Bergen Südsiziliens.... Warum ist der Fund so wertvoll? Wer steckt hinter der kriminellen Vereinigung? Welche mysteriöse Verbindung besteht zwischen Amulett, Tempelrittern, Urchristentum und dem Untergang des Klosters Rotaha

Arno Mieth wurde 1955 in Ober-Roden/Hessen geboren und lebt mit seiner Frau Sabine in Rödermark. Nach dem Abitur 1974 und seiner Zeit als Wehrpflichtiger studierte Arno Mieth Maschinenbau an der TU Darmstadt. Von 1982 bis 2016 arbeitete er in einem großen, internationalen Elektrokonzern, zunächst in der Nukleartechnik und ab 1989 als Gesamtprojektleiter im konventionellen Kraftwerkbau. Mit dem Roman "Das Amulett der Ketzerin" bewegt er sich auf historischen und geheimnisvollen Pfaden in Rödermark/Ober-Roden und in der Ortschaft Cattolica Eraclea, in den Bergen Südsiziliens.

6. Dom- und Diözesanarchiv des Bistums Mainz

Dr. Tom Beckmann war Frühaufsteher. Gemäß seiner Devise: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ bog er schon gegen 6 Uhr in den Hof des Diözesanarchivs ein. Er fühlte sich privilegiert, da er in der autounfreundlichen Stadt Mainz einen Parkplatz am Arbeitsplatz hatte.

Es war ein regnerischer, kalter Morgen und Tom beeilte sich, das Gebäude zu betreten. Dynamisch nahm er die paar Stufen zu seinem Büro im ersten Stock. Sein erster Gang war ein Besuch der kleinen Teeküche, wie an jedem Morgen. Nach wenigen, schnellen Tastendrücken auf der Bedienkonsole der Kaffeemaschine und einem kurzen Hochheizen des Wassers, konnte sich Tom den ersten Kaffee des Tages zubereiten. Mit dem aromatisch duftenden Getränk schlenderte er in sein Büro, startete seinen PC und kurze Zeit später das E-Mail-Programm. Sofort stach ihm Elos E-Mail ins Auge.

E-Mail von Elo. Stallmeister@googlemail.com:

Betr.: Grabungen im Kirchhof von St. Nazarius, Rödermark

Tom überflog schnell den Inhalt und machte sich Notizen.

Sie gibt nicht auf. Immer noch auf der Suche nach diesem Rotaha. Wenn das mal nur nicht ein frommer Wunsch der Rödermärker Kommunalpolitiker ist, um Rödermark bekannter zu machen! Nun ja, ich will sie mal nicht enttäuschen und gehe runter in die Katakomben.

Tom sichtete aber vorher die restlichen E-Mails. Sportvereine wie DJK Münster und DJK Ober-Roden baten um Termine für das Einlagern ihrer Vereinsdokumentationen. Katholische Frauenverbände wollten sich ein paar schöne Stunden in Mainz gönnen und vorher kurz das Diözesanarchiv kennenlernen, eine Führung inklusive. Nach Meinung eines Historikers belanglose bis langweilige Anfragen, die manchmal auch die Tagesroutine störten.

Okay, das hat jetzt wirklich nicht oberste Priorität. Elo, du hast Glück. Ich kümmere mich mal gleich um deine Bitte. Aber zuerst schaue ich mal, ob das elektronische Archiv etwas gespeichert hat.

Mit ein paar Klicks öffnete Tom das elektronische Archiv. Es war von seinen Vorgängern in 12 Bestände gegliedert worden:

  • Urkunden
  • Ältere Kästen
  • Pfarrakten
  • Generalakten
  • Domkapitel
  • Dotation
  • Pfarrarchive
  • Dekanatsarchive
  • Nachlässe
  • Kirchenbücher
  • Vereine, Organisationen, Einrichtungen
  • Sammlungen

Tom öffnete gezielt den Bestands-Ordner „Ältere Kästen“ mit dem Unterbestand

„Inhalt: Geistliche Verwaltung aus dem Erzbistum Mainz und dem Bistum Worms, Zeit: Mittelalter bis ca. 1800.“

Er überlegte und ordnete den Inhalt dem von Elo vorgeschlagenen Zeitfenster zu.

Na also, da könnte etwas verborgen sein. Das Bistum Mainz wurde ja im Frühmittelalter 782 noch unter Karl dem Großen gegründet, ging aus der frühchristlichen römischen Gemeinde Magontiacum um 368 hervor.

Schnell huschten Toms Finger über die Tastatur seines PCs und er fand die Dateien: „Klöster und Schenkungen“

Tom verließ sich auf sein Glück. Er gab drei Suchbefehle innerhalb dieser Dateien ein: „Rotaha“, „Rodaha“ und „Raodora“ Sofort erschienen Ergebnisse auf dem Bildschirm:

  • Dokumente Kloster Lorsch
  • Abschrift: Schenkungen ans Kloster Lorsch durch eine Äbtissin Aba
  • Verwaltung durch die Adligen von Eppstein
  • Erzbischof Siegfried von Eppstein

Okay, da gibt es also etwas! Tom notierte sich die Archivkoordinaten. Bevor er sich auf den Weg in die, wie er sich immer ausdrückte, „staubigen Katakomben des Mittelalters“ machte, schrieb er Elo eine E-Mail:

„Liebe Elo,

du hast Glück. Ich ziehe deine Anfrage vor. Glaube auch, aufschlussreiche Unterlagen zu finden. Schlage eine Videokonferenz für heute Nachmittag vor, um eventuelle erste Ergebnisse mitzuteilen. In diesem Sinne schlafe dich aus.

Bis nachher!

Tom“

*

Tom betrat die Klimaschleuse des Archivs, wie immer mit einem Anflug von Klaustrophobie. Vereinzelte Schweißperlen traten auf seine Stirn. Jedes Mal, wenn er alleine das Archiv aufgesucht hatte, hoffte er mit einem gewissen Bangen, dass sich die Eingangstür zum Archiv auch wirklich öffnen würde. Natürlich hatte die Schleuse einen Notöffnungsmechanismus, aber Tom traute auch diesem nicht. Die Schleuse war notwendig, damit in den Archivräumen Temperatur und Feuchtigkeit in definierten Bandbreiten gehalten werden konnten. Da sich die Mitarbeiter in der Regel nur kurz in diesen Räumen aufhielten, spielte der Behaglichkeitsbereich keine Rolle, was eine niedrige Luftwechselrate und Außenluftanteile möglich machten. Aktuell waren ein Raumklima von 17 Grad und 48% relative Feuchte eingestellt. Minimale temporäre Schwankungen konnten so noch toleriert werden.

Tom bog in den Gang, in dem die handschriftlichen Abschriften aus der Gründungszeit des Klosters Rotaha und später gelagert wurden. Vor Tom lag ein Regal mit mehreren Fächern, jedes 2 Meter x 0,50 Meter x 0,50 Meter mit Unterlagen, losen Blattsammlungen und starren, mit dicken Einbänden umschlossenen Büchern.

Tja, wie fange ich am besten an? Eine Nadel im Heuhaufen zu finden ist wahrscheinlich leichter. Was hat Elo vorgeschlagen? Hexen- und Ketzerverbrennungen. Mal schauen, ob es eine kirchenjuristische, gebundene Sammlung dieser Prozesse gibt.

Tom zog ein gebundenes Exemplar aus dem Regal. Auf dem Buchrücken standen nur zwei Wörter. „Katharos“ und direkt darunter „Katharoi“. Er wusste, dass der Begriff „Ketzer“ aus der mittelalterlichen christlichen Sekte der Katharer abgeleitet war und „Häretiker“ und „Ketzer“ ein und dasselbe bezeichneten. Er schlug das Buch auf und gleich auf der zweiten Seite wurde in geschwungenen Buchstaben in Mittelhochdeutsch zitiert:

„Wir verwerfen und verurteilen jede Häresie, die sich gegen den heiligen, rechten und katholischen Glauben erhebt. Wir verurteilen alle Häretiker, wie immer man sie bezeichnen mag. Die verurteilten Häretiker aber sollen den weltlichen Obrigkeiten zur gebührenden Bestrafung übergeben werden.“-Konzil der heiligen katholischen Kirche im Jahre des Herrn 1215-

Und Kaiser Friedrich folgte zu dieser Zeit dem Vatikan mit politischem Kalkül:

„Wir bestimmen daher, dass Ketzern, welchen Namens auch immer, wo sie innerhalb des Reiches von der Kirche verdammt und dem weltlichen Gericht überwiesen sind, mit der gebührenden Strafe belegt werden. Wenn aber welche von ihnen nach der Verhaftung aus Furcht vor dem Tod zur Einheit des Glaubens zurückkehren wollen, so sollen sie lebenslänglich in den Kerker geworfen werden.“-Kaiser Friedrich II 1194 – 1250 a. D.-

Tom blätterte vorsichtig in dem Buch, das schon einige Jahrhunderte alt sein musste. Er erkannte, dass die ersten Ketzerprozesse schon im 8. Jahrhundert begannen. Auf einer Akte blieb sein geschulter Blick hängen. Es war auch in Mittelhochdeutsch verfasst und Tom übersetzte es für sich simultan ins Hochdeutsche:

„Prozess der Ketzerei, im Jahr des Herrn 1232, gegen die Äbtissin Magdalena, des Klosters, das zu Ehren der heiligen Maria und der übrigen Heiligen im Maingau, im Gebiet der Gemarkung Roden, beim Niwenhof, über dem Flusse Raodora errichtet worden war.“

Tom packte die Neugier, nahm das Buch mit zu einem Stehpult und las weiter. Schon nach einigen Seiten war ihm klar, dass er dieses Buch zur weiteren Untersuchung in sein Büro mitnehmen musste.

*

In Toms Büro gab es einen separaten Arbeitsplatz, um solche alten Dokumente einer weiteren Untersuchung zu unterziehen. Im Gegensatz zu seinem Schreibtisch verstand es sich an diesem Platz von selbst, dass Kaffeetassen oder Aschenbecher absolut tabu waren. Tom zog seine

Archivhandschuhe an und schlug das alte Exponat wieder auf. Es wurde beschrieben, dass man eine Äbtissin namens

Magdalena zur „hochnotpeinlichen Befragung“ an Folterknechte übergab. Es wurde sogar ironischerweise erklärt, dass diese „Befragung“ heftiges körperliches und seelisches Unbehagen auslösen sollte, um zu einem Geständnis zu kommen. Fast entschuldigend wurde erläutert, dass vor der „Befragung“ kein Geständnis über die Lippen Magdalenas kam und auch die „Beweislage“ nicht eindeutig sei.

Magdalena war der Ketzerei beschuldigt, weil sie als Nonne offen ein Amulett trug, das fischähnlich aussah, die Schwanzflosse mit dem Fischleib durch ein kleines Kreuz verbunden. Es wurde allerdings betont, dass der Fisch nicht den Anklagepunkt der Ketzerei ausgelöst habe, da der Fisch an die ersten Apostel Jesu erinnerte, die Fischer waren. Außerdem war der skizzierte Fisch das geheime Erkennungszeichen und die Abkürzung des Glaubensbekenntnisses unter den Urchristen, abgeleitet aus dem griechischen I Ch Th Y S – der Fisch.

Glaubensbekenntnis:

Iesous-Jesus

Christos-der...

Erscheint lt. Verlag 22.11.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
ISBN-10 3-7693-8055-X / 376938055X
ISBN-13 978-3-7693-8055-2 / 9783769380552
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