Im Rausch des Ruhmes (eBook)
360 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3212-4 (ISBN)
Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher circa 100 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.
Kapitel 6
Tonino entspricht dem typischen Klischee für Südländer: er zeigt sich charmant, heiter, gelassen und von Zeit zu Zeit temperamentvoll.
Natürlich verwöhnt mich der attraktiv aussehende junge Mann in der Küche sofort mit seinen Spezialitäten: einem guten italienischen Kaffee und einem schmackhaft gewürzten Pasta Gericht.
„Ich kann verstehen, dass dich die beiden Ladys in ihre Küche geholt haben“, sage ich anerkennend. „Wenn ich die Augen schließe, glaube ich, in Italien zu sein. Allein der Duft dieser Küchenkräuter formiert sich zur italienischen Landesfahne.“
Eigentlich grinst er, aber wenn ein charmantes, schönes Gesicht grinst, wird diese Grimasse in ein Strahlen verwandelt. „Caesar hat bestimmt auch deine Urgroßmutter geküsst, Carissima. Ich werde dir ein Abonnement für meine Küche geben. Ich mag Menschen, die ein gutes Essen zu schätzen wissen und es auch genießen können.“
„Ich denke, da bist du hier im Schloss ganz richtig. Die beiden Diven werden zwar keine großen Portionen verschlingen, haben aber, vielleicht weil sie Künstlerinnen sind, einen guten Geschmack. Das sieht man überall hier im Schloss und in den Parks. Ich habe gehört, dass du schon lange hier bist. Hat sich denn hier rein äußerlich viel verändert?“
„Nein, die beiden Damen des Hauses haben da nichts verändert. Aber das liegt auch daran, dass ihnen früher der Graf Walter beim Einrichten ein Mitspracherecht eingeräumt hat. Er hat dieses Gebäude praktisch für sie renoviert und mit ihnen beseelt.“
„Schön, wie du das sagst“, finde ich. „Man merkt, dass auch du in deinem Beruf ein Künstler bist. Ich habe bis jetzt hier nur kultivierte Menschen kennen gelernt. Ist das auch so eine Vorliebe der beiden Damen?“
Tonino hebt die Augenbrauen. „Nein, ganz und gar nicht. Drüben in dem Pavillon wohnt eine Gruppe von Aussteigern. Ich nenne sie, die Puritaner, aber sie nennen sich die „Visionäre“, die die Welt von allem Schnickschnack befreien wollen.“
Ich sehe ihn entsetzt an. „Und was nennen sie Schnickschnack?“
„Wenn du mich fragst, so sind sie aus der Zeit übriggeblieben, als man die Romantik abschaffen wollte. Es soll nur alles praktisch und nützlich sein und seinen Zweck erfüllen.“
„Und warum wohnen sie dann in einem Pavillon im Barockstil?“
„Graf Walter hat ihnen damals gewissermaßen ein Stipendium geschenkt. Sie haben dort einen Raum, in dem mehrere Computer stehen, und dort entwickeln sie eine moderne Zukunft, die nur von Zweckmäßigkeit geprägt ist.“
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Und ich dachte, dieser Graf von Schönenhausen sei ein Freund der schönen Künste gewesen. Da hat er sich auch für das rein Zweckmäßige interessiert?“
Tonino nickt eifrig. „Ja, er behauptete, in der nüchternen Klarheit stecke auch eine besondere Schönheit. Die Theorie der drei Aussteiger hat ihn interessiert.“
„Und wer sind diese Drei?“
„Das sind unsere drei Dauer-Gäste Carola, Richard und Alastair, und sie sind ein halbes Jahr vor seinem Ableben hier eingezogen, auf seinen Wunsch hin natürlich.“
„Haben sie auch etwas geerbt?“ frage ich und sehe den Italiener gespannt an.
„Das sind nur Peanuts. Sie haben Wohnrecht auf Lebenszeit in ihrem Pavillon, dem umfunktionierten Lustschlösschen.“
„Wenn sie da ihren Visionen folgen, ist es doch immer noch ein Lustschlösschen“, finde ich. „Hat der Graf ihnen sonst noch etwas vermacht?“
„Er hat ihnen einen Fond hinterlassen, der aber von einem Treuhänder verwaltet wird. Sie müssen jedes Jahr ihre Berichte bei ihm abgeben und ihre Abrechnungen einreichen. Wenn alles genehmigt wird, bekommen sie jedes Jahr ganz ordentliches Spesen-Geld und auch ein paar Euro für ihre Forschungen.“
„Dann sind sie wahrscheinlich gut versorgt“, vermute ich. „Und wer ist dieser Treuhänder? Ein Wissenschaftler?“
Er lacht. „Nein, obwohl das ein logischer Schluss wäre. Bessy ist für all das verantwortlich.“
„Aber ist sie nicht so etwas wie ein Mädchen für alles und Köchin?“
„Ja, sie ist schon immer hier und hat ebenfalls ein Wohnrecht auf Lebenszeit. Ja, sie ist und sie war Mädchen für alles. Sie führt auch immer noch die Kasse über den gesamten Schlosshaushalt. Damit haben die beiden Diven gar nichts zu tun. Sie leben von den Einnahmen der großen Firmen, die Walter weltweit leitete.“
„Das ist eine merkwürdige Schlossgesellschaft“ finde ich. „Bestimmt Bessy denn auch, was gegessen wird?“
„Das läuft so ähnlich wie in allen großen Häusern, zum Beispiel auch im Krankenhaus. Sie erstellt einen großen Speiseplan mit Auswahlmöglichkeiten und man muss jede Woche seine Wünsche abgeben. Für die Extras sind dann Helene und ich zuständig, und in Zukunft gehörst du jetzt auch noch dazu und darfst Sonderwünsche erfüllen.“
„Bis jetzt war es noch nicht so arg“, teile ich ihm mit. „Die Sonderwünsche hielten sich in Grenzen. Und die drei im Pavillon, sitzen sie den ganzen Tag am Computer?“
„So ungefähr, aber sie machen auch Tests in dem kleinen Labor. Dich können sie mit Sicherheit auch gebrauchen, denn sie suchen ständig Personen für ihre Tests und Befragungen.“
Ich seufze. „Die Sache ist mir schon ein bisschen unheimlich. Eine Zukunft ohne ein bisschen Firlefanz kann ich mir gar nicht vorstellen. Und was ist jetzt mit Bessy? Wann lerne ich sie kennen?“
Eine tiefe Frauenstimme meldet sich. „Sofort, wenn du möchtest.“
Ich drehe mich um und sehe eine mollige kleine Frau, die ihre roten Locken mit einem Kamm zurückgesteckt hat und eine bunte Schürze trägt.
Überrascht schaue ich sie an und strecke ihr die Hand entgegen. „Hallo, Bessy! Oder muss ich hier im Schloss förmlicher werden?“
„Das musst du nicht“, antwortet sie prompt. „Auch wenn ich hier noch auf ganz altmodische Art und Weise eine Schürze trage. Walter hat sie mir einmal geschenkt, und deswegen halte ich sie in Ehren. Aber sonst geht hier bei uns alles locker zu, besonders unter uns Angestellten.“
Ich erinnere mich an Toninos Worte über das Wohnrecht dieser Frau und wundere mich. „Du bist hier auch angestellt? Ich dachte du gehörtest hier quasi schon mit zum Inventar.“
„Ja, aber das eine schließt das andere nicht aus. Walter hat ein sehr detailliertes Testament angefertigt, in dem mich jeder Schlossbesitzer weiter beschäftigen muss.“
Allerlei Gedanken springen in meinem Kopf herum. Warum macht ein Lebender solch ein Testament? Ob er etwas von seinem Tod geahnt hat? Es wird Zeit, dass ich etwas über seine Todesursache erfahre. Aber in diesem Moment scheint mir diese Frage unangebracht zu sein.
„Dann muss er dich sehr geschätzt haben“, bemerke ich. „Sicher hast du hier alles gut im Griff.“
„Alles nur Routine“, sagt sie knapp. „Wie ich sehe, hat dir schon Tonino ein paar Kostproben serviert. Hast du noch Wünsche?“
„Nein, danke! Ich bin zwar von den beiden Damen des Hauses für Sonderwünsche engagiert, aber ich kann dir doch sicherlich auch in der Küche etwas helfen?“
Sie mustert mich von oben bis unten. „Sofern das nicht mit den Wünschen der Damen kollidiert, kannst du gern ab und zu ein paar Handgriffe für mich erledigen. Aber denk nicht, dass ich dir dafür etwas bezahle! Du bist von Agneta und Sonja engagiert worden und wirst auch von den beiden für diese Dienste bezahlt.“
Vergeblich suche ich in ihrem Gesicht nach einem Lächeln. „Ich helfe gern“ antworte ich freundlich. „Bis jetzt fühle ich nämlich noch nicht ausgelastet. Hast du eigentlich mit den drei Bewohnern des Pavillons viel Arbeit? Vielleicht kann ich dir dabei helfen.“
„Sie sind meist Selbstversorger, denn sie essen alle nur wenig, oft auch dieses ungesunde Zeug. Manchmal melden sie sich für einen bestimmtes Essen an, wenn sie darauf Appetit haben. Sie halten sogar die Räume selbst sauber, obwohl sie es dabei nicht so genau nehmen. Meist nehmen sie sich einfach nicht die Zeit dazu.“
Tonino macht sich am Herd zu schaffen, und ich nutze die Gelegenheit, Bessys gesprächige Stunde weiter auszunutzen.
„Schade, dass ich den Grafen nicht mehr kennengelernt habe. Er muss ein sehr guter Mensch gewesen sein. Wenn er zu den Angestellten seiner Firmen auch so nett gewesen ist wie hier zu den Menschen im Schloss, dann trauern ihm bestimmt viele Menschen nach.“
Sie mustert mich immer noch....
| Erscheint lt. Verlag | 6.12.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | abgelegener Ort • Altes Schloss • atmosphärische Spannung • Cold-Case-Krimi • Cosy Krimi • Cozy Crime • Dektektivkrimi • Dunkle Familiengeheimnisse • Ermittlungen in einer exzentrischen Wohngemeinschaft • Gothic Krimis • Helden & Heldinnen • Katz- und Maus Spiel • Klassischer Kriminalroman • Krimi dunkle familiengeschichte • Krimi für den Winter • Krimi Manipulation • Kriminalromane mit weiblichen Ermittlern • Krimis für Frauen • Krimis mit Detektivinnen • Krimi Täuschung • Krimi über dunkle Familiengeheimnisse • Landhauskrimi mit junger Ermittlerin • ländliches Setting • locked room mystery • Mordermittlungen Krimi • Mordfall in einem abgelegenen Herrenhaus • Mord in bester Tradition • Mystery-Krimi • Spannende Bücher Mord • spannender Winterroman • Tatort Inszenierung • twisty crime mystery • twisty murder mystery • Whodunnit • winterlicher Krimi |
| ISBN-10 | 3-7693-3212-1 / 3769332121 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3212-4 / 9783769332124 |
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